Mord im Gurkenbeet - Alan Bradley

Begonnen von Aurian, 19. Juli 2011, 23:36:59

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Aurian

[isbn]9783442376247[/isbn]

379 Seiten
Blanvalet Verlag
OT: The Sweetness at the Bottom of the Pie

Inhalt
Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht eine Leiche im Garten entdeckt - ausgerechnet im Gurkenbeet! Jeder hält ihren Vater für den Mörder, denn Colonel de Luce hat sich noch tags zuvor mit dem Verblichenen gestritten. Nur ein einziger Mensch glaubt felsenfest an die Unschuld des Colonels - seine neunmalkluge Tochter Flavia. Schließlich ist der Ermordete vergiftet worden, und - ganz im Gegensatz zu Flavia, die eine begnadete Giftmischerin ist - ihr Vater hat nie Interesse an der Chemie des Todes gezeigt. Also fragt Flavia in vermeintlich kindlicher Unschuld sämtlichen Zeugen Löcher in den Bauch. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur - bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist ...

Meine Eindrücke
Flavia ist 11 Jahre alt und hat zwei Leidenschaften. Zum einen liebt sie die Welt der Chemie und zum anderen ärgert sie unheimlich gerne ihre zwei älteren Schwestern. Gemeinsam mit ihrem Vater leben die drei auf einem Anwesen auf dem Land in England. Über allem schwebt der Geist ihrer toten Mutter Harriet, deren Tod der Vater einfach nicht verwinden kann.

Die Atmosphäre bei den de Luces kam mir oft sehr gefühllos und kalt vor und an einer Stelle wird auch erwähnt, dass Gefühle zu zeigen, nicht die starke Seite dieser Familie ist. So kommt es auch, dass Flavia mit ihren 11 Jahren einen Toten mit wissenschaftlichem Interesse mustert, anstatt über dessen Anblick entsetzt zu sein. Das fand ich für ein Kind in dem Alter schon etwas befremdlich.

Sie flüchtet sich in die Wissenschaft der Chemie, deren Geheimnisse sie mit Leidenschaft ergründet. Ich konnte sie mir richtig vorstellen, wie sie mit Feuereifer in ihrem Labor experimentiert. Und genau dieses Wissen und ihr logisches Denkvermögen nutzt sie um in dem Mord zu ermitteln, der im Garten ihrer Familie stattfand.

Flavias Ermittlungen habe ich mit einem Augenzwinkern gelesen, denn ab und zu ging mir ihre Kombinationsgabe einfach zu weit für ein Kind, oder der Zufall kam ihr zu Hilfe. Obwohl das alles etwas unglaubwürdig war, lassen sich Flavias Erlebnisse unterhaltsam lesen und ich musste öfters grinsen, vor allem wenn sie mal wieder erzählte, wie sie ihre Schwestern zur Weißglut treibt.

Der Autor erzählt seine Geschichte mit viel Liebe zum Detail, so dass ich oft das Gefühl hatte mitten in der Szene dabei zu sein. Doch am Ende wurden mir Flavias dramatische Erlebnisse zu ausführlich und lange geschildert und ich fing an ganze Absätze zu überfliegen. Wahrscheinlich wollte der Autor die Spannung in die Höhe treiben. Bei mir hat das leider nicht funktioniert.

Der Kriminalfall selbst hat mir gut gefallen, weil er geschickt nach und nach aufgeklärt wurde, bis sich ein logisches Gesamtbild ergab.

Fazit: Ein skurriler und witziger Krimi um eine intelligente und naseweise Ermittlerin, die mit ganz eigenen Methoden einen Mordfall aufklärt.

[note3+]

LG, Aurian

Annette B.

#1
Meine Meinung:

Mit der Figur der Flavia de Luce hat der Autor, Alan Bradley, eine sehr außergewöhnliche Detektivin geschaffen. Nicht nur das Flavia erst 11 Jahre alt ist, nein sie ist auch noch ein kleines Chemie-Genie.

