Pennicott, Josephine: Dornentöchter

Originaltitel: Poet’s Cottage
Verlag:
List
erschienen:
2012
Seiten:
400
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3471350861
Übersetzung:
Julia Walther

Klappentext:

Als Sadie in das alte Cottage ihrer Familie in Tasmanien zieht, hofft sie auf einen Neubeginn. Doch das schöne Haus hat ein Geheimnis. Vor Jahrzehnten starb dort Sadies Großmutter auf mysteriöse Weise. Ist die Zeit reif, das Rätsel zu lösen? Über Generationen hinweg hat die Familie geschwiegen, nun will Sadie endlich die Wahrheit ans Licht bringen. Sie dringt tief in die Vergangenheit ein und kommt dabei auch ihrem Traum von einem Leben voller Liebe und Vertrauen näher.

Rezension:

Pennicotts Roman besteht eigentlich aus zwei Geschichten. Einmal die der alleinerziehenden Sadie Jeffreys und ihrer Tochter Betty, die im Cottage ihrer Familie ein neues Leben anfangen wollen und die von Pearl Tatlow, ihrer Großmutter, die in diesem Haus ermordet wurde.

Immer wenn die Autorin über die Gegenwart schreibt, fällt der Roman deutlich ab, denn tatsächlich trägt Pearl, die geheimnisvolle und egoistische Protagonistin, den ganzen Roman. Sie ist nicht sympathisch. Sie ist chaotisch, narzisstisch, grausam, liebevoll und labil. Mal ist sie die beste Freundin, die wundervolle Geliebte und dann ein Drachen, eine verletzende Furie, die jeden vor den Kopf stößt. Ich habe sie bis zum Ende nicht verstanden, aber vielleicht gerade deswegen so faszinierend gefunden. Aber so ist das eben mit charismatischen Personen. Man hasst und liebt sie gleichzeitig.

Passend zur ungewöhnlichen Heldin ist auch Pennicotts Sprachstil eher sperrig und keinesweg, wie das Cover vermuten lässt, zum locker flockig weglesen geeignet. Wer leichte Unterhaltung erwartet, wird von daher vielleicht enttäuscht sein, denn sowohl die verschiedenen Zeitebenen, als auch die Art der Autorin Dinge und Beziehungen zu beschreiben, sind eher speziell. Auch verzichtet sie weitestgehend darauf eine Identifikationfigur zu schaffen, denn neben Pearl sind auch alle anderen Figuren zwar fein skizziert, bleiben aber gegenüber dem Leser immer auf Distanz.

Obwohl auch der Kriminalfall bis zum Ende undurchsichtig und wirklich spannend bleibt und ich die Verflechtungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit sehr clever fand, war mir die Geschichte von Sadie und Betty zu belanglos. Dies hat ein bisschen das Lesevergnügen getrübt, aber vielleicht ist es auch schwierig neben der schillernden Pearl eine andere Figur aufzubauen, die auch nur in irgendeiner Weise gleichwertig interessant ist. Sehr überflüssig und zudem schlecht in die Handlung eingefügt, fand ich Bettys Magersucht. Die Zerrissenheit des Mädchens hätte man auch anders darstellen können.

Josephine Pennicotts Gabe ungewöhnliche Figuren zu kreieren macht mich jedoch neugierig genug auf weitere Bücher der Autorin. “Sturmtöchter” wartet bereit in meinem Bücherregal.

Note: 3+