Shaw, Ruth - Der Buchladen am Ende der Welt

Begonnen von Dante, 02. März 2026, 15:02:51

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Dante

Der Buchladen am Ende der Welt
Ruth Shaw
Dumont, 23.07.2024
300 Seiten
978-3616032351

Klappentext:
Das Leben ist eine wilde Reise
Ganz weit am Ende der Welt, im Süden Neuseelands, steht ein winzig kleiner Buchladen. Er gehört einer Frau mit einer unfassbaren Lebensgeschichte: Ruth Shaw verlor ihr Kind und ihre große Liebe. Sie segelte jahrelang über den Pazifik, wurde von Piraten überfallen, wegen Glücksspiels verhaftet, war Schweinezüchterin und Köchin für einen Erzbischof. Heute verkauft sie Bücher im abgelegenen Fiordland. Oder verschenkt sie. In ihren Memoiren verwebt sie Anekdoten über die Menschen, die ihren Buchladen besuchen, mit den bittersüßen Geschichten aus ihrem abenteuerlichen Leben.

Ein Buch über Trauer und Verlust, aber auch über die Liebe – zum Leben, zur Welt der Bücher und zur Weite des Ozeans.


Mein Eindruck:
So sehr der Klappentext verdeutlicht, Ruth Shaw habe ein bewegtes Leben, und so sehr mich auch das erste Kapitel beim Probelesen im Buchhandel berührt hatte – so wenig konnte mich das Buch schließlich für sich gewinnen. Ich musste es nach gut einem Fünftel sogar weglegen. Warum ich trotzdem eine Bewertung abgebe? Weil diese Biografie es in sich hat und das Thema Vergewaltigung leider weder aus dem Klappentext noch aus dem Inhaltsverzeichnis hervorgeht! Und da Ruth Shaw ihre bedauernswerte Erfahrung leider sehr eindringlich beschrieben hat, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass man – so man sich für das Thema eine Warnung wünscht – das Kapitel ,,1963" auslassen sollte.

Unabhängig davon: Ruth Shaw hat so einiges erlebt – manche vier Menschen sind zusammen nicht derart in der Welt herumgekommen, wie diese inzwischen lebenserfahrene Dame. Dennoch hat sie mich mit ihren Memoiren nicht abgeholt. Vielleicht hatte mich der Titel zu sehr an ,,Das Café am Rande der Welt" erinnert und ich bin mit völlig falschen Erwartungen an das Buch herangegangen. Auch das Foto im buchmittigen Bilderteil von ihr aus ihrer Zeit bei der Navy hat völlig falsche Erwartungen bei mir erzeugt; enttäuscht musste ich feststellen: Ruth Shaw konnte mit der Navy überhaupt nichts anfangen!

Der Teil, den ich gelesen habe, las sich wie eine endlose Aneinanderreihung von manchmal viel zu kurz erzählten Episoden. Auch habe ich mich über die Doppelmoral geärgert, die Ruth Shaw an den Tag legt: Einerseits verschenkt sie Bücher, in der Meinung zu wissen, was dem Gegenüber guttut – andererseits verweigert sie den Verkauf an eine (wohlgemerkt zahlungswillige!) Kundin, weil diese die Bücher nicht nach dem Inhalt, sondern nach der Farbe auswählt. Woher will Ruth Shaw wissen, ob die Kundin nicht am Ende doch eines der Bücher gelesen und es sie tief bewegt hätte? Bücher finden ihre Leser:innen auf seltsamstem Weg. Warum es mich fand? Ich bin um eine Erfahrung reicher: Das Wissen, ein Buch nicht zu Ende lesen zu müssen, nur weil es ein Buch ist.


Mein Fazit:
Bitte nicht verwechseln mit ,,Das Café am Rande der Welt". Zudem: Wer nichts über sexualisierte Gewalt lesen will, sollte Kapitel ,,1963" überspringen.

2,5 Sterne von 5
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