Schamanenfeuer: Das Geheimnis von Tunguska - Martina André

Begonnen von uschi, 19. Oktober 2008, 19:45:03

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uschi

Schamanenfeuer: Das Geheimnis von Tunguska -  Martina André

                           
                     [isbn]3352007616[/isbn]


Kurzbeschreibung

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.

Meine Meinung
Vor 100 Jahren fand in Sibirien eine gewaltige Explosion statt. Da sich alle Wissenschaftler bis heute über die Ursache nicht einig sind, hat die Autorin rund um dieses Thema eine spannende Geschichte gewoben, in der sie uns eine ganz andere Erklärung anbietet.

Die Story wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt, Gegenwart und Vergangenheit. Die Geschichte beginnt im Jahr 1905 zurzeit der andauernden revolutionären Unruhen im zaristischen Russland, die vor allem durch den russisch-japanischen Krieg und den Petersburger Blutsonntag von 1905 ausgelöst wurden, den wir im Buch hautnah erleben. Die explosive Stimmung dieser Zeit wurde sehr gut übermittelt, zudem es auch gleich richtig spannend wurde. Aber auch den Teil der in der Gegenwart spielt, hat Frau Andrè, rasant vorangetrieben, zu keiner Zeit langweilig, immer superspannend. Sodass ich letztendlich auch gar nicht sagen kann, welcher Teil der beiden Geschichten mir besser gefallen hat.

Eine Stärke der Autorin sind auch ihre lebendigen Figuren, die keine Übermenschen sind und auch ihre Schwächen haben. Daher fiel es mir leicht mit ihnen mitzufiebern und mitzuleiden. Das trifft auch auf die Nebendarsteller zu, die so lebensecht beschrieben wurden, dass ich immer wieder darüber schmunzeln musste. Hier hatte es mir eine besonders agile Großmutter angetan. Dazu kommt noch, dass es diesmal auch noch mystische Elemente gibt. Da ich mich bisher noch nicht besonders mit den Schamanen befasst habe, muss ich zugeben, dass ich zuerst bei der ein oder anderen Szene der schamanistischen Künste, schon gedacht habe, dass hier die Autorin übergroße Phantasie bewiesen hat. Aber inzwischen habe ich selbst ein bisschen nachgeforscht und muss mich revidieren, das meiste davon ist tatsächlich überliefert. Das spricht mal wieder für die überaus gute Recherche von Martina Andrè.

Gegen Ende, ich hielt das kaum für möglich, hat die Autorin nochmals das Tempo gesteigert, sodass ich mich kaum noch von diesem Buch trennen konnte. Ich habe es dann in einem Rutsch zuende gelesen.
Fazit: Ein explosiver Genre-Mix, den man auf keinen Fall verpassen sollte!

[note1]
Liebe Grüße
Uschi

Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und lässt den Himmel ahnen. (Lao-Tse)

Annette B.


Schamanenfeuer
Das Geheimnis von Tunguska

von Martina Andre`

Meine Meinung:

Die Autorin präsentiert dem Leser hier ein Buch bei dem man wirklich sagen kann:

,,Die Mischung macht`s !" 

Die gelungene Mischung besteht aus den beiden Handlungssträngen im Jahr 1908 und im Jahr 2008.

Zum einen spielt der Roman in Russland zur Zeit des Zaren Nikolaus II.
Speziell der Zeitraum von 1905-1908 wird von Martina Andre` eindrucksvoll beleuchtet. Die bittere Armut im Lande und auch das grausame Regime des Militärs wird dem Leser nahe gebracht durch die beiden Hauptdarsteller, Leonard Schenkendorff (deutscher Student in Sankt Petersburg) und seiner russischen Freundin Katja.
Der sogn. ,,Blutsonntag" (22.01.1905) in Sankt Petersburg  ist Ausgangspunkt für die Story in der Vergangenheit.

Zum zweiten spielt der Roman in dem Jahr 2008 und bringt dem Leser die politischen ,,Eigenarten" im heutigen Russland nahe. Maßgeblich durch die beiden Hauptdarsteller Viktoria Vanderberg und dem Ewenken Leonid Aldanov. Auch hier hat Fr. Andre` den Fokus eindeutig im Bürokratischen bzw. politischen Bereich angesiedelt. Die Kontrollfunktionen im heutigen Russland sind von der Autorin genauso präzise Thematisiert worden wie auch der Krieg Tschetschenien.

Der aufmerksame Leser bemerkt durchaus die politischen Parallelen die Martina Andre` in beiden Zeitebenen beschreibt, ohne jedoch in irgendeiner Form dem Leser einen politischen Standpunkt zu vermitteln.  Im Gegenteil, durch ihre gründliche Recherche zeichnet die Autorin ein klares Bild der Lebensbedingungen in Russland, damals und heute, und gibt somit dem Leser die Chance sich selbst eine Meinung zu bilden.

