Die Hexe und der Herzog - Brigitte Riebe

Begonnen von Kathrin, 22. Dezember 2008, 16:21:04

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Kathrin

[isbn]3453265211[/isbn]   Verlag: Diana;
ISBN: 3453265211
Seiten: 542
Ausgabe: Hardcover
ET: Auflage: August 2008
Preis: € 19,95

Inhalt:
Und morgen sollst du brennen
Innsbruck im Jahr 1485: Der Hexenwahn greift um sich. Die ganze Stadt scheint vergiftet. Unschuldige Frauen drohen auf dem Scheiterhaufen zu enden. Doch Lena will nicht tatenlos zusehen - nicht umsonst genießt sie am Herzoghof das Vertrauen einiger einflussreicher Männer. Ein riskanter Plan, der Lena fast das Leben kostet.

Die junge Köchin Lena kann ihr Glück kaum fassen, als sie in der Gesindeküche am Hofe von Herzog Sigmund eine Anstellung findet. Doch schon bald muss sie erkennen, dass der für sein ausschweifendes Leben bekannte Sigmund ihr nachstellt. Das bleibt auch Alma nicht verborgen. In blinder Eifersucht sinnt die ehemalige Geliebte des Herzogs auf Rache. Sechs Frauen, darunter auch Lenas Tante Els, bezichtigt sie der Hexerei. Und Inquisitor Heinrich Kramer plant einen unbarmherzigen, schnellen Prozess. Doch er hat die Rechnung ohne Lena gemacht. Unter Einsatz ihres Lebens setzt sie sich für die unschuldigen Frauen ein und weiß ihre Kontakte am Hofe zu nutzen. Es folgt ein beispielloser Kampf für die Freiheit, nicht zuletzt unterstützt von Herzog Sigmund, der nicht ahnt, wer Lena wirklich ist ... Widerstand gegen Hexenprozesse - ein bislang wenig bekannter, aber hoch spannender Aspekt dieses Themas.

Meine Meinung:
Ich muss gestehen, dass ich anfangs ziemliche Bedenken hatte, als ich hörte, dass der neueste historische Roman von Brigitte Riebe wieder einmal die Hexenverfolgung des 15. Jahrhundert zum Thema hat. Auch wenn ich mit ihrem Roman ,,Die Hüterin der Quelle" super glücklich war, so ist mir das Thema ,,Hexen, Heilerinnen und Hebammen" momentan auf dem Markt der hist. Romane einfach zu präsent und zu überfrachtet. Allerdings hatte ich während einer Leserunde mit Brigitte Riebe zu ,,Die Sünderin von Siena" nicht die geringste Chance, ihrem Enthusiasmus hinsichtlich Lenas Geschichte zu entgehen, ich wurde neugierig und direkt von der ersten Seite fühlte ich mich von ,,Die Hexe und der Herzog" in die Geschichte reingezogen. Dieses Buch ist für mich momentan das Beste von Brigitte Riebe, ein wirkliches Wohlfühlbuch, trotz der Ungerechtigkeit der damaligen Zeit, trotz des unfassbaren Wahns eines Heinrich Kramer oder den Machenschaften einer Alma von Spiess, die einem wirklich die Haare zu Berge stehen lassen.

Vor allem die Machenschaften und Intrigen einer Alma von Spiess haben mich wirklich geschockt und eigentlich fand ich sie auch schon fast zu extrem dargestellt, zu verderbt und durchtrieben. Allerdings gab es diese Frau von Spiess, die eigentlich Anna von Spiess hieß, wirklich, und sie war auch die Geliebte des Herzogs und die Romanfigur scheint einige Züge und Intrigen der historischen Vorlage aufzuweisen bzw. übernommen zu haben, was ich dann doch wieder sehr faszinierend fand. Dies gilt auch für den zweiten unsympathischen Charakter des Buches, Heinrich Kramer. Er ist so fanatisch dargestellt in seinem Hexenverfolgungswahn, dass man seinen irren Blick direkt vor Augen hat und auch den Geifer sieht man bei ihm aus den Mundwinkeln laufen. Er wirkt für mich viel eher als ,,der Teufel in Person" als jede einzelne der angeblichen Hexen, die er im Laufe seines Lebens auf den Scheiterhaufen bringen wollte. Ein schrecklicher Gedanke, dass er nach den Ereignissen, die hier im Roman beschrieben werden, weiterwüten konnte und seinen Hexenhammer in knapp drei Monaten runtergeschrieben hat. Das passt einfach perfekt zu der Figur, die Brigitte Riebe hier gezeichnet hat, er hat mir als Leser wirklich Angst gemacht .

