Anthony Doerr: Alles Licht das wir nicht sehen

Begonnen von Kathrin, 20. Juli 2021, 17:25:21

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Kathrin

Alles Licht das wir nicht sehen von Anthony Doerr

Herausgeber ‏ : ‎ btb Verlag
Taschenbuch ‏ : ‎ 528 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3442749859

Inhalt:
In seinem Roman erzählt Anthony Doerr kenntnisreich und in einer wunderschönen Sprache, kunstvoll miteinander verwoben, die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg, der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris nach Saint-Malo flieht, und des jungen Waisen Werner, der in der Wehrmacht eingesetzt wird. Unaufhaltsam treibt die Geschichte sie aufeinander zu, spannend, labyrinthisch und atemlos.

Meine Meinung:
Anthony Doerr hat es mir mit seinem Roman ,,Alles Licht das wir nicht sehen" echt nicht leicht gemacht, denn ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch, vor allem weil es von den Booktuber*innen, die ich verfolge, so gut besprochen wird. Aber ich muss leider sagen, dass ich mich ziemlich durch dieses Buch gequält habe. Dabei ist die Geschichte an sich super spannend und auch gut aufgebaut, nur halt leider nicht nach meinem Geschmack erzählt.

Anthony Doerr erzählt uns hier die Geschichte zweier Jugendlicher während des Zweiten Weltkriegs: Marie Laure und Werner. Marie Laure ist Französin und erblindet im Kindesalter. Es ist absolut wunderbar, wie ihr Vater sich um sie kümmert und ihr hilft die Welt auch so erleben zu können. Doch mit der Besetzung von Paris ändert sich alles für sie, denn sie muss mit ihrem Vater nach St. Malo zu ihrem etwas verschrobenen Großonkel Etienne fliehen und ihre gewohnte Umgebung ihr gewohntes Leben verlassen. Werner hingegen ist ein junger Deutscher der zusammen mit seiner Schwester Jutta in einem Waisenhaus aufgewachsen ist. Er ist technisch sehr begabt und wird dadurch in einer Nazi-Eliteschule ausgebildet und landet viel zu früh in einer Wehrmachtseinheit.

Die Geschichte an sich und wie die beiden Erzählstränge um Marie-Laure und Werner miteinander verknüpft sind, ist großartig, und hatte auch einen spannenden, fast schon Krimi-Aspekt in sich. Aber der Erzählstil hat mich massiv gestört. Ich habe über 100 Seiten gebraucht um wirklich im Buch anzukommen und selbst dann konnte ich mich z.B mit dem Präsenz als Erzählzeit nicht anfreunden. Es gibt Bücher, das stört es mich weniger, aber war es gar nicht meins. Ich musste mich immer wieder in den Schreibstil reinkämpfen. Wahrscheinlich hätte es mir geholfen, wenn ich mal 5-6 Std. am Stück hätte lesen können, aber die Zeit hat man ja leider nicht immer.

Mir hat auch der Zugang zu den Figuren gefehlt. Mit Werner konnte ich lange Zeit gar nichts anfangen, bei Marie Laure war es besser, aber da wohl auch vor allem von Mitleid und tollen Figuren in ihrem Umgebung geprägt. Ich will damit nicht sagen, dass mir Werner oder Marie-Laure unsympathisch gewesen sind, das war nicht der Fall, aber ich war emotional nur sehr wenig bei ihnen. Natürlich ist es schlimm, was die beiden erleben bzw. durchleben mussten und gerade auch Werners Passagen in der Napola waren oft nur schwer zu ertragen, aber ich fand die beiden im Vergleich zu einigen Nebenfiguren wirklich schwach und fast schon langweilig gezeichnet.

Dabei kann der Autor erzählen. Das Blind-Sein von Marie-Laure ist z.B. super eingefangen und auch sonst hat er immer wieder gezeigt, dass er es besser kann: ,,Das Klavier lässt einen langen vertrauten Lauf hören, der Pianist spielt parallele Tonfolgen und es klingt als besäße er drei, vier Hände. Die Harmonien sind wie ständig wachsende Perlen an einem Stand und Werner sieht, wie sich die sechsjährige Jutta zu ihm beugt und Frau Elena im Hintergrund Brotteig knetet. Er hält das Radio auf dem Schoß, und die Saiten seiner Seele sind noch nicht durchtrennt." Und so gibt es einige Stellen und auch Menschen, die mich begeistern oder überraschen konnten und das rechne ich ihm hoch an. Genau wie das Ende, dass gut und rund war, ohne in Kitsch abzudriften.

Ich hätte die Geschichte wirklich sehr, sehr gerne besser bewertet und bin inzwischen in meiner Bewertung auch etwas nach oben gegangen, aber ein Highlight war es für mich sicherlich nicht.

Bewertung:
[note2-]
Rock the Night!

Inge78

Auf meiner Wunschliste steht es auch noch, jetzt bin ich doch etwas zwiegespalten
Lese ich doch lieber erstmal was vom SUB  :dong:
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

Kathrin

Es ist bei mir wirklich hauptsächlich die Sprache, die mich stört, ist aber eine ganz individuelle Sache. Kann sein, dass Dich das gar nicht stört. Schau doch mal, ob es eine LEseprobe gibt.
Rock the Night!

Inge78

Zitat von: Kathrin in 21. Juli 2021, 08:41:52
Es ist bei mir wirklich hauptsächlich die Sprache, die mich stört, ist aber eine ganz individuelle Sache. Kann sein, dass Dich das gar nicht stört. Schau doch mal, ob es eine LEseprobe gibt.

Gute Idee  :pling:
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf