Das Kupferne Zeichen - Katia Fox

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Offline Lannie

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Das Kupferne Zeichen - Katia Fox
« am: 22. März 2007, 18:00:44 »
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3-404-15700-1
Seiten: 550
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 07.2007

[isbn]3404157001[/isbn]


Inhaltsangabe

"Eines Tages werde ich ein Schwert für den König schmieden!" Ellen wunderte sich, wie selbstverständlich ihr die Worte über die Lippen gekommen waren. Doch nachdem sie es ausgesprochen hatte, wusste sie, dass genau das ihr Ziel war.« England, 12. Jahrhundert. Die junge Ellen fühlt sich nirgends so wohl wie in der Schmiede ihres Vaters. Ihr größter Traum ist es, eines Tages Schwertschmiedin zu werden. Doch das ist für Mädchen unmöglich. Allen Schwierigkeiten zum Trotz folgt sie ihrer Berufung und taucht als Junge verkleidet ein in die Welt des Königshofs. Denn sie will ein Zeichen setzen, mit einem Schwert, das unvergleichlich ist und vollkommen. Aber die Lüge, auf der sie ihr Leben aufgebaut hat, wird ihr zum Verhängnis, als sie sich in einen jungen Ritter verliebt. Zu spät erkennt Ellen, wem sie vertrauen darf - und dass sie bei Hofe einen Feind hat, der zu allem bereit ist ...

Meine Meinung

"Das kupferne Zeichen" ist der erste Roman von Katia Fox und ist ihr wirklich sehr gut gelungen, das gleich vorweg. Gleich von Beginn an hatte mich die Geschichte um Ellen gepackt und bis zum Schluß nicht mehr losgelassen. Wenn ein Buch den Begriff "Page-Turner" verdient, dann dieses. Die Seiten flogen nur so dahin und den Roman weglegen war nahezu unmöglich.

Vor allem mag es daran liegen, dass die Autorin auf kleinstem Raum Unmengen an Ereignissen untergebracht hat. Auf 640 Seiten erzählt Katia Fox 22 Jahre aus Ellens Leben, und das ist wirklich sehr ereignisreich. Leider ist das nicht ausschließlich positiv. Einige Seiten mehr hätten der Geschichte sicherlich gut getan, hätten ihr an manchen Stellen mehr Tiefe und Flair verliehen. Daher kann ich dem Buch auch nicht die Höchstwertung geben. Dennoch ist der gesamte Roman in sich schlüssig und auch Logikfehler habe ich keine gefunden, so dass "Das kupferne Zeichen" doch sehr rund geworden.

Das Buch ist stilistisch und sprachlich einfach umwerfend. Katia Fox hat sehr darauf geachtet, dass moderne Begriffe keinen Platz in ihrem Roman einnehmen und die Sprache mittelalterlich, aber nicht schwulstig wirkt. Ganz klar, ich habe mich in ihren Stil verliebt. Rebecca Gablé-Leser werden hier ihre wahre Freude haben, erinnert Aufbau, Sprache und Stil doch ein wenig an sie.

Bei den Charakteren hat sich die Autorin außerordentlich viel Mühe gegeben. Selbst die Nebenfiguren sind wunderbar ausgearbeitet und voller Facetten und strahlen unheimlich viel Leben aus. Die Figur der Ellen ist sagenhaft geworden. Bei ihr ist es Katia Fox gelungen, Erfahrungen des Lebens, Schicksalsschläge, wachsende Reife und das Älterwerden auch in ihrem Charakter sichtbar zu machen. Ellen ist nicht starr in ihrem Wesen geblieben, sondern den Wandel ihres Charakters konnte man wunderbar in Roman beobachten. Dank der phantastischen Figuren hat man immer mitgefiebert, gehofft und gebangt, sich gefreut, wenn alte Bekannte wieder einen Platz in der Geschichte gefunden haben und getrauert, wenn eine sympathsiche Figur gestorben ist.

Das Ende des Romans ist für den Leser sehr befriedigend, bleiben doch keine Fragen offen und lässt Ellen und ihre Lieben gerne ziehen. Aber es ist auch so geschaffen, dass man vielleicht mit einer Fortsetzung rechnen kann.

