Brennan, Kiera: Die Herren der grünen Insel

Band 1 Irland Serie

Verlag: Blanvalet
erschienen:
2016
Seiten:
960
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3764505591

Klappentext:

Irland 1166: Die Grüne Insel ist in viele kleine Reiche zersplittert, die sich unerbittlich bekriegen. Könige fechten langjährige Fehden aus, und selbst die friedliebendsten Untertanen werden in den blutigen Machtkampf hineingezogen. Zugleich droht ein gemeinsamer Feind in Irland einzufallen: Henry Plantagenet will die Insel an sich reißen. Werden sich die Herren der Grünen Insel vereinen und sich gegen den König von England stellen? Und welche Rolle spielen der grausame Krieger Ascall und die von ihm entführte Caitlín in diesem Kampf um Macht und Blut?

Rezension:

Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, hatte ich ein Vorabexemplar vom Verlag. Das hat mir aber zum ersten Mal in meinem Rezensentenleben ein Problem bereitet, denn das Ding war so hart gebunden wie ein Ziegelstein. Die Seiten konnte man kaum umschlagen, und mir ist andauernd beim Lesen das Buch zugefallen. Außerdem fehlten die Karten. Irgendwann stand ich kurz vor der Kernschmelze und habe das Buch einfach weggelegt, auf den Erscheinungstag gewartet und mir dann das wunderschöne Hardcover gekauft. Hatte ich bei Gefallen aber sowieso vor.

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Aber nun zum eigentlichen Roman. Es gibt eigentlich nur eine einzige Kritik, die sich dieses wunderbar kraftvolle Buch bzw. die Autorin gefallen lassen muss und das ist dieses Kuddelmuddel mit den gälischen Namen. Kiera Brennan erklärt im Vorwort, dass sie lange überlegt hat, ob sie die original irisch-gälische Schreibweise benutzen soll oder nicht. Sie hat sich dann für einen Kompromiss entschieden. Für mich leider die absolut schlechteste Entscheidung, die man nur treffen konnte. Bei Namen, die im Prinzip so ausgesprochen, wie geschrieben werden, nahm sie die gälische Schreibweise. Für kompliziertere Namen entschied sie sich für die anglisierte Form. Nur blöd, wenn eigentlich kein einziger Name so ausgesprochen wird, wie geschrieben. Also habe ich die ersten fünfzig Seiten verzweifelt versucht zu überlegen, wie denn der ein oder andere Name nun ausgesprochen wird. Ich war mehr im Personenverzeichnis (inklusive Lautschrift), als im Roman und dann hab ich einfach irgendwann aufgegeben und mir meine eigene Aussprache ausgedacht. Insgesamt sind viele Namen aber für einen historischen Unterhaltungsroman wirklich zu kompliziert und ich bin da als erprobter Fantasyleser nun wirklich nicht ungeübt. Toll ist allerdings das beigefügte Lesezeichen, auf dem alle wichtigen Figuren kurz zusammengefasst sind. Wie ihr seht, sind die mit eher einfacheren Namen gesegnet.

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Tja und das war es eigentlich auch schon mit meiner negativen Kritik, denn alles andere ist für meine Begriffe ganz großes brachiales historisches Buchstabenkino! “Die Herren der grünen Insel” wird vollmundig als “Game of Thrones” im Irland des Hochmittelalters beworben. Normalerweise finde ich solche Vergleiche immer wenig zielführend und meistens sind sie auch nur clever gemachte Werbesprüche, die leider nicht halten, was sie versprechen. In diesem Fall finde ich den Vergleich allerdings sehr passend.

