Carolin Wahl: Die Traumknüpfer

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Offline Kathrin

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Carolin Wahl: Die Traumknüpfer
« am: 14. Juni 2016, 16:33:29 »
[isbn]3453316479[/isbn]   Die Traumknüpfer
Carolin Wahl
Fantasy
Seiten: 720
Verlag: Heyne
Preis: 13,99 Euro

Inhalt:
In einer Welt, in der Frühling, Sommer, Herbst und Winter über die Träume mit den Menschen verbunden sind, liegt das Schicksal der vier Jahreszeitenvölker in den Händen der Traumknüpferin Udinaa. Doch als Udinaa – halb Mensch, halb Göttin – erwacht, zerbricht ihr Traum in Abermillionen magische Splitter. Jeder einzelne dieser Splitter verleiht, einmal gefunden, dem Träger die Macht der Götter. Als die Traumsplitter in die Hände eines Verräters fallen, scheint ein gewaltiger Krieg unausweichlich. Einzig Kanaael, der Prinz der Sommerlande, und Naviia, eine junge Clansfrau aus dem Wintervolk, vermögen den Lauf des Schicksals noch zu wenden ...

Meine Meinung:
 „Die Traumknüpfer“ ist der erste Roman der jungen Autorin Carolin Wahl und im Heyne-Verlag erschienen. Die Geschichte spielt in den Ländern der vier Jahreszeitenvölker und der in ihrer Mitte liegenden Insel Mii, auf der eine Nachfahrin der Frühlingsgöttin Kev schläft und mit den von ihr geknüpften Träumen die Welt in Gleichgewicht hält. Hauptfiguren sind Kanaael, Prinz von Suvii und Naviia aus den Winterlanden. Beide verfügen über besondere und vor allem seltene magische Gaben: Kanaael ist ein Traumtrinker und Naviia eine Weltenwandlerin.

Die Gestaltung des Buches gefällt mir sehr gut. Gerade zu Beginn eines Romans konsultiere ich Extras wie mit Landkarten, Personenregister und Glossar gerne, um mich in der Welt des neuen Buches und bei den mitspielenden Figuren zurechtzufinden. Allerdings erschließt sich mir mit unter nicht der Grund, warum manche Figuren im Personenregister erwähnt werden (die beispielsweise schon lange tot sind) und manche, die noch leben, nicht. Das ist in meinen Augen etwas inkonsequent und nicht logisch.

Den Stil von Carolin Wahl empfinde ich mitunter als etwas sperrig und auch holprig. Gerade zu Beginn musste ich manche Sätze mehrfach lesen musste und sie dann, um sie zu verstehen, auf das Wesentliche kürzen. Hinzu Rechtschreib- und Grammatikfehler, die zwar vorkommen können und dürfen, in der Häufigkeit jedoch nervben. Da hat das Lektorat keinen guten Job gemacht.  Der Einstieg fiel mir dadurch nicht gerade leicht, aber mit der Zeit liest man sich ein und findet sich mitten in der Geschichte wieder. Zumal es auch einige Szenen gibt, in denen die Autorin beweist, dass  sie toll erzählen und bunte und lebendige Bilder in meinem Kopfkino erzeugen kann.

Leider gibt es solche schönen Szenen viel zu selten. Wenn ich von Göttern oder göttlicher Magie lese, erwarte ich Verzauberung, Wow-Effekte oder Gänsehaut-Momente, was sich bei mir leider nur sehr selten eingestellt hat. Das fängt schon allein damit an, dass die an sich schöne Idee der magischen Gaben (das Traumtrinken, das Weltenwandeln und das Seelensingen) nach ca. der Hälfte des Buches links liegen gelassen wird und fast schon vergessen wirkt. Stattdessen bekommen wir gegen Ende eine absolut unglaubwürdige Liebe auf den ersten Blick präsentiert und eine unnötig geopferte Unschuld und unnötige Sex-Szene. Da war ich kurz vorher noch froh, dass wir die Schändung Udinaas nicht „live“ miterleben mussten (die ich aber auch so am Rande erzählt nicht mochte) und dann so was. Das war für mich wirklich der größte Aufreger an dem Buch, aber auch andere kleinere Kritikpunkte tragen leider zu meiner eher schlechteren Meinung zu dem Buch bei, wie z.B. falsche Fährten, die gelegt wurden und keinen Sinn ergeben oder die vielen kleinen Stolpersteine auf Kanaaels Weg zur Insel Mii.

In meinen Augen legt die Autorin ihre Prioritäten beim Erzählen auf Nichtigkeiten oder Szenen, die letztlich überhaupt keine Relevanz haben und vernachlässigt statt dessen ihre Figuren. Die Figuren sind für mich eher blass. Der eine ist zu böse, die andere zu sehr Teenie…und selbst der interessanteste Charakter hat einen klar vorgezeichneten Weg und konnte mich nicht überraschen. Dass die Autorin dann auch noch meinen Liebling im Buch sterben lässt, macht die Sache nicht besser.

Meine Meinung zu dem Buch „Die Traumknüpfer“ von Carolin Wahl mag ziemlich hart klingen, aber sie klingt schlimmer, als ich das Buch im Endeffekt empfunden habe. Mein Wort für das Buch ist „nett“ und mit „nett“ meine ich nicht die kleine Schwester von … (ihr kennt das Sprichwort). Es lässt sich, wenn man sich an den Stil gewöhnt und in die Geschichte eingelesen hat, gut lesen und hat eine wirklich schöne Idee als Basis, aus der die Autorin nur noch viel mehr hätte herausholen können. Z.B. auch aus der in der Geschichte öfter erwähnten „Chronik des verlorenen Volkes“, in der sogar ein Stammbaum der Götter und ihrer Nachfahren enthalten sein soll. Längere Passagen und Auszüge des Stammbaums hätten das Buch für mich noch deutlich aufwerten können.

Bewertung:
Rock the Night!