Mit den ungewöhnlichen Lebensumständen in denen Flavia aufwächst, muss man sich als Leser zunächst etwas auseinander setzten. Flavias Mutter ist kurz nach Flavias Geburt gestorben, der Vater verkörpert den  typisch britischen Gentlemann der in Londoner Clubs zu Hause seinen könnte. Die beiden älteren Schwestern fühlen sich durch Flavias Anwesenheit gestraft und genervt! Der Vater, die Köchin und der Gärtner nehmen dieses Kind auch nur zur Kenntnis, wenn es unvermeidlich ist. Somit ist Flavia gezwungen sich ihre eigene Welt interessant zu gestalten, dies tut sie, indem sie in ihrem Chemielabor die abenteuerlichsten Experimente durchführt und Dokumentiert.

Die Anzahl der Protagonisten hat der Autor in diesem Buch auf einem recht überschaubaren Niveau gehalten, was den Einstieg in die Handlung auch sehr erleichtert hat.

Als Leser muss man sich jedoch immer wieder vor Augen halten, dass Flavia zu beginn des zweiten Weltkrieges geboren wurde und somit im Krieg aufgewachsen ist. Auch wenn sie in einer englischen Kleinstadt aufwuchs, so hat sie doch die Auswirkungen des Krieges mitbekommen. Der Autor lässt in diesem Buch auch immer wieder einige Hinweise einfließen die den Leser darauf aufmerksam machen, dass der Krieg viele Spuren hinterlassen hat bei den Menschen.

Auf Grund ihrer kindlichen Neugier und ihres einsamen Daseins im Hause de Luce, überrascht es den Leser dann auch nicht, dass Flavia nicht schreiend wegläuft, als sie eine Leiche im Gurkenbeet entdeckt. Die Art und Weise wie sie jedoch versucht den Mörder zu finden, fand ich nicht immer logisch. Der Autor hat sich zwar bemüht den Leser an Flavias Gedankengängen teilhaben zu lassen, doch waren diese Gedankengänge manches mal so wirr, dass Flavias nächste Handlung gar nicht recht als logische Schlussfolgerung zu ihren Überlegungen passte. Ich habe mich beim lesen immer wieder mal gefragt, wie ist sie denn jetzt darauf gekommen zu diesem Ort zu radeln oder mit diesem oder jenen Menschen zu sprechen?  Das scheint aber vom Autor genau so beabsichtigt zu sein, dass er auf diesem Weg klar machen wollte: Flavia weiß wen sie im Ort fragen muss und der Leser bekommt dann die Erklärung später in einem Nebensatz nachgereicht, wenn Flavia mal wieder in irgendeiner Wiese liegt und nachdenkt.

Das kindliche ,,Denkschema" verliert der Autor nie aus den Augen und das verleiht diesem Buch einen ganz besonderen Charme. Auch wenn man sich an die etwas unterkühlte Atmosphäre und auch an den etwas skurrilen, fast schwarzen Humor, in diesem Buch erst gewöhnen muss, so ist dieser Krimi doch ein wundervolles Werk mit hohem Unterhaltungswert.

Der Leser wird über viele Umwege, da ja ein Kind nicht so ermitteln kann wie ein erwachsener Mensch, zu einer interessanten und logischen Lösung des Mordfalls im Gurkenbeet geführt. Dieser Aha-Effekt am Ende der Handlung ist dem Autor wirklich gut gelungen.

Flavia ist im Kreise aller Ermittler, die ich bisher in Kriminalromanen kennen gelernt habe, mit Abstand die außergewöhnlichste Persönlichkeit die mir je begegnet ist. Mit ihrem jugendlichen Leichtsinn und ihrer kindlichen Naivität verleiht sie diesem Krimi eine sehr eigenwillige Note.

Ich bin ehrlich gespannt ob Flavia am Ende dieser Krimi Serie eine große Chemikerin wird oder vielleicht doch eher FBI Agentin. Bis wir als Leser dieses erfahren, werden wir wohl Flavia noch einige Zeit begleiten und so manchen Kriminalfall mit ihr zusammen lösen.

Der zweite Teil: ,,Mord ist kein Kinderspiel" ist schon auf dem Markt -
-und der dritte Teil: ,,Halunken, Tod und Teufel" wird im Herbst im Handel erhältlich sein. 

Wer sich mit chemischen Formeln und auf abenteuerlichen Umwegen der Lösung eines Mordfalls nähern möchte, ist mit dieser Krimiserie sicher sehr gut beraten.

