Annie Bertram - GesternWelten

Begonnen von Sagota, 14. Juni 2026, 18:23:18

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Sagota

"GesternWelten" von Annie Bertram ist bereits der zweite faszinierende Fotoband der sehr talentierten jungen Kunstfotografin und Autorin mit dem ihr eigenen 'fotografischen Blick'. Mit der "Schönheit des Verfalls" und dem Betreten von "GesternWelten" - sog. Lost Places, verbindet sich für mich das Erleben einer spürbaren, längst vergangenen Geschichte.

Staub und bröckelnde Stuckdecken, abblätternde Tapeten und viel Staub regen die Fantasie und das Kopfkino an: Was, wenn diese Wände sprechen könnten? Was hat dieses Haus, dieses Schloss, diese Abtei, dieses Kloster wohl zu Blütezeiten wohl erlebt?

Diese magischen Augenblicke haben zuweilen etwas Bezauberndes, auch Gegensätzliches zu unserer realen Welt, finde ich und würde mich am liebsten an die Ort des Geschehens (und des Verfalls), den Annie hier in diesem prächtigen Foto-Bildband sehr gelungen präsentiert, auf Zeitreise begeben.... So geht es wohl jedem, der dieses außergewöhnlich schöne Buch mit den wundervollen und atmosphärischen Fotografien betrachtet: Sie sind magisch und morbide zugleich; bei einigen zeigt sich gar ein leichter 'Gruselfaktor'.

Auffallend war für mich, dass es gar nicht ungefährlich und oft verboten ist, verfallende Gebäude zu betreten und die Autorin (zu den Recherchen, die sie ebenfalls machte) musste sicher das ein oder andere Einverständnis einholen, die diesen unglaublichen und detaillierten Fotos zugrundeliegen.

So bekommt man als Leser Einblicke (in recht großem Format, was das Staunen und Betrachten noch intensiviert) in die Villa dei Geologi in Italien, die Villa Paradiso, einer Residenz in Portugal ganz im Jugendstil, der "Quinta da Vinha", einem "Portal da Vinho", das einer portugiesischen Winzerfamilie gehörte und seit Jahrzehnten leersteht, da es nicht mehr bewirtschaftet wird; beeindruckt schaut man ins verwunschen wirkende "Casa Azul" und wirft erstaunte Blicke in ein Märchenschloss im maurischen Stil: Der "Rocchetta Mattei", das ein italienischer Wunderheiler, der zuletzt merkwürdige Züge zu tragen schien, sich bauen ließ, um dort seine Patienten zu empfangen - die Kapelle erinnerte mich ein wenig an Escher. Es reihen sich weitere, teils unwirklich anmutende Orte ein, die früher Andachten gewidmet waren: Die italienische Kapelle auf den Orkney Inseln, einst von Kriegsgefangenen gebaut, steht noch immer. Wracks wie ein Küstentanker, der einmal als Blockschiff im WWII diente und Schiffe der isländischen Walfangflotte sind ebenso zu bestaunen wie ein "Ankerfriedhof" in Portugal.

Fazit:

Die kunstvollen Fotos im Großformat dieser "GesternWelten" entführen wie Fenster in die Vergangenheit: Der Anblick und das Durchwandern schaltet das Kopfkino an, konfrontiert uns aber auch auf friedliche Art und Weise mit Vergänglichkeit und der eigenen Endlichkeit. Alte Häuser, auch verfallene, besitzen eine Geschichte, die glatte und perfekte (oft hässliche) Neubauten nicht haben; diese Geschichten "blitzen" hinter und in den Bildern hervor, die von Annie Bertram wie eingefrorene Zeitkapseln fotografisch gelungen eingefangen wurden. Eine absolute Empfehlung für alle, die sich für Lost Places und damit verbundene Themen interessieren (oder es noch wollen). Von mir gibt es begeisterte 5*.

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