Christoph Marzi: Grimm

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Offline Kathrin

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Christoph Marzi: Grimm
« am: 21. Januar 2011, 13:12:16 »
[isbn]
[isbn]3453266617[/isbn]   Grimm
Christoph Marzi
Fantasy
Seiten: 560
Verlag: Heyne (November 2010)
Preis: 17,99Euro

Kurzbeschreibung:
Es waren einmal zwei Schwestern, die lauschten allabendlich den Worten ihres Vaters: »Mädchen, weicht vom Wege nicht!« Doch die Jahre vergingen, die eine Schwester starb und die andere vergaß Rotkäppchen. Bis sich das Märchen an einem stürmischen Herbsttag mit aller Macht bei der siebzehnjährigen Vesper Gold zurückmeldet.
Plötzlich geschehen seltsame Dinge in Hamburg: Ein Wolf streift durch die Stadt, Kinder fallen in einen rätselhaften Tiefschlaf. Und Vesper allein hält den Schlüssel zu einem düsteren Geheimnis in Händen, das bis zu den Brüdern Grimm zurückreicht.

Der Tag fängt nicht gut an für die siebzehnjährige Vesper Gold. In der Schule gibt es wieder Ärger, und ihre Mutter, eine weltberühmte Pianistin, hat einmal mehr keine Zeit für ihre temperamentvolle Tochter. Auch der schwere Sturm, der über Hamburg tobt, trübt Verspers Stimmung. Doch all das ist mit einem Mal unwichtig: Aus der Zeitung erfährt sie, dass ihr geliebter Vater im fernen Berlin unter rätselhaften Umständen gestorben ist. Wenig später stirbt auch Vespers Mutter, und plötzlich ist Vesper ganz allein auf der Welt. Einzig die Erinnerung an eine glückliche Kindheit, als ihr Vater ihr und ihrer großen Schwester Geschichten erzählte, ist ihr geblieben – und ein uralter goldener Schlüssel. Auf einmal geschehen immer unheimlichere Dinge in der Stadt: Märchenwesen werden lebendig, Wölfe tauchen auf und Kinder fallen in tiefe Träume. Auf der Suche nach Antworten trifft Vesper den geheimnisvollen Leander. Gemeinsam wollen sie das düstere Rätsel lösen. Doch die Zeit läuft, denn nur wenn sie herausfinden, was damals zu Zeiten der Brüder Grimm geschah, kann die Gegenwart gerettet werden ...

Meine Meinung:
Mit „Grimm“ ist Christoph Marzi wieder einmal ein wunderbar schauerlich-schöner Fantasy-Roman gelungen, der in meinen Händen wie festgeklebt war und sich nur mit Müh und Not zur Seite legen ließ. Aber wer will ein dermaßen spannendes und faszinierend-mysteriöses Buch schon aus der Hand legen. Es ist nur fast schon ein wenig schade, dass ich durch tolle Bücher immer so rasen muss.

Grimm erzählt die Geschichte von Vesper, einem jungen 17-jährigen Mädchen im winterlichen Hamburg, das innerhalb von wenigen Stunden sowohl Vater als auch Mutter auf mysteriöse Weise verliert und von schemenhaften Wolfswesen verfolgt wird. Als dann zeitgleich auch noch sämtliche Kinder der Welt in einen todesähnlichen Schlaf fallen und nach fünf Minuten wieder aufwachen, wird schnell klar, dass dies alles (wie bei Marzi üblich) kein Zufall sein kann. Mit dem kalten Winterwetter draußen und auch innerhalb der Geschichte und der düsteren, gruselig-spannenden Atmosphäre wurde das Buch für mich schnell zum perfekten Winterbuch, da freut man sich wirklich, wenn man daheim auf der Couch liegen und lesen darf und von zwei relativ ungefährlichen Stubentigern gewärmt werden darf.

