Christoph Marzi: Somnia

  • 0 Antworten
  • 1449 Aufrufe

Offline Kathrin

  • Globaler Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5119
Christoph Marzi: Somnia
« am: 25. Januar 2009, 10:49:35 »
[isbn]3453524837[/isbn]   Somnia - Die Uralte Metropole 04
Christoph Marzi   
Fantasy
Seiten: 601
Verlag: Heyne

Kurzbeschreibung:
Der neue magische Bestseller vom preisgekrönten Autor von "Lycidas", "Lilith" und "Lumen": Die Welt ist im Wandel. Verborgene Himmel verschwinden, Träume werden zu Fallen. In London sind zwei mächtige Häuser endlich geeint. Doch weit entfernt, in der unergründlichen Welt unterhalb New Yorks, stoßen Scarlet Hawthorne und der mürrische Alchemist Wittgenstein auf ein Geheimnis, das die Uralten Metropolen der Welt für immer verändern wird ...

Meine Meinung:
Heiß und innig hab ich dieses vierte Buch aus der Welt der Uralten Metropolen erwartet und wie ich mir das gedacht habe, war ich auch wieder sehr sehr schnell mittendrin in dem Buch und in der Geschichte von Scarlet Hawthorne, einem neuen Charakter, dessen Geschichte auf den ersten Blick nichts mit der Geschichte von Emily Laing aus Rotherhithe zu tun. Aber da wir aus „Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“ ja schon wissen, dass es keine Zufälle gibt, war ich mir von Anfang an sicher, dass es hier eine Verbindung geben muss, zumal ich auch die Kurzgeschichte „Scarlet“ aus Christoph Marzis Kurzgeschichtenband „Nimmermehr“ bereits kannte.

Wie auch die drei vorherigen Bücher spielt auch „Somnia“ im Winter und ich fand es richtig schön, auch in meiner realen Welt Winter zu haben, denn ich finde einfach, dass ein kaltes Wetter draußen, wenn ich warm eingekuschelt auf meiner Couch liege, die Atmosphäre des Buches noch verstärkt. Die Bücher gehören für mich echt in die kalte Jahreszeit.

Alles in allem muss ich aber schon sagen, dass „Somnia“ nicht an „Lycidas“, „Lilith“ oder „Lumen“ heranreicht. Zwar werden auch hier wieder wunderbare Geschichten erzählt (zum Beispiel die Geschichte vom Kojoten und den Spinnen, auch wenn ich die achtbeinigen Viecher überhaupt gar nicht leiden kann) und es werden auch wieder viele Lieder und Geschichten anderer Autoren (z.B. Der Zauberer von Oz, Moby Dick, Pocahontas, Vom Winde verweht) von Christoph Marzi mal mehr mal weniger intensiv aufgegriffen, aber alles in allem fehlt mir der Flair in diesem Buch. Zwar konnten Paris und auch Prag schon nicht mehr mit der Uralten Metropole von London mithalten, aber New York ging fast gar nicht. Die Hippie-Welt von Strawberry Field fand ich zwar wieder genial, aber grundsätzlich ist mir New York zu unpersönlich, zu anonym und zu schnelllebig. Da war mir die Zeit, die wir dort, in Strawberry Fields oder auch auf der Pequod mit Queequeq und Starbuck verbringen durften viel zu kurz. Fast schon schade, dass Captain Ahab an Moby Dick gefesselt ertrinkt, ihn in der Uralten Metropole zu treffen hätte ja schon einen gewissen Reiz gehabt (verfluuuuuuuchter Waaaaaaaaaal). Ja, das hätte gerne noch ausführlicher sein können, oder auch die beiden Löwen vor der New York Public Library hätten gerne mehr Raum einnehmen dürfen.

