Die verborgene Kammer - Corinna Kastner

Begonnen von DG7NCA, 11. Juli 2009, 14:43:18

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DG7NCA

[isbn]340416279X[/isbn]

Klappentext

In meiner Erinnerung höre ich ihn noch heute, diesen Schrei, die beiden lang gezogenen Silben, die gequält über meine Lippen drangen. Als könne meine Stimme sie wieder zum Leben erwecken.
Als Viktoria überraschend die Hälfte einer Villa an der mecklenburgischen Ostseeküste erbt, ahnt sie nichts von der dunklen Geschichte des Hauses. Auch Roman, der charismatische Fremde, mit dem sie ihr Erbe teilen muss, scheint von der Neuigkeit überrumpelt. Warum hat der Verstorbene, den weder Viktoria noch Roman gekannt haben, sie so großzügig in seinem Testament bedacht? Und was hat es mit dem verschlossenen Zimmer auf sich und den Gerüchten um die seltsame alte Dame, die einst in der Villa lebte?
Die Antwort liegt tief in der Vergangenheit des geheimnisvollen Anwesens begraben.

Hier meine Meinung zu dem Buch.

Den Prolog fand ich einen sehr guten Einstieg in das Buch, er machte Neugierig was es mit den ganzen Anspielungen auf sich hat.
Die Geschichte war angenehm Detailreich in den Schilderungen der Örtlichkeiten, der Stimmungen und den Gedanken. Oft liefen kleine Kopfkino Szenen von Gebäuden und Landschaft vor den Augen ab.
Der Schreibstil war klar und flüssig, so das ich keine "Holperer" hatte und beim lesen nicht über irgendwelche Wortschöpfungen oder schlechte Sprache gestolpert bin.
Der Spannungsaufbau blieb sehr gut erhalten und die nach und nach auftauchenden Puzzelteilchen legten eine sehr interessante und durchdachte Story dar.
Das Einfügen und Hervorheben des Tagebuches sowie dem privaten Kirchenbuch war eine sehr gelungene Absetzung von dem aktuellen Geschehen. Das Buch im Buch, oder die Vergangenheit somit auch optisch kenntlich.
Das Tagebuch läßt einen sehr tiefen Blick in Maries Denken, ihre Stimmung und Gefühle sowie die zeitlichen Konventionen werfen. Auch ihre innige Verbundenheit zu ihrer Zwillingsschwester Doro.
Spätestens ab hier hatte ich meinen ersten Verdacht was es mit Doro und Marie auf sich hat.

Für mich war aber in diesem Buch die Szenen mit den Bildern sehr intensiv. Ich habe hier sehr viel mit den Augen aus dem Bereich  der Psychiatrischen Kunst-Therapie gelesen und "gesehen". Das aufschlüsseln und zuordnen
der Bilder von Viktoria brachte schnell zu Tage das die Malerin unter einem Post-Traumatischen Syndrom leidet.

Der Bereich in dem Viktoria spekulativ die weitere Geschichte von Marie als "Roman" ausarbeitet , da war ich sehr zwiegespalten. einerseits finde ich diese Idee gut, aber trotzdem fand ich Viktorias "Gabe" intuitiv die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen zu aufdringlich. Etwas mehr Fehler, Falschinterpretationen wären mir reeller erschienen.
Allerdings war mir Viktoria in ihrer schriftstellerischen Person sehr angenehm. Sie kam als authentisch rüber.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen von Viktoria, Roman, Mellie und Henrik hatten teilweise leicht extreme Tendenzen. Auch die romantische Beziehung zwischen Viktoria und Roman war mir nicht so angenehm. Das liegt aber sicher auch daran das ich mit Roman als Prota in diesem Buch nicht so warm geworden war.
Und endlich Martin Niemann, diese Figur die eigentlich alles ins Rollen brachte und auf irgendeine Art und Weise mit jedem Prota oder Figur in der Geschichte verbunden war und den Roten Faden vorgab, er zeigte sich bis zum Ende als geheimnisvoll. Schluss endlich ist seine wahre Motivation nicht hundertprozentig klar.

Die Grundidee , aus kleinen Bruchstücken zu Anfang über Recherche und Zufälle eine brisante und Geheimnisvolle Familien Geschichte zu entwirren ist sehr gut gelungen. Ich habe mich beim lesen nicht ablenken lassen und es mit interesse, Gefühlsaufruhr und mitspekulieren durch gelesen.

