Bergin, Virginia: Rain – Das tödliche Element

Originaltitel: The Rain
Verlag:
KJB
erschienen:
2015
Seiten:
416
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3737351554
Übersetzung:
Rainer Schmidt

Klappentext:

Samstag, Partyabend. Ruby und ihre Freunde feiern ausgelassen bis in die Nacht. Was keiner ahnt: Es wird das letzte Mal sein. Ruby wird ihre Freunde niemals wiedersehen. Und sie wird auch Caspar zum ersten und letzten Mal geküsst haben. Denn in dieser Nacht kommt der giftige Regen, der ein tödliches Virus bringt. Die Menschheit rast ihrem Untergang entgegen. Wer nicht gleich stirbt, kämpft mit allen Mitteln ums Überleben. Freunde werden zu Feinden, Kinder zu Waisen, Nachbarn zu Gesetzesbrechern. Auch Ruby ist von einem Tag auf den anderen völlig auf sich allein gestellt. Inmitten von Tod, Chaos und Angst macht sie sich verzweifelt auf die Suche nach überlebenden Verwandten. Doch es gibt auch Hoffnung. Ruby erhält ein Lebenszeichen ihres totgeglaubten Vaters …

Rezension:

Der erste Band von Virginia Bergins Dystopie Reihe wartet mit einem interessanten Ansatz auf. Was passiert, wenn aus dem Nichts ein giftiger Regen auf die Erde niederprasselt, der ein tödliches Virus mit sich bringt und zudem das Trinkwasser verseucht. Ich bin ja schon jenseits der 30 und kann mich gut an die 80er erinnern, wo die Menschen nach Tschernobly Angst vor radioaktivem Niederschlag hatten. Ich war zwar nur ein Kind, aber ich erinnere mich daran, dass wir eine zeitlang z.B. auf Milch verzichtet haben. In dem Roman gibt es zwar keine Nuklear-Katastrophe mit anschließendem Fallout und der Regen ist viel tödlicher und drastischer, aber ein bisschen fühlte ich mich an diese Zeit erinnert.

Der Roman wird aus Sicht von Ruby beschrieben, was der Geschichte einen jugendlichen Touch verleiht. Allerdings war das für mich manchmal auch das Problem, weil das Mädchen an den merkürdigsten Stellen über unwichtige Dinge nachdenkt. Nun gut, Teenagerkram ist selbstverständlich wichtig, aber ob das in einer so dramatisch lebensbedrohlichen Situation auch immer so glaubwürdig erscheint, wage ich zu bezweifeln.

Der Schreibstil ist letztlich auch insgesamt nicht wirklich stimmig, weil er irgendwie nicht zum Inhalt passt. Endzeitstimmung, Leid und Angst stehen inhaltlich auf der einen Seite, werden aber stilistisch oft überdeckt, weil es der Autorin wichtiger war, hipp zu wirken, was sich zum Beispiel in extremer Großschreibung (ganze Sätze!!) oder Teenagersprache ausdrückt. Ich habe den Sinn dahinter auch nicht so recht verstanden. Bergin hätte Ruby doch in gesetzerem Maße das Gesicht eines Teenagers verleihen können.

Gut gelungen ist der Autorin allerdings das Gefühl permanenter Bedrohung, zumal der Regen ja eine extrem schnelle Wirkung auf den menschlichen Körper hat. Gerade hier wird offensichtlich, wie gut der Roman hätte sein können, weil die Romanidee wirklich klasse und ungewöhnlich ist.

Nur was nutzt das, wenn die Protagonistin unsympathisch wirkt, die meisten Nebenfiguren sehr blass bleiben (und ohnehin sterben)  und der schöne Weltenbau gar nicht genossen werden kann, weil man permanent verwirrt auf den Sprachstil schaut. Ruby lässt zudem oft jegliches Gefühl vermissen. Da können Freunde und Familienmitglieder sterben wie die Fliegen, es scheint sie kaum zu berühren, während Virginia Bergin sich weiter in ironischen Dialogen ergeht.

Ihr seht es an der noch recht positiven Note, dass ich das Buch wirklich mögen wollte, aber eigentlich kann ich das Buch nur wegen der spannenden Idee loben und das ist letztlich dann doch zu wenig.

