Rebecca Gablé - Der Palast der Meere

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Offline nirak

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Rebecca Gablé - Der Palast der Meere
« am: 15. September 2015, 18:47:21 »
[isbn]9783431039269[/isbn]

Freibeuter, Diebe und die Waringhams zur Zeit Elisabeth I.

Lady Eleanor of Waringham lebt schon seit ihrer Kindheit bei Königin Elisabeth I. Sie ist mit ihr aufgewachsen und ihre Freundin geworden. Nun unterstützt sie die Königin, indem sie alles sieht und hört was dieser sonst entgehen würde. Eleanor ist das „Auge der Königin“. Gleichzeitig erlebt der Leser die Seite des Hofes und bekommt hautnah die politischen Einzelheiten der Epoche mit. Aber auch Intrigen gegen die Königin werden aufgedeckt und dann hat El auch noch ihr eigenes Leben, welches sie vom Hof wieder fortführt direkt in die Unterwelt Londons, denn ihr Geliebter ist ein Meisterdieb.

Der zweite Handlungsstrang entführt den Leser gemeinsam mit Isaac of Waringham quer über die Weltmeere und zurück. Isaac ist der Bruder von El und mindestens genauso verwegen. Er macht als Freibeuter Kariere und sorgt dafür, dass man sich ein bisschen wie in einem Piratenfilm beim Lesen dieses Buches fühlt. Isaac ist verwegen und mutig und dabei stehst darauf bedacht auch den Schwächeren zu helfen. Er selbst gerät von einem Abenteuer ins nächste und zwischendurch auch mal in Schwierigkeiten, aus denen er aber nach Piratenmanier wieder herausfinden kann.

Die fiktiven Charaktere der Familie Waringham sind hier wunderbar eingearbeitet in historische Fakten und umgeben von historischen Persönlichkeiten. Man könnte direkt vergessen, dass es sich hier um einen Roman handelt und nicht um eine historische Abhandlung. Die Handlung hat die Autorin jedenfalls glaubhaft geschildert. Es macht einfach Spaß mit El und Isaac ins 16. Jahrhundert einzutauchen und ihnen dabei zuzusehen wie sie ihr Leben und ihre Herausforderungen meistern. Das Leben am Hofe von Elisabeth I. wirkt lebendig und echt. Aber genauso wie die Abenteuer der fiktiven Charaktere geschildert werden, werden auch historisch belegte Charaktere mit eingebunden. Da ist zum Beispiel Francis Drake, der ja wohl jedem ein Begriff ist, die Autorin hat hier einmal ein ganz anderes Bild des Freibeuters gezeichnet. Die Wege von ihm und Isaac kreuzen sich immer wieder, ihre Karrieren sind ähnlich gestaltet. Es macht einfach Spaß zusehen wie die Zwei immer mal wieder aufeinandertreffen und Drake dabei nicht immer, als der strahlende Held hervorgeht, wie man ihn sonst aus alten Filmen kennt. Auch die Beziehung zu Mary Stewart, der Königin von Schottland ist wunderbar wiedergegeben. Der Autorin ist es gelungen, ein glaubhaftes Bildnis dieser beiden so wichtigen Frauen dieser Epoche zu gestalten.

„Der Palast Der Meere“ ist bereits der fünfte Band um die fiktive Familie Waringham, aber man könnte ihn auch problemlos einzeln lesen, da jedes Buch für sich von einer neuen Generation erzählt. Allerdings gibt es immer wieder Querverweise über die Familie oder über andere Protagonisten, die der Familie nahestehen. Es macht also eindeutig mehr Spaß hier zu lesen, wenn man die Vorgänger bereits kennt. Gerade bei „Der Palast der Meere“ handelt es sich um die Kinder von Nick of Waringham aus dem Vorgänger, „Der Dunkle Thron“ und damit schließt diese Geschichte direkt an den Vorgänger an. Dies ist auch gut so, da die politischen Ereignisse so weitererzählt werden. Zwei unterschiedliche Handlungsstränge sorgen zudem für Spannung. Während Eleanor am Hof lebt, fährt Isaac zur See, nur hin und wieder treffen sich die Beiden auf der Burg deren von Waringham. Tauschen ihre Erlebnisse aus und lassen die Leser teilhaben an ihrem Leben. Mir haben beide Handlungsstränge gut gefallen, egal ob mit El am Hof oder mit Isaac zur See, beides war aufregend. Ein bisschen zum Durchatmen dann die Szenen im Kreise der Familie, aber genauso wunderbar zu lesen. Auch wenn es hier eine Vielzahl von Protagonisten gibt und die Handlungsschauplätze immer wieder wechseln hat mir das Lesen hier sehr viel Spaß gemacht und die knapp 1000 Seiten waren mir persönlich viel zu knapp.