Nun noch zum Titel "Die verborgene Kammer". Ich beziehe diesen nicht auf reale Räume sondern eher auf Marie/Doro , sie hat ihre eigene Identität in einer "geistigen" Kammer verborgen.

Meine Bewertung 8,5 von 10 Punkten
Liebe Grüße    
DG7NCA/Carola


Jedes neue Buch
ist wie eine Reise
in ein neues Land!

Annette B.

[isbn]340416279X[/isbn]
Zitat von: Amazon de.
Kurzbeschreibung
In meiner Erinnerung höre ich ihn noch heute, diesen Schrei, die beiden lang gezogenen Silben, die gequält über meine Lippen drangen. Als könne meine Stimme sie wieder zum Leben erwecken.
Als Viktoria überraschend die Hälfte einer Villa an der mecklenburgischen Ostseeküste erbt, ahnt sie nichts von der dunklen Geschichte des Hauses. Auch Roman, der charismatische Fremde, mit dem sie ihr Erbe teilen muss, scheint von der Neuigkeit überrumpelt. Warum hat der Verstorbene, den weder Viktoria noch Roman gekannt haben, sie so großzügig in seinem Testament bedacht? Und was hat es mit dem verschlossenen Zimmer auf sich und den Gerüchten um die seltsame alte Dame, die einst in der Villa lebte?
Die Antwort liegt tief in der Vergangenheit des geheimnisvollen Anwesens begraben.

Meine Meinung:

Ich muss sagen, dass dieses Buch die gesellschaftlichen Zwänge und Lebensbedingungen Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, wunderbar wieder spiegelt.
Die Charaktere der Protagonisten sind sehr lebendig und mit unheimlich viel Tiefe gezeichnet.
Hier hat Corinna wirklich alle Register gezogen die eben die Unterschiede zwischen den Menschen, je nach Stand und Bildungsgrad, wieder spiegeln.
Auch die Verknüpfung aller Medien, z. B. alte Dokumente, Internet und Zeitzeugen, die den Protagonisten im Jahre 2007 zur Verfügung standen, sind wunderbar eingefügt worden in die Handlung.
Die Handlung selbst lebt von ungezwungenen und manches mal auch humorvollen Dialogen. Das ist auch nicht jedem Autor gegeben die Dialoge seiner Protagonisten so lebendig und passend in eine Handlung zu intrigieren das der Leser meint: ,,Genau das hätte ich jetzt auch gesagt!"
Die Gefühle der Protagonisten sind wirklich so intensiv beschrieben, dass man als Leser noch lange nach dem beenden des Buches davon gefesselt ist. Die einfühlsamen Worte die Corinna Kastner hier gefunden hat berühren die Gefühle des Lesers sehr, da man sie ohne weiteres  nachvollziehen kann.
Da das Buch von einer furchtbar tragischen Liebe, Tod und Verzweiflung handelt, sind manche Passagen auch schon mal etwas dunkel. Die Handlung spielt auf zwei Ebenen, mal in der Vergangenheit und dann auch wieder im Jahre 2007.
Die Handlungsstränge im Jahr 2007 sind dann auch wieder ,,heller bzw. freundlicher" von der Atmosphäre und gleichen die ,,Dunkelheit" in der Vergangenheit spielend wieder aus.
Das Buch fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite. Der Spannungsbogen ist immer straff gespannt und die fantasievolle und abwechslungsreiche Handlung, lässt dem Leser keine Chance, dieses Buch aus der Hand zu legen.
Besonders gut hat es mir gefallen das die Autorin dem Leser viel Raum und Ansatzpunkte während des Lesens gibt für eigene Spekulationen. Man ist beim lesen irgendwie immer gefordert, mit zu denken und zu überlegen, wie sich wohl die Ereignisse in der Vergangenheit am Ende zusammen fügen. Solche Bücher mag ich sehr.
Auch wenn man sich sein eigenes Ende der Handlung beim Lesen schon zurecht gelegt hat, so muss man am Ende einsehen, dass die Autorin der Handlung ein viel besseres und spektakuläres Ende verpasst hat, auf das man selbst doch nicht gekommen wäre.
Dabei verbindet Corinna Kastner alle offenen Handlungsstränge sehr geschickt zu einem logischen und überzeugenden Ende.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und leicht verständlich. Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und konnte immer sehr schnell in die Welt der Protagonisten eintauchen.
Dieses Buch ist ein echter Geheimtip und darum gebe ich diesem Buch auch die volle Punktzahl.

[note1]
Liebe Grüße Annette