Brom - Der Kinderdieb

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Offline Kathrin

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Brom - Der Kinderdieb
« am: 11. Juli 2010, 17:12:21 »
[isbn]3426283298[/isbn]   Der Kinderdieb
Brom
Fantasy
Seiten: 656

Kurzbeschreibung:
Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die dunklen Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die in einer aussichtslosen Situation nicht mehr weiterwissen. Peter rettet sie ... und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch Peter verrät ihnen nicht, dass dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr
Vor 99 Jahren schuf James M. Barrie mit Peter Pan einen Mythos des 20. Jahrhunderts, der jede Generation aufs Neue begeistert. Nun ist es an der Zeit, Peters wahre Geschichte zu erzählen, und von einem Land voller Magie und Gewalt, Lügen und Abgründe, großer Liebe, falscher Freunde und echter Helden.

Meine Meinung:

So ganz klar bin ich mir noch nicht, was ich von Broms Roman "Der Kinderdieb" halten soll. Ich war mehrfach kurz davor, das Buch in die Ecke zu feuern, aber irgendwann und auch irgendwie - ich weiß nicht wie - hat es mich in seinen Bann gezogen.

Das Buch basiert auf dem Klassiker "Peter Pan" von James Matthew Barrie, allerdings wird sehr schnell klar, dass wir uns hier von der heilen Welt einer Walt Disney Produktion verabschieden müssen. Unser "Peter Pan" ist der Kinderdieb, ein Mischlingskind, das von seiner Familie als Säugling, aufgrund seiner Absonderlichkeiten im Wald ausgesetzt wird. Er wächst in Avalon auf, der bekannten Welt von König Arthus und der Fee Morgan, allerdings liegt Avalon inzwischen auf einer New York vorgelagerten Insel im Nebel. Avalon und seine Bewohner werden von den Fleischfressern bedroht und bekämpft. Für den Kampf gegen diesen Feind lockt Peter immer wieder unglückliche Kinder und Jugendliche in die Welt, in der sie nie erwachsen werden, und bildet sie aus zu seiner Kämpfertruppe - den Teufeln. So landet auch Nick, neben Peter die zweite Hauptfigur des Romans in Avalon.

Nick konnte ich - im Gegensatz zu Peter - sehr schnell in mein Herz schließen. Peter ist gewöhnungsbedürfig, vor allem zu Beginn des Buches, als so vieles noch unklar ist. Peters Gewaltbereitschaft und Lust am Töten ist für mich abstoßend und hat immer wieder an "Chucky, die Mörderpuppe" erinnert, so dass mir regelrecht schlecht vor Angst und Unbehagen war. Doch sowie wir mehr über Avalon und die Hintergründe wissen, kam ich im Peter besser zurecht. Seine Kaltschnäuzigkeit und Unverfrorenheit im Umgang mit seinen Teufeln hat mich allerdings das ganze Buch über gestört. Teilweise ist diese Kaltschnäuzigkeit und Grausamkeit auch der Tatsache zu schulden, dass er in all den vielen Jahren nie erwachsen wurde, dennoch habe ich Peter gehasst, als er ein Versprechen Nick gegenüber nicht hält und ihm ins Gesicht schleudert, er habe schließlich die Finger gekreuzt. Es hat für Nick so viel bedeutet und Peter...oh, ich hätte ihn locker zusammenschlagen können! Ich war so sauer auf ihn!

So groß meine Probleme mit Peter mitunter waren, so gab es dennoch einige wunderbare und auch spannende Figuren. Mein Liebling war der Ork Tanngnost, aber auch Figuren wie die Dame vom See oder ihre Schwester Ginny Grünzahn und ihre Brut sind einfach toll gezeichnet.  Besonders gut gefallen hat mir, dass viele von Broms Figuren so vielfältig waren und beispielsweise auch eine Dame vom See ihre unsympathischen Seiten hat. Bei Ginny Grünzahn und ihrer Brut mochte ich vor allem den Humor und Sarkasmus, was mir aber alles in allem in diesem Roman zu kurz kam, was das Buch noch düsterer machte, als es eh schon ist.

Die Sprache und der Stil des Autors sind gewaltig. Gewaltig und gewaltätig, teilweise blanker Horror! Aber was kann der Autor für berauschende, lebendige Bilder mit seiner Sprache malen. Es ist jetzt schon ein paar Wochen her, dass ich dieses Buch beendet habe, und doch kommen alle Bilder sofort wieder, jetzt wo ich darüber berichte! Toll! Es ist schon viel hängen geblieben und war sehr prägend und prägnant! Auch begünstigt durch die Illustrationen des Autors und den Kapiteln hatte ich vor allem die Szenen auf der Nebelinsel immer wieder vor Augen. Auch das beklemmende Gefühl, welches mir während des Lesen nie von der Seite gewichen ist, stellt sich jetzt sofort wieder ein. Oft war mir die Sprache oder auch einige Szenen zu brutal, auch zu sexuell-brutal. Diverse Abschlachtungsszenen haben mir die Haare zu Berge stehen lassen. Ein klein wenig gedämpfter hätte mir da manchmal wohl doch besser gefallen. Da ich ja grundsätzlich am liebsten historische Romane oder eben auch Fantasy lese, brauche ich auch nicht unbedingt über Gewalt zwischen Kindern/ Jugendlichen bzw. derbeste Jugendkriminalität lesen, schlimm genug, dass es so etwas gibt.

Etwas unzufrieden war ich bzgl. diverser Fragen, die sich für mich nicht geklärt haben. Vielleicht muss man als Leser auch nicht immer alles ganz genau wissen, aber zumindest einen klaren Bezug zum Prolog hätte ich mir schon gewünscht.

Alles in allem ein wirklich gutes Buch, das mich auf eine fast schon abschreckende Weise sehr gefesselt hat, obwohl es mir oft zu brutal war und ich es oft in die Ecke schmeißen wollte.

« Letzte Änderung: 11. Juli 2010, 17:15:01 von Kathrin »
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