Wie immer ist diese Ausgabe mit allem ausgestattet, was das Leserherz begehrt. So ist am Anfang ein Personenregister vorhanden, welches historische Protagonisten kennzeichnet und von den fiktiven Charakteren trennt. Kleine Zeichnungen sorgen für die richtige Stimmung beim Lesen und ein ausführliches Nachwort am Ende klärt Fiktion und Wahrheit. „Der Palast Der Meere“ ist ein gelungenes Buch, welches alles beinhaltet was ich von einem guten historischen Roman erwarte. Er sorgt für Lesespannung und Lesegenuss und sollte in keinem Bücherregal fehlen.

 
« Letzte Änderung: 15. September 2015, 18:56:15 von nirak »

Offline Kathrin

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Re: Rebecca Gablé - Der Palast der Meere
« Antwort #1 am: 02. Dezember 2015, 15:11:12 »
Und hier meine Meinung, die leider nicht so gut aufgefallen ist.

Monatelang habe ich mich auf den neuesten Waringham-Roman „Der Palast der Meere“ von Rebecca Gablé gefreut. Mit einem kompletten Re-Read der Saga wähnte ich mich perfekt vorbereitet, aber auf die Enttäuschung, die mit dem Buch einher kam, konnte mich niemand vorbereiten.

Dabei hat das Buch vom Grundsatz her alles, was ich bei den Gablé-Romanen liebe: ein liebvollgestaltetes Hardcover mit Personenregister, Landkarten, ausführlichem Nachwort und wunderbaren Zeichnungen. Der Einstieg in die Geschichte fällt ebenfalls gewohnt leicht, der Stil der Autorin ist wie immer sehr flüssig und wunderbar zu lesen, der historische Hintergrund sehr gut recherchiert.

Trotzdem fehlt dem Roman das gewisse Etwas! Und das sind Figuren,  die mich voll und ganz für sich einnehmen  und die ich gerne auf Weg beobachte und begleite. Es müssen keine strahlenden Helden sein, sie dürfen Fehler, Ecken und Kanten haben, aber weder Isaac noch Eleanor und schon gar nicht Elisabeth I können früheren Romanhelden der Autorin das Wasser reichen. Vor allem Elisabeth I ist extrem blass. Isaacs und Eleanors Bruder Francis, ist in zu einem kompletten Langweiler geworden, zu Eleanor und Isaac fehlt mir der Bezug. Die einzig wirklich spannenden Figuren sind die beiden Freibeuter John Hawkins und Francis Drake, vermutlich gerade weil man sich an ihren Ecken und Kanten und unsympathischen Seiten blaue Flecke holen kann.

Das Buch besteht aus zwei großen Erzählsträngen, dem von Eleanor of Waringham, die als Freundin,  Hofdame und vor allem Spionin sehr eng mit dem Leben der Königin verbunden ist. Zum anderen den Erzählstrang ihres jüngsten Bruder Isaac, der sich vom blinden Passagier auf Hawkins Schiff zum Freibeuter und Konkurrent von Francis Drake entwickelt. Die Verknüpfung der beiden Erzählstränge besteht zwar, aber sie ist lange nicht so dicht wie seinerzeit in "Das Spiel der Könige" zwischen den Blanche- und Julian-Strängen.

Größter Kritikpunkt ist für mich die Liebesgeschichte von Eleanor und Gabriel Durham, dem aktuellen König der Diebe. Mit einem anderen Cover hätte diese Geschichte schon fast  ein Nackenbeißer sein können, viel zu viel Sex! Das ärgert mich wirklich und macht es mir noch schwerer Eleanor und Gabriel überhaupt zu mögen.

In „Der Palast der Meere“ ist fällt deutlich auf, wie sehr die Autorin ihre Leser polarisieren kann, was mir früher nie aufgefallen ist. Ein John of Gaunt hat in „Das Lächeln der Fortuna“ alles überstrahlt, so dass es klar war, dass auch später meine Sympathien den Lancaster gehörten. Aber hier merkt man schon deutlich, dass sie mit Elisabeth nicht so viel anfangen kann und Lord Bothwell, den dritten Ehemann von Mary Stewart gestaltet sie derart böse, dass mich das richtig stört.

