Jenny-May Nuyen: Nijura - Das Erbe der Elfenkrone

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Offline Kathrin

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Jenny-May Nuyen: Nijura - Das Erbe der Elfenkrone
« am: 29. Juli 2008, 10:34:28 »
[isbn]3570130584[/isbn]   Verlag: Cbj
ISBN: 3570130584
Seiten: 512
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,95


Inhalt:
Ein unglaubliches Vergehen erschüttert den Frieden der Welt: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wird von einem machtbesessenen Menschen gestohlen. Er schwingt sich auf zum neuen König über die Marschen von Korr und rüstet eine Armee Grauer Krieger, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann das Elfenvolk retten - das magische Messer, das Königssymbol der Freien Elfen. Das Messer braucht eine Trägerin. Alle Hoffnungen ruhen auf der jungen Halbelfe Nill. Sie ist die Auserwählte - sie ist Nijura. Gemeinsam mit ihren Gefährten, dem Menschenjungen Scapa und dem Elfenprinz Kaveh, begibt sie sich auf eine gefährliche Reise zum Turm des neuen Königs ...

Meine Meinung:
Nachdem ich Anfang des Jahres „Nocturna“ von Jenny-Mai Nuyen mit großer Begeisterung gelesen habe, habe ich mich mit großen Erwartungen auf den Erstling der Autorin „Nijura – Das Erbe der Elfenkrone“ gestürzt. Leider konnten meine Erwartungen nicht ganz erfüllt werden, ich war doch eher enttäuscht und bin mir nicht sicher, ob ich noch mal einen Roman der Autorin gelesen hätte, wenn „Nijura“ mein erstes Buch von ihr gewesen wäre. Durch „Nocturna“ weiß ich jedoch, dass sie es besser kann, und hoffe, dass ich die Schwächen, die ich für mich in „Nijura“ entdeckt habe, darauf zurückführen kann, dass „Nijura“ einfach ihr Erstling war.

Von der Aufmachung her gefällt mir auch dieses Hardcover wieder sehr gut und es reiht sich wunderbar in mein Regal mit den anderen Fantasy-Schmuckstücken ein. Wie immer habe ich mich sehr über die Landkarte gefreut, die im Buch enthalten ist. Auch wenn das vielleicht fast schon Standard bei Fantasy-Romanen ist, einfach, weil die Autoren diese fremde, erfundene Welt dem Leser näher bringen wollen, so freu ich mich doch jedes mal darüber, ich finde einfach, dass solche Specials ein Buch aufwerten.

Den Einstieg in den Roman fand ich gelungen, der Prolog hat mich sofort gepackt,  was unter anderem auch am Erzählstil der Autorin liegt, den ich sofort wiedererkannt habe. Die Atmosphäre von „Nijura“ und „Nocturna“ sind ähnlich, auch wenn die Geschichten selbst sich nicht wirklich ähneln. Die Beschreibung der Landschaft, der Nebel, der Moore und die Geschichte der Elfenkrone, die eigentlich nur friedlich weitergegeben werden kann und dann doch von einem Menschen widerrechtlich gestohlen wird, das hat mich total elektrisiert, so dass ich fast schon ein wenig traurig war, dass es so schnell zu einem Szenenwechsel nach Kesselstadt gekommen ist. Aber auch Kesselstadt und später das Dorf, in dem Kaveh und seine Eltern leben sind sehr schnell in meinem Kopfkino entstanden, auch wenn gerade das Elfendorf doch schon sehr an andere Fantasy-Bücher erinnert.