Was im Gegensatz zu den Vorgänger-Büchern total bei mir gefehlt hat, war die totale Verwirrung. Ob es nun daran lag, dass ich Band 1-3 erst vor kurzem zum zweiten Mal gelesen habe oder daran, dass das Buch bzw. die Geschichte einfach nicht wirklich verwirrend ist…ich kann mir beide Möglichkeiten vorstellen, da eine Kollege von mir „Somnia“ extrem konfus fand und ich das gar nicht nachvollziehen kann. Vielleicht habe ich, was ich eigentlich nicht hoffen will, aber auch Christoph Marzi ein wenig durchschaut, da ich zwei oder drei Ideen relativ früh hatte, die sich letztlich als richtig erwiesen haben. Allerdings habe ich auch mit besagtem Kollegen länger über das Buch geredet und irgendwie hatten wir beide das Gefühl, als ob dem Buch 100-200 Seiten fehlen würden. Nicht nur, dass es im Vergleich gerade mit „Lycidas“ auch wirklich um an die 200 Seiten dünner ist, nein die Schrift ist auch größer. Das finde ich schade, da ich ja auch der Meinung bin, dass manche Figuren/ Episoden/ Begebenheiten ruhig mehr Platz hätten einnehmen können. Nichtsdestotrotz hat mich auch bei „Somnia“ Christoph Marzi mit seinem phantastischen Erzählstil begeistert!!!

Leider haben mich auch die Figuren und Charaktere in „Somnia“ nicht vollends überzeugt. Weder konnte Anthea Atwood Wittgenstein ersetzen noch konnte Scarlet Emily das Wasser reichen, auch wenn ich Scarlet grundsätzlich schon sehr mochte und ihre Handlungen und Gefühle gut nachvollziehen konnte. Ich hab da schon ziemlich mit ihr gelitten und konnte auch verstehen, dass sie mit der Uralten Metropole nicht unbedingt so gut zurecht kam, wie ihrerzeit Emily oder Aurora. Hervorragend fand ich die Idee ihrer besonderen Gabe mit Blumen sprechen zu können bzw. deren Gefühle fühlen zu können. Das war wunderbar und hätte ebenfalls ruhig ein wenig mehr Platz in der Geschichte einnehmen können. Da hat Christoph Marzi wirklich tolle Geschichten draus gemacht und auch wieder mit wahren Begebenheiten verknüpft. Ja und auch Scarlets Liebesgeschichte, sowohl die aus der Kurzgeschichte wie auch die hier im Buch waren wunderbar zart und warm wiedergegeben. Nur grundsätzlich hatte ich mir einfach mehr von ihr erhofft. Ich hatte gehofft, dass sie ein wenig mehr von ihrem Vater hat, aber wie hätte er auch auf sie abfärben können, wo er sie doch nie gesehen hat und sie bei der Mutter aufgewachsen ist. Und vielleicht wäre ein Abklatsch des Vaters auch nicht das richtige gewesen, schließlich sind wir ja alle eigene Individuen und zu viel Wiederholung hätte dem Buch vielleicht auch nicht gut getan.

Leider gilt die grundsätzliche Aussage, dass mich die Figuren aus „Somnia“ nicht überzeugen konnten, auch für die Nebenfiguren. Vielleicht hätten sie mir besser gefallen, wenn sie mehr Platz im Buch hätten einnehmen dürfen. So kam mir der Kojote nämlich leider nur als billiger Abklatsch von Anubis vor und auch Christo Shakespeare konnte Micklewhite in keiner Weise ersetzen. Selbst das Auftauchen meiner besonderen Lieblinge, das auch in „Somnia“ wieder nur genial war, hat für mich ein wenig sinnlos gewirkt, so als ob sie wie auch der ein oder andere Charakter aus den Vorgängerbüchern nur aufgetaucht sind, weil sie zur Uralten Metropole dazugehören und die Leser (allen voran ich) enttäuscht gewesen wären, wenn es da keine Wiedersehen gegeben hätte. Wirklich an Herz gewachsen ist mir nur Buster Mandrake. So einen Buster hätte ich auch gerne. Der war fast noch besser als Mylady Hampstead. Mit ihm und einigen Geschichten habe ich mich wirklich wohl gefühlt, nur leider war das alles für mich zu wenig. Ich hätte das gerne öfter über das Buch gesagt, auch wenn es immer noch ein schönes Buch ist, nur halt mit den andere Büchern nicht mithalten kann.



lg
kathrin
Rock the Night!