Eric Walz - Die Herrin der Päpste

Begonnen von Mobi, 20. Mai 2008, 13:58:49

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Mobi

Hallo!

Nach einer tollen Leserunde, möchte ich euch dieses Buch vorstellen:


[isbn]3442368774[/isbn]

Amazon:

Das aufregende und außergewöhnliche Leben einer faszinierenden historischen Frauengestalt - Geliebte, Mutter und Großmutter je eines Papstes. Vergessen von der Geschichte, die ohne sie eine andere gewesen wäre.
Sie lebte im 10. Jahrhundert, dem dunklen, unbekannten saeculum obscurum - die römische Senatorentochter Marocia. Als sie - über 90-jährig - im Kloster stirbt, war sie Geliebte, Mutter, Großmutter und Tante je eines Papstes, hat zwei Ehemänner und vier ihrer fünf Kinder überlebt, hat persönliche und politische Triumphe gefeiert und Tragödien gemeistert. Sie kreuzte die Wege der Großen ihres Jahrhunderts, erlebte die Geburt des Heiligen Römischen Reiches, war acht Jahre in Gefangenschaft - und begegnete der großen Liebe ihres Lebens...

Meine Meinung:

Ich muss zugeben, dass ich vor dieser Leserunde überhaupt nichts über Marocia wusste, ja noch nichtmal ihren Namen kannte. Eric Walz hat eine starke und schillernde Persönlichkeit geschaffen und es war sehr spannend ihren Lebensweg zu verfolgen.
Marocia wächst als Kind von Theophyl und Theodora auf, die die Geschicke der Stadt Rom lenkt. Marocia lernt durch Lauschen schon früh die Intrigen ihrer Mutter kennen und wendet sich von ihr ab, als sie sie als Papsthure in den Vatikan schickt. In dieser Situation wird Marocia ihre Machtlosigkeit akut bewusst und sie schwört, sich nie wieder von anderen benutzen zu lassen...

Die Geschichte Marocias ist sehr spannend erzählt und strotzt nur so von unerwarteten Wendungen, die mich teilweise sehr überrascht haben. Man weiß nie so genau, was als nächstes passieren wird und was Marocias nächster Plan ist.
Die unglaublich komplizierte politische Situation Italiens wird verständlich dargestellt, auch dadurch, dass für die Handlung unwichtige Ereignisse und Personen weggelassen wurden. Dies habe ich sehr begrüßt, denn die Handlung ist mit den politischen Intrigen wirklich komplex genug und mehr hätte nur zu Verwirrung geführt.

Durch diese rasante Erzählweise gibt es kaum ruhige, entspannte Stellen, in denen man sich etwas von der Politik erholen könnte. Der Autor beweist am Schluss, dass er eine ruhige Atmosphäre durchaus gut darstellen kann. Im Nachhinein hätten einige ruhigere Szenen über das Buch verteilt nicht geschadet.
Etwas schade fand ich, dass ich mit den Figuren nicht wirklich mitfühlen konnte. Marocias Motive waren gut dargestellt, aber leider konnte mich die Geschichte nicht so richtig packen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen und ich hatte einige sehr schöne Lesestunden. Die politische Situation war gut erklärt und es hat Spaß gemacht, die politischen Intrigen der verschiedenen Parteien mitzuverfolgen (auch wenn ich das sonst nicht so sehr mag, spricht also sehr für das Buch).  Nach diesem gelungenen Erstlingswerk werde ich in nächster Zeit sicher weitere Bücher von Eric Walz lesen.

[note2]

Mobi

Kathrin

Meine Meinung:

Mit dem Roman ,,Die Herrin der Päpste" habe ich vor kurzem meinen ersten Roman von Eric Walz gelesen, was auch gleichzeitig sein Erstlingswerk war. Meine Schwester hatte mir im Vorfeld die Zunge ziemlich wässerig gemacht, was viel heißt, denn für sie gibt es im Bereich der historischen Romane eigentlich nur Rebecca Gablé und dann lange, lange nichts. Ganz die Euphorie meiner Schwester konnte ich mit Marocias Lebensgeschichte allerdings nicht teilen, auch wenn ich den Roman grundsätzlich schon gut fand. Eric Walz, der unsere Leserunde als Autor begleitet hat, hat uns erzählt, dass sich so manches an seiner Sprache, am Handlungsaufbau, an den Figuren verändert habe seit er vor vielen Jahren ,,Die Herrin der Päpste" geschrieben habe, der Kauf eines nächsten Eric Walz-Romans ist also bei mir schon vorprogrammiert...ich bin schließlich neugierig, in wie weit ich das als Leser auch spüren kann.

