Margaret George: Kleopatra

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Offline Kathrin

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Margaret George: Kleopatra
« am: 15. April 2007, 12:56:53 »
   Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3-404-14422-8
Seiten: 1584 (in zwei Bänden)
Ausgabe: Taschenbuch (Schuber)


[isbn]3404144228[/isbn]

Inhaltsangabe
Ihre Schönheit war Legende, ihr Reichtum grenzenlos und ihre Macht unwiderstehlich. Sie hatte den Ruf einer Spinne, die in ihrem Netz jeden römischen General fing, der so tollkühn war, sich in den Orient hinauszuwagen: Kleopatra VII., die letzte Pharaonin Ägyptens, die Geliebte von Julius Cäsar und Marcus Antonius. Doch Kleopatra war weit mehr als eine laszive Verführerin. 

In diesem grandiosen Roman erzählt sie ihre Geschichte selbst. Es ist die Geschichte einer klugen Herrscherin, die mit List auf den Thron gelangt und mit Weitblick regiert, um ihren Untertanen die römische Knechtschaft zu ersparen. Zugleich ist es das Tagebuch einer sinnlichen Frau, die vor Lebensfreude sprüht und trotz schwerer Schicksalsschläge auch ihr privates Glück findet. 

Getragen vom Vertrauen auf ihre Schutzgöttin Isis, aber auch vom Glauben an sich selbst, mehrt Kleopatra die Reichtümer ihres Landes, bis ihr mit Octavian in Rom ein Gegner wächst, den sie nicht zu besiegen vermag. Um ihre Kinder und ihr Land zu retten, plant sie den eigenen Tod - mit derselben Entschlossenheit, mit der sie lebte. 

Kleopatra hat dennoch Unsterblichkeit gefunden - nicht zuletzt in diesem glanzvollen Roman, der eine faszinierende Welt mit all ihren Farben und Düften entfaltet. 

Meine Meinung:
In ihrer großen Romanbiographie „Kleopatra“ berichtet Margaret George in altbewährter Form und Stil vom leben der großen ägyptischen Königin, die 69 – 30 v. Chr. die Geschicke ihrer Familie und ihres Reiches an de Seite ihres Geliebten Caesar und später ihres Gemahls Marcus Antonius gelenkt hat.

Zum Cover und zur Gestaltung des Buches sind zunächst einige von mir heißgeliebte Specials wie Landkarten und ein langes Nachwort der Autorin zu nennen. Wer mich kennt, weiß, dass ich Landkarten liebe und ständig dorthin blättere, damit ich schön nachvollziehen kann, wo sich die Protagonisten momentan befinden. Das Buch ist in 10 Schriftrollen, von der Königin selbst erzählt, und eine zusätzliche Schriftrolle des Olympos gegliedert und jeder Schriftrolle sind wunderbare Zeichnungen vorangestellt, die eine wichtige Szene der jeweiligen Schriftrolle zeigen. Auch diese Zeichnungen mochte ich sehr. Irgendwie wirkt die Aufmachung sehr stimmig auf mich. Außerdem finde ich es sehr gut vom Verlag, dass aus 1581 Seiten zwei Bände gemacht worden sind. Ich hatte von "Maria Stuart" eine einbändige, dicke Ausgabe und da sind mir bald die Arme abgefallen. Zwei für mich normaldicke Taschenbücher sind da schon super handlich und von Vorteil.

Der Einstieg und auch der Wiedereinstieg in den Roman (ich habe zwischen den Bänden eine Pause eingelegt) fiel mir sehr leicht. Ich mag es sehr gerne, wenn sich die Protagonisten eines Buchs mit ihren Göttern unterhalten, so wie es Kleopatra mit Isis tut, auch wenn dies natürlich nicht über das ganze Buch durchgehalten werden kann, aber immer mal wieder zwischendurch, ja ich mag das…ich glaub das Buch hat mich in der richtigen Stimmung getroffen, die Zeit war wohl einfach reif für Kleopatra und mich. Gerade auch zu Beginn finde ich es sehr gut, dass die turbulente Kindheit von Kleopatra nicht allzu sehr in die Länge gezogen wurde, sie war aber auch nicht zu knapp. Man erfährt als Leser alles was man wissen muss, aber Längen hat der Bericht über Kleopatras Kindheit nicht.

Das Buch wurde wie bereits erwähnt, von der Autorin aus sich der Protagonistin erzählt, die gegen Ende ihres Lebens, dieses Revue passieren lässt und ihre Sicht der Dinge und Ereignisse der Nachwelt erhalten will. Vielleicht war es mein persönlicher Vorteil, dass ich völlig unbeleckt an die Geschichte herangetreten bin, weil ich über Kleopatra, Caesar, Marcus Antonius und auch über Oktavian (Kaiser Augustus) relativ wenig wusste. Ich hatte somit keine besonderen Vorlieben für die Römer oder Kleopatra. Im letzten Drittel des Buches berichtet uns Kleopatra, wie sie ihre Erinnerungen aufschreibt und weshalb sie dies tut:
Zitat von: Margaret George, Kleopatra – Der Roman ihres Lebens
Ich stellte fest, dass es meine Tage auf seltsame Weise ausfüllte, meine eigene Vergangenheit noch einmal zu durchleben. ... Ich habe mich bemüht, ehrlich zu sein und genau zu verzeichnen, was sich zugetragen hat. Die es lesen werden schließlich keine Zeitgenossen sein, sondern andere, die von den Ereignissen ringsum vielleicht nichts wissen und ihnen vielleicht deshalb ohne Vorurteile entgegentreten.
Ich muss sagen, ich fühle mich ertappt und angesprochen, liebe Margaret George!!!

