Andrea Schacht "Göttertrank"

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Offline Annette B.

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Andrea Schacht "Göttertrank"
« am: 21. März 2008, 18:06:59 »

[isbn]3764502738[/isbn]

Kurzbeschreibung

Köstlich ist der Duft, den die kleine Amara in der Küche des mecklenburgischen Gutshofs schnuppert. Doch welche Enttäuschung, als sie ihrer Mutter ein Stück von der teuren Kakaomasse stiehlt! Wie nur bereitet man aus dem bitteren Rohstoff die Speise der Götter? Die Sehnsucht nach dem sinnlichen Aroma der Schokolade weist Amara unbeirrbar ihren Weg als Zuckerbäckerin. Immer wieder lässt das Schicksal sie seine Launen spüren, doch Amara begegnet Gefährten, die wie sie der Leidenschaft für die exotische Kakaofrucht verfallen sind. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts dringen Technik und Wissenschaft unaufhaltsam in den Alltag der Menschen vor. Und in der Morgenröte der Industrialisierung sieht sich Amara vor dem Ziel ihrer Träume: dem vollendeten Geschmack der Schokolade.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist wirklich super gut geschrieben und die Geschichte, die Andrea Schacht hier erzählt, macht Appetit auf mehr!

Und das gleich in zweifacher Hinsicht, zum einen auf weitere Bücher von Andrea Schacht und zum zweiten auf noch mehr Schokoladenprodukte.

Der Leser wird detailliert informiert über die Anpflanzung, die Pflege und die Frucht des Kakaobaumes. Gleichzeitig erfährt der Leser aber auch auf unterhaltsame Weise vieles über die Ernte, den Transport und die Verarbeitung der Kakaofrucht.

An dieser Stelle, direkt zu Beginn des Buches, merkt der Leser das Andrea Schacht sehr sorgfältig und genau recherchiert hat. Diese präzise Recherche zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch und die Handlung.

Andrea Schacht entwirft Personen und Charakter, die alle auf unterschiedliche Weise, die Kakaobohne und die daraus entwickelten Produkte, für jeden Menschen erschwinglich machen möchten.
Dies ist ein langer Weg und auch mit sehr vielen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden.

Die Autorin gliedert ihr Werk in vier große Abschnitte mit vielen, nicht zu langen Kapiteln. Darin verknüpft sie die Schicksale und Lebenswege ihrer Hauptdarsteller sehr geschickt miteinander.
Die verschiedenen Schauplätze sind sehr farbenfroh und Eindrucksvoll beschrieben. Egal ob Frau Schacht das Schlachtfeld bei Waterloo oder die Plantage in der Karibik beschreibt, es wirkt nie langatmig oder zäh, sondern lebendig und bunt.

Die Hauptdarstellerin, Amara Zeidler, wächst dem Leser schnell ans Herz. Aber nicht nur Amara spielt eine wichtige Rolle, auch drei weitere Protagonisten sind fest mit dem Duft der Kakaobohne verbunden.

Jede einzelne Person in dem Buch wird durch passende, oft auch pfiffige Dialoge und Beschreibungen zum Leben erweckt.

Mit einem Augenzwinkern erzählt uns die Autorin kleine Anekdoten zum Thema Sport oder medizinische Forschung im 19 Jahrhundert.

Die einzelnen Charakter und Personen entwickeln sich in einer Zeit, da hier in Europa die Industrialisierung auf dem Vormarsch war. Fabriken wurden gebaut, neue Maschinen entwickelt und der Arbeiter an der Maschine wurde zum Sklaven.
Es war nicht nur eine schöne alte Kaiserzeit, sondern auch eine schreckliche Zeit, für die Menschen aus einfachen Verhältnissen.
Die soziale Lücke zwischen Arm und Reich klaffte sehr weit auseinander und diese soziale „Schräglage“ hat die Autorin auf sehr eindrucksvolle Weise beschrieben.
Zum einen aus dem Blickwinkel der steifen und betuchten Gesellschaft, aber auch aus dem Blickwinkel des einfachen Fabrikarbeiters.
Dieser Spagat ist Andrea Schacht in diesem Buch wirklich gut gelungen.

