Schacht, Andrea: Die Gefährtin des Vaganten

Verlag: Blanvalet
erschienen:
2011
Seiten:
528
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3764503491

Klappentext:

Ränke, Rachsucht und Reliquien … März 1415. Drei Päpste hat die Welt. Doch nur einer reist zum Konzil in Konstanz an – und wird dort mit einer Anklageschrift konfrontiert. Ein guter Grund unterzutauchen. Aus dem Staub macht sich auch Bischof Hagan von Speyer, als ein heimtückischer Anschlag auf ihn verübt wird. Er schließt sich einer Vagantengruppe an, die in einem Gasthof unterkommt. Die misstrauische Wirtin Laure wird schon bald zu seiner Verbündeten auf der Suche nach den Verbrechern, denn mit ihren entlarvenden Karikaturen hält sie die Lösung in der Hand …

Rezension:

Ein Gasthaus vor den Toren Kölns – Anno 1415 – kann ein sehr spannender Ort sein, besonders wenn eine Autorin wie Andrea Schacht darüber schreibt. Mit sehr viel Witz und Charme beschreibe Gäste, Handwerker, Köchin, Mägde und natürlich auch die Besitzerin des Gasthauses, Laure. Eine junge Witwe mit zwei Kindern und einem ausgefallen Hobby, wofür sie jedoch wenig Zeit hat.

Dennoch, der Leser sieht mit Laures Augen die Menschen in dem Gasthaus und da Laure die Gabe hat die Menschen sehr genau zu beobachten, sieht der Leser sehr interessante Leute. Frau Schacht hat sehr geschickt, durch intensive Beschreibungen, der Handlung eine ganz besondere Tiefe gegeben. Schon nach den ersten 100 Seiten habe ich mich gefragt, ob es in diesem Buch auch einen Protagonisten gibt der nichts zu verbergen hat. Eine Geschichte aus der Zeit der Kreuzritter, macht das Auflösen der vielen Rätsel noch schwieriger und am Ende erkennt man als Leser erst die Zusammenhänge.

Ein fein geknüpftes Netz aus menschlichen Schwächen, religiösen Scharlatanen und unstillbarer Gier nach Macht und Geld, erzeugen in der Handlung einen straff gespannten Spannungsbogen. Dabei gewinnen die Protagonisten immer mehr charakterliche Tiefe. Als Leser leidet und lacht man mit ihnen und kann sich am Ende kaum von dieser äußerst lebendigen Gemeinschaft im Gasthaus verabschieden.

Die realen Persönlichkeiten der damaligen Zeit hat Frau Schacht sehr respektvoll beschrieben und ihre menschlichen Schwächen nicht dazu benutzt um der Handlung eine besonders reißerische oder niveaulose Würze zu geben. Das hat mir wirklich gut gefallen, denn im Endeffekt hat wohl keiner von uns die Menschen im 15 Jh. gekannt und ob immer alles richtig ist, was überliefert wurde, wage ich zu bezweifeln.

So manches leckere Kochrezept lässt den Leser auch immer wieder hungrig werden und man möchte am liebsten sofort das Gericht ausprobieren. Auch beschreibt Frau Schacht sehr eindrucksvoll die harte Arbeit der Frauen damals – vom ersten Hahnenschrei bis zum späten Abend waren sie in Bewegung – keine Waschmaschine, keine Spülmaschine und für jeden Tropfen Wasser musste man erst zum Brunnen laufen. Da war es wirklich kein Zuckerschlecken in einem Gasthaus zu arbeiten.

Insgesamt erzeugt die Autorin ein sehr eindrucksvolles Bild der damaligen Zeit und eine dichte Atmosphäre in der Handlung. Die vielen Geheimnisse der Protagonisten laden den Leser zum Miträtseln ein und ich hatte bis zum Schluss keine Ahnung wer die Fäden zieht in der Handlung. Geschickt hat Frau Schacht auch so manche falsche Fährte eingefügt, sodass man immer wieder mit seinen Vermutungen falsch lag. Natürlich fehlen auch die Tiere nicht und ein kleines Kätzchen begleitet auch in diesem Buch eine Protagonistin. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht zu der Handlung sagen, denn ich will niemanden den Spaß verderben, der das Buch noch lesen möchte.

Dieses Buch bietet alles was man sich nach einem anstrengenden Arbeitstag wünscht: Unterhaltung, Humor, Spannung, Krimi und Love Story. Als Leser kann man so richtig schön eintauchen in die Welt des alten Kölns und begegnet so ganz nebenbei auch einigen alten Bekannten. Ein rundherum gelungenes Buch und ein must have für jeden Andrea Schacht Fan.

Note: 1

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