Die Story selbst hat mir gut gefallen. Wie immer rückt der Autor nur stückchenweise mit den Fakten heraus, so dass man sich als Leser immer wieder fragen muss, welches nun die richtige Seite, wer gut und wer böse ist. Gerade die kleinen Rätsel die zwischendurch eingestreut werden, oder die typische Marzi-Verwirrung, die ich bei seinen Büchern eigentlich immer verspüre,  haben mich total an das Buch gefesselt und mir enormen Lesespaß bereitet. Insgesamt hätte ich auf Grund des Buchtitels jedoch mehr Märchenfaktor und weniger Grusel-/ Gänsehautfaktor erwartet. Zwischenzeitlich hat sich das Hamburg in diesem Buch zu einem wahren Horrorszenario entwickelt. Wo ich bei der Uralten Metropole so oft das Gefühl hatte, da will ich auch mal hin, wollte ich bei „Grimm“ definitiv NICHT mit Vesper und Co tauschen.

Christoph Marzi schreibt sehr lebendig und mitreißend. Geschickt streut er kleine Geschichten und auch wieder wunderbare Sätze in seine große Geschichte ein, die mir jedesmal einen tiefen Seufzer entlockten. Die Beschreibung des modernen Hamburg mit all seinen Lichtern und all der modernen Technik, der rasanten Verfolgungsjagden, die auch den Leser außer Atem kommen lassen sowie der wunderschön-unaufdringlichen, aber bittersüßen Liebesgeschichte zaubern einen Film in  mein Kopfkino. Gerade die Liebesgeschichte und die Liebesszene, die mit wenigen Worten so viel erzählt bin, waren einfach wunderbar!

Ja, „das Leben kann ein Schuft sein. Ein richtiger Schuft, der einem in Windeseile das Herz durcheinanderbringen kann.“ Und ich kann Vesper so gut verstehen, denn derjenige, der ihr das Herz in Windeseile durcheinandergebracht hat, Leander, hat auch mein Herz im Sturm erobert. Marzi beschreibt ihn durch Vespers Augen als "verschroben, irgendwie auch nett, aber nervig", dem ich gerne noch ein "süß und etwas unbeholfen" hinzufügen will. Spätestens mit dem Satz als sie sich zum ersten Mal von einander verabschieden „Ich wünsche Dir Glück, so viel Glück, dass Deine Augen wieder zu lachen lernen“ hätte ich ins Buch kriechen und ihn abknutschen können. Er und Vesper passen einfach wunderbar zusammen. Ich liebe die Gespräche, die die beiden führen, denn da steckt auch viel Humor mit drin, Humor, der ein wenig schwarz und sarkastisch ist. Neben Leander hat sich auch Vesper sehr schnell in mein Herz lesen lassen. Ich liebe ihre freche Art und könnte mich darüber kaputt lachen, wie schroff sie andere Menschen teilweise angeht. Vesper ist weiß Gott nicht auf den Mund gefallen und hat einen tollen Humor, so schön schwarz und sarkastisch und ironisch. Eine Diskussion zwischen ihr und  Mr. Fox und Mr. Wolf stelle ich mir äußerst unterhaltsam vor.  

So sehr ich Vesper und Leander auch mag, um so trauriger finde ich es, dass Christoph Marzi aus den anderen Figuren, nicht das Potential geschöpft hat, das sie in meinen Augen haben. Gerade Figuren wie der Schnee-/ Maikönigin oder dem Erlkönig hätte er wesentlich mehr herausholen können. Auch konnte ich einige wenige Verhaltensweisen von Figuren nicht immer ganz nachvollziehen oder verstehen. Das ist letztich in letzter Zeit immer mein Hauptkritikpunkt bei Marzi. Er schmückt mir nicht mehr genug aus, er schöpft nicht mehr das Potential aus, das so manche seiner Figuren haben. Das sieht man schon allein an der Länge/ Seitenanzahl seiner neueren Romane verglichen mit den ersten dreien, Lycidas und Co. Das ist echt schade. Mir wäre es lieber er würde länger für seine Romane brauchen, aber sie wären wieder länger und intensiver.

