Moran, Caitlin: All about a girl

Originaltitel: How to build a girl
Verlag:
carl’s books
erschienen:
2015
Seiten:
384
Ausgabe:
Klappenbroschur
ISBN:
3789132187
Übersetzung:
Regina Rawlinson

Klappentext:

England 1990, die Happy Mondays sind in den Top of the Pops, Margaret Thatchers Regierungszeit neigt sich dem Ende zu, und das Land ächzt unter der Arbeitslosigkeit: Wie soll man bloß in einer Sozialsiedlung in Wolverhampton inmitten einer chaotischen Familie erwachsen werden – mit einem Vater, der seit zwanzig Jahren von einer Karriere als Rockstar träumt und einer Mutter, die, obwohl sie schon drei Kinder hat, eine erneute Schwangerschaft bis zum Geburtstermin als Magenverstimmung deutet? Reicht Johanna Morrigans Trickkiste aus schwarzem Eyeliner, Doc Martens, derben Sprüchen, einem wilden Partystil und einem immensen Wissen über angesagte Popmusik aus, um sich neu zu erfinden, endlich Sex zu haben und die Familie aus der Misere zu retten? Ein intelligenter, sprühend witziger Roman über das Erwachsenwerden, trügerische Rollenbilder und das Glück, ein Kind der Neunzigerjahre zu sein.

Rezension:

„All about a girl“ ist das zweite Buch von Caitlin Moran, die vorher mit „How to be a woman“, einem feministischen und autobiographischen Sachbuch Furore machte. Auch der nun vorliegende Roman scheint einige autiobraphische Züge zu haben, denn Caitlin stammt wie Johanna aus einer Sozialsiedlung in Wolverhampton. Zwar betont sie, dass besonders die Eltern nichts mit ihren realen Eltern zu tun haben, aber machen wir uns nichts vor, „All about a girl“ ist so entwaffnend ehrlich und eindrücklich, weil Moran genau weiß, wovon sie schreibt.

Ich bin mir sicher, nicht jeder wird mit diesem Buch etwas anfangen können. Es ist rotzfrech, so britisch wie der Big Ben und volle Kanne 90er. In der beschriebenen Zeit, war ich selbst ein Teenager und bei Erwähnungen von Bands, Top Ten Hits und Skandalen der damaligen Zeit, wird einem ganz warm ums Herz.  Zwischendurch hab ich glaube ich mal „Temple of Love“ gesummt. Ich will nicht sagen, dass jemandem der in dieser Zeit noch ein Kleinkind war, das Buch nicht gefallen kann, aber für „uns 90er Mädels“ ist es doch eine Zeitreise in die gute alte Zeit und das obwohl an Johannas Leben eigentlich vieles gar nicht so großartig ist.

Moran beschreibt die Aussichtslosigkeit einer englischen Sozialsiedlung schonungslos, aber mit Feingefühl und Witz und auch mit der nötigen Wärme. Johannas Eltern sind das absolute Looser-Ehepaar. Ihr Vater ein verkappter Musiker, der nichts auf die Reihe kriegt, die Mutter verschließt die Augen vor der Realität und merkt nicht mal, wenn sie schwanger ist. Die Kinder werden also groß in einer Umgebung voller Armut und Perspektivlosigkeit. Das alles garniert die Autorin aber mit typischem britischen Humor und vor allen Dingen mit Johannas frecher Klappe. Das Mädchen nennt alles beim Namen. Wer sich an einem 14jährigen masturbierenden Mädchen und auch ansonsten an diversen Kraftausdrücken und schonungslosen Betrachtungen stößt und das zu krass findet, dem fehlt vielleicht die Empathie sich das Leben auf dem sozialen Abstellgleis vorzustellen. Einfach mal schauen, wer auch in unserem Land mit 14 schwanger ist, keine Ausbdilung hat, etc.

Die Kunst an diesem Buch ist die Mischung an rüder und provokanter Sprache und der letztlich jedoch warmherzigen Geschichte eines Mädchens, dass seinen Platz im Leben sucht und immer wieder aufsteht und für seine Träume kämpft. Es mag nicht immer so realistisch sein, wie sich Johannas Träume erfüllen, aber es nötigt mir Respekt hat, wie sie für sich einsteht, den anscheinend für sie vorgesehenen Platz verlässt und nicht hinnimmt, dass ihr Leben genauso verlaufen wird, wie das ihrer Mutter.

