Richard Dübell - Die Braut des Florentiners

Begonnen von Mobi, 02. Juli 2008, 19:30:57

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Mobi

Hallo!

Hier ein absolutes Highlight:

[isbn]3404157141[/isbn]

Amazon:

Florenz im 16. Jahrhundert: Lorenzo Ghirardi wird von einem wohlhabenden Kaufmann ausgeschickt, um dessen zukünftige Schwiegertochter Clarice abzuholen. Doch seine Mission gerät zur Katastrophe: Am Treffpunkt findet er nur noch geplünderte Wagen, Tote und Verletzte. Sein Schützling wurde von einer Verbrecherbande geraubt, dem berüchtigten "Wolfspack". Lorenzo weiß, dass er Clarice nur mit Hilfe einer List befreien kann. So heuert er als Söldner beim Wolfspack an und begibt sich damit in tödliche Gefahr...

Meine Meinung:

Es geht gleich turbulent los, die Situation auf den Straßen Italiens ist gefährlich und kaum ein Reisender kommt heil an seinem Ziel an. Lorenzos Trupp kommt zu spät zum Treffpunkt und findet nur noch Trümmer und Leichen vor. Clarice wurde von einer Bande von Straßenräubern entführt und Lorenzo setzt alles daran, sie wieder zu befreien.

Anfangs hatte ich etwas Probleme mich an den Stil von Richard Dübell zu gewöhnen, denn er verwendet oft lange Sätze und einige ungewöhnliche Wendungen. Als ich mich eingefunden hatte, hat sich das Buch aber fast wie von selbst gelesen.

Die große Stärke dieses Buches sind meiner Meinung nach die Charaktere und ihre Dialoge. Alle Charaktere waren von Anfang an präsent und unverwechselbar. Sie waren für mich lebendig und ich habe mit ihnen gelitten und mich für sie gefreut.
Die Hauptpersonen wurden sehr detailliert (aber ohne dabei langweilig zu werden) beschrieben und ich konnte mich super in sie hineinversetzen.

Die Dialoge sind teilweise witzig und teilweise haben sie richtig Tiefe. Dadurch entsteht eine tolle Mischung mit vielen Wohlfühlmomenten. Magdalena hat die Gabe Gefühle und Gedanken anderer Menschen zu ahnen und in manchen Gesprächen kam dadurch eine tolle Vertrautheit zustande.

Trotz der relativ zahlreichen Figuren und ihrer manchmal schwierigen Loyalitäten habe ich nie den Überblick verloren oder die Figuren verwechselt. Was außerdem sehr für die Figurenzeichnung spricht ist, dass ich mir die Namen super merken konnte. Sonst vergesse ich die Namen oft, aber Richard hat es mit den Namen super getroffen, vor allem auch mit den sprechenden Namen.

Es gibt nicht nur Wohlfühlmomente, sondern auch richtig spannende Szenen, bei denen das Lesen fast körperlich anstrengend wurde, weil ich so mitgefiebert habe. Vor allem gegen Ende wurde es total nervenaufreibend und ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen.

Ich muss sagen, dass ich das Buch mit seinen 360 Seiten eindeutig unterschätzt habe. Diese Vielfalt an Charakteren und die Tiefe wird in vielen Büchern mit weit mehr Seiten nicht erreicht. Bisher dachte ich immer, je dicker desto besser, aber Richard hat mich hier eines Besseren belehrt. Ich hätte zwar nichts dagegen gehabt noch mehr Zeit mit den liebgewonnenen Figuren zu verbringen, aber das Buch ist rund und schlüssig.

Ich kann diesen Geheimtipp nur allen Histo-Lesern ans Herz legen und vergebe eine glatte 1 (1+ gibts ja leider nicht  :->):

[note1]

Einfach ein geniales Buch und deshalb freut es mich sehr, dass Richard so fleißig war und noch reichlich Lesestoff vorhanden ist!

LG, Mobi

Annette B.

Hallo zusammen,

hier kommt nun auch meine Meinung zu dem Buch:

Mit diesem Buch hat Richard Dübell mich wirklich überzeugt, dieser Autor versteht sein Handwerk !
 