Der Einstieg in Marocias Lebensgeschichte ist mir sehr leicht gefallen, auch wenn ich den Prolog erst mal etwas verwirrend fand, aber er macht eindeutig Lust auf mehr und erfüllt seinen Zweck: er macht mich wahnsinnig neugierig auf das Buch, weil er mich als lebendiges Fragezeichen zurückgelassen hat und ich diesen Luidprand, Marocias Ankläger erst mal so gar nicht in den Zusammenhang mit Marocia bringen kann, schon gar nicht mit dem Mädchen, das wird dann im Kreise ihrer Familie kennenlernen. Gerade diesen ersten Teil, der Marocias Kindheit betrachtet, fand ich sensationell. Das war spannend, Marocia entpuppt sich durchaus clever und geschickt und die Mutter ist ein unsympathisches Miststück, aber ihre berechnende und machtgeile Art, das hat schon was. Die Intrigen, die sie so spinnt oder mitspinnt, haben schon ziemliches Unterhaltungspotential. Und für mich wird hier ziemlich deutlich, dass Marocia in dieser Phase viel von ihrer Mutter lernt, auch wenn sie das vielleicht gar nicht unbedingt selbst will und in ihrem Leben dann selbst eine Intrige nach der anderen spinnt.

Dieses aufregende Leben von Marocia ist wirklich spannend und dadurch auch sehr  flüssig und gut zu lesen, zumal sich der Autor auch in meinen Augen einer sehr ausdrucksstarken Sprache bedient, und es ist wirklich bewundernswert, wo Marocia  überall ihre Finger im Spiel hatte, allerdings hätte mir von der Gestaltung der Geschichte die ein oder andere Ausruh- oder Wohlfühlphase mal ganz gut getan. Ich finde z.B., dass Marocias Hass gegen die Mutter und überhaupt die ganzen Intrigen und die damit verbundenen Gefühle viel stärker rüberkommen als die Verbindung zu ihrer großen Liebe Lando. Das ist für mich eine Stelle, wo ich das Buch gerne eine Runde ausführlicher gehabt hätte. Diese glücklichen und positiven Momente in Marocias Leben kommen mir fast ein wenig zu kurz, eine Intrige jagt die nächste und so richtige Wohlfühlmomente kommen selten auf...und solche Worte ausgerechnet von mir Nicht-LiRo-Leserin...ausgerechnet ich will mehr Nähe und Gefühl spüren :-)

Auch im Bezug auf die historischen Hintergründe hätte ich mir ein wenig mehr Ausführlichkeit gewünscht (aber das ist meine ganz persönliche Meinung), denn ich finde dieses politische Wirrwarr ja extrem spannend und faszinierend. Ich muss zwar auch sagen, dass ich, obwohl Eric Walz die politische Situation etwas vereinfacht dargestellt hat, trotzdem oft genug das Gefühl hatte, ich blick gar nix mehr, vielleicht hätte ich das alles doch besser verstanden, wenn es ausführlicher beschrieben worden wäre, aber dann wäre das Buch wohl doppelt so dick geworden, denn die Zustände im Gebiet des heutigen Italiens zu dieser Zeit mit seinen verschiedenen Fürstentümer und das damalige Papsttum zu entwirren hätte vermutlich einiges an Seiten geschluckt. Allein dadurch, dass Eric Walz Marocia hat 94 Jahre alt werden lassen, hat sie unendlich viele Menschen kommen und gehen sehen, sowohl in ihrem privaten Umfeld als auch auf politischer Ebene...ich habe mich zwischenzeitlich wirklich über mich selbst geärgert, dass ich mir nicht von Anfang an wieder einen eigenen kleinen Stammbaum gemalt hab. Das Personenregister am Ende ist grundsätzlich schon sehr hilfreich, aber ich glaub ich bin doch eher ein Schaubilder-Mensch und außerdem ja eh bekennender Stammbaum-Fan!!! Auch wenn mir persönlich der Stammbaum gefehlt hat, so kann ich gegen die Ausstattung des Buches an Specials nichts sagen: es gibt zwei Karten, ein Personenregister, eine längeres Nachwort des Autors...das ist schon toll und auch wenn ich es schon oft geschrieben habe, für mich gehört so was zu historischen Romanen einfach hinzu, insofern ein großes Danke an den Autor und den Verlag dafür!!!

Die Gestaltung der Figuren hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen, vor allem auch, dass Marocia nicht die durch und durch sympathische und gute Hauptfigur ist, sondern ihre Ecken und Kanten hat. Sie ist eine sehr starke und selbstbestimmende Persönlichkeit und hat u.a. dadurch so einige Probleme mit den Männern, mit der Mutter, den eigenen Kindern, spinnt Intrigen und wird damit zu einem sehr vielschichtigen Charakter. Wie schon gesagt, ihre große Liebe zu Lando hätte für mich gerade am Anfang noch etwas stärker rüberkommen können, weshalb für mich diese Schicht etwas tiefer hätte gehen können, aber grundsätzlich ist Marocia ein erfrischend anderer Hauptcharakter eines historischen Romans, in dem eine Frau die Hauptrolle spielt. Auch die anderen Figuren haben ihre guten und schlechten Seiten, teilweise sind diese Ecken und Kanten vielleicht sogar etwas zu extrem dargestellt (z.B. bei Hugo). Ich bin gespannt, ob mir das vielleicht in den nächsten Romanen von Eric Walz noch besser gefallen wird, in der Umsetzung.

