Die Reliquie - Mara Volkers

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Offline Annette B.

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Die Reliquie - Mara Volkers
« am: 15. Januar 2008, 00:04:56 »




[isbn]3404155203[/isbn]


Kurzbeschreibung
Anno Domini 1268: Elend und von den meisten verachtet, lebt die junge Bärbel auf der Burg des tyrannischen Grafen Walther von Eisenstein, der ihre Familie um ihr Glück gebracht hat. Niemand kennt Bärbels Geheimnis: Als Nachfahrin eines edlen Kreuzritters ist das Mädchen mit der reinen Seele die wahre Herrin einer Heil bringenden Reliquie, die der bösartige Graf in seinen Besitz gebracht hat. Bärbel weiß, es muss ihr gelingen, die Reliquie zurückzuerobern und an einen sicheren Ort zu bringen. Doch die Anfeindungen sind groß, und mehr als einmal gerät das tapfere Mädchen in tödliche Gefahr ...

Meine Meinung

Nachdem ich das Buch „Die Braut des Magiers“ von Mara Volkers gelesen hatte und schlichtweg begeistert war von dem Buch, musste ich nun unbedingt auch dieses Buch lesen.

Genau genommen ist auch dieses Buch kein hist. Roman, sondern eher ein Roman aus dem Bereich „Fantasie“ mit historischem Hintergrund.

Dennoch, genau dieser historische Hintergrund ist es, der dieser phantasievollen Geschichte den passenden Rahmen verleiht.

Der Leser wird von der Autorin ins zwölfte Jahrhundert entführt, in eine Welt voller Gewalt und Aberglauben. Die Willkür der Burgherren, im Umgang mit ihren Leibeigenen und auch freien Bauern, versetzt die Menschen in Angst und Schrecken.
Die Hauptdarstellerin, Bärbel, muss als Kind hilflos mit ansehen, wie der grausame Burgherr ihren Eltern Haus und Hof wegnimmt und obendrein auch noch ihre ältere Schwester auf die Burg entführt.
Auch Bärbel muss dem Burgherrn auf die Burg folgen und lebt dort im  Pferdestall.
Dennoch verliert sie nicht ihren Glauben an Gott und auch nicht ihren Glauben an das gute im Menschen.

Als ein sehr alter und kranker Kreuzritter auf der Wallburg auftaucht und vom Burgherrn hinausgeworfen wird, hilft sie ihm so gut sie kann.

Ich muss sagen, die Beschreibungen der krassen Standesunterschiede hat mich sehr berührt. Mit sehr bildhaften und deutlichen Worten hat die Autorin beschrieben, wie furchtbar arm die Bauern früher gelebt haben und wie grausam die Burgherren mit ihnen umgegangen sind. Wobei der Roman in einer Zeit spielt, in der es in Deutschland keinen Kaiser oder König gab und die edlen Geschlechter und Kirchenfürsten um die Macht im Lande stritten. Jeder verfolgte eine andere Politik um möglichst viel Einfluss zu gewinnen.
Auch diese historischen Hintergründe werden von der Autorin geschickt eingefügt und erklärt, ohne das die eigentliche Handlung darunter leidet
Der Schreibstil von Mara Volkers ist so flüssig und leicht zu lesen, so das man sehr schnell in die Geschichte eintauchen kann.
Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und je besser man die Protagonisten im Verlauf der Geschichte kennen lernt, um so spannender wird das Buch. Man mag es kaum noch aus der Hand legen.

Bei all` diesen Grausamkeiten hat der Teufel natürlich auch seine Hand im Spiel.

Neid, Geld- und Machtgier, Stolz und Dummheit treiben die Seelen der Menschen in die Arme des Teufels, aber auch Verzweiflung und Rachsucht.
Die Schicksale sind so vielschichtig und die Handlung so Geheimnisvoll, dass dieses Buch mich wirklich in seinen Bann gezogen hat.

Da der Leser Bärbel als Kind kennen lernt und sie über viele Jahre begleitet, kommt auch eine zarte Liebesgeschichte in diesem Roman vor, die Stellenweise auch Anlass zum schmunzeln gibt.

Auch wenn das Buch in vielen Kapiteln grausam wirkt, so ist doch immer dieser Funke Hoffnung wie ein Roter Faden in die Erzählung vorhanden und genau dieser rote Faden macht die Geschichte so spannend.

Besonders beeindruckt hat mich die Gestalt des alten Kreuzritters, der in seinen Gebeten auch die verlorenen Seelen einbezieht, die vor vielen Jahrhunderten den heidnischen Göttern geopfert wurden.

Mara Volkers zieht alle Register um die Mächte des Himmels und der Hölle gegeneinander antreten zu lassen.

Ein echter Lesespaß, der in einer sehr schönen Sprache, die dem 12 Jahrh. angepasst ist, erzählt wird.
Mir hat dieses Buch wirklich gut gefallen, besonders das Ende fand ich sehr gelungen.

Dieses Buch hat mir sogar noch besser gefallen, als das Buch „Die Braut des Magiers“, weil mich das Ende des Buches und auch die Liebesgeschichte wirklich überzeugt hat.

Ich hoffe doch sehr, dass Mara Volkers noch weitere Bücher schreiben wird, die uns Erwachsene immer wieder ins Reich der Märchen entführen.