Note: 3-

Nielsen, Susin: Glücklich für Anfänger

Originaltitel: We are all made of molecules
Verlag:
cbt
erschienen:
2015
Seiten:
288
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3570163598
Übersetzung:
Claudia Max

Klappentext:

Als Stewart (13) und sein Vater aus ihrem kruschigen Häuschen samt Kater und Häkeldecke ins gestylte Designerheim von Ashley (14) und ihrer Mom ziehen, sind nicht alle gleich glücklich. Während Stewart doch nur eine gute Geschwisterbeziehung aufbauen will, geht Ashley der nerdige Patchworkbruder total auf den Keks. Denn womöglich könnte »Spewart« ihr peinlichstes Geheimnis ausplaudern: dass ihr Vater schwul ist und deshalb die Familie verlassen hat. Als Stewart mit unerschütterlich positivem Denken ein wenig nachhilft, damit Ashley und ihr heimlicher Schwarm Jared ein Paar werden, geraten die Geschwister in einen Strudel von Ereignissen, der sie einander näher bringt, als sie sich je hätten träumen lassen.

Rezension:

Schaut man sich in den Klatschblättern dieser Welt um, wird gefühlt jede zweite Ehe geschieden. Sind dann noch Kinder involviert und verliebt sich ein Elternteil neu, ist die neue Patchworkfamilie perfekt. Was das sowohl für die Eltern, aber auch besonders für die Kinder bedeutet, erzählt Susin Nielsen leichtfüßig, warmherzig und mit ganz viel Feingefühl.

Im Fall von Stewart und Ashley kann man das ganze schon einen Zusammenprall der Kulturen nennen, denn Stewart und sein Vater gehören eher zur gemütlichen Sorte, während es bei Ashley und ihrer Mutter vor Designergedöns nur so wimmelt. Das die beiden Kinder auch charakterlich auf den ersten Blick vollkommen unterschiedlich sind, verwundert deswegen nicht. Sicherlich ist einem der gutmütige und ein bisschen wunderliche Stewart näher, als die anfangs doch recht zickige Ashley. Ganz bezaubernd ist es, wie der Junge, seiner neuen Schwester einfach nur ein guter Bruder sein will. Aber nach und nach merken die beiden schon, dass sie sich ähnlicher sind, als gedacht. Stewart vermag es einfach wunderbar Ashley von ihrem hohen Ross herunterzuholen und ihr die Augen für Freundschaft und Ehrlichkeit zu öffnen.

Das Buch ist definitiv auch schon etwas für jüngere Leser ab 12 Jahren, ohne ältere Teenager (oder Erwachsene) zu langweilen. Dafür ist besonders Stewart einfach viel zu knuffig und ja, ein bisschen nerdig. Man kommt sich glatt ein bisschen doof vor, weil man von einem 13jährigen sogar was beigebracht kriegt. Gott, ist der schlau! Schön finde ich auch, dass es endlich mal einen männlichen Protagonisten in einem Jugendbuch gibt, welches aber trotzdem beide Geschlechter anspricht. Normalerweise sind das dann immer echte Jungsbücher, mit denen Mädchen in dem Alter selten etwas anfangen können.

Für mich stimmt auch einfach die Mischung in dem Buch. Es gibt jede Menge komische Momente, aber auch leise Szenen, da die ganze Situation Ashley doch mehr bedrückt, als sie es zugeben mag. Besonders die Homosexualität ihres Vaters und die befürchteten Hänseleien werden hier zur Sprache gebracht. Das Buch wird übrigens abwechselnd aus Ashleys und aus Stuarts Sicht erzählt. Letzter unterbricht das Geschehen auch gerne mal mit Listen und Diagrammen. Hab ich schon erwähnt, dass er echt schlau ist? ;-)

Die Autorin sollte man sich auf jeden Fall merken und ich freue mich schon auf ihr neues Buch, welches im Februar unter dem Titel „Die hohe Kunst, unterm Radar zu bleiben“ ebenfalls bei cbt erscheint.

