Kreuzblume von Andrea Schacht

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Offline Annette B.

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Kreuzblume von Andrea Schacht
« am: 15. Oktober 2007, 19:40:13 »
Hier meine Meinung zu dem Buch

Kreuzblume von Andrea Schacht


[isbn]3764502207[/isbn]


Cover und Gestaltung:
Das Cover ist schon ansprechend, obwohl es nicht ganz meinem Geschmack entspricht.
Ich bin Sicher, dass es aus der Zeit von 1770-1810 bestimmt noch andere Motive gegeben hätte.
Die Handlung im Buch betrifft den Bau des Kölner Dom und da denke ich, hätte es bestimmt noch viele andere Möglichkeiten zur Gestaltung des Covers gegeben.
Im inneren des Buches wird man dann aber direkt wieder versöhnt, da die alten Bauzeichnungen der Nordtürme des Kölner Dom, direkt am Anfang des Buches abgebildet sind.
Andrea Schacht hat auch ein Personenregister und auch ein erklärendes Nachwort am Ende des Buches eingefügt. Beides ist für den Leser sehr hilfreich um sich im Buch und in den geschichtlichen Ereignissen zurecht zu finden.
Zur Gestaltung der einzelnen Kapitel muss unbedingt lobend erwähnt werden, dass Frau Schacht jedes Kapitel liebevoll mit Versen oder Textzeilen aus Volksliedern der damaligen Zeit (von Goethe, Schiller, Platen oder Walter von der Vogelweide)  begonnen hat.  Der Inhalt der Verse steht auch immer im Zusammenhang mit dem Geschehen in den einzelnen Kapiteln. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Zum Schreibstil:
Dieses Buch ist genauso flüssig und leicht verständlich geschrieben wie alle anderen Bücher von Andrea Schacht. Selbstverständlich ist auch diese Geschichte mit einer gehörigen Portion Humor und Ironie gewürzt, wie man es von Frau Schacht gewöhnt ist. Stellenweise musste ich als Leser laut Lachen.

Zum Inhalt:
Frau Schacht hat sich bemüht den Zeitgeist und die Stimmungen der damaligen Zeit (zwischen 1770 und 1810) für den Leser zum Leben zu erwecken. Sie erzählt die Schicksale der unteren Bevölkerungsschichten mit all` ihren Nöten und Scheußlichkeiten. Wobei Fr. Schacht nicht vergisst, die Arroganz und Unfähigkeit damaliger Könige, Kaiser und Staatsdiener konsequent anzuprangern. Korruption und Amtsmissbrauch wird von der Autorin genauso deutlich dargestellt, wie auch Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Das preußische Soldatenleben und Kampfgeschehen findet man ebenfalls mit sehr deutlichen und bildhaften Worten beschrieben. Der Leser erkennt leicht das Absurde und sinnlose in der Kriegsführung der Preußen, aber auch das kluge und taktische Denken in der Kriegsführung der Franzosen. Die Autorin vermeidet eine schwarz - weiß Malerei in dieser Geschichte und daher findet man in diesem Buch kein Heldentum oder Glanz, der das geschichtliche Geschehen im falschen Licht erscheinen lässt!
Frau Schacht erzählt viele verschiedene Einzelschicksale in diesem Buch, so das ich manches mal als Leser den Überblick verloren habe.
Der eigentliche Kern dieser  Geschichte, ist das Auffinden der verschollenen mittelalterlichen Dombaupläne.  Diesen Kern habe ich in vielen Kapiteln schmerzlich vermisst, da ich über viele andere Einzelschicksale informiert wurde.
An dieser Stelle muss ich wirklich sagen: „Weniger Einzelschicksale wäre noch mehr Spannung gewesen!“
Dieses Buch ist prall gefüllt mit Informationen zum mittelalterlichen Bauen, aber auch mit revolutionären Neuerungen im Denken der Menschen um 1800 herum.
Mit all` den Informationen und Einzelschicksalen hätte Frau Schacht locker zwei Bücher füllen können. Wahrscheinlich muss ich dieses Buch noch zwei mal lesen, um alle Schicksale im richtigen Zusammenhang zur Handlung zu verstehen.
Ich sehe mit Bewunderung die sicher sehr mühevolle und akribische Recherchearbeit, die Frau Schacht hier geleistet hat. Hut ab!
Ich hoffe, dass Frau Schacht in ihrem nächsten Werk, die Geschichten und Einzelschicksale etwas differenzierter und wohl dosiert erzählen wird. In diesem Roman sind die politischen Hintergründe der damaligen Zeit etwas Untergegangen bei all` den dramatischen Verwicklungen in den denen unsere Hauptdarstellerin  Toni verstrickt ist.
Trotz aller Kritik muss ich jedoch sagen, dass dieses Buch wirklich lesenswert, spannend und unterhaltsam ist.
Wer gerne Bücher liest, die in dieser Zeit spielen und über etwas Hintergrundwissen zur damalige politische Lage in Deutschland verfügt, wird an diesem Buch seine helle Freude haben.