Das Ende des Buches hat mich ziemlich überrascht und perplex zurückgelassen. Da ist mal schnell der Kampf gegen die spanische Armada, Eleanor und Gabriel heiraten und dann … nix mehr? Ich finde es schade, dass noch so viele Jahre von Elisabeths Regierungszeit unerzählt bleiben bzw. im Nachwort  zusammengefasst werden.

Alles in allem hat mich dieser Roman von Rebecca Gablé ziemlich enttäuscht. Vielleicht ist es wirklich langsam an der Zeit, die Waringham-Saga abzuschließen.

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Offline Kathrin

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Re: Rebecca Gablé - Der Palast der Meere
« Antwort #2 am: 02. Dezember 2015, 15:13:29 »
Und hier auch gerne noch einmal die lange Fassung, irgendwie musste ich es wohl einfach mal rauslassen  *g*

Schon Wochen und Monate im Vorfeld habe ich den 10.09.2015 zu meinem persönlichen Feiertag erwählt, denn das war der Tag, an dem der neueste Waringham-Roman „Der Palast der Meere“ von Rebecca Gablé erschienen ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich jemals so sehr auf ein neues Buch gefreut habe. Seit dem Frühjahr hatte ich mich auf dieses „freudige Ereignis“ vorbereitet, indem ich die komplette Familien-Saga seit Gervais of Waringham (Der Palast der purpurnen Stadt) bis hin zu „Der dunkle Thron“ und Nick of Waringham zum x-ten Mal gelesen habe. Vielleicht habe ich mich zu sehr auf das Buch gefreut, denn alles in allem war ich doch ziemlich enttäuscht. Ich war zwischenzeitlich sogar kurz davor, dass Buch nicht zu Ende zu lesen.

Dabei hat das Buch vom Grundsatz her alles, was ich bei Rebecca-Gablé-Romanen bislang so wunderbar fand: ein liebvollgestaltetes Hardcover mit Personenregister, Landkarten, ausführlichem Nachwort der Autorin und den wunderbaren Zeichnungen von Jürgen Speh. Der Einstieg in die Geschichte fällt ebenfalls gewohnt leicht, selbst wenn zwischen „Der dunkle Thron“ und „Der Palast der Meere“ einige Jahre in der Geschichte Englands verstrichen sind. Auch der Stil der Autorin ist wie immer sehr flüssig und wunderbar zu lesen, der historische Hintergrund sehr gut recherchiert.

Trotzdem fehlt dem Roman das gewisse Etwas! Und das sind Figuren – sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren, sowohl historisch wie fiktiv – die mich voll und ganz für sich einnehmen, die ich (meistens) mag und die ich gerne auf Weg beobachte und als Leser begleite. Dabei müssen die Figuren keine strahlenden Helden sein, sie dürfen Fehler haben und machen, ich darf mich z.B. über ihre Sturheit oder bestimmte Handlungen gerne aufregen, aber weder Isaac noch Eleanor und schon gar nicht Elisabeth I können früheren Waringham oder Mitgliedern der königlichen Familie das Wasser reichen. Vor allem Elisabeth I finde ich im Vergleich zu ihrer Schwester Mary in „Der dunkle Thron“ sehr blass. Mein Liebling aus dem Vorgängerband, Isaacs und Eleanors Bruder Francis, ist in meinen Augen sogar zu einem kompletten Langweiler geworden. Die einzig wirklich spannenden Figuren in diesem Roman sind für mich die beiden Freibeuter John Hawkins und Francis Drake, vermutlich gerade weil ich mir an ihren Ecken und Kanten und unsympathischen Seiten blaue Flecke holen kann.

Das Buch besteht aus zwei großen Erzählsträngen. Da ist zum einen der Erzählstrang von Eleanor of Waringham, die als Freundin seit Kindertagen,  Hofdame und vor allem als „Auge der Königin“ sehr eng mit dem Leben Elisabeths verbunden ist. Hinzu kommt der Erzählstrang von ihrem jüngsten Bruder Isaac, der sich auf dem Umweg der Sklaverei vom blinden Passagier auf Hawkins Schiff zum Freibeuter und Konkurrent von Francis Drake entwickelt. Die Verknüpfung der beiden Erzählstränge besteht zwar, aber sie ist lange nicht so dicht wie seinerzeit in "Das Spiel der Könige" zwischen den Blanche- und Julian-Strängen. Auch wenn ich die Passagen von und mit Isaac lieber mochte als die von Eleanor, habe ich oft gedacht, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn sich Rebecca Gablé auf den Erzählstrang von Eleanor konzentriert hätte. Allerdings spielen Figuren wie Francis Drake, die Freibeuterei und die Konkurrenz auf hoher See zwischen England und Spanien schon eine so große Rolle, als dass man sie hätte weglassen können.

Geschichtlich gesehen hat mich der Erzählstrang um Eleanor und Elisabeth I mehr interessiert, allerdings hat er für mich auch die größeren Schwächen, weil er mir für die Komplexität der darin enthaltenen Themen zu wenig ausführlich ist. Zu den geschichtlichen Themen, Elisabeths Schottland-Politik, ihr Konkurrenzkampf mit dem „langen Elend“, Mary Stewart, ihre möglichen Heirats-Pläne und Streitereien zwischen den unterschiedlichen Seiten in ihrem Gefolge kommt zudem noch Eleanors Geschichte, ihre Liebe zu Gabriel Durham, dem aktuellen König der Diebe, die Zukunft ihrer Kinder und die Frage nach dem Waringham-Erbe dazu. Für all diese Nebenschauplätze reichen die Seiten nicht wirklich aus. Und vor allem die Liebesgeschichte von Eleanor und Gabriel fand ich wirklich schlecht. Das war in meinen Augen eine besserer Nackenbeißer, viel zu viel Sex! Brauch ich in Büchern einfach nicht und werde ich beim Lesen auch nie brauchen. Das ärgert mich sogar und macht es mir noch schwerer Eleanor und Gabriel überhaupt zu mögen. Gabriel z.B. kann weder mit dem Ur-König der Diebe  noch mit seinen Durham-Ahnen (Francis, der Fuchs bzw. Jonah Durham – beide aus Der König der purpurnen Stadt) mithalten, und dabei habe ich mich so auf ihn gefreut, als ich den Klappentext zum Buch gelesen habe.

In „Der Palast der Meere“ ist mir übrigens zum ersten Mal bei einem Rebecca-Gablé-Roman aufgefallen, wie sehr sie ihre Leser polarisieren kann. Das ist mir früher nie so aufgefallen. Ein John of Gaunt hat in „Das Lächeln der Fortuna“ alles überstrahlt, so dass es klar war, dass auch im späteren Verlauf der englischen Geschichte meine Sympathien den Lancaster gehörten. Aber hier merkt man schon deutlich, dass sie mit Elisabeth nicht so viel anfangen kann und Lord Bothwell, den dritten Ehemann von Mary Stewart gestaltet sie derart böse, dass mich das richtig stört.

Mit Etwas Abstand zum Buch und den Leseeindrücken fällt mir übrigens auf, dass mir Waringham, der alte hässliche Kasten und das Gestüt zwar fehlen, aber da weder Eleanor noch Isaac gar nicht bzw. nicht wirklich fest damit verwurzelt sind, ist es eigentlich gut gelöst. Vielleicht ist die Geschichte der Pferdezucht der besonderen Gabe irgendwann auch einfach einmal ausgelutscht.

Das Ende des Buches hat mich übrigens ziemlich überrascht und perplex zurückgelassen. Da ist mal schnell der Kampf gegen die spanische Armada, Eleanor und Gabriel heiraten und dann … nix mehr? Ich finde es schade, dass noch so viele Jahre von Elisabeths Regierungszeit unerzählt bleiben bzw. im Nachwort so kurz zusammengefasst werden. Für mich fehlt dem Buch ein runder Abschluss.

Auch wenn ich sicherlich genügend andere, viel schlechtere Romane im historischen Bereich gelesen habe, hat mich dieser Roman von Rebecca Gablé ziemlich enttäuscht. Das mag im Vergleich zu anderen Büchern immer noch „Meckern auf hohem Niveau“ sein, aber glücklich bin ich nicht damit geworden. Vielleicht ist es langsam aber sicher an der Zeit, die Waringham-Saga abzuschließen und sich anderen Familien und anderen Zeiten und Ländern zuzuwenden, auch wenn mir persönlich das englische Mittelalter immer noch das liebste historische Thema ist und da gäbe es auch für Rebecca Gablé noch genügend spannende Herrscher und Zeiten, über die sie schreiben könnte.

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Offline Bücherhexe

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Re: Rebecca Gablé - Der Palast der Meere
« Antwort #3 am: 06. August 2019, 10:11:29 »
London 1560. Der fünfzehnjährige Isaac lebt bei seinem Onkel Philipp Durham. Als es Probleme in seiner Heimat gibt, bittet ihn sein Halbbruder Francis nach Hause nach Waringham zu kommen. Aber Isaac haut ab und schleicht sich in Plymouth als blinder Passagier auf das Schiff des Freibeuters John Hawkins. Als er entdeckt wird, wird er als Sklave an spanische Pflanzer auf Teneriffa verkauft. Erst nach zwei Jahren kommt Isaac wieder frei, unter der Bedingung, dass in den Dienst von John Hawkins tritt, der im Auftrag der Königin in die Neue Welt segelt.
Währenddessen lebt seine Halbschwester Eleanor am Hof von Königin Elizabeth. Man nennt sie auch "das Auge der Königin", denn sie und Elizabeth wuchsen zusammen auf und kaum jemandem vertraut die Königin mehr. Allerdings fällt Eleanor als Spionin auch eine gefährlich Aufgabe zu, denn der Konflikt zwischen der protestantischen Elizabeth I. und der katholischen Königin von Schottland, Mary Stewart, spitzt sich immer mehr zu. Und dann verliebt sie sich in den geheimnisvollen König der Diebe und macht sich damit angreifbar, denn nicht alle gönnen ihr die Nähe zur Königin.

Fast 30 Jahre begleiten wir dieses Mal die nächste Generation der Waringham-Familie. In erster Linie geht es um Eleanor und Isaac, aber auch deren Geschwister Francis und Isabella. Ich musste erst noch mal überlegen, aber dann fiel mir ein, dass sie die Kinder von Nicholas of Waringham sind. Eleanor und Francis hat er nie offiziell anerkannt, sie haben den Makel des "Bastards", während Isaac und Isabella die Kinder der zweiten Frau waren. Das alleine bietet schon Konfliktpotenzial, denn Eleanor hat keine guten Erinnerungen an ihren Vater, der ihrer Meinung nach die Mitschuld daran trägt, dass damals Mary Tudor, die Tochter von Henry VIII, Königin von England wurde und so ihren religiösen Wahn ausleben konnte und unzählige Menschen protestantischen Glaubens hinrichten ließ.

Wie immer gelingt es Rebecca Gablé historische Fakten und Fiktion wunderbar miteinander zu verweben. Die komplette Handlung wird dadurch so authentisch, dass man glauben kann, dass sich alles genau so abgespielt hat und ein Isaac of Waringham zusammen mit den berüchtigten Freibeutern John Hawkins und Francis Drake gegen die Spanische Armada gekämpft hat.
Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und lebendig, es gibt spannende, lustige und emotionale Momente. Und wie immer sind die Charaktere vielschichtig und nicht einfach nur gut oder nur böse.
Es wird klar, dass Elizabeth für die damaligen Verhältnisse eine starke Frau war, die niemals heiraten wollte, weil sie dann ihre Macht an einen König oder Prinzgemahl verloren hätte. Ob ein anderer Grund tatsächlich der ist, dass sie als Kind mitbekommen hat, wie ihr Vater Henry VIII. ihre Mutter, also seine Frau, Anne Boleyn hinrichten lassen hat und Elizabeth deshalb schwor, dass sie niemals heiraten werde....wer weiß?
Im Nachwort schreibt die Autorin, dass ihrer Meinung nach viel dafür spricht, dass Elizabeth und Robin Dudley sich zwar liebten, aber kein Verhältnis hatten. Ein großes Opfer, denn mit ihrem Verzicht stellte sie das Wohl ihres Volkes über ihr eigenes.

Abwechselnd begleiten wir Isaac auf See nach Afrika oder in die Neue Welt und Eleanor auf ihren Missionen für die Königin. So lernen wir auch die schottische Königin Mary Stewart kennen, ebenfalls eine faszinierende Persönlichkeit. Allerdings scheint es, dass ihr die Männer zum Verhängnis wurden. Wäre sie ein bisschen mehr wie ihre englische Cousine gewesen, wer weiß, vielleicht wäre für sie alles anders gekommen.

Über den Zeitraum der Jahre lernen wir dann auch schon die nächste Generation der Waringham kennen. Auf der Burg gibt es mittlerweile eine Schule und das Gestüt ist im ganzen Land berühmt und die Pferde für die gute Zucht bekannt. Wieder darüber zu lesen, war fast wie nach Hause zu kommen.

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Was ich rette geht zu Grund, was ich segne muss verderben.
Nur mein Gift macht dich gesund. Um zu leben musst du sterben.
(Musical: Tanz der Vampire)