Claude Pasteur: Johannas Töchter

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Offline Kathrin

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Claude Pasteur: Johannas Töchter
« am: 28. März 2007, 16:13:53 »
   Verlag: Aufbau TB
ISBN: 3746618088
Seiten: 276
Ausgabe: Taschenbuch


[isbn]33746618088[/isbn]

Inhaltsangabe:
Im Sommer 1603 reist der Gelehrte Monsieur de Saumaise nach Paris, um in der königlichen Bibliothek das "Manuskript des Anastasius" einzusehen, jene Papstchronik, aus der die Päpstin Johanna später getilgt wurde. Saumaise nimmt Quartier bei seinem Freund Monsieur Sarrau, der nach dem Tod des Bruders seine beiden heranwachsenden Nichten, die Zwillinge Bélise und Hyacinthe-Marie, bei sich aufgenommen hat. Monsieur de Saumaise ist fasziniert von den nicht nur hübschen sondern auch ungewöhnlich belesenen, scharfsinnigen und freidenkenden jungen Mädchen, deren großes Vorbild die umstrittene Päpstin Johanna ist. Die ersten Heiratsanträge begrüßen die eigenwilligen Mädchen jedoch mit Tränen, und als der empörte Vormund sie daraufhin in ein Kloster stecken will, fliehen sie zu Pferde und in Männerkleidung. Jahre später erst trifft Monsieur de Saumaise eine ganz und gar verwandelte Hyacinthe-Marie wieder, die ihm vom tragischen Verlauf dieser Flucht berichtet und das verblüffende Geheimnis ihrer Geburt enthüllt.

Meine Meinung:
Um eins schon mal vorweg zu nehmen. Es ist KEIN Hosenrollen-Roman, das vielleicht schon mal als Entwarnung für alle, die kein Hosenrollen-Fan sind.

In ihrem Roman "Johannas Töchter" erzählt Claude Pasteur die Geschichte der Zwillinge Bélise und Hyacinthe-Marie de Montvermeil. Nach dem Tod des Vaters leben die Mädchen unter der Vormundschaft von Claude Sarrau in Paris und genießen dort, wie auch schon in ihrem Elternhaus eine für Mädchen ungewöhnliche Bildung, reiten in Reithosen, lernen das Fechten und genossen somit einige Privilegien, die für gewöhnlich eher den männlichen Nachkommen zustand.
Im Haus ihres Vormunds Sarrau werden die Mädchen Zeugen erbitterter Auseinandersetzungen der Gelehrten, Wissenschaftler und Theologen zu dem beliebtesten Thema des frühen 17. Jahrhunderts: die umstrittene Päpstin Johanna, die das große Vorbild der Mädchen ist.

Claude Pasteur entwirft mit diesem Buch ein gutes und überzeugendes Bild der Stadt Paris und der Welt der Philosophen, Wissenschaftler, Gelehrten und Theologen. Anfangs verwirren die vielen Namen der einzelnen Calvinisten, Katholiken, Protestanten, Gegner und Anhänger der Päpstin ziemlich, allerdings ist am Ende des Buches eine biographische Übersicht, in der man nachblättern und nachlesen kann.

Die Autorin verwendet in ihrem Buch eine wunderschöne Sprache, zeit- und stilgerecht, einfach passend für die Welt der Gelehrten, ohne dabei kompliziert oder beschwerlich zu wirken. Im Gegenteil der flüssige Stil und die vielen lebhaften Dialoge, gerade in der ersten Hälfte lassen einen das Buch nur schwer zur Seite legen. Einige wundervolle Sätze und Aussagen lassen den Leser oft selbst ins Schwärmen und Philosophieren geraten.

Allerdings verliert das Buch, nachdem es zu Beginn nur so vor Lebendigkeit strotzt, mit der Flucht von Bélise und Hyacinthe-Marie etwas an Fahrt, zumal die Zwillinge dadurch weniger ins Geschehen eingreifen. Auch im letzten Teil des Buches erfahren wir fast ausschließlich über Briefe über ihr weiteres Schicksal, was ebenfalls zu Lasten der Dialoge und Lebendigkeit des Buches geht. Das Buch wird dadurch aber nicht langweilig, es fehlt nur einfach ein wenig die Spritzigkeit.

Umso faszinierender sind die letzten 7 Seiten des Buches, denn hier kommt es zu einer überraschenden Wendung, die mich komplett aus der Bahn geworfen hat. Ich war einfach nur noch sprachlos und hab meinen lesenden Augen kaum getraut.

Die beiden Mädchen, die gesellschaftlichen Ereignisse, wie der Ball zu Ehren des holländischen Botschafters, ein Picknick oder auch die Auseinandersetzungen über die vermeindliche Päpstin Johanna ließen die ganze Zeit einen Film im Stil der Jane Austen-Verfilmungen vor mir ablaufen, auch wenn die Zwillinge eine leichte, jugendliche Naivität und Begeisterung immer wieder durch spitzbübischen Charme und ihre Bildung wettmachen.

Letztlich ist mir das Buch mit seinen 276 Seiten zu kurz, aber das sind ja für mich alle Bücher unter 500 Seiten. Aber die Geschichte und der Erzählstil von Claude Pasteur haben mich wirklich überzeugt. Das wirklich überraschende Ende lässt mich auch in meiner Bewertung von 11 auf 12 Punkte (von 15 möglichen) hochklettern und ich bin wirklich froh, dass ich es dieses mal endlich geschafft habe, das Buch im 3. oder 4. Anlauf zu beenden.

Bewertung:


lg
Kathrin
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