Mir gefällt, dass Moran nichts beschönigt und die soziale Lage der Morrigans nicht für Klischees ausnutzt. Es ist einfach die Geschichte eines Mädchens, welche es damals (und wohl auch heute) zu tausenden gegeben hat. Den Kniff Johanna mit Dolly Wilde ein Alter Ego zu geben, finde ich ziemlich clever. Haben wir nicht gerade als Teenager alle mal davon geträumt jemand anderes zu sein? Für Johanna ist es der Weg auszubrechen. Dabei überschreitet sie jede Menge Grenzen, gerät ins Stopern, muss mit den Konsequenzen leben und geht dann weiter.

Das ist manchmal übertrieben, überbordend, anstrengend zu lesen und vulgär und doch irgendwie auf eine fragile Art und Weise berührend. „All about a girl“ ist vorlaut, bunt, leidenschaftlich und chaotisch und ich fand es wunderbar.

Das Buch ist übrigens für eine Verfilmung vorgesehen. Und für alle, die jetzt auch noch mal Bock auf die Musik von damals haben – meine Güte, Ofra Haza ist auch schon 15 Jahre tot. Wo ist die Zeit nur geblieben?!

Note: 2

Cass, Kiera: Selection – Die Kronprinzessin

Band 4 Selection Serie

Originaltitel: The Heir
Verlag:
Sauerländer
erschienen:
2015
Seiten:
400
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3737352240
Übersetzung:
Lisa-Marie Rust/Susann Friedrich

Klappentext:

Die Liebesgeschichte um America, Maxon und Aspen hat ihr Ende gefunden – aber die Geschichte der ›Selection‹ ist noch lange nicht vorbei!

Nun ist es an Maxons Tochter Eadlyn, der Kronprinzessin, sich ihren Prinzen aus 35 jungen Männern zu erwählen. Alles könnte perfekt sein, wäre da nicht ein Problem: Eadlyn hat dem Casting nur zugestimmt, um das aufgebrachte Volk mit einer glamourösen Show zu besänftigen. Und an die große Liebe glaubt sie sowieso nicht. Aber vielleicht glaubt die Liebe ja an Eadlyn!

Rezension:

Da ist er nun der vierte Band der ursprünglich als Trilogie geplanten Selection Reihe. Auf den ersten Blick hat sich nicht viel geändert. Maxon und America haben zwar die Kasten abgeschafft, aber noch immer brodelt es im Land und das Palastleben mit seinen Wachen, Zofen und Bediensteten geht seinen üblichen Gang. Das die Autorin ein erneutes Casting als Dreh- und Angelpunkt für ihre Fortsetzung vorsieht, ist Chance und Gefahr zu gleich.

Dadurch, dass nun eine Prinzessin ihren Ehemann finden soll, gibt es erstmal keine Horden von sich gegenseitig anzickenden jungen Mädchen. Dafür sind die männlichen Kandidaten noch austauschbarer wie die Mädchen aus den ersten drei Bänden. Nur einer handvoll gibt Cass im Laufe der Handlung so etwas wie ein Profil. Der Rest verschwindet in der Masse und man merkt sich nicht mal die Namen. Grundsätzlich fand ich die ganze Gruppe etwas merkwürdig geschildert. Junge Männer, die in einem Herrensalon herumsitzen und vor sich hinkichern, wenn die Prinzessin etwas sagt? Da würde mir an Eadlyns Stelle das Verlieben auch schwer fallen. Überhaupt hat es die Autorin nicht so mit ausführlichen Beschreibungen. Bis auf den Lockenkopf eines Kandidaten, kann ich keine einzige Figur in diesem Roman äußerlich beschreiben. Auch nicht Eadlyn. Es wird nicht mal erwähnt, welche Haarfarbe sie hat. Hier hätte man vielleicht die Schriftgröße mal etwas runterschrauben und ein bisschen Inhalt einfügen können, ohne die Anzahl von knapp 400 Seiten zu überschreiten.