Es ist alles in diesem Roman enthalten, was man sich als Leser von einem histor. Roman verspricht.
Schöne Landschaftsbeschreibungen, sehr lebendige und tiefsinnige Charakter. Eine gute Portion Humor und eine wahnsinnig spannende Handlung.
Selten hat mich ein historischer Roman so sehr gefesselt und so tief beeindruckt wie dieses Roman. 
Richard Dübell beschreibt eine Zeit in Italien, die für die Menschen von Angst und Schrecken geprägt war. Überfälle, Mord, Vergewaltigungen und  rohe Gewalt gehörten damals wohl zur Tagesordnung.
Die Charakter der Protagonisten sind sehr präzise, aber auch feinfühlig und mit einer beindruckenden Tiefe beschrieben. Richard Dübell lässt seine Hauptdarsteller, besonders Schwester Magdalena, Lorenzo Ghirardi und Corto, durch kluge Dialoge, aber auch durch geschickt beschriebene kleine Gesten und Gedanken lebendig werden.
Ich habe beim lesen förmlich die Welt mit den Augen dieser wundervollen Protagonisten gesehen. Die Gefühle, Ängste und Sorgen dieser Protagonisten habe ich sehr gut nachvollziehen können.
Man leidet als Leser nicht nur mit Lorenzo und Magdalena, sondern auch mit vielen Nebendarstellern die vom Autor genauso tiefsinnig und lebendig beschrieben wurden.
Die Handlung ist klar und verständlich aufgebaut. Diese Geschichte die Richard Dübell hier erzählt, entwickelt eine so hohe Spannung, dass dieses Buch mir die Nachtruhe geraubt hat. Ich bin so sehr in diese Handlung hineingezogen worden, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. An Schlaf war gar nicht mehr zu denken, denn die Geschichte hatte mich so sehr gefesselt und in ihren Bann gezogen, dass ich das Buch erst beiseite legen konnte, als ich es durch hatte.
So manchen Dialog im Buch habe ich gerne zwei mal gelesen, weil er so schön geschrieben war und mich tief berührt hat.
Richard Dübell kommt ohne übertriebene oder kitschige Liebesszenen aus, er beschreibt die Liebe in diesem Buch so wie sie auch realistisch ist.  Eben durch mitfühlende Gedanken, wohl dosierte Worte oder durch kleine Gesten, die zwei Menschen einander näher bringen. Heiße Liebesszenen oder übertriebene Treueschwüre vermeidet er offenbar bewusst und macht somit gerade seine Liebesszenen zu einem besonderen Lesegenuss.
Auch die ,,Gabe" die Magdalena hat, dass sie die Gedanken und Gefühle ihrer Mitmenschen spürt, wirkt nicht kitschig oder übertrieben. Ich hatte eher den Eindruck, dass ich eine sehr einfühlsame und kluge junge Frau vor mir habe.
Der Schreibstil von Richard Dübell ist in diesem Buch sehr flüssig und angenehm zu lesen. Die Personen und die Handlung hat der Autor so geschickt und lebendig beschrieben, dass die Szenen wie ein Film vor meinem inneren Auge abliefen beim lesen.
Bei der Namensgebung für seine Protagonisten hat der Autor ein glückliches Händchen bewiesen, man kann sich die Namen schnell merken und vermisst daher auch nicht ein Personenregister.

Dieses Taschenbuch ist jeden Cent, den man dafür bezahlt hat auch Wert und ich kann dieses Buch nur jedem Fan von histr. Romanen wärmstens empfehlen. Wirklich ein echter Geheimtipp.

Meine Note 1 +

[note1] mit *
Liebe Grüße Annette

Kathrin

Meine Meinung:
Wenn ich so in mein Bücherregal schaue und da dieses Taschenbuch zwischen wunderbar gestalteten Hardcovern sehe, könnte man fast versucht sein zu denken, ,,was ist das denn für ein mickeriges Buch, neben diesen Schmuckstücken"? Aber wer DIE BRAUT DES FLORENTINERS Buch kennt, weiß, dass es dort zurecht steht. Denn es ist, so klein und dünn es auch ist, doch so groß (!) und mindestens ebenso ein Schmuckstück wie seine großen, dicken Nachbarn.

Der Einstieg ist mir nach einem etwas verwirrenden Prolog (da ich wiedermal keinen Zusammenhang zwischen Prolog und der Geschichte, die der Klappentext verrät gesehen habe) sehr leicht gefallen. Man wird direkt in die Geschichte hineingeschleudert und hat schnell zum ersten Mal so richtig herzhaft über das männliche Morgenritual gelacht. Ich liebe solche humorvollen Szenen, vor allem in Büchern, in denen ich sie nicht zwingend erwarte. Immer mal wieder wohldosiert eingestreut, damit das Buch nicht lächerlich oder zu einer Farce wird, ist mir meist lieber, als ,,Möchte-gern-lustig"-Bücher, bei denen man auf jeder zweiten Seite einen Lacher erwartet und dann doch nicht bekommt (wobei es auch bei diesen Büchern positive Ausnahmen für mich gibt).

