Cornelia Funke - Tintenblut (Tintenwelt 02)

  • 0 Antworten
  • 1479 Aufrufe

Offline Kathrin

  • Globaler Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5129
Cornelia Funke - Tintenblut (Tintenwelt 02)
« am: 05. Juni 2009, 11:54:00 »
[isbn]3791504673[/isbn]   Tintenblut
Cornelia Funke   
Fantasy
Seiten: 731
Verlag: Dressler

Inhalt:
Eigentlich könnte alles so friedlich sein. Doch der Zauber von "Tintenherz" lässt Meggie nicht los. Und eines Tages ist es so weit: Gemeinsam mit Farid geht Meggie in die Tintenwelt, denn sie will den Weglosen Wald sehen, den Speckfürsten, den Schönen Cosimo, den Schwarzen Prinzen und seine Bären. Sie möchte die Feen treffen und natürlich Fenoglio, der sie später zurückschreiben soll. Vor allem aber will sie Staubfinger warnen, denn auch der grausame Basta ist nicht weit … Die Fortsetzung des internationalen Bestsellers "Tintenherz" - eine Welt voll Zauber und Gefahren!

Meine Meinung:
Nachdem Cornelia Funke uns in „Tintenherz“ den einen Traum erfüllt hat und Romanfiguren  in die „reale Welt“ von Meggie und Mo von dem Buchbinder Mo herausgelesen worden sind, wechselt in „Tintenblut“ nun der Handlungsort nun in die Tintenwelt, die Heimat von Staubfinger, Mortola, Capricorn und Basta. Und somit wird ein nächster Traum Wirklichkeit: Meggie, Mo, Reza und Farid gelangen in die Buchwelt. Auch wenn gerade für Mo die Zeit in der Tintenwelt alles andere als gut verläuft und ich ihn verstehen kann, wenn er diese Welt, die ja eigentlich die Welt seines Lieblingsbuches ist, nicht mag, so kann ich aber auch Staubfingers Sehnsucht nach seiner Heimat verstehen. Mit all den Fabelwesen, Feuerelfen, Nixen, Feen, weißen Frauen, etc. und trotz der Schrecken die der Natternkopf verbreitet, ist das auch eine Welt, in die ich gerne mal flüchten würde. Es sprudelt nur so von zauberhaften Ideen und Figuren in dem Buch, ein richtig schönes langes Märchen!!!  Die Tintenwelt ist einfach wundervoll und zauberhaft beschrieben und eigentlich lief die ganze Zeit über im meinem Kopf das Kopfkino…wobei ich nach wie vor nicht weiß, ob ich mir die Verfilmung zu Tintenherz überhaupt anschauen möchte. Ich glaube ich bleibe lieber bei meinen eigenen Vorstellungen. Gerade durch die vielen Fabelwesen wirkt dieser Band auf mich viel fantasy-mäßiger als Band 1 und auch lange nicht so düster, auch wenn man da unterschiedliche Meinungen hört. Selbst die sehr spannenden oder auch grausamen Abschnitte hatten sehr viel Atmosphäre und wenn man dann noch eine junge, aufkeimende Liebe beobachten kann, dann macht das schon sehr viel Spaß. Grundsätzlich fand ich einfach Capricorns Machenschaften in Band 1 viel beklemmender.

An manchen Stellen im Buch merkt man schon sehr deutlich, dass es ein Buch für Kinder und Jugendliche ist. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir irgendwie fast mehr Klarheit gewünscht (z.B. was genau zwischen Reza und Staubfinger war) oder auch einfach ein wenig mehr Ausführlichkeit (das Moosweibchen). Aber ich glaube die Ausführlichkeit ist bei mir selten das Problem…“Tintenblut“ hätte aus meiner Sicht ruhig doppelt so dick sein können.  Zumal ich selbst auf einmal so viele Ideen hatte, wie es weitergehen könnte, oder warum z.B. Fenoglio, dem „Autor von Tintenherz“ seine Geschichte so aus dem Ruder gelaufen ist. Da hätte ich noch stundenlang weiter spekulieren und spinnen können, das hat einfach tierisch viel Spaß gemacht. Ich hätte auch tierisch viel Spaß an einer Vorgeschichte, z.B. wie Staubfinger und der schwarze Prinz sich kennenlernen und hätte gerne ein wenig Zeit bei den Spielleuten verbracht und wie sie durch die Lande ziehen. Ich könnte mir vorstellen, dass die in jungen Jahren auch ein ziemlich lustiger und cooler Haufen waren, der schwarze Prinz und Co .

Fenoglio selbst, der ja auch in seinen eigenen Roman geschlüpft ist, hat mir schon sehr leid getan. Er wollte immer alles wieder zum Besten wenden und die Geschichte noch mal in seinem Sinne wandeln, aber er war machtlos. Die Geschichte und seine Figuren haben sich selbstständig gemacht. Zwischenzeitlich dachte ich schon, dass sich die Geschichte vielleicht zum Guten hätte wenden können, wenn er mehr Zeit für seine Weiterentwicklung gehabt hätte. Ich hatte da schon immer wieder den Eindruck, dass er zwar die richtigen Ideen hatte, diese aber noch nicht richtig ausgereift waren. Und irgendwie war er ja auch immer unter Zeitdruck um die Geschichte weiterzuentwickeln. Ich denke, das war ein gutes Beispiel, dass ein guter Roman/ eine gute Geschichte einfach ihre Reifezeit braucht, genau wie Wein. Hinzu kommt, dass Fenoglio eigentlich immer nur Auszüge, einzelne Abschnitte erfindet, aber nie die Geschichte im Ganzen im Hinterkopf zu haben scheint. Ich könnte mir jedenfalls gut vorstellen, dass Fenoglio mit den Erfahrungen, die er in der Tintenwelt und der sich verselbständigen Geschichte vielleicht nie wieder ein Buch schreiben will, wenn er jemals aus der Tintenwelt herauskommten sollte.

Die Figuren und ihr Verhalten finde ich alles in allem sehr realistisch gehalten. Meggie ist noch ein wenig naiv, Farid ist manchmal ein wenig ein Halbstarker, dem letztlich sogar seine Zeit bei den 40 Räubern zu Gute kommt und Mo hasst die Tintenwelt, weil sie ihm so viel schreckliches angetan hat. Auch wenn Farid schon zwischenzeitlich mal zu meinem heimlichen Helden mutiert ist und das vermeindlichen Unglück in der falschen Geschichte gefangen zu sein zu seinem Glück wurde, so sind meine wahren Lieblinge jedoch eher die tragischen Figuren, Staubfinger und Violante. Staubfinger mag einem in „Tintenherz“ nicht immer unbedingt sympathisch gewesen sein, wenn man aber seine Geschichte kennt, dann kann man sein Handeln an gewissen Stellen auch nachvollziehen. Und auch Violante, der Tochter des Natternkopfes und Frau von Cosimo dem Schönen, gehört auf Anhieb mein Herz. Ich gönne ihr alles Glück dieser Welt und hoffe, dass sie zum einen in „Tintentod“ eine größere Rolle spielen darf und dass sie glücklich wird. Wie es generell in „Tintentod“ weitergehen wird, kann ich mir momentan noch gar nicht vorstellen, bei dem Schluss in „Tintenblut“. Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Hoffnung zuletzt stirbt und sich die Geschichte doch noch so drehen wird, wie ich sie mir wünsche und vorstelle.

Bewertung:


lg
kathrin
Rock the Night!