Bis heute rätselt die Wissenschaft wie es am 30. 06. 1908 zu so einer gewaltigen Explosion kommen konnte.
Es gibt mindestens 100 Theorien wie es zu diesem Ereignis kommen konnte.

Martina Andre` fügt in diesem Buch noch eine weitere Theorie hinzu, die den Leser am Ende wirklich überrascht.

Besonders gelungen finde ich den zügigen Einstieg in die Geschichte. Der Leser braucht wirklich nur die ersten 4 oder 5 Kapitel lesen und schon ist er vertraut mit dem Handlungsort, der jeweiligen Zeitebene und den Protagonisten.  Martina Andre` hat die Anzahl der Personen und Orte in einem angenehmen überschaubaren Rahmen gehalten, so das der Leser nur selten das Personenregister und die Karten am Ende des Buches benötigt.

Sehr einfühlsam beschreibt Martina Andre` die Charakter und auch das äußere Erscheinungsbild ihrer Protagonisten. Der Leser hat schnell ein genaues Bild der einzelnen Personen und Orte vor Augen. Diese liebevollen Beschreibungen führen dann auch dazu das der Leser mit den Romanfiguren intensiv mitfühlt und das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Der Spannungsbogen ist in beiden Handlungssträngen spürbar straff gespannt und gipfelt am Ende in einem atemberaubenden Finale.

Indem die Autorin dieses rätselhafte Ereignis in Sibirien mit einer gehörigen Portion Schamentradition und einer zauberhaften Lovestory verbindet schafft sie eine überaus unterhaltsame Romanhandlung die den Leser unweigerlich in den Bann zieht. 
Dieses Buch bietet ein Lesevergnügen für jeden Bücherfreund der auch bereit ist über Dinge nachzudenken, die außerhalb jeder wissenschaftlichen Erklärung liegen, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen sind.

Wie gesagt, das Buch ist super spannend, sehr unterhaltsam und jeden Cent wert den man dafür bezahlt hat.

[note1]
Liebe Grüße Annette

El ratón de biblioteca

Das Cover dieses Trade Paperbacks ist ganz in schwarz gehalten und zeigt in großen silbernen Buchstaben den Titel des Buches. Darüber in rot den Namen der Autorin. In der Mitte des Covers befindet sich ein rundes Zeichen mit der Abbildung eines Pferdes am unteren Rand des Zeichens befindet sich eine Feder. Das ganze Zeichen wird gerahmt von einer flammenden Korona. Das Cover sprach mich in seiner Schlichtheit und mit seinem Titel sehr an. Als ich den Klappentext gelesen hatte, war für mich klar dass ich dieses Buch lesen muss.

Für mich ist es das dritte Buch dieser Autorin, und da ich die ersten beiden regelrecht inhaliert hatte, war meine Erwartung sehr groß. Enttäuscht wurde ich nicht, aber denn noch fehlte diesem Buch das gewisse Etwas welches mich an  die anderen zwei Bücher regelrecht fesselte.

Die Forscherin Viktoria begibt sich mit einer ganzen Delegation nach Sibirien und dem Geheimnis von Tunguska, eine verheerende Explosion die sich Anfang des 20. Jahrhundert dort ereignet hat zu untersuchen.
Dabei lernt sie Leonid kennen, der mehr weiß als er eingesteht.
Nachdem es zu Todesfällen kommt will Viktoria unbedingt wissen was dort vor sich geht und forscht teils auf eigene Faust. Das aber bringt Viktoria in sehr heikle Situationen, denn dort scheinen die Russen etwas Unvorstellbares vertuschen zu wollen. Ob ihnen das gelingt solltet ihr selber lesen.

Mit dieser Geschichte tat ich mich etwas schwer,  ich kam nicht so recht rein in die Geschichte. Vielleicht lag es daran das ich mit den russischen Namen nicht so zu recht kam.
Später hatte sich das etwas gelegt und das Fieber hatte mich doch noch erwischt, das Kopfkino war im vollen Umfang am laufen. Erzählt wurde in zwei Strängen, zum einen aus der Vergangenheit, und zum anderen aus der Gegenwart. Kurz vor dem Ende liefen beide Stränge sehr schön zusammen und die Geschichte hatte einen schönen runden Abschluss. Fragen blieben für mich nicht offen.
Die Spannung schlich sich ganz leise an und wurde immer Komplexer, ich hatte die ganze Zeit gas Gefühl mit bei der Gruppe zu sein. Ja ich fror regelrecht bei den Szenen in Sibirien und hielt den Atem an als die Protagonisten kurz vor einer Entdeckung standen.
Erzählt wurde in der Personellen Perspektive, in der Vergangenheit aus Leonards Sicht und in der Gegenwart aus Viktorias Sicht. Die Protagonisten wuchsen einem Stück für Stück ans Herz, da ich im Laufe der Geschichte immer mehr aus ihrem Leben und Wesen erfahren durfte.
Mit diesem Buch ist es Martina André ein drittes Mal gelungen mich zu überzeugen ihre Bücher weiter zu verfolgen und natürlich auch zu lesen. Ich freue mich ungemein auf das nächste Buch welchen im Herbst erscheinen wird.
[note2+]
Liebe Grüße von el ratón de biblioteca
2009 gelesen 36 Bücher mit 13886 Seiten

nirak

Rezension

In ,,Schamanenfeuer" erzählt Martina André die Geschichte der mysteriösen Explosion von Tunguska die 1908 stattgefunden hat und bis heute nicht vollends aufgeklärt werden konnte. Zum einen schildert sie die Dinge der Ereignisse aus den Jahren 1905/08 aus der Sicht der Strafgefangenen Leonard Schenkendorff. Sie erzählt wie er nach Sibirien kam und wie er dort mit dem Leben als Strafgefangener zu Recht kam. Sein Leben und seine Liebe. Außerdem gibt Fr. André einen Einblick in das Leben der Schamanen und der Ureinwohner Sibiriens. Nach ihrer Theorie waren diese Schamanen an der Explosion beteiligt. Ich fand diesen historischen Teil sehr spannend und interessant.

Der zweite Erzählstrang spielt im Jahre 2008 und erzählt aus dem Leben der Wissenschaftlerin Viktoria Vanderberg. Sie reist mit einem ganzen Team von Wissenschaftlern und russischen Geschäftemachern nach Tunguska um das Rätsel dieser Explosion 100 Jahre später zu klären. Statt reiner Wissenschaft gerät sie in die Intrigen der russischen Politik. Es geht wie immer um Geld und Macht. Nebenbei gibt es auch noch eine ziemlich bewegende Liebesgeschichte. Die wunderbar zu der mystischen Welt der Schamanen passt.

Die Autorin springt nun zwischen diesen beiden Erzählsträngen hin und her und wechselt immer im spannendsten  Moment die Zeiten. War ich gerade in der Zeit von 1908 wollte ich diese auch nicht verlassen, da mir das Schicksal von Leonard sehr ans Herz ging. War ich dann wieder bei Viktoria und ihrem sibirischen Freund Leonid wollte ich auch diese nur sehr ungern verlassen. Auch ihr Schicksal hat mich sehr berührt.
In bewegenden Bildern gewährt Martina André Einblicke in die Welt Sibiriens. Ich hatte schnell ein Bild von dieser Landschaft und ihren Bewohnern im Kopf. Die Weite und Größe dieses Landes haben mich beeindruckt. Mir hat es sehr gut gefallen.
Die Charaktere, egal auf welcher Seite der Geschichte sie stehen, sind alle liebvoll gestaltet worden und haben ihre Ecken und Kanten. Gerade weil sie so lebhaft geschildert wurden sind sie glaubhaft und wirken authentisch.

Vor allem hat mir gefallen, dass dieses Buch auf historischen, zwar ungeklärten Tatsachen beruht. So wie Fr. André die Ereignisse hier aber schildert, hätten sie sich gut und gern zugetragen haben können. Ich fand es stimmig und glaubwürdig. Auch wenn die Welt der Schamanen wissenschaftlich nicht erwiesen ist, so ist doch vieles im Leben alles eine Frage des Glaubens. Warum dann auch nicht dieses Ereignis so sehen?

Erwähnen möchte ich noch kurz, dass es in ,,Schamanenfeuer" ein Personenregister, ein Glossar der fremden Begriffe sowie eine Karte Sibiriens und ein erklärendes Nachwort gibt welches Fiktion und Wahrheit von einander trennt. Somit ist alles vorhanden was ein wirklich gutes Buch ausmacht. 

Mein Fazit: ,,Schamanenfeuer" ist ein mystischer Roman mit zwei bewegenden Liebesgeschichten und einem Ereignis das niemals aufgeklärt wurde, sich aber durchaus so zugetragen haben könnte. Es ist spannend bis zur letzten Seite geschildert. Ich konnte es jedenfalls nicht aus der Hand legen bis die letzten Worte gelesen waren und es hat mir ausnahmslos gut gefallen. Für jeden der auch mal bereit ist ein Buch zu lesen, dass eher ungewöhnliche Wege geht kann ich ,,Schamanenfeuer" nur ans Herz legen. 

Bewertung: [note1]