Wie George R.R. Martin jongliert Kiera Brennan mühelos mit einer Vielzahl von Figuren, Familien und Konflikten. Das erfordert vom Leser ein hohes Maß an Aufmerksamkeit (unter anderem eben auch wegen der oben genannten Namensproblematik) und ist wohl teilweise auch die Folge einiger etwas kritischer Rezensionen. Das Buch liest sich nicht zwischen Kochtopf und Staubsauger und es gibt auch keine niedliche Liebesgeschichte oder ein bisschen fluffige irische Folklore. Nein, Kiera Brennans Serienauftakt ist rauh, brutal, sperrig, dreckig und wuchtig. Man hört Schwerter aufeinander schlagen, riecht den Gestank, spürt die Kälte und den feuchten Schlamm. Auch in Sachen Gewalt ist die Autorin nicht zimperlich. Das alles führt zu einer intensiven und realistischen Atmosphäre, die mich total in ihren Bann gezogen hat.

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In letzter Zeit habe ich eher gemäßigtere historische Romane gelesen, die in der Regel auch in einer anderen Epoche spielten. Tatsächlich hatte mich in den letzten Jahren ein kleiner Mittelalter-Overkill heimgesucht. Doch hier bekommt man wenigstens mal wieder richtiges Mittelalter und zwar ohne Weichzeichner.

Neben der Atmosphäre weiß die Autorin auch mit interessanten Figuren und einer spannenden Handlung zu überzeugen. Besonders die Protagonisten sind doch sehr facettenreich und oft schwer einzuschätzen. Gut und Böse lassen sich auch oft nicht abgrenzen, was für meine Begriffe das A und O für einen guten Roman ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als schon vorher zu wissen, wie sich eine Figur verhalten wird. Gerade auch deswegen bleibt dieser historische Schmöker bis zum Ende spannend. Der ständige Perspektivwechsel lässt zudem keine Langeweile aufkommen und es gibt gleichermaßen starke Frauen- wie auch Männerfiguren.  Auch sprachlich ist der Roman auf hohem Niveau, passt er sich doch in Sachen Bildgewalt und Kraft der Handlung an.

Man merkt, das die Autorin vor Ort recherchiert hat. Neben historischer Authentizität, gelingt es Brennan auch die grüne Insel zum Leben zu erwecken. Trotz der Brutalität des Romans kommt man nicht umhin sich in dieses Fleckchen Erde zu verlieben und ich hatte bis auf eine Schwäche für irischen Steptanz vor dem Lesen des Buches kein besonderes Faible für das Land.

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Kiera Brennan ist übrigens das Pseudonym der Autorin Julia Kröhn bzw. Carla Federico bzw. Sophia Cronberg. Obwohl mir alle diese Namen ein Begriff sind und ich auch das ein oder andere Buch schon mal in Händen gehalten habe, ist ihr neues Pseudonym auch gleichzeitig meine erste “Begegnung” mit der Autorin. Da hab ich wohl in nächster Zeit genug zu lesen!

Ich freue mich wirklich schon sehr auf den zweiten Band und hoffe mal, die Wartezeit nimmt keine gabaldonsche Ausmaße an. Apropos Gabaldon – der Weggang der Bestsellerautorin von Blanvalet nach Knaur hat eine nicht wegzudiskutierende Lücke hinterlassen. Für mich war Blanvalet – besonders im Hardcover – immer der Verlag der großen Schmöker und ich bin wirklich erleichtert, dass man hier Ersatz gefunden hat. Natürlich lassen sich beide Autoren nicht vergleichen. Sie schreiben vollkommen anders und die Geschichten sind auch anders gewichtet, aber nichts desto trotz passt “Die Herren der grünen Insel” perfekt zu diesem Publikumsverlag und ich hoffe, man wird noch mehr nach dieser Art von Literatur Ausschau halten.

Als letztes möchte ich noch darauf hinweisen, dass man hier für sagenhafte 19,99 Euro ein fast 1000 Seiten starkes Buch mit zwei verschiedenen Karten, Personenregister, Lesebändchen und einem Extra-Papplesezeichen bekommt. Wenn man sich hier so manche Folletts, Gablés und Konsorten vor Augen führt, eigentlich ein unglaubliches Schnäppchen. Wer also einen komplexen historischen Roman zu schätzen weiß, der wird seine helle Freude an “Die Herren der grünen Insel” haben.

Note: 2+

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