Note: 1

Zevin, Gabrielle: Die Widerspenstigkeit des Glücks

Originaltitel: The Storied Life of A.J. Fikry
Verlag:
Diana
erschienen:
2015
Seiten:
288
Ausgabe:
Klappenbroschur
ISBN:
3453358627
Übersetzung:
Renate Orth-Guttmann

Klappentext:

Amelia ist Verlagsvertreterin und lernt dabei die eigenwilligsten Buchhändler kennen. Genau so einer ist A. J. Fikry. In seinem Herzen haben nur turmhohe Bücherstapel Platz. Bis er einen ungebetenen Gast entdeckt: Eines Morgens sitzt die zweijährige Waise Maya in der Kinderbuchecke seiner Buchhandlung. Gegen seinen Willen nimmt sich A. J. des kleinen Mädchens an, das sein Leben kurzerhand auf den Kopf stellt. Und auch Amelia wird er nicht so schnell vergessen können …

Rezension:

Als Buchhändlerin ist man per se immer sofort mit dem Buch an der Kasse, wenn es im selbigen um Buchhändler, Buchhandlungen und Bücher geht. Wenn der Protagonist dann noch ein Eigenbrötler mit einem winzigen Laden ist, der nur das verkauft, was er verkaufen will, dann setzt es bei uns Buchhändlerin im Oberstübchen komplett aus. Das ist nämlich Paradies, Disneyland, Weihnachten und Championsleague-Sieg in einem – um mal meine Prioritäten offen zu legen! :mrgreen:

Tatsächlich ist die keine 300 Seiten starke Geschichte richtig etwas für Nostalgiker und strotzt deswegen trotzdem nicht vor Gefühlsduseligkeit. Letzteres liegt sicherlich an A.J., der schon ziemlich verschroben ist und mit dem ich mich dann letztlich doch nicht ganz identifizieren konnte. Er ist mir manchmal zu intolerant und zu extrem, aber letztlich macht das auch ein bisschen den Charme des Romans aus. Es ist eben nicht alles glatt und zuckrig, was sich übrigens auch im Schreibstil widerspiegelt.

Dafür hält A.J. jede Menge Weisheiten und Gedanken über Bücher parat, die man sich am liebsten direkt in ein kleines Büchlein schreiben möchte. Überhaupt hat mir der Stil des Romans sehr gut gefallen. Zevin schreibt leichtfüßig und hat ein gutes Gefühl für realistische und knackige Dialoge. Die Figuren werden dadurch sehr fassbar und trotz der doch wenigen Seiten, erschafft die Autorin eine große Nähe zwischen Leser und den Protagonisten.

Das Ende wird sicherlich nicht jedem gefallen, aber ich fand gerade diese überraschende Komponente richtig gut und mal was anderes. Geradlinige Geschichten, die immer genauso ausgehen, wie man sich das vorstellt, gibt es im Unterhaltungs-Genre schon genug. Ich finde übrigens auch das Cover ganz bezaubernd mit den Buchrücken und dem Leuchtturm (A.J. lebt auf einer Insel) und kann diesen Roman nur allen Buchliebhabern empfehlen.

Note: 2

Baker, Tiffany: Die vergessene Tochter

Originaltitel: Mercy Snow
Verlag:
btb
erschienen:
2015
Seiten:
352
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3442748305
Übersetzung:
Astrid Mania

Klappentext:

Ein marodes Anwesen in den Wäldern von New Hampshire. Das ist alles, was Mercy und ihren Geschwistern nach dem Tod ihrer Mutter bleibt. Doch auch wenn das Geld knapp und der Winter hart ist, sie halten zusammen. Im Städtchen Titan Falls beobachtet man die Geschwister hingegen mit Argwohn. Allen voran June McAllister, denn seit Generationen sind ihre Familien verfeindet. Einzig die alte Hazel, die ein schweres Schicksal selbst zur Außenseiterin gemacht hat, gibt Mercy eine Chance. Dann erschüttert ein Unfall, bei dem ein junges Mädchen stirbt, die Stadt, und inmitten von Trauer und Anschuldigungen kommen alte Geheimnisse ans Licht.

Rezension:

Kleinstädte dieser Welt haben alle diesen fadenscheinigen Anblick von Idylle, hinter der es vor Vorurteilen und Hass nur so brodelt. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass nur Amerikaner dies so gut einfangen können, wie es auch Tiffany Baker in „Die vergessene Tochter“ tut. Vermutlich liegt dies auch am american way of life, der für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, einfach ein grandioses Fiasko ist.

Mercy und ihre Geschwister sind Waisen und müssen sich in ihrem kargen Leben zurechtfinden. Nicht besonders hilfreich ist es sicherlich, dass auch die Nachbarn in Titan Falls eher argwöhnisch, denn gutmütig sind. Diese Atmosphäre aus Ablehnung und Armut, aber auch den tiefen Zusammenhalt der Geschwister, fängt Baker gekonnt ein. Ihre Sprache ist sehr süffig und bildreich und man glaubt, wirklich jeden Baum und jedes Haus in Titan Falls vor Augen zu haben. Auch in der Charakterisierung ihrer Figuren geht sie sehr ins Detail, was das ganze Geschehen sehr realistisch wirken lässt. Es ist, als würde man selbst den Staub der Straßen oder die Kälte des Winters spüren.