Der Leser erfährt viel über die Gesetzgebung der damaligen Zeit, aber auch über die Willkür in der Justiz und den Amtsstuben.

Die Autorin beschreibt die Lebensumstände und die Atmosphäre der damaligen Zeit so einfühlsam, dass bei dem Leser schnell auch die Bilder vor dem inneren Auge erscheinen. Die Häuser, die Menschen, die Kleidung und der Lebensstil der Menschen, das alles läuft beim lesen wie ein Film vor dem inneren Auge ab. Man taucht in die Geschichte ein und kann das Buch nur mühsam wieder zur Seite legen.
Selbst der Duft des heißen Kakao oder der Geschmack der Schokolade, kitzeln Nase und Gaumen beim lesen.

Der Schreibstil von Andrea Schacht ist flüssig und sehr gut verständlich. 

Nicht nur der Kakao in diesem Buch ist bittersüß, sondern auch die Liebesgeschichten und die Schicksale der Protagonisten. Ein Buch zum Lachen, weinen und träumen.

Auch hat Andrea Schacht bei diesem Buch ein angenehmes Augenmaß bewiesen bei der Anzahl der Personen und Schauplätze.
In dem Buch „Kreuzblume“ begegneten dem Leser 79 verschiedene Personen und die Schauplätze wechselten oft.

Bei diesem Buch „Göttertrank“ hat Andrea Schacht insgesamt 53 Personen ins Spiel gebracht und die Anzahl der Schauplätze bleibt in einem überschaubaren Rahmen für den Leser.

Diese Reduzierung der Anzahl der Personen und Schauplätze führte bei mir dazu, dass ich schnell mit allen wichtigen Personen und Orten im Buch vertraut war. Daraus ergab sich dann auch ein angenehmes und entspanntes „eintauchen“ in die Handlung.

Besonders gut gefallen hat mir die Tatsache, dass ich einigen „Helden“ aus dem Buch „Kreuzblume“ in diesem Buch wieder begegnet bin.
Es ist schön beim lesen „alten Freunden“ zu treffen.

Alles in allem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

mit *

« Letzte Änderung: 18. Dezember 2008, 18:40:12 von Annette B. »
Liebe Grüße Annette

Offline Kathrin

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #1 am: 23. März 2008, 16:42:48 »
So, kurz vor dem letzten Skiurlaub der Saison noch schnell meine Meinung zu diesem wunderbaren Roman:

Ab auf die bequeme Lesecouch, eine große Kanne heißen Kakao (gerne auch „korrigiert“ *g*) wenn es draußen so richtig eklig und kalt und ungemütlich ist und in dieses wunderbare Buch versinken! Für mich war es mein Andrea-Schacht-Debut und das nächste Buch ist schon so gut wie bestellt. Wirklich ein Buch, bei dem sich das teure Hardcover gelohnt hat, nicht nur vom Inhalt her, sondern auch in Bezug auf die Aufmachung, mit dem sehr warmen Cover, sowie Nachwort der Autorin und Personenregister, was mir einfach wichtig ist.

Die kurzen Kapitel und die damit einhergehenden Perspektiv-Wechsel zu den vier Hauptpersonen (Amara, Alexander, Dotty und Jan) irritierten mich anfangs ein wenig, allerdings war ich schnell in den einzelnen Schicksalen gefangen und konnte von Kapitel zu Kapitel kaum erwarten, wann und wie es denn nun endlich mit dem jeweiligen Handlungsstrang weitergehen würde. Was mir persönlich gut gefällt, dass die Autorin in bestimmten Aspekten KEINEN Raum zum Spekulieren lässt, sondern den Leser relativ schnell auf diverse Geheimnisse der Figuren hinweist, auch wenn ich grundsätzlich gerne und meist auch falsch spekuliere, es tut wirklich auch mal gut, ein Buch ganz in Ruhe zu lesen, ohne weitere Geheimnisse oder „Täter“ zwischen den Zeilen suchen zu müssen. Relativ zügig zeigt die Autorin die ersten Verbindungen zwischen den einzelnen Handlungssträngen und Hauptfiguren auf, was die Seiten, neben der wunderbar flüssig zu lesenden Sprache, quasi von alleine umblättern lässt.

