Herrin der Lüge - Kai Meyer

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Offline Lannie

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Herrin der Lüge - Kai Meyer
« am: 27. März 2007, 18:00:48 »
Verlag: Lübbe
ISBN: 3-7857-2261-3
Seiten: 832
Ausgabe: Hardcover
ET: 09.2006
Preis: € 22,00

[isbn]3785722613[/isbn]

Inhaltsangabe

Frühjahr 1210:

Der Bürgerkrieg hat das Land verheert, und ein Raunen geistert durch Dörfer und Burgen: Eine neue Heilige predigt den Kreuzzug gegen die Ungläubigen - doch nur Frauen sollen ihr folgen, unberührt und jung. Die Menschen nennen sie die Magdalena, aber in Wahrheit steckt im Gewand der Predigerin die junge Gauklerin Saga. Von der skrupellosen Gräfin Violante von Lerch in diese Rolle gezwungen, besitzt Saga ein besonderes Talent: Sie ist die beste Lügnerin der Welt. Was immer sie behauptet - die Menschen müssen ihr glauben. Während Saga mit tausenden Anhängerinnen gen Jerusalem zieht, macht sich ihr Zwillingsbruder Faun auf, sie aus den Fängen der Gräfin zu befreien. Gemeinsam mit der Herumtreiberin Tiessa folgt er dem Kreuzzug der Jungfrauen durch ein verwüstetes Europa, über das Mittelmeer bis ins Heilige Land. Nicht nur Gräfin Violante, auch der mächtige Templerorden, Papst Innozenz und sogar der Kaiser - ein jeder hat eigene mitleidlose Gründe, den Krieg der Jungfrauen gegen die Ungläubigen zu entfachen. Und Saga erkennt: Wenn es ihr nicht gelingt, ihre eigene Schwäche zu besiegen, wird sie fünftausend Unschuldige geradewegs in die Hölle führen.

Als die Stunde der Entscheidung naht, steht Saga vor der größten Aufgabe ihres Lebens. Gemeinsam mit Faun und Tiessa kommt sie einer monströsen Verschwörungen auf die Spur - der Lüge im Herzen der Christenheit!

Meine Meinung


Vor „Herrin der Lüge“ hatte ich erst ein Buch von Kai Meyer gelesen, von dem ich mäßig begeistert war. Daher ging ich an diese Neuerscheinung mit Skepsis heran und war sehr verwundert, wie spannend der Roman von der ersten Seite an ist.

Der Prolog baut durch seine düstere, bedrohliche Atmosphäre schon nach den ersten Zeilen eine unheimliche Spannung auf, die durch den Cliffhanger und ein ominöses Geheimnis am Ende noch verstärkt wird.
Das erste Kapitel beginnt sechs Jahre später, an einem anderen Ort und neuen, uns bisher unbekannten Figuren. Hier begegnet man auch das erste Mal Saga, einer der Hauptfiguren, die uns durch den ganzen Roman - teilweise in verschiedenen Handlungssträngen - begleiten werden.

Kai Meyer gibt sich unheimlich viel Mühe mit seinem Spannungsaufbau. Die meiste Zeit war ich bis zum Zerreißen (an)gespannt. Nicht nur durch seine verschiedenen Handlungsstränge und seinem Talent, Kapitel so zu beenden, dass mehr Fragen dazu gekommen sind als beantwortet wurden, sondern vor allem durch seine sehr realistische, körperlich spürbare, Furcht der einzelnen Figuren. Die Geheimnisse die Kai Meyer einstreut werden in der ersten Hälfte des Roman stetig mehr, anstatt sie zu lösen, kommen immerzu neue hinzu, so dass man nicht nur sehr gespannt, sondern auch am Spekulieren und Theorien entwerfen ist.
Leider bekommt der Roman auf den letzten 200 Seiten einige kleine Durststrecken und wirken manchmal ein wenig ‚dünn’, was an meinem Gesamteindruck aber nicht viel geändert hat.

Ob es phantastische Elemente in diesem Roman gibt, ist vermutlich Auslegungssache. Das einzig Fantasy-Element, das als solches gesehen werden kann, könnte man auch als ‚normal’ interpretieren, je nach Sichtweise. Für mich persönlich, war es eher phantastisch, da es mir zu abstrakt und nicht erklärbar ist. Allerdings hat mich dieser Punkt nur kurzweilig gestört, da er zwar sehr wichtig, aber nicht vorrangig ist.

Die Charaktere. Diese sind in diesem Buch ein etwas heikles Thema. Saga z.B., eine der wichtigsten Figuren, bleibt leider ein wenig fern und zu blass. Man kann nicht in sie eindringen, versteht sie nicht hundertprozentig, allerdings ist sie nie unsympathisch.
Bei anderen Figuren hat der Autor es allerdings geschafft, so viel Leben in sie einzuhauchen, dass man sie sich nicht nur wunderbar vorstellen kann, sondern auch in sie eindringt, sie vielleicht sogar selbst ein Stück weit lebt. Viele der wichtigen Nebenfiguren sind viel facettereicher geworden als so manche Hauptfigur, was leider ein wenig schade ist.
Allerdings fand ich es beim Lesen großartig, mal so wunderbare Nebencharaktere zu erleben.

Sprachlich und stilistisch gibt es hier nichts auszusetzen.
An manchen Stellen finden sich kleine Logikfehler, über die ein nicht so pedantischer Leser gut hinwegsehen kann. Vereinzelte Ereignisse hätten vielleicht näherer Erklärung bedurft. Aber selbst diese kleinen Schwächen haben das Buch nicht sehr geschwächt. Die unglaubliche Spannung, die ihresgleichen sucht, hebt für mich fast alles auf.

Meine Bewertung

Note: 2

« Letzte Änderung: 09. September 2008, 18:07:20 von Lannie »
Liebe Grüße
Lannie aka Cait

The Viewfinder