Die Geschichte selbst hat mich allerdings nicht wirklich vom Hocker gehauen, sie hat doch zwischenzeitlich sehr an Tolkiens „Herr der Ringe“ erinnert, da hat eigentlich nur noch ein Gollum-artiges „Mein Schatz“ gefehlt. Das wirkte teilweise doch eher einfallslos, was ich sehr schade finde, denn es gibt wirklich zauberhafte Passagen, Momente, Beschreibungen und auch Figuren in diesem Buch, bei denen Jenny-Mai Nuyen zeigt was sie kann. Aber es gibt leider auch Passagen, die sich ziemlich ziehen, in denen zu viel beschrieben und zu wenig agiert wird. Das mag am Anfang für das Kennenlernen der Figuren zwar recht nützlich sein, ist aber einfach in meinen Augen etwas langatmig auf Dauer. Die ein oder andere Schlacht- oder Verfolgungsszene habe ich ehrlich gesagt nur noch überflogen, da einfach klar war, wie es ausgehen würde. Die Geschichte wirkt nicht immer rund, teilweise ein wenig holprig, nicht immer logisch oder auch nicht gut genug erklärt. Auch sind zwei-drei Fragen für mich offen geblieben, auf die ich zu gerne eine Antwort gehabt hätte.

Leider gibt es diese offenen oder unrunden Punkte auch im Bezug auf einige Figuren. Gut, dass mein besonderer Liebling sich leider zum Ende des Buches eher negativ entwickelt hat, das ich mein persönliches Pech, würde ich sagen, fehlende Menschenkenntnis. Aber wirklich logisch und nachvollziehbar fand ich diese Entwicklung nicht, ich habe nicht verstanden, warum die Figur so ist, wie sie ist und was sie zu ihrer Handlungsweise getrieben hat. Das hätte die Autorin für mich einfach deutlicher und klarer herausarbeiten müssen.

Aber ansonsten sind Jenny-Mai Nuyen die Figuren wie auch schon in „Nocturna“ sehr gut gelungen. Ich konnte herrlich mit ihnen mitfühlen, egal ob es die glücklichen und frohen Momente oder die traurigen, verzweifelten Momente waren. An Emotionen war hier wirklich alles vorhanden, tiefe Freundschaft, Liebe, vor allem auch unglückliches Verliebtsein, Einsamkeit, Verrat, Trauer. Das war zwischenzeitlich eine wahre Achterbahn der Gefühle, ich heftig mitweinen müssen, das war teilweise echt schon zu viel für meine armen Nerven. Aber auch die schönen Gefühle, gerade auch zu Anfang, dieses tiefe Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Scapa und Arane bis hin zum Ende des Buches, haben mich sehr bewegt, da hat der Topf eindeutig sein Deckelchen gefunden, diese gegenseitige Sicherheit, dass die zwei zusammengehören, fand ich wunderschön geschildert. Auch Nill und ihr Geleitschutz, die Elfenritter-Truppe um Kaveh habe ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Ritter wie sie sein sollen, so richtig schön ritterlich und ehrenvoll. Auch die Rolle, die Jenny-May Nuyen den elfischen „Haustieren“ (Wildschwein Bruno und Ratte Kröte) zugedacht hat, fand ich grandios, wirklich allerliebst und knuffig. Auch die ein oder andere Nebenrolle fand ich sehr spannend und interessant, hätte jedoch in meinen Augen ruhig noch etwas mehr ausgestaltet werden können.

Auch wenn ich mit der Gestaltung der Figuren bis auf Kleinigkeiten ziemlich zufrieden war, so fand ich die Geschichte selbst wie schon geschrieben weniger glücklich. Da war ich richtig gehend froh, dass das Ende nicht so ein Friede-Freude-Eierkuchen-Und-sie-lebten-glücklich-und-zufrieden-bis-an-ihr-Lebensende-Schluss war. Das hätte zu der ganzen bedrückten Stimmung, die das ganze Buch eigentlich durchgeherrscht hat, nicht gepasst. Einige Befürchtungen haben sich leider bewahrheitet (*schluchz*) und das Ende wurde ein klein wenig offen gehalten, so dass der Leser sich seinen eigenen Schluss bilden kann, wie es mit Nill weitergehen wird.

Bewertung:


lg
kathrin
« Letzte Änderung: 10. September 2008, 15:25:43 von Kathrin »
Rock the Night!