Liebe Grüße Annette

Offline Lannie

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Re: Die Reliquie - Mara Volkers
« Antwort #1 am: 15. Januar 2008, 12:44:00 »
Tolle, ausführliche Rezi, Annette. Meine Meinung schaut dazu etwas anders aus:

Meine Meinung

„Die Reliquie“ ist ein düsterer Roman, der sich aus historischen, fantastischen und märchenhaften Elementen zusammensetzt. Das gesamte Buch strahlt eine sehr bedrohliche Atmosphäre aus, die das Thema - Kampf zwischen Gut und Böse - des Romans anschaulich untermauert.

Zunächst hatte ich einige Schwierigkeiten in die Geschichte einzutauchen, gelang mir aber im Laufe des Romans immer besser und im letzten Drittel war ich vollkommen im Geschehen eingetaucht.
Die vielen Namen und verwandtschaftlichen Beziehungen zu Anfang haben mich ein wenig im Lesefluss behindert, aber nachdem ich mir die Namen eingeprägt hatte, stand einem leichten, schnellen Lesen nichts mehr im Weg und konnte das Buch ohne Stocken genießen. Es bietet spannende und interessante Unterhaltung mir einer tapferen Hauptperson.

Die Geschichte schreitet stetig voran, plätschert zwischendurch zwar nur dahin, wird aber nie langweilig, im Gegenteil, sie ist so spannend, dass man unbedingt weiterlesen muss. Im letzten Drittel nimmt die Handlung richtig Fahrt auf und gehört für mich zum besten Teil des Romans.
Die Charaktere bleiben leider bis auf die wichtigsten Personen etwas blass, was zum Ende hin zwar besser wird, aber nicht ausreicht, um einen alle Charaktere des Romans näher zu bringen. Auch fehlten mir eindeutig Gedanken und Gefühle der Personen. Gerade bei Bärbel hätte ich mir gewünscht, mehr in ihr Inneres sehen zu können.

Einen Punkt gibt es, der mich im Laufe des Buches richtig gestört hat. S.e.x./Vergewaltigung ist ein zentrales Thema in diesem Buch, das sicher dazu gedacht ist, die bedrohliche Situation zu veranschaulichen. Allerdings wurde es mir im Mittelteil doch zu viel, da es dort kaum noch Seiten gibt, wo nicht irgendein Mann an diese Sache denkt, sie andeutet oder sie vollzieht...
Und dabei handelt es sich nie um romantische Gefühle, sondern ausschließlich um Gewalt und einen brutalen Akt, bei dem der Mann die Frau in jeglicher Hinsicht unterwirft und benutzt. Hier wäre vielleicht weniger mehr gewesen.

Insgesamt ist „Die Reliquie“ ein durchaus lesenswerter Roman, wenn man nicht gerade zart besaitet und Fantasy/Märchen gegenüber aufgeschlossen ist. Er bietet flüssige, spannende Unterhaltung, bleibt stellenweise aber etwas oberflächlich.

Bewertung

Liebe Grüße
Lannie aka Cait

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Offline Annette B.

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Re: Die Reliquie - Mara Volkers
« Antwort #2 am: 15. Januar 2008, 13:10:14 »
Hallo Lannie,

im Grunde genommen haben wir beide die gleiche Meinung vom Schreibstil und auch vom Inhalt des Buches. Deine Rezi bringt auch klar zum Ausdruck, dass du dich nicht durch das Buch Quälen musstest, oder irgendwie gelangweilt das Buch zur Seite gelegt hast. Von daher sind die Abweichungen gar nicht soo groß in unserem Meinungsbild.  :schmusen:

Ich vermute mal, dadurch das ich jetzt zuerst das Buch "Die Braut des Magiers" gelesen habe und das auch noch zusammen mit der Autorin bei dir auf der Buchcouch, haben mich die vielen Vergewaltigungsszenen und diese ständigen Gedankengänge der Protagonisten um Sex und Frauen, gar nicht mehr so sehr gestört. Ich war darauf vorbereitet und wusste das der Teufel eben immer wieder Sex als Waffe für seine Zwecke verwenden würde.

Ich habe mir gestern lange überlegt, ob ich das Buch auch so gut bewertet hätte, wenn ich zuerst nur dieses Buch ohne LR gelesen hätte??? Ich kann es wirklich nicht sagen...ich weiß es ehrlich nicht! :kopfkratz:

Darum habe ich eben die Rezi nach dem Eindruck formuliert, wie ich es jetzt empfunden habe.
Das ist nun mal das Teuflische an den Bewertungen, dass man manches mal vielleicht nicht mehr so Objektiv ist !
Mir persönlich hat das Buch wirklich gut gefallen und das Lesen hat mir Spaß gemacht, darum habe ich das dann auch so zum Ausdruck gebracht.  :flirt:

Liebe Grüße
Annette
Liebe Grüße Annette

Offline Lannie

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Re: Die Reliquie - Mara Volkers
« Antwort #3 am: 15. Januar 2008, 13:30:45 »
Annette,

jede Meinung und Bewertung eines Buches kann doch nur Subjektiv sein, also denk nicht mehr darüber nach, ob Du es unter anderen Voraussetzungen anders bewertet hättest. Vielleicht hättest Du es, vielleicht auch nicht. Ich merke bei meinen Rezis und Bewertungen oft nach Monaten, dass meine Bewertung nicht mehr stimmt, wahrscheinlich weil das Buch Zeit hatte, sich zu setzen. Deswegen korrigiere ich meine Bewertungen aber nicht, schließlich hab ich es so mal empfunden. Verstehst Du was ich meine?  :->
Sicherlich ähneln sich unsere Meinungen, aber das Endergebnis ist doch deutlich ein anderes, vielleicht hab ich mich mal wieder einfach falsch ausgedrückt.  :-B

GlG
Lannie
Liebe Grüße
Lannie aka Cait

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