Generell finde ich den historischen Hintergrund in diesem Roman sehr gut umgesetzt und dargestellt. Im ersten Augenblick erscheint z.B. zwar das für die angeklagten Frauen doch sehr glückliche Ende ein wenig unrealistisch, aber Brigitte Riebe hat sich hier an das Ende des tatsächlichen Falles gehalten, zumindest soweit es bekannt und überliefert ist. Darüber wird man in einem längeren Nachwort der Autorin über Wahrheit und Fiktion sehr ausführlich aufgeklärt, was für mich gerade bei hist. Romanen immer sehr interessant zu lesen ist. Generell findet man das, was über die historischen Persönlichkeiten (u.a. Herzog Sigmund, seine Gattin Katharina, Anna von Spiess und Heinrich Kramer), ihr Leben, ihren Charakter und die Ereignisse rund um den Hexenprozess bekannt ist, in diesem Roman wieder und ist mit dem fiktiven Teil zu einem runden und sehr dichten Buch gewoben worden. Ich hatte das Gefühl, dass jeder einzelne Satz seinen Sinn hat, irgendwann wieder aufgegriffen wird und sich am Ende der Kreis schließt. Dabei schont uns Brigitte Riebe nicht, was die Grausamkeit und Brutalität einer peinlichen Befragung angeht, da kann es einem schon allein bei der Beschreibung den Magen umdrehen. Es ist wirklich nachvollziehbar, wenn eine Angeklagte etwas gesteht, was sie gar nicht begangen hat, einfach nur, um diesen Qualen der Folter ein Ende zu bereiten. Es ist eine Geschichte mit hist. Hintergrund, die ich der Autorin Wort für Wort so abnehme. Auch wenn wir nicht wissen, wie es im 15. Jahrhundert bei Herzog Sigmund wirklich gewesen ist, so kann es sich in meinen Augen wirklich so zugetragen haben, wie in diesem Roman beschrieben. Letztlich ist es wohl genau das, was ich von einem hist. Roman erwarte, die Geschichte muss glaubwürdig sein und mich überzeugen und das tut ,,Die Hexe und der Herzog".

Noch mehr als der Umgang mit dem historischen Hintergrund haben mich hier die Figuren des Romans fasziniert. Wir bekommen hier einen wunderbaren bunten, vielfältigen Blumenstrauß an Charakteren präsentiert, aus dem ich nicht wirklich einen besonderen Liebling herausfiltern konnte. Irgendwie hatten sie alle etwas Besonderes an sich, angefangen bei Herzog Sigmund, der eine besondere allerdings abschreckende Vorliebe für Jungfrauen und daraus unzählige Bastarde hat, um die er sich allerdings mehr zu kümmern scheint, als so manch andere Herrscher. Er wird dadurch zu einem Charakter, den ich nicht wirklich einordnen kann und das macht ihn so spannend. Auch seine zweite Ehefrau, Katharina von Sachsen hat sich zu einer tollen Romanfigur entwickeln dürfen. Wirkte sie auf den ersten Blick doch sehr weinerlich und verwöhnt, gleichzeitig aber auch verschüchtert, so scheint sie irgendwann aus ihre Starre zu erwachen und mausert sich zu einer starken jungen Herrin, die eine Alma von Spiess in ihre Schranken weist und nicht nur ihren Ehemann sondern auch mich als Leser stark beeindruckt hat. Dass ich mich bei der Hochzeitsnacht auf Kosten von Sigmund königlichst amüsiert habe, mag zwar schon ein wenig sadistisch von mir sein, aber die Szene ist wunderbar gelungen und wird sich wohl für immer in meinem Lesegedächtnis eingeprägt haben. Aber auch die Randfiguren, wie die unbedachte, nahezu unüberlegt handelnde Hella, Lenas Freund und der Arzt van Halen habe ich schnell lieb gewinnen können, zumal er für Lena am herzoglichen Hof schon so etwas wie ein Vaterrolle für Lena übernommen hat.

Dass mir Lena und ihre Familie, deren Geschichte den fiktiven, aber im Anbetracht der hist. Tatsachen nicht unrealistischen Teil des Romans bildet, besonders ans Herz gewachsen sind, versteht sich, wer die Figuren kennt, von selbst. Die ganze Familie, Lena, Els, Sebi und Bibiana, sind unheimlich liebenswert. Lenas als eigentliche Hauptfigur, hat ihr Herz am rechten Fleck und eine wunderbar unerschrockene Art, Dinge anzupacken oder eben das Familiengeheimnis zu lüften. Nichtsdestotrotz war für mich ihre Tante Els von Anfang an präsenter als Lena und gerade ihr Schicksal hat mich doch sehr berührt und ich gönne ihr wirklich alles Glück dieser Welt für die Zukunft!!! Grundsätzlich ist in dieser Familie sehr viel Wärme, Zusammenhalt und Menschlichkeit zu spüren. Wie alle drei Frauen ihren kleinen Sebi wie Löwinnen verteidigen, hat bei mir immer wieder Jubelschreibe ausgelöst! Dass ihr Gasthof gut läuft ist für mich kein Wunder, man muss sich bei ihnen einfach wohlfühlen, es wirkt auf mich heimelig und warmherzig, und wenn Bibiana und Lena wirklich so gut kochen können, wie Brigitte Riebe es in ihrem Roman beschreibt, dann kann sich auch keiner über mangelndes oder schlechtes Essen beschweren. Dass ich im Gegensatz zu Lena relativ schnell den richtigen Verdacht bzgl. des Familiengeheimnissen hatte, hat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch getan, zumal ich ja immer wieder ein wenig geschwankt habe, in meinen Verdächtigungen ;-)

Auch wenn mich das Familiengeheimnis nicht wirklich überrascht hat, so hat mich dann doch das gesamte Buch positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass ein zweiter Roman über Hexenverfolgung von Brigitte Riebe, wenn auch vor einem ganz anderen Hintergrund, noch mal besser sein könnte, als ,,Die Hüterin der Quelle", aber mich hat dieses Buch vollkommen überzeugt und mir viele schöne Lesestunden verschafft.

Bewertung:
[note1]

lg
kathrin
Rock the Night!

Mobi

Danke..  :knuddel: (steht jetzt natürlich schon auf meiner Wunschliste!)

LG, Mobi