Die Gemeinsamkeit der vier Haupt-Handlungsstränge ist die Schokolade bzw. Kakaopflanze, in all ihren Variationen, von der Kakaoplantage, über den Traum einer Schokoladenfabrik hin zum Verzehr derselbigen. Andrea Schacht hat sich sehr intensiv mit dieser Pflanze und ihrer „Frucht“ auseinander gesetzt und sehr genau recherchiert, was bei mir einen superpositiven Nachgeschmack hinterlässt, da ich ihr als Leserin glauben kann, was sie mir erzählt. Auch die Stimmung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit all den politischen und gesellschaftlichen Sitten und auch Unruhen kommen werden in allen Schichten des Volkes dem Leser sehr gut rübergebracht: wir erleben die Schlacht von Waterloo mit, genau wie die ersten Turnerbewegungen unter Turnvater Jahn, wir müssen mit Amara und ihrer Mutter leiden, als sie Arbeiterinnen in einer Fabrik ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, aber auch der teilweise sehr versnobte und gefühlskalte Adel kommt nicht zu kurz. Gut, dass von der oberen Gesellschaftsschicht auch die positiven Beispiele gibt, die uns Andrea Schacht auch liefert.

Generell sind mir Andrea Schachts Romanfiguren sehr ans Herz gewachsen, selbst mit den Unsympathischen konnte ich in den meisten Fällen mitfühlen. Das Schicksal der Hauptfiguren reicht von glücklich und fröhlich bis tragisch und traurig und alle vier sind mir ans Herz gewachsen, ALLE vier, selbst wenn das der/ die ein oder andere vielleicht anders sieht. Aber mehr noch als die Hauptfiguren haben mich die Nebenfiguren fasziniert, dass mir vor allem Mac und Nadina und auch Melli fast zu kurz gekommen sind, weil sie einfach so eine große Herzlichkeit und Wärme ausstrahlen, dass man sich bei ihnen nur geborgen fühlen muss. Umso schwerer ist mir gerade von diesen Figuren der Abschied gefallen, als ich das Buch doch irgendwann ausgelesen hatte. Aber da die Autorin selbst Spaß daran zu haben scheint, einige Figuren oder ihre Nachkommen in andere Romane einzubringen, kann ich wohl doch bei der ein oder anderen Figur auf ein Wiedersehen hoffen, wenn auch nicht bei allen.

Andrea Schacht hat mich mit ihrem wunderbaren Roman, der mich sowohl zum Lachen als auch zu laut schluchzenden Heulattaken hingerissen hat und den in die Geschichte einfließenden Katzengeschichten hat sie mich voll erwischt und ich freue mich auf das nächste Lesevergnügen mit ihren Romanen. Ein wirkliches Highlight 2008 für mich!!!

mit ***


liebe grüße und schöne Ostern Euch allen!
kathrin
Rock the Night!

Offline Marja

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #2 am: 09. Dezember 2008, 12:10:30 »
Mein erstes Andrea-Schacht-Buch, und damit ist sie gleich ganz nach oben auf meine Weihnachts-Wunschliste gewandert.

Dies ist ein wunderbares Buch, dessen 2. Hälfte ich dank Urlaub an einem Tag geniessen konnte, natürlich mit viel Schokolade, Kakao, Pralinen...    :zwinker:

Die Kapitel sind sehr kurz und fesselnd, was mich frei nach dem Motto "Ach, eins geht doch noch." munter zum Weiterlesen gebracht hat.
Trotz der kurzen Kapitel malt Andrea Schacht ein wunderbares Sittengemälde des frühen 19. Jahrhunderts (und ich fühle mich nach der Lektüre mal wieder viel gebildeter..kann man mehr erwarten? :->)

Die Charaktere wirken ausgesprochen lebendig, so dass man jedermanns Schicksals gespannt weiterverfolgt. Insbesondere die "Schurken" des Buches können so als Menschen mit ganz eigener Tragik ins Herz geschlossen werden (vom Denunzianten mal abgesehen, aber was den betrifft, kommt meine schadenfrohe Seele auch zu ihrem Recht :elch:)

Lediglich bei diversen Beschreibungen neu entwickelter Maschinen war ich versucht, querzulesen (hat aber nicht funktioniert, dafür waren die Beschreibungen zu kurz und die Gefahr, wichtige Handlung zu verpassen, zu groß), was aber wohl am ehesten auf mein zu geringes Vorstellungsvermögen bezüglich Technik zurückzuführen ist.

