Morel, Alex: Survive

Originaltitel: Survive
Verlag:
INK
erschienen:
2013
Seiten:
256
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3863960475
Übersetzung:
Michaela Link

Klappentext:

Wie durch ein Wunder überlebt Jane einen Flugzeugabsturz mitten in den Rocky Mountains. Ironie des Schicksals – genau für diesen Tag hatte sie ihren Selbstmord geplant. Außer Jane hat es nur noch ein einziger Passagier geschafft: Paul. Gemeinsam schlagen sich die beiden Teenager durch die eisige Wildnis, und dabei erkennt Jane zum ersten Mal seit Langem: Sie will leben. Das ist vor allem Paul zu verdanken, der ihr Bestes zum Vorschein bringt. Nie zuvor hat Jane so etwas für jemanden empfunden, und für diese unverhoffte Liebe wächst sie über sich selbst hinaus …

Rezension:

Dieses keine 300 Seiten lange Jugendbuch ist ein Tour de Force Ritt für jeden Leser. Abseits von Fantasy, Dystopien und anderen momentan sehr beliebten Themen geht es in “Survive” um zwei Jugendliche in unserer realen Welt. Dabei ist aber besonders die Protagonistin außergewöhnlich zu nennen. Jane leidet unter Depressionen und ist nun seit einem Jahr in einer Klinik untergebracht, wo man ihr helfen will. Doch Jane spielt Pflegern und Ärzten etwas vor und plant seit Wochen sich umzubringen. Als sie zu einem Weihnachtsurlaub nach Hause fliegen darf, will sie ihren Plan in die Tat umsetzen. Sie will sich während des Fluges mit Tabletten umbringen.

Es vergehen ca. 50/60 Seiten bis es zum im Klappentext erwähnten Flugzeugabsturz kommt, aber bis dahin hat man als Leser schon einiges zu verarbeiten. Jane ist eine zutiefst traurige junge Frau, die, man muss es so krass sagen, einer Familie von Selbstmördern entstammt. Die Ich-Erzählerin ist nicht wirklich sympathisch zu nennen. Sie wirkt abgeklärt, kann keinen Schritt tun ohne alles zu planen und hat eine fast sarkastische Art ihre Sicht der Dinge zu zeigen. Wie sie über den Selbstmord ihres Vaters, der sich eines Nachts eine Kugel in den Kopf schoss, denkt und redet, zeugt gleichzeitig von großer Wut und großer Traurigkeit.

Ihre Mutter verharrt in dieser Trauer und ist Jane keine große Hilfe. Weder als junges Mädchen, noch als Teenager kann sie die Tat ihres Vaters verstehen und fast hat es den Anschein, als müsse sie selbst erst diese Tat begehen, um zu verstehen, wieso all dies passiert ist. Interessanterweise verklärt weder der Autor noch Jane den Selbstmord an sich. Sie gibt sich keiner romantischen Vorstellung hin, aber aus irgendeinem Grund glaubt sie, es sei ihr vorbestimmter Weg.

Und dann geschieht der Absturz, der nicht nur eine unfassbare Veränderung in Janes Denken vollzieht, sondern ca. 160 Seiten spannungsgeladene Szenen nach sich zieht. Jane und Paul sind die einzigen Überlebenden und wie sich durch die Wildnis und fast tödlicher Kälte schlagen, ist einfach nervenzerreißend und brutal beschrieben. Ich habe noch nie beim Lesen eines Buches so gefroren wie bei “Survive”. Selbst mit Wärmeflasche und Doppeldecke im Bett, läuft es einem in so mancher Szene eiskalt den Rücken herunter.

Auch sprachlich hat mich der Roman überzeugt. Jane ist wie gesagt eher sarkastisch veranlagt, aber der Autor passt ihren Erzählstil dem Geschehen an. Besonders direkt nach dem Absturz wirken Janes Gedanken gehetzt und sie selbst reagiert wie auf Autopilot, was sich in kurzen fast stakkatohaften Sätzen zeigt. Auch ansonsten zeigt sich Alex Morel manchmal schonungslos schnörkellos. Wenn es um Gefühle oder lebensbedrohliche Situationen geht, haut er schon mal einen besonders trockenen Satz raus, der einem durchaus manchmal die Schuhe auszieht. Bei “Survive” sollte man sich nicht wundern, wenn man auf nicht mal 300 Seiten einiges an Gefühlchaos erlebt. Tatsachlich war es ein Buch, bei dem ich seit ewigen Zeiten mal wieder ein Tränchen verdrückt habe.

Die Beziehung zwischen Jane und Paul ist natürlch auch der Notlage geschuldet, in der sie sich befinden, aber trotz der atemberaubenden Spannung schafft es der Autor, in den wenigen ruhigen Momenten zu zeigen, dass sie auf ihre Art viel gemeinsam haben und doch gut zusammen passen.

Faszinierenderweise ist das Buch von einem Mann, was ich erst während des Lesens festgestellt habe, als ich mal einen Blick auf die Innenklappe warf. Normalerweise vermutet man hinter einer weiblichen Protagonistin immer eine Autorin, aber siehe da, auch ein Autor kann das Innenleben eines weiblichen Wesens perfekt beleuchten.

Das Buch habe ich in einer Leserunde gelesen und obwohl es alle sehr gut gefunden haben, war doch keine so begeistert wie ich. Aus irgendeinem Grund war ich also besonders empfänglich für das Buch oder gerade in der richtigen Stimmung. Das sollte man vielleicht beim Lesen dieser enthusiastischen Rezension beachten. ;-)

Note: 1+ (mit Sternchen)

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