Meine Note 2-

« Letzte Änderung: 06. Februar 2009, 21:03:18 von Annette B. »
Liebe Grüße Annette

Offline Karthause

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #1 am: 17. Oktober 2007, 21:24:21 »
"Kreuzblume", mein erster Roman von Andrea Schacht, habe ich März diesen Jahres gelesen. Dabei erging es mir ähnlich wie Annette. Gern hätte ich mehr über die Dombaupläne erfahren. Über weite Strecken war dieses Thema von vielen (zu vielen) Einzelschicksalen überdeckt.

Gut gefallen hat mir, dass Andrea Schacht in ihrem Roman hat ein Zeit- und Sittenbild gezeichnet hat, das das Leben in der Zeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts sehr anschaulich widerspiegelt. Sie beschreibt genau, z.B. anhand der Kleidung, der Speisen und der Wohnverhältnisse, wie sich die einzelnen Familien von einander unterscheiden. Das ist sicher das Resultat akribischer Recherche. Obwohl so viele Charaktere in "Kreuzblume" beschrieben wurden, waren diese gut ausgearbeitet und passten ebenso wie die Sprache gut in die Zeit der Handlung.

Mir hat das Buch gut gefallen. In der Bewertung schließe ich mich Annette B. an.
Liebe Grüße
Karthause


"Abbitte" von  Ian McEwan

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Offline Annette B.

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #2 am: 18. Oktober 2007, 13:54:49 »
Hallo Karthause,

da bin ich aber wirklich froh, dass es nicht nur mir so erging mit diesen vielen Einzelschicksalen die mich förmlich in diesem Buch erschlagen haben.
Das ist normalerweise gar nicht so die Art von Andrea Schacht, den Leser mit sooo vielen Hauptakteuren zu erschlagen. Genau genommen hat sie in ihren anderen Büchern (die Almuth Serie oder auch die Katzenserien) immer schön Maßgehalten mit der Anzahl ihrer Akteure! Nur bei diesem Buch sind offenbar die Pferde mit ihr durchgegangen und sie wollte etwas besonders Anspruchsvolles schaffen!
Die Charakter ihrer Hauptakteure und auch ihr Aussehen, dass Beschreibt A. Schacht immer sehr schön, darum liebe ich ihre Bücher ja so heiß und innig! :flirt:
Liebe Grüße
Annette
Liebe Grüße Annette

Offline Karthause

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #3 am: 20. Oktober 2007, 09:58:18 »
Hallo Annette,

die Katzenromane von Andrea Schacht reizen mich Katzenmutter ja ungemein. Die werde ich in meinen Leseplan für 2008 aufnehmen.

Wenn ich mal ganz kritisch herangehe an "Kreuzblume", könnte ich annehmen, dass Andrea Schacht eine Unmenge an Material für diesen Roman recherchiert hat und dann, um im Rahmen der Seitenvorgabe des Verlages zu bleiben, an manchen Stellen kürzen musste. Ich will aber hier noch einmal sagen, mir hat das Buch gefallen und ich werde weitere von der Autorin lesen. Mir gefällt der Stil, in dem sie die Geschichten erzählt und zusammenführt sehr gut.

Gibt es bei ihren anderen Büchern eine Reihenfolge, die ich einhalten sollte?
Liebe Grüße
Karthause


"Abbitte" von  Ian McEwan

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Offline Annette B.

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #4 am: 21. Oktober 2007, 20:51:43 »
Hallo Kathause,

Zitat
Gibt es bei ihren anderen Büchern eine Reihenfolge, die ich einhalten sollte?

Also bei den Katzenromanen habe ich bisher noch keine Reihenfolge festellen können. Das sind bisher immer abgeschlossene Einzelgeschichten von Katzen und Katern gewesen die ich gelesen habe. Allerdings habe ich bisher auch nur "Die lauscherin im Beichtstuhl" (historischer Katzenroman) und "Vor Wundern flieht man nicht" (moderner Katzenroman) gelesen.

