Michael Maar: Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte

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Offline ClaudiC

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   Verlag: BVT
ISBN: 383330037x
Seiten: 167
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 11/2003
Preis: € 8,90

[isbn]383330037X[/isbn]

"Er wird berühmt werden - es werden Bücher über ihn geschrieben werden - jedes Kind in unserer Welt wird seinen Namen kennen!" So prophezeit es die Hexe Minerva McGonagall auf den ersten Seiten eines Buches, das 1996 in einer Auflage von 500 Exemplaren erschien. Hundert Millionen Leser haben Minervas kühne Prophezeiung inzwischen in eine Tatsache verwandelt. Harry Potter ist der größte Bucherfolg der Geschichte. Das ist in sich bereits wunderbar genug, das größere Wunder aber ist: diese Bücher haben es verdient. Das sagt Michael Maar, der, geschult an Autoren wie Nabokov und Proust, Harry Potter auf der Höhe liest, die ihm zukommt: Er nimmt die Bücher von Joanne K. Rowling als literarische Kunstwerke von Rang ernst. Wie die Autorin ihren Helden Harry, so führt Maar den Leser durch die verwinkelten Flure und Spiegelsäle, die Geheimnisse und Verliese der vier Bände. Dies ist ein Buch zur gründlichen Orientierung, wie Harry sie aus der "Karte des Rumtreibers" bezieht. Während di ese magi sche Karte nur die Gegenwart anzeigt, riskiert Maar allerdings etwas Neues. Er setzt sich über den schlechten Ruf hinweg, den die Wahrsagekunst in Hogwarts genießt, und wagt das Spiel der Vorausschau auf die Bände fünf, sechs und sieben...
Für die Leser, die noch nicht das Vergnügen mit Harry hatten, und für solche, die zu Unrecht glauben, ihn zu kennen.


Meine Meinung:
167 Seiten hat man schnell gelesen. Und ich habe mich diese Seiten über auch nicht gelangweilt. Das Buch hinterlässt bei mir dennoch ein unbefriedigtes Lesevergnügen. Es amüsiert den Leser zwar, hält aber nicht, was es verspricht.

Zu Anfang erfolgt eine sehr ausführliche Zuammenfassung der Geschehnisse in den Bänden 1 bis 4. Da ist die Hälft des Buches schon rum und man grinst als Leser glücklich, weil man an viele schöne Details erinnert wird, die man schon gar nicht mehr im Kopf hatte. Dann fragt man sich aber, ob es wohl bald los gehe, mit dem was der Autor verspricht. Nämlich den Leser in bisher unbekanntes Potter-Wissen einzuweihen.

Es folgen daraufhin auch einige Interpretationen, beispielsweise der cleveren Namensgebung Rowlings. Allerdings ist die Argumentation nicht selten schwierig bis gar nicht nachzuvollziehen. Wieso deutet die Silbe Vol in Voldemort auf den gefallenen Engel hin?  :kopfkratz:

Amüsant zu lesen sind auch die Spekulationen Maars, wie es mit der Heptalogie weitergehen wird. Er liegt in allen Punkten falsch.  :-)

In seinem Übereifer, der Autorin zuschreiben zu wollen, dass in jedem ihrer Worte eine schwerwiegendere, hintergründig verborgene Bedeutung liegt, meint er auch zu wissen, dass der Leser in Band 6 und 7 noch einige Kleinigkeiten der vorangegangenen Bände wiedertreffen wird. "Krummbein ist sicher ein Animagus", zum Beispiel.

Trotz allem war es schön, wieder einige Stunden in die Harry-Potter-Welt einzutauchen und manche Dinge, die Maar beschreibt, waren eben auch mir neu und daher interessant. Mittlerweile sollte man aber wohl zu


[isbn]3446230203[/isbn]

greifen, da dies nach Abschluss der Heiligtümer des Todes verfasst wurde. Ich werde es dennoch nicht tun, weil mir Maars Schreibstil, gerade bei überprüfenswerten Interpretationen, zu geschwollen ist. Er ist schwer zu verstehen, geschweige denn gänzlich nachvollziehbar. Das wirkt auf mich, als sei er selbst nicht sicher und wolle dies hinter einer wissenschaftlichen Sprache verstecken bzw. dass der Leser die Lücke in seinem Gedankengang nicht sieht.

Note: 3-