Für Fans der vorherigen drei Bände ist „Die Kronprinzessin“ in Bezug auf Maxon und America zudem eine Enttäuschung. Natürlich sind nun knapp 20 Jahre vergangen, aber America hat absolut nichts mehr von der jungen Frau aus dem Casting. Sie wirkt auf mich eher wie eine Kopie von Maxons sanftmütiger Mutter. Beide sind zu austauschbaren Nebenfiguren geworden, was ich ziemlich ärgerlich finde. Auch das ewige Herumreiten auf Maxons graue Haare und Sorgenfalten fand ich doch etwas übertrieben. Der König ist vielleicht Mitte 40 und wird besonders gegen Ende beschrieben, wie ein alter Tattergreis. Natürlich lasten vermutlich die Sorgen und Nöte eines Volkes mehr auf einem Menschen, als ein normaler Job, aber auf der anderen Seite wird der Königsfamilie auch ziemlich viel abgenommen und sie leben ein priviligiertes Leben in Saus und Braus.

Letzteres führt mich dann auch gleich zu Eadlyn, mit der ich leider überhaupt nicht warm geworden bin. Das sie weder wie ihr Vater, noch wie ihre Mutter wirkt, finde ich tendenziell erstmal gut, denn alles von Band 1-3 nur aus einer anderen Perspektive noch mal zu lesen, wäre doch ziemlich uninteressant. So ist es durchaus löblich, dass Kiera Cass ihrer Protagonistin einen gänzlich anderen Charakter verleiht. Leider ist Eadlyn unnahbar, verwöhnt, überheblich und obwohl einige Eigenschaften erklärt werden, ist es letztlich einfach zu viel. Ich kann verstehen, dass die junge Fraue ihre Gefühle zurückhält, weil das nicht so ihr Ding ist und das es schwierig ist, sich von der Berufung der Kronprinzessin zu lösen, ebenfalls. Kein Verständnis habe ich jedoch für das wehleidige Geschwafel, dass sie ja ach so viel zu tun hat, während ihre Zofe ihr mal wieder das Badewasser einlaufen lässt und Blüten ins Wasser streut. Da ist mir doch manchmal ein sarkastisches „Liebchen, Du hasses echt schwer“ rausgerutscht.

Auf den letzten 50 Seiten nimmt der Roman dann endlich ein bisschen Fahrt auf, auch wenn ich mir nach dem wirklich guten dritten Band erhofft hätte, dass die Autorin etwas mehr auf die Rebellion und die Geschehnisse außerhalb des Palastes eingehen würde. Im Gegensatz zu Maxons Casting, bin ich mir bei Eadlyn auch nicht zu 100% sicher, für wen sie sich entscheiden wird. Kyle, der mit ihr zusammen aufgewachsen ist, scheint mir eine zu offensichtliche Wahl zu sein, auch wenn die Anziehungskraft zwischen ihnen deutlich ist. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich ja auf Henrys Übersetzer Erik tippen, der eigentlich gar kein Kandidat ist. Aber kommt Zeit, kommt Band 5, der Stand heute übrigens wirklich der Abschlussband der Serie sein soll.

Abschließend muss ich sagen, ist „Die Kronprinzessin“ für mich der schlechteste Band. Es passiert sehr wenig, die Figuren bleiben bis auf Eadlyn oberflächlich und wirken teilweise richtiggehend lieblos. Trotzdem habe ich die letzten 150 Seiten nachts bis knapp vier Uhr verschlungen. Es ist süffige Fastfood-Literatur und ich gebe ehrlich zu, ich freue mich auf den letzten Band und auf ein erneutes wunderschönes Cover.

Note: 3

Condie, Ally: Atlantia

Originaltitel: Atlantia
Verlag:
FJB
erschienen:
2015
Seiten:
416
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3841421695
Übersetzung:
Stefanie Schäfer

Klappentext:

Bay, du fehlst mir so sehr, flüsterte sie in die Muschel. Aus dem Inneren tönte ein rauschender Gesang und erinnerte an eine Zeit, als Wasser und Land noch zusammengehörten. Wo auch immer an der Landoberfläche ihre Schwester nun war, sie musste sie finden – auch wenn es niemandem erlaubt war, die Stadt unter der Glaskugel zu verlassen.