Ansonsten habe ich die die "Begine Almuth Serie" von A. Schacht verschlungen,( himmlisch die Bücher :angel:) und dabei sollte man unbedingt die Reihenfolge einhalten.

1 Der dunkle Spiegel
2 Das Werk der Teufelin
3 Die Sünde aber gebiert den Tod
4 Die elfte Jungfrau

Tja und dann habe ich auch noch die Ringtriologie gelesen:

1. Der Siegelring
2. Bernsteinrin
3. Der Lilienring

Diese Serie hat mir nicht ganz so gut gefallen und ich bin froh, dass ich diese Bücher von A.Schacht nicht als erstest gelesen hatte, denn dann hätte ich mich wohl nicht mit weiteren Werken von A. Schacht beschäftigt.
Das erste Buch welches ich von dieser Autorin gelesen habe war: Der dunkle Spiegel und bei dieser Serie steigert sich Frau Schacht mit jedem weiteren Buch. Diese Serie wird auch noch Fortgesetzt von ihr. Meine Rezi zu dem Buch: Die elfte Jungfrau findest du unter den Rezis hier im Storcia.

Zitat
Mir gefällt der Stil, in dem sie die Geschichten erzählt und zusammenführt sehr gut.

Genau dieser Schreibstil gefällt mir auch so an A. Schacht und der Humor den sie in ihre Bücher mit einfließen lässt. :flirt:

Liebe Grüße
Annette
Liebe Grüße Annette

Offline Karthause

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #5 am: 22. Oktober 2007, 16:45:52 »
Hallo Annette,

vielen Dank für deine Mühe. Die "Begine-Almuth-Serie" hab ich mir gleich mal auf meinen Bibliotheksmerkzettel geschrieben. Ich glaub' die wird mir gefallen.
Liebe Grüße
Karthause


"Abbitte" von  Ian McEwan

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Offline Xandi

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #6 am: 29. März 2009, 15:11:18 »
[isbn]9783828990890[/isbn]

(Ich hab die broschierte Weltbild-Ausgabe in blau und grau Tönen, mit einem Kirchenfenster drauf)

Inhalt:
Kurzbeschreibung   Welle: amazon
Eine mutige junge Frau löst das Rätsel um die verschwundenen Baupläne des Kölner Doms

Seit 1560 ruht die Baustelle, doch nun, an der Schwelle zum 19. Jahrhundert, soll der Dom zu Köln vollendet werden. Die Baupläne der Zwillingstürme sind jedoch verschollen, und nach dem Willen mächtiger Männer soll dies auch so bleiben. Aber Antonia, deren Leben mit den alten Zeichnungen eng verwoben ist, überlebt mit Mut, Klugheit und Energie die Wirren der napoleonischen Zeit und entdeckt dabei nicht nur die Baupläne des Doms, sondern findet auch die Liebe ihres Lebens...

Antonia wächst als Junge verkleidet in der chaotischen Zeit der napoleonischen Kriege auf. Erst mit dem Tod ihrer Ziehmutter in der Schlacht von Jena erfährt sie ihre wahre Herkunft. Auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter zieht sie nach Köln. David, ein junger Leutnant, dem sie das Leben gerettet hat, gibt ihr den entscheidenden Hinweis. Sie findet ein neues Heim im Haus des Domherrn Hermann von Waldegg und begegnet hier dem ehemaligen Kettensträfling Cornelius, der sanften Bürgerstochter Susanne und der intriganten Gesellschaftsdame Charlotte. Während Antonia zur eigenwilligen jungen Dame der Gesellschaft heranreift, drängt es sie, die Geschichte der Mutter und das Schicksal ihres Vaters zu erfahren - nicht ahnend, wie eng beide mit den verschollenen Plänen der Westfront des Kölner Doms verknüpft sind. Unwissentlich gerät Antonia in einen Strudel aus Korruption, Verrat und Intrige. Und an einen mächtigen Feind - Jakobiner und Stadtmagistrat Kay Friedrich Kormann, dem der Dom als Symbol des finsteren Mittelalters gilt und dessen Fertigstellung er mit allen Mitteln verhindern will. Notfalls auch mit einem Mord...

Meine Meinung:

Die einzelnen Personen sind wieder sehr liebevoll gezeichnet, sehr sympatisch und man hat sie von Anfang an lieb. Die unsympatischen sind unsympatisch.
Man kommt leicht in die Geschichte rein und wird sofort von ihr in eine andere Zeit fortgetragen.
Einzelne Handlungsstränge sind sehr aufwühlend, z.B. die Begegnung mit dem alten Pater, oder die Tode einzelner, ihr wichtiger Personen.
Andrea Schacht ist eine Meisterin darin, Banalitäten und Alltagssituationen, die eigentlich langweilig sind so zu erzählen, daß sie eben NICHT langweilig sind. Sondern eine angenehme
Atmosphäre und Gemütlichkeit erzeugen.

Trotzdem muß ich Annette Recht geben.
Die ganzen Einzelschicksale, die vielen Verwandtschaftsverhältnisse und Freundschaften, die alle miteinander verknüpft sind, sind einfach "too much".
Je länger das Buch dauerte, umso mehr mußte ich die Augen verdrehen. Immer wieder kam eines zum anderen. Eigentlich nur mehr lächerlich!
Es gibt zu viele Puzzleteile, die ein Gesamtbild ergeben. Etwas weniger dick aufgetragen hätte dem Buch nicht geschadet.

Den Teil, wo Antonia wieder zu Toni wurde und ein Jahr lang mit ihrer Zofe durchs Land tingelte, könnte man komplett weglassen. Der ist fad und trägt meiner Meinung nach,
nichts zur Geschichte bei. Außer, daß das Buch um gut 200 Seiten länger wurde.

Fazit:
Es ist sicher kein schlechtes Buch!
Wer den Stil von Andrea Schacht mag, der sollte es auf alle Fälle lesen.(Mir hat es besser gefallen als "Die Ungehorsame".)
Wie immer in letzter Zeit, gefallen mir andere Personen mehr als die eigentlich Hauptdarstellerin.
Finde die Geschichte um Cornelius spannender und erzählenswerter.

Bewertung:


Xandi
Bücher, Schoko und Rock'n'Roll

Ich lese gerade:

Offline Mobi

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #7 am: 29. März 2009, 16:46:30 »
Hallo ihr Lieben,

das Buch hatte ich auch schon in der Hand und werde es mir wohl in nächster Zeit zulegen. Gut, dass ich durch euch schon vorgewarnt bin und das Buch in eine ruhige Zeit legen kann, in der ich konzentriert lesen kann.

LG, Mobi

Offline Annette B.

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #8 am: 29. März 2009, 23:13:09 »
Hallo Mobi,

von dem Buch Kreuzblume ist man am Anfang etwas irritiert, da Andrea in diesem Buch die Vorstellung ihrer Protas etwas anders aufbaut, als in den Almut Büchern. Wenn man sich aber erst einmal mit den ersten 6-8 Kapiteln und den darin Vorgestellten Protas vertraut gemacht hat, dann wird es wahnsinnig spannend und am Ende verknüpft Andrea dann die Schicksale ihrer Protas sehr schön.
In diesem Stil schreibt sie alle die Romane, die als HC zuerst erscheinen.
Das Buch ist auf jeden Fall sehr schön und der Humor (bzw. das lose Mundwerk wie Almut) haben glaube ich alle ihre Hauptdarstellerinnen in den Büchern.
Das ist offenbar Andrea`s Markenzeichen und darum liebe ich ihre Romane auch so sehr. Der Humor und die stilvollen Lovestorys zeichnen eben Andrea`s  Bücher besonders aus. :zwinker:
Liebe Grüße
Annette
Liebe Grüße Annette

Offline Mobi

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #9 am: 30. März 2009, 11:34:16 »
Hallo Annette,

das klingt ja spannend, dann freue ich mich umso mehr auf das Buch, wenn wieder eine Frau mit losem Mundwerk dabei ist.  :->

LG, Mobi

Offline Kathrin

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Re: Kreuzblume von Andrea Schacht
« Antwort #10 am: 05. Februar 2010, 11:06:44 »
Hallo zusammen,

Ich gebe zu es ist schon ein paar Monate her, dass ich „Kreuzblume“ von Andrea Schacht gelesen habe, aber vielleicht tut es manchmal sogar ganz gut, eine Rezi mit eine wenig Abstand zu schreiben, denn als ich soeben meine Notizen zu unserer Leserunde durchforstet habe, hatte ich sofort wieder Lust auf Andrea Schachts Bücher und vor allem ihre Figuren! Ich liebe ihren Schreibstil, ihren Humor, ihre immer wieder in ihren Romanen verewigte Katzen und weiß 100%ig, dass ich mir nur ein Buch von Andrea Schacht zu schnappen brauche, wenn mal wieder eine Leseflaute droht! Und wie gut, dass ich noch so viele Bücher von ihr gar nicht kenne!

