Antoine Laurain - Eine verdächtig wahre Geschichte

Begonnen von Inge78, 22. November 2022, 08:09:07

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Inge78

ZitatEine Star-Lektorin, ein literarischer Geniestreich, dem der Autor abhanden gekommen ist, und drei hilfreiche Morde: Antoine Laurain entzündet in seinem neuen Roman ein kriminalistisches Unterhaltungsfeuerwerk.

Die Pariser Star-Lektorin Violaine Lepage liegt nach einem schweren Unfall im Koma. Aber es kommt noch schlimmer: Als sie aufwacht, droht der unter ihrer Federführung erschienene Roman Die Zuckerblumen Frankreichs renommiertesten Literaturpreis zu gewinnen. Dabei ist der Autor unauffindbar! Das ist so sehr gegen die Konvention der Preisvergabe, dass Violaines Karriereende bevorsteht. Da kommen ihr drei Morde zu Hilfe, die sich just so ereignen wie im Roman beschrieben. Nun sucht auch die Polizei den unsichtbaren Autor. Wer hat Die Zuckerblumen geschrieben und warum? Die Antwort liegt gut versteckt in der realen Vergangenheit und nicht jeder will, dass sie entdeckt wird ... 

"Schriftsteller sind Egoisten, die nur an sich selbst denken, an ihre Bücher, an ihr Werk. Deshalb sind sie so anstrengend, größenwahnsinnig, unkontrollierbar."

Ich kann diesen Roman, der erste Roman von Antoine Laurain für mich, gar nicht richtig einordnen. Es ist ein Buch über Bücher, über Schriftsteller, über die Verlagsbranche, es ist ein Kriminalfall, es ist mystisch und undurchsichtig. Der Erzählstil ist geprägt von einer schönen Leichtigkeit, durchzogen von viel feinem Humor, der manchmal sarkastisch-böse wird, es schwingt eine Bedrohlichkeit mit und immer ein Hauch von Unwirklichkeit. Lektorin Violaine Lepage veröffentlicht einen Roman, dessen Autor*in sie nicht kennt. Als dieser Roman auf der Auswahlliste für einen Literaturpreis steht und sich Mordfälle ereignen, die so auch im Roman beschrieben werden, wird die Suche intensiviert. Violaine Lepage ist eine unzuverlässige Protagonistin, sie leidet nach einem Unfall unter Erinnerungslücken, die wirklich gravierend sind. Und das ist nicht ihr einziges Geheimnis. Die Auflösung kam für mich völlig überraschend und lässt trotzdem noch viel Spielraum für Spekulation. Ein Buch, dass sich super lesen lässt, das nicht alles offenlegt und dass mich begeistern konnte aber gleichzeitig auch Fragen offen lässt. Die Personen sind vielfach recht skurril in ihren Gedanken und Handlungen, so dass ich ihnen zwar nicht nahe gekommen bin, mich aber von ihnen unterhalten fühlte. Uneingeschränkt kann ich es nicht empfehlen, aber wenn man sich drauf einlassen kann ist es wirklich eine kleine Besonderheit

[note2]
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf