Maria Nikolai - Die Schokoladenvilla (Hörbuch)

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Offline Annette B.

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Maria Nikolai - Die Schokoladenvilla (Hörbuch)
« am: 01. November 2018, 22:09:08 »
Die Schokoladenvilla von Maria Nikolai

Sprecherin: Beate Himmelstoß
Hörbuch-Download
Spieldauer: 15 Stunden und 47 Minuten
ASIN: B07GC2CRB7

Klappentext:

Das Schicksal zweier Frauen. Das Erbe einer Familie. Die Geschichte einer Leidenschaft.

Stuttgart, 1903: Als Tochter eines Schokoladenfabrikanten führt Judith Rothmann ein privilegiertes Leben im Degerlocher Villenviertel. Doch die perfekte Fassade täuscht. Judiths Leidenschaft gehört der Herstellung von Schokolade, jede freie Minute verbringt sie in der Fabrik und entwickelt Ideen für neue Leckereien. Unbedingt möchte sie einmal das Unternehmen leiten. Doch ihr Vater hat andere Pläne und fädelt eine vorteilhafte Heirat für sie ein – noch dazu mit einem Mann, den sie niemals lieben könnte. Da kreuzt ihr Weg den des charismatischen Victor Rheinberger, der sich in Stuttgart eine neue Existenz aufbauen will ...

Meine Meinung:

Schokolade, so bitter und süß wie das Leben

Ich habe das Hörbuch zu diesem Buch gehört und möchte zunächst der Sprecherin, Beate Himmelstoß, meinen großen Respekt aussprechen für diese sehr gute Leseleistung. Die Handlung wurde durch diese Sprecherin sehr lebendig.

Zu diesem Hörgenuss trägt natürlich auch das Thema des Romans bei, Schokolade.
Sie steht zwar nicht so sehr im Vordergrund der Handlung, aber man wird doch immer wieder animiert zu naschen. 
Im Vordergrund steht das Schicksal zweier Frauen, die mit den Zwängen der Gesellschaft um 1903 schwer zu kämpfen haben.
Judith und auch ihre Mutter kommen mit den geltenden Regeln, dass Frauen nur für Haushalt und Kinder verantwortlich sein sollen gar nicht klar.
Judith arbeitet gerne in der Schokoladenfabrik ihres Vaters und würde dort auch mit vergnügen mehr Verantwortung übernehmen. Doch dieser Weg ist ihr verschlossen und ihre kreativen Ideen haben somit keine Chance, in der von Männern dominierten Unternehmer Welt.
Judiths Mutter Helene hat sich dem strengen Regiment, welches Judiths Vater zu Hause auch zeigt, entzogen. Sie ist zu einer Kur an den Gardasee gereist.
Somit hat Judith quasi den Platz ihrer Mutter zu Hause eingenommen und kümmert sich auch um ihre 8 jährigen Zwillingsbrüder, die mit ihren Streichen für viel Aufregung in der Handlung sorgen. Bei mir haben diese beiden Lausbuben immer wieder für ein schmunzeln gesorgt und ich war pausenlos gespannt, welche verrückte Idee sie nun als nächstes in die Tat umsetzten.
Diese heiteren Momente waren sehr schön in die sehr anspruchsvolle Handlung eingeflochten.
Die Autorin hat in diesem Roman eine überschaubare Menge an Charakter eingefügt, die alle ihre speziellen Eigenschaften haben. Nicht immer nur schöne oder gute Eigenschaften.
Das harte Arbeitsleben der Dienstboten im Unternehmerhaushalt wird von der Autorin genauso realistisch dargestellt, wie auch das lockere Leben der Söhne aus der Oberschicht.
Besonders gut hat mir gefallen, dass auch viele kunsthandwerkliche Berufe und technische Entwicklungen  beschrieben wurden. Die Schokolade muss ja auch appetitlich und in vielen ansprechenden Formen den Kunden zum kaufen animieren. Da war viel Kreativität gefragt.
Diese breit gefächerten Informationen rund um die Schokolade verknüpft die Autorin mit dem Schicksal von Judith und ihrer Mutter. Aber auch mit dem Leben von den Hausangestellten oder dem Schicksal der sozial schwachen Menschen, die durch Krankheit oder anderen schlimmen Ereignissen in ihrem Leben, in bitterer Armut leben.

In diesem Buch hat Frau Nikolai den Leser zunächst einmal mit Judith und ihrer Familie vertraut gemacht. Mit dem Leben der Frauen im Kaiserreich und mit den großen gesellschaftlichen und sozialen Problemen dieser Zeit.
Die Tatsache, dass der Vater bestimmte wen Judith heiraten sollte und ihre große Liebe zu einem anderen Mann, bilden hier die spannende Basis für uns Leser um in eine ganz andere Zeit abzutauchen.
Viele Personen in dieser Handlung kann man lange nicht durchschauen. Vom knallharten Geschäftsmann bis zum herzensguten Tüftler ist alles dabei.
Windige Typen mit miesen Absichten und verständnisvolle Menschen mit einem guten Herzen, kreuzen Judiths Weg. Sie alle machen aus dieser Familiengeschichte ein unvergleichliches Lese – beziehungsweise Hörvergnügen.
Es lohnt sich, Judith und ihre Mutter auf ihrem Weg zu begleiten.
Der Weg ist Abwechslungsreich und steinig, aber führt er auch zum Ziel?
Finden Sie es heraus und begleiten Sie die beiden Frauen.