In einer Welt, die in Wasser- und Landbevölkerung aufgeteilt ist, werden die Zwillingsschwestern Rio und Bay durch einen Schicksalsschlag getrennt. Bay tritt ihre Reise zur Oberfläche an. Rio bleibt in Atlantia zurück. Um ihre Schwester wiederzusehen, muss sie herausfinden, warum Wasser und Land getrennt wurden und welche wunderbare und zugleich zerstörerische Gabe die Frauen der Familie verbindet.

Rezension:

Ally Condie konnte mich schon mit ihrer Cassia & Ky Trilogie begeistern. Ich mag die unaufgeregte Schreibe der Autorin, die eher eine Verfechterin der leisen Geschichten ist. Wer eine krachende und actionlastige Dystopie erwartet, wird mit Condie nicht glücklich werden, was sich auch in den eher durchwachsenen Rezensionen von „Atlantia“ wiederspiegelt.

Mich hat „Atlantia“ allerdings glücklich gemacht. Angefangen mit einem detaillierten und farbenprächtigen Weltenbau, der so plastisch ist, dass ich ab und zu mal geschaut habe, ob es nicht oben bei mir an der Zimmerdecke durchtröpfelt. Ich finde die Vorstellung ja ziemlich gruselig, unter einer Glaskuppel zu wohnen, während über mir hunderte Meter Wasser vor sich hin plätschern. Die ganze Stadt, der Tempel und der Markt kommen einem vor wie in Technicolor, so eindrücklich und dabei gar nicht ausufernd beschreibt die Autorin ihre Vision.

Auch die Figuren haben mir allesamt sehr gut gefallen. Besonders natürlich Rio, deren Gedankenwelt, aber auch besonders ihre Gefühle nach dem Tod der Mutter und dem Weggang ihrer Schwester Bay sehr feinfühlig beschrieben werden. Sie ist auf dem ersten Blick ein eher zurückhaltendes Mädchen. Hier hat sie mich an Cassia aus Condies vorheriger Trilogie erinnert. Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen dieses Genres mutieren Condies Heldinnen nicht innerhalb von drei Seiten zu absoluten Powerfrauen, sondern sie lernen bedächtig mit neuen Situationen umzugehen, wachsen an ihnen und beginnen für ihre Überzeugungen einzustehen. Dazu gehört Mut, aber eben auch die nötige Zeit, um sich zu entwickeln und diese gibt die Autorin ihren Figuren. Manche Leser mögen das langatmig finden. Ich empfinde es als realistisch und erfrischend anders.

Auch sprachlich überzeugt die Autorin wieder auf ganzer Linie. Sie hat eine manchmal fast poetische Art zu schreiben, die sich mit der Handlung verändert und wodurch sich ein harmonisches Ganzes ergibt. Das Geheimnis um „Atlantia“ bietet zudem jede Menge Knobelpotential und bis zum Ende gibt es immer wieder überraschende Wendungen. Figuren verhalten sich plötzlich anders als erwartet und nichts ist so, wie es scheint.

Positiv hervorheben, möchte ich, dass es sich bei „Atlantia“ tatsächlich mal um einen Einzelband handeln. Kein Warten auf irgendwelche Fortsetzungen, sondern ein bis zum Schluss gut erzählter und spannender Roman, den ich Freunden ungewöhnlicher Dystopien nur ans Herz legen kann.

Note: 1

Murphy, Clodagh: Pustekuchen!

Originaltitel: Frisky Business
Verlag:
Blanvalet
erschienen:
2015
Seiten:
512
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3734101557
Übersetzung:
Gabriele Weber-Jaric

Klappentext:

Freund, Hochzeit, Kinder – so sah Romy Fitzgeralds Lebensplanung aus. Nicht vorgesehen war das heiße Sexabenteuer auf einer Kostümparty. Und das auch noch mit einem Mann, der als Darth Vader verkleidet war. Doch die Geburt ihres Sohnes Luke neun Monate später stellt sich als das Beste heraus, was Romy je passiert ist. Das einzige Problem: Was wird sie Luke sagen, wenn er sie eines Tages nach seinem Vater fragt? Dem Mann, dem Romy ein Geheimnis anvertraut hat, das sie selbst am liebsten für immer vergessen würde, und den sie dennoch um jeden Preis finden muss …