Ich habe das Buch sehr genossen und werde auf jeden Fall das nächste Buch von Katia Fox lesen und hoffe, dass sie sich traut, ihrem nächsten Werk etwas mehr Länge zuzugestehen. Sie ist für mich definitiv die Neuentdeckung 2006 im Bereich der historischen Romane.

Meine Bewertung

Note: 2

« Letzte Änderung: 15. Oktober 2008, 16:06:38 von Lannie »
Liebe Grüße
Lannie aka Cait

The Viewfinder

Offline Kathrin

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Re: Das kupferne Zeichen - Katia Fox
« Antwort #1 am: 25. März 2007, 19:05:56 »
Und meine letzte Rezi für heute, bin einfach zu ko.

Alles in allem fand ich das Buch richtig gut und ich bin super froh, dass ich nicht versäumt habe, es zu lesen. Trotzdem gab es einige Punkte, die mir aufgefallen waren, über die ich nicht so glücklich war:

So war mir ca. die erste Hälfte des Buches einfach zu voll gepackt. Es waren zu viele Personen, die das Leben der Hauptperson Ellen begleitet haben. Es ist nicht nur verwirrend, auf Grund der Vielzahl, sondern auch dadurch, dass die Autorin hier teilweise viel zu oberflächlich war. Es kommt nicht immer klar heraus, warum die Personen auftauchen mussten und was sie für Ellen bedeuten. Vermutlich hätte sich Katia Fox einige Personen sogar sparen und dafür die wirklichen wichtigen Charaktere und die dazugehörigen Passagen intensiver ausschmücken können. Gerade durch diese vollgestopfte erste Hälfte wirkt das Buch leider anfangs etwas hektisch und unruhig.

Auch mit Ellen hatte ich zwischendurch leichte Probleme. Wobei es nicht an Ellen selbst lag, sondern vielleicht an der Beschreibung bzw. Nicht-Beschreibung ihrer Person/ ihrer Gefühle durch die Autorin. Ich vermute sogar, dass ich teilweise ähnlich gehandelt hätte, sei es aus Naivität oder Blindheit/ Liebeswahn. Und trotzdem kam mir Ellens Innenleben zu kurz. Ihre Gefühle wurden zu kurz abgehandelt, waren nicht intensiv genug, aber vielleicht auch bedingt durch die Hektik des ersten Teils, der wie gesagt sehr vollgepackt wirkt. Allerdings ändert sich das mit der Zeit und es kehrt ein wenig mehr Ruhe in Ellens Leben und dadurch auch in den Roman ein.

Ein weiterer Kritikpunkt, den vielleicht nicht jeder sieht, ist die Einfallslosigkeit was die Namen der erfunden Romanfiguren angeht. Dabei geht es mir weniger um die Hauptperson Ellen (Ellenweore), da ich es von anderen historischen Romanen her gewöhnt bin, dass die Namen der herrschenden Könige und Königinnen oft vergeben worden sind. So ist es zu der Zeit, in der "Das kupferne Zeichen" spielt relativ normal, wenn die ein oder andere weibliche Figur Eleonore, Aelinor oder so ähnlich heißt, in Ableitung zur Ehefrau (Aelinor von Aquitanien) des damaligen Königs Henry II. Ebenso taucht in Romanen, die 50-100 Jahre früher spielen, häufig der Name Mathilde auf, in Anlehnung an die Ehefrau von Wilhelm dem Eroberer. Aber musste Katia Fox denn wirklich Namen übernehmen, die wir von Rebecca Gablé, Diana Gabaldon oder Iny Lorentz her kennen? Das hat mich persönlich gestört, da ich mit Namen oft eine bestimmte Person aus anderen Romanen verbinde, und hat für mich ein wenig was von Einfallslosigkeit.

