Richard Powers: Der Klang der Zeit

Begonnen von Kathrin, 07. Juni 2026, 11:36:39

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Kathrin

Inhalt:
Der große amerikanische Romanautor Richard Powers erzählt in »Klang der Zeit« eine Geschichte voll Anmut und Schönheit über eine Familie mit zwei Hautfarben und einer Leidenschaft: der Musik. Entstanden ist ein cinematogaphischer Roman über Amerikas jüngste Vergangenheit, über die Lüge, auf der seine Gegenwart baut, und eine einzigartige Liebeserklärung an die Musik.

Meine Meinung:
,,Wir verdrängen den Jungen, das Alptraumbild, das man nicht vergessen kann, zu entstellt, als dass es etwas anderes sein könnte, als eine missratene Tonfigur. Wir fragten unsere Eltern nicht, wie der Prozess ausgegangen ist, und wir sprechen nicht davon. Denn mehr noch als vor dem Verbrechen müssen wir uns vor dem Urteil schützen."


,,Der Klang der Zeit" von Richard Powers ist ein Roman über eine Familie aus New York City, in der die Kinder Jonah, Joey und Ruth ein großes musikalisches Talent aufweisen und teilweise eine steile Karriere als Musiker hinlegen. Der Vater David ist Physiker und vor der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten nach Amerika geflohen, die Mutter Delia ist eine Afro-Amerikanerin, die Kinder nicht wirklich schwarz und schon gar nicht weiß. Die Mitglieder der Familie sind mir sehr ans Herz gewachsen, die große Liebe zwischen David und Delia war so spürbar, ohne dass es kitschig gewesen wäre. Sie wirkten echt auf mich, Menschen, wie Du und ich, die wider besseren Wissens ganz bewusst ,,Fehler" machen, einfach, weil dies ihrer Überzeugung und auch ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben entspricht. Denn um was es in diesem Roman vor allem geht ist Rassismus und die Diskriminierung von People of Color in den USA. Und dies wird nicht nur anhand der Familie von Delia und David miterlebt, sondern auch über geschichtliche Ereignisse in den USA, die er Autor geschickt in seinen Roman eingewebt hat, u.a. der Lynchmord am gerade einmal 14 jährigen Emmett Till, das Konzert von Marian Anderson zu Oster 1939, der große Marsch auf Washington und die unvergesslich Rede von Martin Luther King.

,,Der Klang der Zeit" ist grundsätzlich ein richtig gut erzählter Roman, ein wichtiges Buch, in dem so viel steckt, denn neben den schweren Themen Rassismus, Ausgrenzung, Judentum, Diskriminierung, Themen die einen traurig machen, entsetzt aufschreien lassen,  geht es auch um Liebe, Familie und um Musik, die Brücken schlagen kann, es jedoch oft nur für den Augenblick tut. Es bietet ein großes Kaleidoskop an Gefühlen: Wut, Lachen, Liebe, Trauer, Entsetzen, mit Passagen so voll von Gewalt und Brutalität, die ich nur schwer ertragen konnte, die mir die Kehle zugeschnürt haben, die mich um Figuren, reale Menschen haben weinen lassen, von denen ich noch nie gehört hatte, die aber Teil der Geschichte des Rassismuss, der Diskriminierung in den USA geworden sind.

Es ist aber auch ein Buch, das mir einiges abverlangt hat, das ich nicht an einem Stück lesen konnte und öfter unterbrochen, aber letztlich nie abgebrochen habe, auch wenn ich mit dem Gedanken 1-2 mal gespielt habe. Es hat so viel Tiefgang, ist so gut, so eindringlich geschrieben, eine Sprache, bei der ich aber auch oft genug das Gefühl hatte, dass ich hellwach sein muss, um alles greifen zu können. Und ich weiß ganz genau, dass ich nicht alles wirklich erfasst oder gar begriffen haben. Denn das Buch ist nicht nur inhaltlich mitunter schwer zu ertragen, sondern auch was die teilweise epischen Ausschweifungen des Autors betrifft, bei denen er mich oft genug verloren hat. Dies betrifft in meinem Fall vor allem die Gedanken, Monologe des Vaters bzgl. seines Berufs als Physiker, bezüglich der Wissenschaft und der Philosophie, die vermutlich einen guten, zum Nachdenken anregenden Kern enthalten, den ich aber bei all den Geschwafel wohl nicht erkannt habe. Ich kann mir allerdings genauso gut vorstellen, dass dies anderen Leser*innen bzgl. der musikalischen Ergüsse genauso geht, was ich als leidenschaftlichen Hobbymusikerin jedoch wundervoll fand. Ich habe die Brüder musizieren und singen gehört und bin ihrem musikalischen Werdegang, ihrer Entwicklung so gerne gefolgt. Aber ein gewisses Maß an Wissen in Musiktheorie, Geschichte der Musik, klassischer Musik ist da sicherlich von Vorteil gewesen. Das muss man mögen.

Ich habe das Buch sowohl als Hardcover, hauptsächlich jedoch als E-Book gelesen, denn die Schrift des 765 Seiten starken Hardcovers war winzig, das Buch selbst dick, schwer und unhandlich. Es ist ein Buch, das sich sicherlich für eine Leserunde oder Buddyread eignet, viel Inhalt zur Besprechung bietet, das aber sicherlich nichts für jede Leser*in etwas ist.

Note 2,  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box_grau1:
Rock the Night!

Christiane

Das klingt ja fast nach einem Buch für meinen Mann: viel Musik und dann noch Wissenschaftsphilosophie - Merk ich mir mal  :-> .
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
Ray Bradbury (1920 - 2012)