Rezension:

„Pustekuchen!“ war schon mal für das Herbstprogramm 2014 bei Blanvalet unter dem Titel „Luke – wo ist dein Vater“ vorgesehen und wurde dann um ein Jahr verschoben. Leider hat man dem Buch sowohl einen neuen Titel, als auch ein neues Cover verpasst. Wobei ich das mit dem Titel schon nachvollziehen kann, weil vermutlich viele Frauen, die Lust auf einen leichten Unterhaltungsroman haben, eher keine Star Wars Freaks sind und dadurch vielleicht hätten abgeschreckt werden können.  Das alte Cover fand ich jedoch viel stimmiger und gerade in Bezug auf die kommende erneute Star Wars Mania (im November startet der neue Film in den Kinos), hätte man doch ein bisschen davon profitieren können.

Für alle Nicht-Star-Wars-Fans kann ich übrigens vorab Entwarnung geben. Bis auf das, was bereits im Klappentext verraten wird, passiert in dieser Richtung gar nichts. Romy hat Sex mit Darth Vader und nennt ihren Sohn Luke und alles andere ist eine ganz normale irische Liebes- und Familiengeschichte. Was für mich leider auch ein bisschen die Krux war. Ich hatte aufgrund des Inhaltes ein Buch mit etwas mehr Pepp und Witz erwartet. Vielleicht mehr so Richtung Chick Lit.

Bekommen habe ich dann eine durchaus liebenswerte Geschichte einer alleinerziehenden jungen Mutter, die ihren Weg im Leben und in der Liebe finden muss. Glücklicherweise umschifft Clodagh Murphy ein paar zu offensichtliche Klischees, die ich nach den ersten 50-60 Seiten befürchtet hatte.  Letztlich ist mir „Pustekuchen!“ aber mit über 500 Seiten einfach zu sehr in die Länge gezogen und ingesamt ein bisschen zu zahm. Immer wenn die Autorin witzig wird oder ihre Protagonisten echte Gefühle zeigen, ist der Roman ganz stark, um dann jedoch oft in seitenlanges Geplänkel abzufallen, was die Geschichte unnötig streckt.

Wobei ich widerum zugeben muss, dass ich die 512 Seiten an zwei Tagen verschlungen habe und ich die Figuren wirklich gern mochte. Romy ist eine sympathische und warmherzige Frau und auch ihre Freunde wirken sehr lebendig, aber nach der ersten Hälfte des Romans weiß man einfach, wo der Hase langläuft und ich hätte mir da eine deutliche Straffung der Geschichte gewünscht. Natürlich ist in den meisten Liebesromanen normalerweise der Weg das Ziel, weil oft klar ist, wie das Buch ausgehen wird, aber hier hält das Buch in der zweiten Hälfte einfach kaum noch Überraschungen bereit. Romys Geheimnis in Bezug auf den Tod ihres Vaters war mir z.B. bereits bei ihrem Stelldichein mit Darth Vader klar.

Wer sich übrigens ein bisschen Irland-Flair erhofft, den muss ich enttäuschen. „Pustekuchen!“ könnte auch in den USA oder in England spielen. Ich weiß, Halloween stammt ursprünglich aus Irland, aber ansonsten gab es keine signifikanten Anzeichen für den Handlungsort. Wer aber Lust auf eine leichte Liebesgeschichte für ein entspanntes Wochenende sucht, wird mit Clodagh Murphy sicher glücklich werden.

Note: 2-

Was mir Astrid Lindgren bedeutet!

Ramona vom Kielfeder-Blog hat zu einer Astrid Lindgren Blogparade aufgerufen, bei der ich sehr gerne mitmache. Der Geburtstag der Autorin jährt sich am 10. November und es erscheinen auch einige neue Bücher. Unter anderem „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ aus dem Ullstein Verlag, welches Tagebücher von 1939-1945 enthält. Ramona bittet, in der Blogparade über unsere liebsten Astrid Lindgren Bücher zu berichten, Fotos zu posten, etc. Ich möchte das jedoch ein wenig erweitern und schildern, was Astrid Lindgren und ihre Bücher für mich bedeuten, welchen Einfluss sie auf mich in der Kindheit und dadurch für das ganze Leben genommen hat.

