Salaman, Clara: So sollst du schweigen

Originaltitel: Shame on you
Verlag:
Piper
erschienen:
2010
Seiten:
359
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3492259243
Übersetzung:
Andrea Brandl

Klappentext:

Caroline Stern führt ein ganz normales Leben – so scheint es. Mit Freund Joe und Hund lebt sie in London, eine attraktive Mittdreißigerin und erfolgreiche Therapeutin. Was niemand weiß, auch Joe nicht, liegt vergraben und verdrängt in der Vergangenheit. Doch eines Tages bricht sich die Wahrheit Bahn, als Caroline zufällig einer Freundin aus Kindertagen begegnet. Ob sie will oder nicht, sie muss sich ihren Erinnerungen stellen. Erinnerungen an ein Ereignis vor zwanzig Jahren, das ihr gesamtes weiteres Leben auf dramatische Weise veränderte …

Rezension:

Das neue Jahr ist gerade erst angebrochen und schon habe ich mein erstes Highlight zu verbuchen. Bei diesem Buch hat mich sowohl das sehr geschmackvolle Cover, aber auch der interessante Klappentext sofort angesprochen, aber dennoch war ich nicht auf diese intensive Geschichte vorbereitet.

Der Roman wird aus der Sicht von Caroline erzählt und wechselt dabei mehrmals die Zeitebene. Sie erzählt von ihrer Kindheit in einer sektenähnlichen Organisation, in der das freiheitsliebende und charakterstarke Kind seelisch unterdrückt und gequält wird. Unterbrochen werden diese Erzählungen immer wieder von Carolines aktuellem Leben, bei dem in jedem Satz klar wird, dass sie etwas verbirgt.

Erst als sie eine Freundin aus alten Tagen wiedersieht, bricht die Vergangenheit erneut über sie herein und zerstört die mühsam aufgebaute neue Identität. Die toughe Caroline muss erfahren, dass sie sie sich versteckt hat und das sie sich nun endlich ihrem früheren Leben stellen muss.

Dies geschieht in einer Sprache, die mich schier umgehauen hat. In klaren, unverschnörkelten Worten betrachtet Caroline ihr karges Leben in einer Gesellschaft, in der Individuen nichts sind und die Doktrin alles. Aber dann gibt es wieder so wunderschöne Vergleiche und fast lyrische Augenblicke, die dem Roman nicht nur eine emotionale, sondern auch eine stilistische Tiefe geben.

Inhaltlich ist der Roman teilweise schon erschütternd. Vor allen Dingen wenn man im Laufe des Romans immer tiefer in die Vorgänge vordringt und versteht, wie sehr das alles Caroline für immer geprägt hat und das sie diese Zeit vielleicht nie wird vollkommen abschütteln können. Sehr einfühlsam schildert Salaman die Gefühle ihrer Protagonistin und lässt sie auch schwere Fehler begehen, um zu zeigen, wie verwundbar und verunsichert sie ist.

Laut Autoreninfo im Buch ist der Roman teilweise autobiographisch. Mich würde interessieren wie weit diese autobiographischen Züge reichen. So oder so ist es bemerkenswert, dass Clara Salaman den Mut gefunden hat, sich so intensiv mit ihren inneren Dämonen zu beschäftigen und das ganze dann nicht etwas in ein Erfahrungsbuch zu packen, sondern eine sprachlich brilliant erzählte fiktive Geschichte zu schreiben. Ich hoffe, sie wird weiterschreiben, denn ich würde ohne den Klappentext überhaupt nur anzuschauen, ein weiteres Buch dieser talentierten Schriftstellerin sofort kaufen.

Note: 1

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