Das Ende des Buches hat mich völlig aus der Fassung gebracht. Ich weiß nicht, ob ich den Autor dafür hassen oder bewundern soll, ist es ein Happy-End oder ist es keins, für wen ist es eins und für wen nicht? Darf die Geschichte wirklich so enden? Ich kann mich nicht entscheiden. Nichtsdestotrotz habe ich die Geschichte verschlungen, wie der böse Wolf das Rotkäppchen, die Großmutter und die kleinen Geißlein und freue mich wie immer auf Nachschub von einem meiner Lieblingsautoren.

Bewertung:


lg
kathrin
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Offline Christiane

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Re:Christoph Marzi: Grimm
« Antwort #1 am: 18. Februar 2011, 23:04:25 »
Meine Meinung:
Grimm ist meine erste Begegnung mit den Büchern von Christoph Marzi. Dieser im doppelten Wortsinn phantastische Roman spielt mit all den Märchen, die man kennt - Dornröschen, Rotkäppchen, Der Wolf und die 7 Geißlein,... und mit dem 'Was wäre wenn...'. Zu Anfang könnte man meinen, man befände sich in einem Jugendroman (Schulstreß,...) oder einem Krimi. Aber spätestens bei der zweiten Leiche ist klar: Magie ist im Spiel! Das Buch lebt von seiner wunderschönen bidlhaften Sprache. Die Hauptcharaktere Vesper und Leander leben und ich habe sie sofort ins Herz geschlossen. Die Spannung hält einen in Atem und ich mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Und obwohl der Schluß so ist wie er ist hat er mir sehr gefallen und paßt einfach zu dieser Geschichte.
Fazit: Absoluter Lesegenuß!!

Bewertung


Liebe Grüße,
Christiane
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Offline Kathrin

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Re:Christoph Marzi: Grimm
« Antwort #2 am: 21. Februar 2011, 08:23:22 »
Hey Christiane, das freut mich aber, dass Dir Grimm gefallen hat. Dann kannst Du Dich jetzt auch schon wunderbar auf die Uralte Metropole freuen, wobei ich definitiv der Meinung bin, "Lycidas" sollte man im November lesen. Aber Heaven - Stadt der Engel kann man auch ohne November gut lesen oder die Malfuria-Bücher auch. Wobei an die Uralte Metropole kommt nix ran!!!

lg  :festknuddel:
kathrin
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Offline Christiane

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Re:Christoph Marzi: Grimm
« Antwort #3 am: 21. Februar 2011, 09:38:00 »
Hallo Kathrin,

ja, irgendwann werd ich sicher noch mehr von Marzi lesen. Aber an der Uralten Metropole stören mich nach wie vor die Achtbeiner, von denen mir berichtet wurde  :wah:

Heaven und Malfuria muss ich mir mal näher betrachten (Rezis lesen,....) und dann sehen wir weiter. der nächste Geburtstag kommt bestimmt  :zwinker:.
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Re:Christoph Marzi: Grimm
« Antwort #4 am: 21. Februar 2011, 12:15:19 »
Wie kamst Du denn mit Aragog in Harry Potter 2 zurecht? Konntest Du das einigermaßen überstehen? Viel schlimmer ist es auch bei Marzi nicht...naja...und irgendwie muss man bei Marzi IMMER mit 8-Beinern rechnen  :wah:
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Offline Christiane

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Re:Christoph Marzi: Grimm
« Antwort #5 am: 21. Februar 2011, 12:45:57 »
Hmmm, also Grimm ist frei von Achtbeinern  :->.  Was hat der Kerl nur mit dieser Sorte Viehzeug????? Ich finde ja, sie sollen gern draußen ihres Weges und vor allem mir aus dem Weg gehen, dann geht alles klar  :-).

Aragog?? Potter2??  :kopfkratz: :kopfkratz: Das hab ich offensichtlich verdrängt. Erinnern tu ich mich allerdings noch an Tokiens Kankra - puh, das übelste Kapitel in dem ganzen Epos!! Aber klar, ich hab es überstanden. Ist dort ja auch in sofern überschaubar, als es nur auf diesen einen Abschnitt beschränkt ist und nicht immer wieder im Buch auftaucht.
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