Ich war ein Bücherwurm, sobald ich die ersten Buchstaben lesen und schreiben konnte und das, obwohl mir als kleines Kind eigentlich nicht viel vorgelesen wurde. Mein Vater hat mir lieber selbst erfundene Geschichten vor dem Schlafengehen erzählt. „Die Geschichte von der kleinen Schallplatte“ kann ich heute immer noch im Schlaf erzählen! Auch ansonsten war das Lesen nur teilweise in meiner Familie vertreten. Mein Großvater, der als meine Mutter und ihre Geschwister klein waren, zwei Jobs hatte, hat trotzdem jede Nacht mit einem Buch im Bett gelegen. Eigentlich muss der Mann chronisch übermüdet gewesen sein. Meine Mutter, als Kind wohl eine Leseratte, hat erst in den letzten Jahren wieder die Lust am Lesen entdeckt. Ansonsten liest niemand in meiner Familie. Egal ob Vater, Bruder, Tante, Oma, etc.

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Dennoch hatte das geschriebene Wort eine extrem große Anziehungskraft auf mich und das hat sich bis heute nicht geändert. Ich entdeckte Astrid Lindgren lesetechnisch also erst, als ich selbst lesen konnte. Anfangs kürzere Sachen wie „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“, später dann die dickeren Schinken wie „Ronja Räubertochter“ und „Michel aus Lönneberga“. Aber schon vorher gab es natürlich durch die Verfilmungen Pippi, Michel und Co. in meinem Leben.

Noch heute ist Weihnachten nicht Weihnachten, wenn ich nicht frühmorgens Pippi beim Kekse backen zusehen kann oder wie Michel Alfred durch den Schnee zu einem Arzt bringt. Meine liebste Erinnerung ist, die alten schwarzweiß Verfilmungen von Kalle Blomquist mit meinen Eltern zu schauen. Leider habe ich sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen und die extrem schlechte Qualität diverser youtube Videos sind auch kein Ersatz. Für mich war das damals jedenfalls spannender und gruseliger, als heute jeder Tatort! :-)

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Astrid Lindgren war in meiner Kindheit einfach allgegenwärtig. Irgendwann während meiner Grundschulzeit habe ich mir zu Weihnachten ein Klavier gewünscht. Mir war damals in meiner Naivität nicht bewusst, dass das ein bisschen teurer ist, als ein Kuscheltier oder eine Barbiepuppe, aber die Geschenke brachte schließlich das Christkind und das hatte ja offensichtlich Geld genug! :-D Also kam mein Wunschzettel wie immer abends auf die Fensterbank, wo es wunderbarerweise am nächsten Morgen zu einem Stück Schokolade mutiert ist. Wenige Tage vor Weihnachten fand ich morgens plötzlich auf der Fensterback „Die Kinder aus Bullerbü“ und eine kleine Nachricht vom Christkind, welches komischerweise die Handschrift meines Vaters hatte. 12041935_1138781886136235_1296254460_nDamals wusste ich das nicht, heute natürlich schon und ich hüte das kleine Stück Pappkarton wie meinen Augapfel. Das Klavier habe ich übrigens tatsächlich bekommen.

Ein Lieblingsbuch kann ich übrigens nur schwer benennen. „Mio, mein Mio“ fand ich immer ganz wundervoll, aber genauso die mutige Ronja, die verrückte und liebenswerte Pippi, die heile Welt in Bullerbü, den Bernhardiner Bootsmann und die kleine Jule aus „Ferien auf Saltkrokan“, Michel und Alfred… ich kann keinen besonders hervorheben, denn mit allen sind besondere Erinnerungen verknüpft und sie alle haben mich irgendetwas gelehrt.

Heute interessiert mich neben ihren Kinderbüchern natürlich die Autorin selbst, die sich ihr ganzes Leben lang für Gerechtigkeit, Frieden und Kinder eingesetzt hat. Sie sagte einmal  „Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar“. Es gibt wenige Sätze, die so wahr und allgemeingültig sind. Egal ob man 5 oder 37 Jahre alt ist und ich versuche gerade heute danach zu leben, mich nicht der Konformität zu ergeben, sondern den Weg zu gehen, der vielleicht nicht für jeden richtig ist, aber immerhin meiner!