Die Autorin benutzt ihre Figuren zudem äußerst geschickt, weil sie die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Das mag manchmal etwas ungewöhnlich erscheinen und man muss sich darauf einlassen, aber wenn man dies tut, dann ergibt das alles ein faszinierendes Puzzle, welches sich auf unvorhergesehene Weise zusammenfügt.

Aber auch die Geschichte hat mich vollkommen überzeugt. Lang gehegte Geheimnisse sind in Familienromanen ja nicht unbedingt was Neues, aber mich haben einige Wendungen in „Die vergessene Tochter“ doch auf dem falschen Fuß erwischt. Tatsächlich herrscht den ganzen Roman über eine knisternde Spannung, weil man nie weiß, was die Autorin sich als nächstes einfallen lassen wird. Und das gepaart mit dem feinfühligen Schreibstil, den interessanten Figuren und der schonungslosen Darstellungen der Verhältnisse der Geschwister, schafft einen immens packenden Roman.

Note: 1

Empört Euch!!

BFF_1508_ButtonOrange2-300x300hat Stéphane Hessel sein kleines Büchlein genannt und niemals war sein Wunsch nach friedlichem Widerstand wichtiger, als heute.

Aber das ist doch hier ein Bücherblog und oh ne… es hängt mir aus den Ohren raus. Wieso denn jetzt auch noch hier? Sehr gut! Immer schön auf den Geist gehen, damit es auch endlich jeder rafft und nein sagt zu diesem ganzen scheiß, der gerade in unserem Land abgeht. Jeder kann irgendwas tun.

Die meisten von uns haben ihre eigenen Sorgen. Stress mit dem Partner, ein krankes Kind, Arbeitslosigkeit, Streit mit den Eltern, keine Eier im Haus, wenn man grad Bock auf Pfannkuchen hat. Nur, wir können losgehen und einfach neue Eier kaufen. Sogar abends um 22 Uhr. Wir können mit unserem Kind zum Arzt gehen oder in ein Krankenhaus, ohne Angst haben zu müssen, dass es während unseres Besuches über unseren Köpfen zusammenfällt. Wir können uns mit unseren Eltern und Partnern und Freunden vertragen, weil sie nebenan wohnen und nicht hunderte Kilometer weit entfernt, weil wir gerade mit einem Bündel unseres Hab und Gutes irgendwo auf der Flucht sind.

Wir haben den 6er im Lotto gewonnen und zwar am Tag unserer Geburt und wir haben nichts dafür tun müssen. Es ist reiner Zufall, dass meine Mutter in einem Dortmunder Krankenhaus lag und in Rekordzeit mich auf die Welt brachte (ich war klein und neugierig und zwei Wochen zu früh) und nicht in einer Lehmhütte in der dritten Welt oder in einer zerbombten Stadt im nahen Osten. Ich musste dafür keine Prüfung ablegen, besonders schön oder schlau sein, ich hatte einfach nur verdammtes scheiß Glück in der Geburtslotterie.

Nun kann man sich nicht jeden Tag vor Augen führen, welches Glück man hat, denn dann verpasst man es sein Leben zu genießen und keiner von uns sollte Schuldgefühle dafür haben müssen, dass er in einem privilegierten Land geboren wurde. Aber was wir tun müssen ist, traumatisierten und ängstlichen Menschen mit Freundlichkeit begegnen. Ich stelle mir vor, wie ich mich fühlen würde, wenn ich in einem fremden Land, wo alles anders ist, Schutz suchen würde und die Menschen dort würden mit dem Finger auf mich zeigen oder gar mit irgendwelchen Fahnen und Fackeln. Ich frage mich, wie viel kann ein Mensch ertragen?

Meine beste Freundin im Gymnasium war eine Griechin. Sie musste sich stundenlang bei mir zu Hause am Monitor meine selbstgeschriebenen Geschichten durchlesen und sie tat es jedes Mal mit einem Lächeln und so überzeugender Begeisterung, dass ich wirklich glaubte, ich sei gut. Ob ich es war, weiß ich nicht, aber sie gab mir das Gefühl, es zu sein und das konnte ich damals nicht von vielen Menschen behaupten.

