Jones, Sadie: Jahre wie diese

Originaltitel: Fallout
Verlag:
DVA
erschienen:
2015
Seiten:
416
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3421046298
Übersetzung:
Brigitte Walitzek

Klappentext:

Luke Kanowski beschließt, Provinz und Elternhaus den Rücken zu kehren, um in London seine Lorbeeren als Dramatiker zu verdienen. Mit Paul, einem angehenden Produzenten, und Leigh, Pauls Freundin, gründet er eine Theaterkompagnie, die bald erste Erfolge feiert. Die drei sind unzertrennlich – bis Luke auf Nina trifft, eine temperamentvolle, aber labile Schauspielerin, die ihn nicht mehr loslässt.

Alles, worum er gekämpft hat – Loyalität, Freundschaft, Karriere –, droht dem Versuch zum Opfer zu fallen, Ninas versehrte Seele zu retten. Wie viel ist er bereit, für sie zu riskieren? Ein überaus romantischer, eleganter Roman über vier junge Menschen, die um ihren Platz in der Liebe und im Leben kämpfen und dabei immer wieder von den Prägungen ihrer Kindheit eingeholt werden.

Rezension:

Nach wenigen Seiten ist offenkundig, Sadie Jones ist eine bravoröse Geschichtenerzählerin. Auf unnachahmliche Art und Weise erweckt sie die Theaterwelt der 70er Jahre zum Leben, kreiert Figuren mit Ecken und Kanten und weiß zudem mit einer eleganten, wendungsreichen Handlung zu begeistern. So, jetzt noch die Note drunter und fertig ist die Rezension und eigentlich weiß man dann alles über dieses Buch. ;-)

Aber das wäre erstens zu einfach und würde diesem tollen Buch zudem nicht gerecht werden.

Die Figuren in “Jahre wie diese” sind auf den ersten Blick keine Sympathieträger, aber Sadie Jones beschreibt sie mit so prägnanten Worten, dass sie dermaßen real wirken, dass man sich ihnen nicht entziehen kann. Sie setzt bewusst Reizpunkte und der Leser wird praktisch gezwungen sich mit den Charakteren auseinanderzusetzen. Ihre Figuren sind Außenseiter, handeln für uns heute teilweise unverständlich oder verrückt, aber in diesem Kosmos der 70er Jahre dennoch schlüssig.

Ich bin ein großer London-Liebhaber, aber das Bild von London, welches Sadie Jones zeichnet, war mir fremd. Die 70er müssen dort eine gleichermaßen spannende, wie auch seltsame Zeit gewesen sein. Auf der einen Seite der noch schwelende Rassismus und Sexismus, auf der anderen Seite die Möglichkeit sich in der Kunst auszudrücken und frei zu fühlen. Diese Widersprüchlichkeit findet sich auch in den Figuren wieder und macht die Handlung deswegen glaubhaft.

Das Theatermilieu hat bei Jones etwas bohemienhaftes und diese Mischung auf Kunst, Freiheit und Leidenschaft hat mich sehr angesprochen. Als Teenager war ich mit meiner Mutter alle zwei Wochen im Dortmunder Theater oder Opernhaus. Während andere Mädchen zum tausendsten Mal “Dirty Dancing” gesehen habe, habe ich bei “La Traviata” geheult oder bei “Maria Stuart” ehrfürchtig eine Hinrichtung betrachtet. Der Roman hat mich auch daran erinnert, wie schön ich diese Welt damals gefunden habe.

Trotzdem spielt sich das eigentliche Drama natürlich hinter der Bühne ab. Während sich Londons Theaterwelt neu zu erfinden versucht, fechten unsere Protagonisten ihre eigenen Kämpfe aus. Feminismus, soziale Umbrüche Liebe und Hass sind dabei nur einige Themen, die angerissen werden. Dabei überrascht Sadi Jones auch immer wieder mit unvorhergesehenen Wendungen. Eine geradlinige Liebesgeschichte sollte man jedenfalls nicht erwarten!

Als kleinen Kritikpunkt würde ich angeben, dass die Autorin einigen Figuren noch mehr Tiefe hätte verleihen können. Ihre Beweggründe gehen so manchmal in diesem bunten und packenden Setting unter. Dies ist aber wirklich nur ein kleiner Wermutstropfen und im Vergleich zu vielen anderen Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe, Jammern auf hohem Niveau. Von Sadie Jones lebendigem Beziehungsreigen, dürfen sich viele Autoren eine Scheibe abschneiden!

Note: 2+

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