Alles in allem ist es ein wirklich gutes Buch und mach Lust auf weitere Romane des Autors.

Bewertung:
[note2-]

lg
kathrin
Rock the Night!

Lannie

#2
Ich hab folgende Ausgabe gelesen:

[isbn]3442364930[/isbn]  Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-442-36493-0
Seiten: 637
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9,00
ET: 09.2006


Meine Meinung

Bisher hatte ich noch nichts von Eric Walz gelesen, bin aber ständig um seine Bücher herum geschlichen. Ich glaube, mit ,,Die Herrin der Päpste" habe ich einen guten Anfang gemacht, denn es hat mir so gut gefallen, dass ich noch mehr von diesem Autor lesen möchte.

Sprachlich und stilistisch hat mir das Buch äußerst gut gefallen, beides vermittelt mittelalterliches Flair, ist dabei aber flüssig und angenehm zu lesen. Der Einstieg in das Buch fiel mir unheimlich leicht, auch wenn mich der Prolog doch zunächst ein wenig verwirrt hatte. Aber er hat mich neugierig gemacht, vor allem weil er quasi nach der eigentlichen Handlung angelegt ist. Eric Walz hat sich für zwei Zeitebenen entschieden, in denen er Marocias Leben erzählt. Zum einen gibt es einen Haupthandlungsstrang, der Marocias Leben chronologisch von Kindheit an erzählt (ab 896), und zum anderen, einen Nebenstrang, der mit dem Prolog beginnt (963) und sich dann ausschließlich im ersten Kapitel jedes neuen Buchteiles fortsetzt. So erfährt man in kleinen Lichtblitzen schon vor der eigentlichen Handlung etwas aus Marocias Zukunft, was mir sehr gut gefallen hat, stieg die Spannung und der Drang weiterlesen zu müssen dadurch deutlich. Zum Ende hin treffen sich beide Zeitebenen und bilden ein rundes, zufriedenstellendes Ende.

Ich wusste im Prinzip nichts über das Leben Marocias und eigentlich hege ich auch kein sonderliches Interesse an italienischer Geschichte, aber der Klappentext las sich gut und ich wurde zum Glück auch nicht enttäuscht. Die Geschichte ist spannend und rasant erzählt, leider ist sie auch hin und wieder mit etwas größeren Zeitsprüngen gespickt. Da Marocia aber ein recht ereignisreiches, langes und erfülltes Leben geführt hat, verzeihe ich das dem Autor gerne. Wahrscheinlich wäre das Buch ansonsten unsagbar lang geworden. So wie es nun ist, ist die Handlung in sich schlüssig und es blieben bei mir keine wesentlichen Fragen offen. Auch war das Buch nicht zu lang und an keiner Stelle auffallend langatmig.
Die Historischen Hintergründe und politischen Wirrnisse hat Eric Walz gekonnt, wenn auch teilweise vereinfacht, in die Handlung eingewoben. Mich hat das nicht gestört, wie gesagt, Italien ist nicht gerade mein Steckenpferd. Von daher bin ich dem Autor dankbar, dass er es in diesem Fall für den Leser so einfach wie möglich gehalten hat. Bei einem anderen Thema hätte ich dies vermutlich kritisiert. So aber konnte ich allen Ereignissen gut folgen und fühlte mich angenehm unterhalten.
Sehr schön und vor allem aufschlussreich ist das ausführliche Nachwort des Autors, in dem er darauf hinweist, was über Marocia historisch belegt ist und wieso er sich gerade für diese Version ihres Lebens entschieden hat. Zudem runden Karten und Personenverzeichnis das Buch ab.

Die Figuren haben mir äußerst gut gefallen. Gerade Marocia ist ein unglaublich vielschichtiger, lebendiger Charakter. Nicht einfach gut, oder einfach böse, sondern mit viel Tiefe und Potential. Wie ihr Leben sich entwickelt, so entwickelt sich auch die Figur und das absolut glaubwürdig. Aber auch die übrigen Figuren, die Marocias Leben bzw. Lebensabschnitte begleiten, strahlen Vielschichtigkeit und Lebendigkeit aus. Nicht ein Charakter kam mir unglaubwürdig oder farblos vor.

Nach diesem wirklich gelungenen historischen Roman ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder zu einem Roman von Eric Walz greifen werden. ,,Die Herrin der Päpste" hat mich aufschlussreiche, spannende und kurzweilige Lesestunden geschenkt, und ich bin schon sehr gespannt auf die weiteren Romane des Autors.

Meine Bewertung

Note: 2

[note2]
Liebe Grüße
Lannie aka Cait

The Viewfinder