Was mir leider als Fan von historischen Romanen auch gefehlt hat, war der innen- und außenpolitische Hintergrund der damaligen Zeit. Gerade die Entzweiung zwischen König Henry und seiner Frau Aelinor (Eleonore) von Aquitanien und die u.a. daraus resultierende Rebellion der Prinzen gegen ihren Vater finde ich sehr spannend und fehlt mir. Dies alles wird immer nur in wenigen Sätzen angerissen, so dass dann der Hintergrund zum Showdown auf den letzten Seiten des Buches nicht leicht verständlich ist. Ich persönlich hätte das gerne intensiver in dem Buch erfahren.

Tja, wenn man diese Kritikpunkte so liest, kann man wahrscheinlich nicht wirklich glauben, dass ich das Buch gut fand, aber es ist so. Ich habe mich wirklich sehr sehr gut unterhalten gefühlt. Das Buch hatte keine langatmigen, sich ziehenden Passagen. Auf die Idee, das Buch nicht zu beenden, bin ich zu keiner Zeit gekommen. Es liest sich locker, flüssig weg und hätte mich, wenn ich unvernünftig gewesen wäre, einiges an wohlverdientem Schlaf kosten können, so aber habe ich mich abends immer zwingen müssen, das Buch wegzulegen.

Ebenfalls sehr gut beschrieben war die Tätigkeit der Schmiede, die einzelnen Arbeitsschritte zur Herstellung eines Schwertes wie Athanor oder Runedur. Das war meiner Meinung nach eine Meisterleistung. Katia Fox hat hier sehr gut recherchiert und dies dem laienhaften Leser sehr gut weitergegeben, ohne belehrend oder zu fachlich zu wirken.

Ja, es mag paradox erscheinen, die Contra (Kritik)-Seite zu diesem Roman ist eindeutig länger, als die Seite mit den Pluspunkten. Aber für mich zählt dann wohl die wirklich gute Unterhaltung deutlich mehr. Katia Fox hat bewiesen, dass sie schreiben und unterhalten kann, an der Intensität einzelner Passagen bzw. Charakteren arbeiten sollte.

Bewertung:


lg
kathrin
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Lexle

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Re: Das kupferne Zeichen - Katia Fox
« Antwort #2 am: 10. Juni 2007, 20:40:53 »
Hallo Kathrin,

weiß zwar nicht, ob es "erlaubt" ist, mitzusenfen hier, aber ich wollt Dir doch unbedingt noch beipflichten!

Hab das Buch zugeschickt bekommen, weil ich verpennt hatte, meinen Quartalskauf zu machen. Und eigentlich hab ich dann eher aus "Nix-mehr-zu-lesen"-Gründen das Buch zur Hand genommen (war im ersten Moment von der Vorstellung im Katalog eher ein bißchen skeptisch und hätte es mir zu dem Zeitpunkt wohl nicht gekauft...). Tja, und dann hab ich es zwei Tage NICHT mehr aus derselbigen gelegt! Es las sich sowas von mitreißend, spannend... Ich mußte einfach weiterlesen in jeder freien Minute.

Für Freunde bzw. Freundinnen historischer Romane aus meiner Sicht ein Must have!

Katia Fox ist definitv eine heiße Anwärterin zu einer meiner neuen Lieblingsschriftstellerinnen...
LG
Lexle

Offline Kathrin

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Re: Das kupferne Zeichen - Katia Fox
« Antwort #3 am: 11. Juni 2007, 08:08:40 »
Hallo Lexle,

natürlich ist es erlaubt hier mitzusenfen! Da freuen wir uns doch drüber.
Das ist ne schöne Story, wie Du zu dem Buch gekommen bist und dass es Dir dann auch noch so gut gefallen hat!

lg
kathrin
Rock the Night!

Offline Annette B.

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Re: Das kupferne Zeichen - Katia Fox
« Antwort #4 am: 11. Juni 2007, 08:21:48 »
Hallo Lexle und Kathrin,
dieses Buch ist wirklich ein "Muss" und was ich an unserer Leserunde so toll fand war, dass Katia Fox uns schon von ihrem neuen Buch erzählt hat! Da freue ich mich schon riesig drauf und hoffe das wir dazu dann auch eine Leserunde machen, wenn es erscheint! :flirt:
Liebe Grüße
Annette
Liebe Grüße Annette