Ich denke der Haupt-Pluspunkt bei Andrea Schachts Romanen sind die Figuren, zu denen ich direkt einen Draht finde. Menschen wie Toni, Cornelius, Renardet und Hermann von Waldegg dürften ruhig Nachbarn von mir sein, mit denen fühle ich mich einfach pudelwohl! Wobei ich auch sagen muss, dass mir Cornelius manchmal sogar etwas zu kurz kommt und ich eigentlich gerne mehr Zeit mit unserem Filou verbracht hätte. Toni hingegen ist eine typische weiblichen Hauptfigur von Andrea Schacht, aber ich liebe sie alle, ob sie nur Ariane Kusan oder Toni heißen. Diese Frauen mit ihrem erfrischen frechen Mundwerk und ihrer offenen, ehrlichen, sehr emotionalen und leicht schnodderigen Art sind einfach herrlich. Außerdem liebe ich es, wie sie mit Tricks und kleineren Ränkeschmieden an Informationen und Details rankommt, die sie dann zu ihrem Vorteil zu nutzen weiß. Und sie bleibt einem dabei dennoch immer sympathisch, im Gegensatz zu Charlotte, die letztlich ähnlich agiert wie Toni, nur dass ich sie halt überhaupt nicht mag! Meine Lieblinge in diesem Buch waren aber eindeutig Sebastien Renardet und Hermann von Waldegg! Da treten mir allein wenn ich an sie denke die Tränen in die Augen, so wunderbar sind sie!!!

Ebenso gut gefallen wie die Hauptfiguren haben mir auch diverse Nebenfiguren, wie Pater Emanuel, Pierre, die Köchin Jakoba. Davids Freund Paul, Mona und ihre Katzen. Da fand ich jedes einzelne Schicksal interessant und spannend und so viele Szenen mit diesen Figuren waren absolute Wohlfühlmomente, weil sie einfach auch im Leben der Hauptfiguren eine große Rolle gespielt haben. Da waren Szenen dabei, da hätte ich noch Stunden verweilen können. Die bösen Charaktere hingegen sind mir fast schon zu negativ, zu böse und somit zu eindimensional.

Auch wenn mir der Erzählstil von Andrea Schacht grundsätzlich sehr gut gefällt, hatte ich bei diesem Buch zunächst gewisse Startschwierigkeiten, zum einen weil ich doch eindeutig weniger über Napoleon und seine Zeit in Deutschland wusste, als ich bisher annahm und zum anderen, weil ich anfangs mit den vielen Figuren und Namen und verzwickten Verwandtschaftsverhältnissen echt überfordert war. Im Anhang ist zwar ein Personenverzeichnis abgedruckt, aber irgendwie hat mir das diesesmal nicht wirklich weiter geholfen, denn anfangs waren das für mich alles einfach lose Handlungsstänge, die in so gar keinem Zusammenhang zu stehen schienen. Für mich persönlich hätte das Buch auch ruhig noch eine spur historischer oder historisch-deutlicher sein können. Durch Pater Emanuel klam zwar die Sache mit der Auflösung der Klöster und Stifte sehr deutlich rüber und auch die Geschichte der Leipziger Buchmesse hat mir ausgesprochen gut gefallen, aber dennoch war mir der hist. Hintergrund zu sehr HINTERgrund. Episoden, die gerne ausführlicher gehabt hätte waren z.B. die Begegnung mit Caspar David Friedrich oder die Krusenstern-Expedition, das waren spannende Szenen/ Ideen, aber sie kamen mir einfach zu kurz! Insofern war ich nicht überrascht, als die Autorin uns in unserer Leserunde erzählt hat, dass sie das Buch um ca. 400 Seiten kürzen musste. Interessant war dabei aber, dass sie wohl Stellen rausgekürzt hatte, die ich auf den ersten Blick gar nicht vermisst hatte. Wenn ich mir vorstelle, diese 400 rausgekürzten Seiten plus die von mir ausführlicher gewünschten Szenen um dem Künstler, die Krusenstern-Expedition und die längeren Wohlfühlmomente mit Figuren wie Renardet und Hermann von Waldegg…ja, ich hätte nichts gegen einen 1500-Seiten-starken Roman gehabt ;-)

Trotz der kleineren Kritikpunkte war auch dieser Roman von Andrea Schacht für mich wieder Unterhaltung pur! Das sind wunderbare Wohlfühl-Bücher und es dürfen gerne noch ein paar von der Sorte folgen!



lg
kathrin
Rock the Night!