Trudi Canavan: Die Novizin (Die Gilde der schwarzen Magier Teil 2)

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Offline Kathrin

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[isbn]3442243955[/isbn]   Verlag: Blanvalet Verlag
ISBN: 3442243955
Seiten: 604
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9,95


In meinen Augen ist Trudi Canavan hier mit dem zweiten Teil ein wunderbares Werk gelungen, das mich von der Serie total überzeugt hat. Im Gegensatz zum ersten Teil, der schon eher ein große Einführung in die Serie war, geht es hier jetzt richtig zur Sache und die einzelnen Figuren gewinnen immer mehr an Profil und Lebendigkeit.

Das Buch ist mehrere Erzählstränge gegliedert. So erleben wir mit Sonea ihre Novizenzeit mit, begleiten aber auch Dannyl, der jetzt zweiter Botschafter der Gilde in Elyne ist, auf seinen Spuren Akkarins, auf denen er im Auftrag von Lorlen und Rothen wandelt, und gleichzeitig hält eine große Mordserie ganz Imardin und vor allem die Garde und Administrator Lorlen auf Trab und sorgt somit für zusätzliche Spannung. In diesen Erzählsträngen geht es um Liebe, Hass, Verbrechen, Mord und es ist auf keiner Seite langweilig. Die einzelnen Figuren werden einem immer näher gebracht, jeder erhält sein Profil, den einen hasst man, den anderen liebt man und im Falle von Akkarin, dem Hohen Lord der Gilde, stehe ich vor einem großen Rätsel. Bei ihm  weiß ich gar nicht, was ich von ihm halten soll. Ich kann verstehen, dass Sonea Angst vor ihm hat und dass sein bester Freund, Administrator Lorlen ihm misstraut. Akkarin ist in seinen Handlungsweisen dermaßen undurchsichtig, auf der einen Seite will ich ihm trauen, dass er zu den „Guten“ gehört, auf der anderen Seite hasse ich ihn regelrecht für seine Unnahbarkeit, Geheimniskrämerei und Erpressungsversuche und ihm zu verrauen fällt auch mir immer wieder schwer. Dann aber wieder scheint eine fast schon liebevolle, menschliche Seite an ihm durchzublitzen. Ich kann im Moment nach Beendigung des zweiten Teils nur hoffen, dass ich mich in meinem positiven Grundgefühl in ihm nicht täusche. Es bleibt auf alle Fälle spannend.

Im Zusammenhang mit Akkarin wird uns Lesern auch Soneas Novizenzeit näher gebracht. Ihre Zerrissenheit, ihre Wut und ihre Einsamkeit, als sie von ihrem Mentor Rothen getrennt wird, kommt sehr gut rüber und oft hatte ich das Bedürfnis, sie einfach nur in den Arm zu nehmen und ihr zu sagen, dass sie nicht allein ist. Und dann hat sie in Regin auch noch einen wirklich hassenswerten Gegenspieler. Wenn man ihn mit William Hamleigh aus „Die Säulen der Erde“ in einen Sack steckt und draufkloppt erwischt man immer den Richtigen!!! Er ist einfach nur arroganz, versnobt und ein mieser Charakter, der sich für etwas besseres hält. Seine Quälereien gegenüber Sonea nehmen leider etwas Überhand so dass ert für mich der einzige ist, der zu sehr schwarz-weiß-gemalt ist. Auch erinnert er mich fast ein wenig zu sehr an Draco Malfoy aus den Harry Potter-Büchern, aber letztlich hat das dem Lesespaß dann doch keinen Abbruch getan und ein Buch weglegen, nur weil ich den Gegenspieler der Hauptperson ums Verrecken nicht ausstehen kann, dazu ist es noch nicht gekommen (glaube ich). Um ein Buch nicht fertig zu lesen, muss es schon grottig sein oder mich total nerven.

Der Erzählstrang, der sich mit Dannyls Reise auf den Spuren Akkarins beschäftigt gefällt mir ebenfalls sehr gut. Wir erfahren allerhand Geschichtliches, über das Leben in den einzelnen Länder, über die Magier der früheren Zeit, über Sitten und Bräuche und in alldas steckt Dannyls seine neugierige Nase. Er hat meinem bisherigen Liebling Rothen aus Band 1 den Rang abgelaufen. Rothen ist klar der Überlegtere und Ruhigere von den Beiden, aber Dannyl hat mehr Unterhaltungspotential. Dannyls Spioniererei ist eine schöne Abwechslung zu Soneas Novizinnenzeiten. Zumal ich auch finde, dass Dannyl für diesen Botschafter-Posten und die Recherche-Aufgabe einfach perfekt ist. Hinzu kommt, dass mir bei ihm genau wie Sonea die Liebesgeschichte, die im Laufe des Buches aufleben darf extrem gut gefällt. Hey, wann hab ich alte Nicht-LiRo-Leserin denn bitte das letzte Mal bei einer Liebesgeschichte so richtig heftig flennen müssen und dann auch noch einfach nur beim ersten Kuss. Ach, das war ja soooooo schön, bei mir war so ein warmes, kribbeliges Gefühl im Bauch, so mag ich das!!!

Auch wenn ich den dritten und letzten Teil der Serie noch nicht kenne und kaum erwarten kann, so sehe ich doch auch jetzt schon im zweiten Band ein paar Ansatzpunkte sowohl für die Zukunft als auch für die Vergangenheit, an die die Autorin anknüpfen könnte, falls es denn stimmen sollte, dass sie einen Vertrag unterschrieben hat, in dem sie sich verpflichtet, die Vorgeschichte und eine Fortsetzung von "Die Gilde der schwarzen Magier" zu schreiben. Ich würde mich auf alle Fälle drauf freuen. Aber zunächst einmal dürfen wir uns wohl auf die Lösungen aller Rätsel im dritten Band freuen.  Wenn Trudi Canavan ihren Stil so weiterbehält, dann wird nicht nur Band 3 (Die Meisterin) sondern auch bald die neue Serie um „Das Zeitalter der Fünf“ von mir verschlungen werden. Ich habe mich mit diesem Buch unendlich wohl gefühlt, trotz all der Spannung und Intrigen und Ungewissheiten, dass auch der ein oder andere Übersetzungsaufreger oder ein zu einseitig gezeichneter Regin dem Lesevergnügen keine Abbruch getan hat.

Bewertung:


lg
kathrin
« Letzte Änderung: 10. September 2008, 21:44:52 von Kathrin »
Rock the Night!