Ach ja, die Liebesgeschichten: sehr sanft und langsam, ganz ohne Kitsch, und wirklich eher Nebenhandlung - m.a.W. perfekt.

Insgesamt ist "Göttertrank" ein wunderbarer, kurzweiliger, aber auch leicht zu lesender Roman, den ich gerne weiterempfehle.



Liebe Grüße,
Eva

(meine erste Rezension - an euch Vielschreiber komme ich aber nicht heran  :funkey:)


« Letzte Änderung: 09. Dezember 2008, 12:12:40 von Marja »

Offline jaqui

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #3 am: 08. September 2009, 13:41:21 »
Ich habe mal eine Frage an euch: Wisst ihr ob die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht? Gab es diese Frau wirklich oder ist sie eine Erfindung und das ganze Drumherum stimmt geschichtlich.

Katrin

Offline Annette B.

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #4 am: 08. September 2009, 19:05:07 »
Hi Kathrin,

so weit ich weiß, sind alle Hauptpersonen (bis auf ein paar Ausnahmen, Turnvater Jahn z.B.) erfunden. Nur der geschichtliche Hintergrund und natürlich auch die "Geschichte der Kakao-Bohne" ist präzise recherchiert.
Wenn du es aber ganz genau wissen willst, so kannst du bald Andrea Schacht persöhnlich in der LR zu dem Buch "Kreuzblume" fragen. Sie begleitet diese LR hier bei Steffi im LR-Forum und beantwortet auch alle Fragen zu ihren zahlreichen Werken. Sie ist wirklich eine sehr sympathische Autorin
Ich glaube die LR startet Anfang Nov. oder sogar schon Ende Okt., :kopfkratz: aber da müsste ich noch einmal genauer in den LR Kalender schauen.
Liebe Grüße
Annette
Liebe Grüße Annette

Offline jaqui

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #5 am: 08. September 2009, 20:00:47 »
Hallo Annette,

Danke für die Info, dann werde ich das im Auge behalten und mich bei der LR bei den allgemeinen Fragen einklinken.

Katrin

Offline Annette B.

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #6 am: 08. September 2009, 22:19:02 »
Hallo Katrin,

Zitat
Danke für die Info, dann werde ich das im Auge behalten und mich bei der LR bei den allgemeinen Fragen einklinken.

Gern geschehen,  :schmusen: ich habe auch schon gesehen das du an der LR zu Kreuzblume teilnehmen möchtest.
Ich wünsche dir viel Spaß mit Toni, und Cornelius. :flirt:

Liebe Grüße
Annette
Liebe Grüße Annette

Offline jaqui

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #7 am: 08. September 2009, 22:52:03 »
Jetzt kann ich wenigstens jemandem die Schuld an einem Buchkauf geben  :->

Katrin

Offline Christiane

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #8 am: 10. Februar 2017, 18:44:24 »
Lang, lang ist's her dass Ihr dies Buch gelesen habt. Ich bekam es im letzten Advent von meiner lieben Wichtelmama Wiebke  :knuddel:. Und so reihe ich mich nun mit meiner Rezi hier ein.