Durch die wunderbare Mischung aus Spannung, Humor, Liebesgeschichte und absolut wunderbaren Romanfiguren hat sich dieses kleine Büchlein heimlich, still und leise zu meinem Lieblings-Dübellroman entwickelt. Mehr als einmal hat sich mir fast der Magen umgedreht, wenn ich von Überfällen auf unschuldige Dörfer lesen musste, ohne dass wir das als Leser ,,live" miterleben mussten. Da hat oft auch einfach nur gereicht, wenn in ein-zwei Sätzen von Gräueltaten berichtet wurde und wir eher die Folgen des Überfalls als den Überfall selbst miterleben mussten. Ich bin Richard Dübell so dankbar, dass er uns solche extremen Szenen ,,live" erspart hat, zumal er uns dafür Szenen geboten hat, die soviel spannender und knisternder waren als Kämpfe und allesentscheidende Schlachten. Da hat man die Luft zwischen den agierenden Figuren schon knistern und vibrieren sehen. Das war teilweise, wie wenn zwei auf einem Drahtseil miteinander kämpfen. Spannung und Knistern! Aber eben auch die Einsamkeit einiger Figuren oder das Entsetzen, das Chaos, das Unglück über die schrecklichen Überfälle, das war so intensiv, dass man als Leser so was von absorbiert war in dieses Buch, dass man wirklich alles drumherum vergessen hat. Das war kein Beobachten aus einer stillen Ecke heraus, da hat man als Leser direkt neben den handelnden Figuren gestanden. Absolut toll gemacht!!!

Überhaupt, die Figuren...mit seinen Figuren hier in diesem Buch hat sich Richard Dübell meiner Meinung nach selbst übertroffen. Hier ist wirklich alles dabei, sowohl bei den Damen des Buches, als auch bei den Herren. Sie sind alle unheimlich intensiv geschildert. Und wir haben so viele verschiedene Charaktere, das ist der Wahnsinn. Da haben sogar die unsympathischen oder eher negativ besetzten Rollen so einen großen Unterhaltungswert, dass man sie nicht verdammen kann. Für manche ihrer Handlungen vielleicht, aber als Figuren sind sie wieder einmal unendlich schillernd und vielschichtig. Sie sind so genau beschrieben und ihr Charakter gezeichnet, dass sie sich als Figuren direkt in mein Hirn eingebrannt haben. Ich gebe zwar gerne zu, dass die Bilder, die der Autor uns in unserer Leserunde gezeigt hat, dabei noch geholfen haben, aber meine Vorstellung hat sich doch oft mit der des Autors gedeckt. Vor allem die wunderbaren, lebendigen Dialoge, egal ob hitzig oder eher in leisen Tönen, haben mir die Figuren wieder sehr nahe gebracht.

Einen eindeutigen Liebling unter den Figuren konnte ich dieses Mal nicht ausmachen, aber mein Herz gehört eindeutig dem Wolfspack! Das Wolfspack ist einfach nur grandios. Männer, harte Schale, weicher Kern, super unterhaltsam (ich liebe Enricos ,,Es war einmal"-Geschichten...darüber könnte ich mich stundenlang beeumeln und auch der Trottel der Bande ist einfach nur knuffig), der Abschied von ihnen fiel ganz schön schwer *schnüff*

Aber gerade die drei Hauptfiguren, Magdalena, Lorenzo und Corto sind auch sehr sehr gut gelungen. Gerade die Gespräche, bei denen einer dieser drei beteiligt ist, sind nicht zwingend immer laut-emotional (wie man es bei Corto und Lorenzo ggf. erwarten kann), sondern durchaus auch tiefgehend und dadurch auf eine andere Art emotional, ruhiger halt. Alle drei sind wirklich gute Menschenkenner mit viel Gespür für den Gegenüber. Wobei ich bei Magdalena erst Bedenken hatte, dass mich ihre Gabe, ihre Vorahnungen ärgern könnten. Aber dieser Aspekt hält sich glücklicherweise sehr in Grenzen, so dass er mich auch nicht aufgeregt hat. Ich brauche so einen Hokuspokus einfach nicht in hist. Romanen, aber das ist meine persönliche Ansicht.

Das Ende des Buches war eine wahre Achterbahn der Gefühle, ich hab zwischendrin schon geheult, dann wieder gehofft und fast auch gelacht und dann doch wieder geheult...Nicht gut für meine schwachen Nerven. Immer wieder gab es einen Hoffnungsschimmer am Horizont, um dann doch wieder zu zerplatzen wie eine Seifenblase. Aber auch diese zerplatzen Seifenblasen haben noch einmal wunderbar geschillert und ich war froh, sie gesehen zu haben! Trotzdem, es war so traurig! Aber wohl einfach auch realistischer als ein komplettes Friede-Freude-Eierkuchen-Ende.

Für mich war es absolut faszinierend zu beobachen, wie vollgepackt das Buch ist, mit Spannung, Knistern, aber eben auch "schönen" und ruhigen Augenblicken...und dabei hat das Buch doch nur 364 Seiten ... gut die Schrift ist ziemlich klein, aber trotzdem, das Buch ist so dünn und ich kann gar nicht verstehen, wie so viel auf so wenige Seiten passt! Ein kleines, dünnes Buch, ganz groß!

Bewertung:
[note1] mit ***
Rock the Night!