[note2]
Liebe Grüße Annette

Christiane

Hallo Ihr,

das klingt ja nach einem sehr interessanten und außergewöhnlichen Krimierlebnis. Wenn die Ermittlerin selbst gerade mal 11 Jahre alt ist, denkt Ihr, dass das Buch dann auch für so jugendliche Leser geeignet wäre? Bin ja immer auf der Suche nach Neuem für meine zwei Vielleser...

LG, Christiane
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
Ray Bradbury (1920 - 2012)

Aurian

Zitat von: Christiane in 09. August 2011, 09:57:01
das klingt ja nach einem sehr interessanten und außergewöhnlichen Krimierlebnis. Wenn die Ermittlerin selbst gerade mal 11 Jahre alt ist, denkt Ihr, dass das Buch dann auch für so jugendliche Leser geeignet wäre? Bin ja immer auf der Suche nach Neuem für meine zwei Vielleser...

Hallo Christiane,

wie alt sind denn die Beiden? Ich bin mir nicht sicher, ob das Buch junge Leser fesseln kann.

LG, Aurian

Annette B.

Hallo Christiane,

ich denke mal das dieses Buch schon etwas sein könnte, aber ich befürchte, dass Flavia deinen Kindern als dumme Ziege erscheinen könnte. Ich glaube man sollte das Buch vielleicht nur ausleihen, dann kann man es abbrechen wenn man mit der Hauptdarstellerin nicht klar kommt. Immerhin spielt das Buch 1950 in England und daswar eine Zeit ohne PC, Handy oder Fernsehen! Selbst das normale Telefon steht bei den de Luce nur rum und darf nur in Notfällen benutzt werden. Ob deine Kids verstehen können, dass das Telefon zum Beispiel, damals noch ein absoluter Luxus war und von den Menschen mit einem riesen Mißtrauen bedacht wurde, weiß ich nicht.

Für deine Kinder würde ich dir eher die Jugendbücher von Andrea Schacht vorschlagen. Z.B.

Das Gold des Gladiators
[isbn]3401501763[/isbn] -
Der Fluch der Grabwächterin

[isbn]3401061291[/isbn]oder auch
Die Blumen der Zeit
[isbn]3862310140[/isbn]
Das sind Bücher mit Spaß, Action und Spannung. Die Blumen der Zeit habe ich hier als HB gehabt und war schwer begeistert davon. Ein Zeitreise Roman für Jugendliche der auch mich noch gefesselt hat. Meine Rezi zu diesem HB findest du HIER

LG
Annette
Liebe Grüße Annette

Christiane

Hallo Annette,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort und die weiteren Buchtipps. Wie gesagt - das kann ich immer brauchen. Und Zeitreise oder Histo kommt im Allgemeinen bei den beiden gut an. Sie haben auch schon von Nicole Vosseler 'Der jüngste Spion der Königin' mit großer Begeisterung gelesen. (Mein Mann und ich auch  :-).) Daher könnt ich mir denken, dass Deine Tipps auch gut passen.

Liebe Grüße,
Christiane
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
Ray Bradbury (1920 - 2012)

ClaudiC

Zitat von: Christiane in 09. August 2011, 09:57:01
Hallo Ihr,

das klingt ja nach einem sehr interessanten und außergewöhnlichen Krimierlebnis. Wenn die Ermittlerin selbst gerade mal 11 Jahre alt ist, denkt Ihr, dass das Buch dann auch für so jugendliche Leser geeignet wäre? Bin ja immer auf der Suche nach Neuem für meine zwei Vielleser...

LG, Christiane

Kannst du einen Rat noch gebrauchen? Ich habe kurz vor den Sommerferien mit einer 6. Klasse Krimis gelesen. Ein Drittel der Klasse hat sich für diesen Roman entschieden und alle fanden den Roman gut. Er wurde sogar auf den Wunsch einer Schülerin hin in die Auswahl genommen.
Ich denke, dass er für eine 6. Klasse vor allem was Sprache und die (literarischen) Anspielungen und Querverweise angeht, schon recht anspruchsvoll ist, daher werde ich ihn nächstes Jahr noch einmal in einer 7. Klasse lesen lassen. Der Lesefreude bei den Jüngeren hat das aber trotzdem scheinbar keinen Abbruch getan.

Viele Schüler hatten sich aber für diesen Roman entschieden, den ich persönlich auch noch ein bisschen spannender fand:

[isbn]9783833350801[/isbn]

LG
Claudi