Mein Eindruck:
Mit ‚Göttertrank‘ von Andrea Schacht haben wir mal ein Buch mit einem richtig schönen Cover – es lädt einfach ein zu einer Tasse Schokolade und anderen Schokoleckereien und passt damit wunderbar zum Inhalt des Buches.
Die Autorin versteht es hervorragend, ihr umfangreiches Wissen über das 19. Jahrhundert und über die Kakaopflanze in eine anrührende und spannende Geschichte zu verpacken. Besonders gefällt mir dabei die klare Struktur des Buches. Jeder der vier Abschnitte wird von einem kurzen Kapitel zur Geschichte des Kakaos von der grauen Vorzeit bis zur wissenschaftlichen Benennung der Pflanze durch Carl von Linné eingeleitet.
Zu jedem Abschnitt gehören eine Reihe nicht zu langer Kapitel, denen jeweils ein passendes Zitat  vorangestellt ist. Allein dieser Zitatenschatz macht das Buch schon zu einer Fundgrube.
Die Protagonisten, allen voran die vier Hauptakteure Amara, Alexander, Jan Martin und Dorothea, sind so lebendig, facettenreich und humorvoll in Szene gesetzt, dass man sehr schnell das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen. Und so entwickelt man als Leser schnell seine besonderen Vorlieben und Antipathien und das Buch nimmt einen gefangen. Die Lebenswege der Vier kreuzen sich immer wieder. Sie gehören unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen an, Bindeglied ist der Kakao: die eine stellt die wunderbarsten Leckereien aus dem Rohstoff her, der nächste tüftelt an der industriellen Verarbeitung, einer interessiert sich für die botanischen und medizinischen Aspekte und Dorothea lebt und stirbt für feines Naschwerk. Gerade durch diese vielfältigen Ansätze gelingt es Andrea Schacht, so viel über die damalige Zeit greifbar, nachfühlbar zu machen. Die Spannungen zwischen Arm und Reich, Adel und Arbeiterschicht, die beginnende Industrialisierung, die Gefahren der Seefahrt auf den großen Seglern, das Leben auf den Kakaoplantagen der Kolonien, der preußische Beamtenapparat, die Paranoia vor den Turnern, die so heute keiner mehr verstehen kann, Waterloo und vieles andere mehr – es ist kaum zu glauben, dass das alles unter einen Hut passt. Es ist ganz große Kunst, wie hier all diese und noch viele andere Aspekte des täglichen Lebens verwoben werden und die Lebensgeschichte der Menschen so lebendig werden lassen.
Sehr gut gefallen hat mir, dass es nicht nur ‚die Guten‘ und ‚die Bösen‘ gibt. Auch Sympathieträger wie z.B. Alexander sind nicht ohne Fehl und Tadel, machen ihre Fehler und lernen daraus. Und Menschen, die einmal Freunde waren, entwickeln sich auseinander, finden teils keinen Weg mehr zueinander. Hier wird nicht einfach schwarz-weiß gemalt, sondern viele gesellschaftliche Entwicklungen des 19. Jahrhunderts werden anhand des Schicksals der Protagonisten differenziert dargestellt. So schließt das Buch absolut stimmig mit einem Happy End, das aber – wie der Kakao – auch eine kleine bittere Note hat.
Erwähnenswert ist noch die ausführliche Personenliste am Ende des Buches, bei der es gelingt alle Personen kurz zu beschreiben und in ihren Kontext zu setzen, ohne dabei zu viel über den Fortgang der Handlung zu verraten.


Fazit:
Andrea Schachts ‚Göttertrank‘ hat mir einige wunderbare Lesestunden beschert. Amara und ihre Freunde habe ich total ins Herz geschlossen und habe durch alle Verwicklungen und Schicksalsschläge, Erfolge und Glücksmomente mit ihnen mitgefiebert. Es gab dabei viel zu lachen und ein wenig Schadenfreude war auch mit dabei (ich sage nur Karl August Kantholz im leichten Hemde ;-)). Der Autorin gelingt ein historischer Roman wie er sein soll: eine interessante fiktive Geschichte vermittelt en passant interessante Fakten der Geschichte. Und ständig glaubt man dabei Duft und Geschmack der bittersüßen Schokolade zu spüren…


Note: 

Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)

Offline Annette B.

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #9 am: 11. Februar 2017, 21:53:39 »
Das ist eine wunderschöne Rezi Christiane und es freut mich sehr, dass dir auch dieses Buch von Andrea so gut gefallen hat.
Du gehörst noch zu den glücklichen Leserinnen, die sich auch noch auf Kreuzblume, Die Ungehorsame, Goldbrokat, Die Gefährtin des Vaganten und, und, und....
freuen dürfen.  :lesen:
Liebe Grüße Annette

Offline Christiane

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Re: Andrea Schacht "Göttertrank"
« Antwort #10 am: 12. Februar 2017, 00:29:44 »
Dankeschööööön   :rotwerd:
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)