Ihre Familie wohnte in einer winzigen Wohnung. Sie hatte kein eigenes Zimmer und die Familie hatte sehr wenig Geld und dennoch, bin ich bei keiner anderen Freundin so großzügig und herzlich aufgenommen worden. Vermutlich hätten sie die letzte Scheibe Brot mit mir geteilt, während hier sich die Leute darüber aufregen, dass Flüchtlinge Smartphones haben oder so viel Knete für die Schlepperbanden aufbringen können.

Ich verstehe diesen Hass auf Flüchtlinge und Ausländer nicht. Ich kapier es einfach nicht. Wenn ich jemanden nicht leiden kann, dann, weil er sich scheiße benimmt. Weil er mich betrügt, belügt und hintergeht. Ehrlich gesagt, ist mir das bisher eher bei meinen deutschen Freunden passiert. Tja, irgendwie blöd, eigentlich müsste ich jetzt auswandern und alle Deutschen scheiße finden. Weil so von wegen Vorurteile und so.

Ja, eigentlich stimmt dieses „es hängt mir aus den Ohren“ doch. Mir hängt es total aus den Ohren, dass ich versuchen soll, mich mit diesem Gesocks auseinanderzusetzen. Ich finde es scheiße, dass die sich hinter ihrer Asozialität verstecken, keine Bildung haben, nicht mal zwei gerade Sätze schreiben können und anscheinend sogar auf Flüchtlinge neidisch sind, nur weil sie selbst nicht den Arsch hoch kriegen. Ich habe keine Lust auf Mitläufer mit ihrem Angst-Gesäusel und ihren „ja, aber das wird man doch noch mal sagen dürfen“ Sprüchen. Nein, sorry, Schnauze halten… darfste nich!

Ich bin nicht so vermessen zu behaupten, dass wir in diesem Land alle die gleichen Chancen haben. Wer in einer sozial schwachen Familie groß wird, wächst anders auf, vielleicht in einer Umgebung aus Frust, Unwissen und Hass. Hass, der nicht hinterfragt, sondern einfach gelebt wird, weil das schon bei Oma so war. Nur müsste es Oma nicht eigentlich nach 1945 besser wissen?

Vielleicht ist es auf eine andere Art auch intolerant, wenn ich sage, ich möchte keine Begründungen und Entschuldigungen für die Menschen in Heidenau und Freital und was weiß ich nicht wo, hören, denn es gibt Dinge für die gibt es keine Entschuldigung. Ich möchte nicht mehr, dass diese Menschen abgeholt werden, dass unsere Regierung zu feige ist die Klappe aufzumachen, weil man fürchtet Wählerstimmen zu verlieren. Wenn ein Rechtsextremer in einer S-Bahn auf ein ausländisches Kind uriniert, dann kann der aus noch so kaputten Verhältnissen kommen – es interessiert mich nicht. Der Typ ist einfach nur ein dämliches menschenverachtendes Arschloch! Punkt!

Ich möchte nichts hören von, wir machen uns doch nur Sorgen und wir haben Angst und uns geht es doch auch schlecht und wieso tut die Regierung nichts für uns. Geht mir wech damit! Uns geht es allen vergleichsweise gut und die, denen es vielleicht nicht ganz so rosig geht, könnten oft mit ein bisschen Menschenverstand und Elan selbst daran etwas ändern.

Und was das alles mit Literatur zu tun hat und deswegen auf diesem Blog steht? Eigentlich erstmal nichts, aber ich finde es wichtig, dass wir uns alle positionieren. Und dann denke ich mir, Bildung würde doch nicht schaden, dann hätte der ein oder andere mal die Trilogie der Wendepunkte von Klaus Kordon über den 1. und 2. Weltkrieg (Jugendbücher)  gelesen oder „Das Maikäfermädchen“ von Gina Meyer oder „Schindlers Liste“ oder „Die niedrigen Himmel“ von Anthony Marra oder oder oder… und keiner, der diese Bücher gelesen hätte, würde abends losziehen und ein Flüchtlingsheim anzünden, denn Bücher sind keineswegs nur heile Traumwelt, sie lehren uns Mitgefühl und Güte und daran fehlt es in diesen Tagen!

INFO: Wer „Blogger für Flüchtlinge“ unterstützen möchte, findet auf http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de jede Menge Infos. Ihr könnt immer etwas tun. Egal ob durch Texte, Ideen oder auch Geldspenden. Schaut Euch dort einfach mal um!