Zunächst wusste ich nicht, ob ich den Ich-Stil über die komplette Länge des Buchs so prickelnd finde, aber es hat mich überzeugt und komplett auf Kleopatras Seite gezogen. Trotzdem hat auch dieses Buch von Margaret George einige Hänger. Vielleicht hätte ein paar Seiten weniger dem Lesefluss gut getan. Es fiel mir zwischenzeitlich schon schwer, weiterzulesen. Umso mehr freut es mich, dass die Autorin gegen Ende des Buches wieder Fahrt aufnimmt und mich mit diesen langatmigen Stellen wieder ausgesöhnt hat.

Kleopatra, ja, ich schätze es ist bereits klar, dass ich die ägyptische Königin mag und klar auf ihrer Seite stehe. Natürlich wirkt sie zeitweise zickig, machtgeil, größenwahnsinnig, aber irgendwie auch clever, warmherzig, eine liebevolle Mutter und Geliebte/ Gemahlin, besorgt um ihr Land und ihre Untertanen. Es mag ja vielleicht etwas naiv oder auch größenwahnsinnig sein, sich mit der Großmacht Rom (mit Oktavian) anzulegen, aber sie sieht sich als Königin von Ägypten und auch als Mutter von Caesars Sohn (gehen wir jetzt zumindest mal davon aus, dass er es wirklich ist) vollkommen im Recht, ihr Land und das Erbe Caesarions zu verteidigen. Warum nicht dafür kämpfen? Sie hat mit Antonius einen wohl fähigen General für den Krieg, sie und ihr Land sind reich, sie kann sich eine große neue Flotte und den Unterhalt von Antonius Soldaten, Reitern... anscheinend problemlos leisten, warum soll sie es nicht probieren. Mit etwas mehr Glück hätte die Sache ja vielleicht doch auch noch anders ausgehen können, zu Gunsten von Kleopatra. Warum soll Kleopatra denn zufrieden sein mit dem was sie hat? Liegt es nicht in der Natur der Herrschenden, dass sie neben dem Erhalt des Status Quo ihre Macht auch noch ausbauen wollen? Haben sie das nicht alle gemacht? Wilhelm der Eroberer, die Römer selbst? Warum haben sich die Römer nicht mit Rom zufrieden gegeben...Sie ist die Mutter Caesarions und warum soll er weniger Recht auf seine Erbe haben, als andere...in ihren Augen.

Von den sonstigen Figuren hat es mir vor allem Caesar selbst angetan. Was für eine faszinierende Persönlichkeit!!! Und auch die Beziehung zwischen Kleopatra und Caesar war unendlich faszinierend. Das war für mich Magie („Schlaflos in Seattle“ lässt grüßen). Ich könnte in ihrer Welt und ihren Gefühlen versinken. Es kribbelt an einer Tour und das in allem, bei ihren Gesprächen, in ihrer Cleverness und in ihren gemeinsamen Nächten, die, wie wir es bei Margaret George gewohnt sind, eher angedeutet werden, als dass wir direkt neben den beiden im Bett liegen und alles mitkriegen. Es wird durch diese Andeutungen nur noch tiefer und glaubwürdiger für mich.

Dass ein Marcus Antonius nicht mit Caesar mithalten kann, ist schon irgendwie klar, aber ich kann mir schon vorstellen, dass seine Lebendigkeit und teilweise auch seine Unbeschwertheit sehr anziehend auf jemanden wirken kann, der längere Zeit um einen geliebten Menschen getrauert hat und durch ihn wieder leben lernt. Trotzdem fehlt ihm der Zauber, den Caesar versprüht hatte. Allerdings ist Antonius ein ziemlich schwacher Charakter, der immer von den mächtigen Personen in seiner Umgebung fremdbestimmt wird. Tja, wenn Antonius keinen Arsch in der Hose hat, dann ist doch klar, dass die Frau das Ruder in die Hand nehmen muss und das passt natürlich schon ganz gut zu Kleopatra und ihrem Wesen.

Meine absoluten Lieblinge des Romans sind Kleopatras Freunde und Ratgeber Olympos und Mardian. Sie sind einfach umwerfend. Auch wenn es vielleicht eher unwahrscheinlich ist, dass sie so mit ihrer Königin reden durften, wie es Margaret George hinstellt, so lockert es das Buch sehr auf und die beiden finden direkt den Weg in mein Herz! Olympos Schriftrolle zum Ende des Buches fand ich sehr berührend, sein Abschied von Kleopatra, seine Treue über den Tod hinaus, wie er ihre Kinder weiter beobachtet und Kleopatras letzten Wunsch erfüllt...es fällt mir wirklich schwer, zusammen mit Olympos von der großen Königin Abschied zu nehmen.

Die totale Euphorie der ersten Schriftrollen, der Beziehung zwischen Caesar und Kleopatra und auch das wirklich packende Ende, wird leider durch die etwas zäheren Passagen, die auf 1584 Seiten wohl nicht ausbleiben können, etwas relativiert. Trotzdem war es ein extrem interessantes Buch und in meinen Augen das Beste von Margaret George.

Bewertung:


lg
kathrin
Rock the Night!

Offline Lannie

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Re: Margaret George: Kleopatra
« Antwort #1 am: 15. April 2007, 13:59:09 »
Ein super Buch, keine Frage. Vor einigen Jahren habe ich das Buch gelesen und fand es unheimlich gut. Für mehr (eine ganze Rezi z.B.)  reicht meine Erinnerung keider nicht... Aber ich kann es guten Gewisens empfehlen. Nur Vorsicht, es liest sich nicht in ein paar Tagen weg, da Margaret George sehr ausführlich schreibt.  :->

LG
Lannie
Liebe Grüße
Lannie aka Cait

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