   

Liebe Grüße Annette

Offline SilkeS.

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Re: Maria Nikolai - Die Schokoladenvilla (Hörbuch)
« Antwort #1 am: 02. November 2018, 08:24:11 »
Danke für die Rezi Annette.
Das Buch hatte ich auch grad auf meine Wunschliste gepackt...

Gruß Silke
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Offline Steffi

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Re: Maria Nikolai - Die Schokoladenvilla (Hörbuch)
« Antwort #2 am: 02. November 2018, 13:01:00 »
Kommt auf meinen Wichtelwunschzettel.  :->
Ich lese gerade:
Tom Mullen: Darktown

            als nächstes auf dem SUB
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Offline Annette B.

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Re: Maria Nikolai - Die Schokoladenvilla (Hörbuch)
« Antwort #3 am: 04. November 2018, 18:10:20 »
Dann wünsche ich euch viel Spaß mit den Zwillingen und natürlich mit Viktor und Edgar, dass Dreamteam in diesem Buch als es schwierig für Judith wurde.   :zwinker:
Liebe Grüße Annette

Offline nirak

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Re: Maria Nikolai - Die Schokoladenvilla (Hörbuch)
« Antwort #4 am: 08. November 2018, 17:52:35 »
Die Schokoladenvilla (Print)
ISBN: 9783328103226
Seiten: 652
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 10€


Viel Schokolade, etwas Liebe und historische Einblicke in die Anfänge des 20. Jahrhunderts

Schokolade ist im Jahre 1903 noch etwas Besonderes. Ihre Herstellung ist mit viel Arbeit verbunden. Arbeit, vor der sich Judith Rothmann nicht scheut. Sie ist die Tochter eines Schokoladenfabrikanten und ihr größter Traum, ist es einmal diese Fabrik zu leiten. Mit viel Herzblut entwickelt sie immer neue Leckereien und ignoriert die Pläne ihres Vaters. Dieser aber, möchte sie gewinnbringend verheirateten. Ausgerechnet mit einem Mann, den Judith nicht leiden kann.
Und dann begegnet sie auch noch Victor Rheinberger. Dieser junge Mann will sich in Stuttgart eine neue Existenz aufbauen. Ihre Begegnung verändert alles.

„Die Schokoladenvilla“ ist der Auftakt einer Reihe über das Leben am Anfang des 20. Jahrhunderts überwiegend in Stuttgart. Im Vordergrund steht die Herstellung von Schokolade, könnte man meinen, aber eigentlich ist sie nur ein Beispiel für die damaligen Abläufe in einer Fabrik und im Leben der Oberschicht allgemein. Judith entstammt einer Familie, die privilegiert leben darf, aber auch hier ist es nicht immer einfach. Judith erlebt am eigenen Leib, was es heißt, wenn der Vater über ihr Schicksal bestimmt. Anschaulich schildert die Autorin, welche Möglichkeiten die Frauen in dieser Zeit hatten. Nicht nur Judith verlässt die ihr vorgegebenen Pfade. Es war spannend, zu lesen, welche Möglichkeiten es wirklich für die Frauen der damaligen Zeit gegeben hat.

Aber nicht nur die Frauen hatten so ihre Probleme, auch bei den jungen Männern bestimmten die Väter die Wege. Victor Rheinberger versucht sich, diesem ebenfalls zu entziehen. Er ist dafür bis nach Stuttgart gereist. Hier findet er Menschen, die ihn unterstützen und ebenfalls Ziele und Träume lebendig werden lassen. Durch ihn erfährt man, wie sich das Leben abgespielt hat, bei den weniger betuchten Menschen. Victor muss sich seine Ziele hart erarbeiten.

Die einzelnen Charaktere hat Frau Nikolai intensiv ausgearbeitet. Ich hatte meinen Lesespaß bei diesem ersten Buch. Es gab nicht nur Probleme zu bewältigen, sondern auch so manchen Spaß mit einigen Protagonisten. Ich mochte vor allem die Vielfalt der Charaktere. Auch gerade kleine Nebenschauplätze lassen einen die Zeit beim Lesen vergessen. Hierbei ist dann auch deutlich zu spüren, wie gut Frau Nikloai recherchiert hat. Immer wieder fließen Ereignisse oder sogar Personen in die Geschichte ein, die so gelebt haben oder geschehen sind. Mir hat die Mischung aus historischem Wissen und fiktionaler Geschichte gut gefallen.

Am Ende des Buches befindet sich ein umfangreicher Anhang mit Personenregister, Glossar und einigen Informationen zu den historischen Hintergründen. Fiktion und Wahrheit werden auch noch beleuchtete.

Auch wenn „die Schokoladenvilla“ der Auftakt einer Trilogie ist, so ist das Ende in diesem Band, trotzdem angenehm zu lesen. Ich möchte natürlich wissen, wie es mit Judith und Victor und ihren Familien weitergeht, aber trotzdem hat mich der Schluss zufrieden zurückgelassen.