Jodi Picoult: Ein Lied für meine Tochter

Begonnen von SilkeS., 01. September 2022, 10:51:40

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SilkeS.

Jodi Picoult: Ein Lied für meine Tochter

Verlag:Bastei Lübbe (TB)
OT: Sing you home
Umfang:620 Seiten
ISBN:9783404169672

Inhalt:
Zoe Baxter wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Sie und ihr Mann Max tun alles, um endlich eine Familie zu gründen. Vergeblich. Als ihre Ehe zerbricht, findet Zoe Trost in der Musik - und in einer neuen Liebe. Mit der Psychologin Vanessa will sie noch einmal von vorne beginnen. Sie träumt von einem gemeinsamen Kind mit ihr. Doch Max ist fest entschlossen, dieses Familienglück zu verhindern. Er gerät in die Fänge einer radikalen christlichen Gemeinde, die seit Jahren gegen Homosexualität kämpft


Meine Meinung


Es ist das inzwischen 3. Buch was ich von der Autorin lese. Auch in diesem Handgelenksbrecher bleibt Sie ihrem Schema treu, sozialkritische Problematik in ihren Plot einzubauen und diese dann durch verschiedene Perspektiven darzustellen. Als Leser hat man also von allen Seiten: Betroffene, Angehörige, Freunde einen Blick auf die Situation und kann sich seine eigene Meinung bilden.
Mir gefällt gut, dass eben die Problematik realistisch dargestellt wird, und es keinen Schuldigen gibt, sondern eben selbst ein ,,Unsympath" durch seine eigne Perspektive zu Wort kommt und man das Tun und Handeln, die Gefühle nachvollziehen kann.
Wie auch die beiden anderen Bücher, die ich bisher von der Autorin gelesen habe ist das Buch wieder sehr dick mit 571 Seiten, in der Sie diesmal aber auch sehr viele Themen reingepackt hat.
Es geht um Kinderwunsch, künstliche Befruchtung, Kinderlosigkeit, Kirche vs. Glauben und Homosexualität.   Spannende Themen die interessant mit einander verwoben wurden, aber es waren an machen stellen einfach zu viel Trauma und Schicksalsschläge. Man hat schon viel mitgelitten.
Die Autorin lässt ihre Plot gerne auf einen Gerichtsstreit hinauslaufen. So auch in diesem Buch. Ich fand alles um diese Streit, die Anschuldigungen, die Verteidigungen, den Richter super spannend und unterhaltsam, aber trotz dass der Gerichtsstreit einen wesentlichen Teil des Plot einnimmt, kam er mir zu kurz. Die Sequenzen waren mir zu schnell abgehandelt und hätten in dem Buch gerne mehr Raum einnehmen dürfen, und statt dessen andere Handlungsstränge etwas weniger aufgebauscht und gestrafft sein können.
Und das ist auch einer der Kritikpunkte die ich an dem Buch habe:
Anfangs wird alles ausführlich erzählt, erläutert, aus verschiedenen Perspektiven erzählt... Man bekommt Verständnis für die Situation und die Betroffenen.
Am Ende wird ,,veränderte"  Leben kurz und knapp dargestellt. Ich hatte als Leser noch Fragen, wollte  noch mehr wissen zu einzelnen Personen, zu ihren neuen Situationen, wollte wissen, wie es zu gewissen Entscheidungen kam etc..

Fazit: Ein bewegendes Buch, wie immer spannende Thematiken, aber nicht ihr Bestes.
Ein tolles Gimmick fand ich übrigens, es eine Playliste zu den einen Kapiteln, die als Tracks benannt sind gibt.
Abrufbar unter
https://m.soundcloud.com/jodi-picoult/sets/sing-you-home-playlist


[note2-]
Note 2-3

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Inge78

"Wenn du etwas unbedingt willst, erzählst du dir selbst tausend Lügen."

Als die Ehe von Zoe und Max zerbricht finden beide ihr Glück abseits gewohnter Pfade. Doch eine Entscheidung Zoes zerstört den brüchigen Frieden, der zwischen ihnen herrscht und stellt Max vor eine schwere Entscheidung.

Jodi Picoult zählt zu meinen liebsten Autoren. Die Bücher, die ich bislang von ihr gelesen habe, konnte mich immer voll und ganz emotional fordern und begeistern. "Ein Lied für meine Tochter" ist das bislang für mich schwächste Buch von ihr. Auch hier stellt sie Protagnositen und Leser wieder vor moralisch schwierige Entscheidungen und beleuchtet beide Seiten so, dass man zumindest beide Sichtweisen nachvollziehen kann, wenn man auch nicht immer zustimmen kann. Aber das Buch kommt wirklich sehr langsam in Fahrt, verliert sich am Anfang in Details um dann erst im letzten Drittel so richtig Fahrt auf zu nehmen. Und dabei überschlagen die Ereignisse sich dann, so dass für mich die Geschichte zum Ende auch nicht ganz rund ist . Vieles ist mir auch zu konstruiert, viele Dinge geschehen nur aus dem Grund, um die Geschichte am Laufen zu halten. Und nicht alles ist da in meinen Augen gut gelöst. Auch konnte mich das Buch lange nicht emotional berühren, mir war einfach auch Einiges "drüber" , zu aufgebauscht, manchmal auch zu kitschig. Die einzige Emotion, die sich durchgezogen hat war eigentlich ungläubige Wut ob der Denkweise einiger Charaktere. Dennoch konnte mich das Buch teilweise wirklich begeistern. Zoe ist ein toller Charakter, mit Ecken und Schwächen. Ihr großartiger Beruf als Musiktherapeutin wird toll erklärt, wir erleben viel mit. Zusätzlich dazu gibt es sogar einen Soundtrack zum Buch, mit Lieder, die extra für dieses Buch geschrieben wurden, sogar das Buch selber ist nicht in Kapitel sondern in "Tracks" unterteilt. Auch die moralischen Bedrängnisse, in die sowohl Zoe als auch Max geraten, überzeugen mich und lassen mich Einiges selber hinterfragen. Ich habe das Buch in einer sehr aktiven Leserunde gelesen, so dass wir auch viel über Aspekte der Story diskutiert haben. Das Buch lässt sich auch richtig gut lesen, die Seiten fliegen nur so dahin, zum Schluß hat es einen richtigen Lese Sog entwickelt, weil ich einfach nur noch wissen wollte, wie es endet. Und ich denke, es wird auch, wenigstens von der Thematik her, lange nachhallen.
Also alles in Allem eine gemischte Meinung, die mich das Buch mit 3,5 Sternen bewerten lässt, hier aufgerundet auf 4 Sterne aufgrund eines sehr schönen Aspekts am Ende, der einen sehr zufrieden aus den Buch entlässt. Und aufgrund des wirklich immer tollen Schreibstils der Autorin.

[note3+]
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf