Condie, Ally: Die Auswahl

Band 1 Cassia & Ky Trilogie

Originaltitel: Matched
Verlag:
FJB
erschienen:
2011
Seiten:
452
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3841421199
Übersetzung:
Stefanie Schäfer

Klappentext:

Stell dir vor, du lebst in einer Welt, die ein absolut sicheres Leben garantiert. Doch dafür musst du dich den Gesetzen des Systems beugen: den Menschen lieben, der für dich bestimmt wird. Was würdest du tun? Für die wahre Liebe dein Leben riskieren? Für die 17-jährige Cassia ist heute der wichtigste Tag ihres Leben: Sie erfährt, wen sie mit 21 heiraten wird. Doch das Ergebnis überrascht alle: Xander, Cassias bester Freund, ist als ihr Partner vom System ausgewählt worden. Als jedoch, offenbar wegen eines technischen Defekts, das Bild eines anderen Jungen auf dem feierlich überreichten Microchip auftaucht, wird Cassia misstrauisch. Kann das System wirklich entscheiden, wen sie lieben soll?

Rezension:

Ich möchte hier explizit sagen – lasst Euch nicht vom Klappentext abschrecken. Der Fischer Verlag lockt mit viel Liebesschnulz und zudem mit einem Stephanie Meyer Vergleich, der ob des Thema absolut  unangebracht ist. Was hat „Die Auswahl“ mit einem Vampirroman zu tun? Hier werden auf der einen Seite falsche Erwartungen geweckt (die erste negative amazon-Rezension mit „Meyer ist besser“ habe ich schon gelesen) und auf der anderen Seite potentielle Käufer abgeschreckt, die vielleicht nicht unbedingt dem Bella und Edward Hype hinterhergejagt sind.

Dabei hat der Verlag mit der Cassia & Ky Trilogie einen großen Fang gemacht, zumindest wenn man davon ausgeht, dass die Folgebände genauso gut sind wie „Die Auswahl“. Ich habe das Buch in einer Leserunde im Leserundenforum gelesen und wir waren doch alle sehr beeindruckt von dem Buch,  zumal es eine unglaubliche Zahl von verschiedenen Diskussionen ermöglichte.

Anfangs wirkt die erdachte Welt in einer nicht näher genannten Zukunft fast perfekt. Alle haben wie es scheint die selben Möglichkeiten, die selben Chancen. Alle sind versorgt, alles läuft in geregelten Bahnen ab und wirkt ein bisschen spießig. Doch zusammen mit der Heldin Cassia, die aufgrund eines Versehens einen anderen Partner auf ihrem Mikrochip findet und deswegen beginnt Fragen zu stellen, erhaschen wir einen Blick hinter die Fassade und dieser ist so erschreckend, wie man es sich kaum vorstellen kann.

Auch sprachlich verändert sich der Roman. Um so mutiger Cassia wird, um so farbenfroher und lyrischer wird die Sprache, wo sie vorher fast kühl wirkte. Gezielt setzt Condie Bilder ein, um in einer fest durchgeplanten Welt doch das Unwägbare zu zeigen.

Die zarte Liebesgeschichte zwischen Cassia und Ky ist nicht das Hauptaugenmerk des Romans und vollkommen frei von Kitsch und Pathos geschildert. Vielmehr geht es um die Freiheit eines jeden Menschen. Wann darf ich sterben, wie darf ich leben, wie darf ich meine Frezieit verbringen? Darf ich Angst und Freude verspüren ohne eine grüne Beruhigungstablette nehmen zu müssen?

Glücklicherweise verzichtet die Autorin auf eine überflüssige Dreiecksgeschichte zwischen Cassia, Ky und Xander, der im Laufe des Romans mit Mut und Menschlichkeit  zu überzeugen weiß. Eigentlich gibt es auch bei anderen Figuren (besonders bei Cassias Eltern) kleine Gesten des Aufstandes. Man muss nur genau hinschauen.

Der Roman endet an einem gut gewählten Punkt, der einen ersten Einschnitt bedeutet. Für Cassia und ihre Familie gibt es nun kein zurück mehr und ich kann es kaum erwarten, wie sich die Geschichte weiter entwickelt und welche Hintergründe die Autorin noch aufdecken wird. Die Fortzsetzung wird laut Fischerverlag im Januar 2012 erscheinen.

Note: 1

Busquets, Blanca: Die Woll-Lust der Maria Dolors

Originaltitel: El jersei
Verlag:
dtv
erschienen:
2010
Seiten:
414
Ausgabe:
großformatiges TB
ISBN:
3423248165
Übersetzung:
Ursula Bachhausen

Klappentext:

Still sitzt sie in ihrer Ecke im Wohnzimmer und strickt emsig vor sich hin. Seit einem Schlaganfall lebt Dolors bei der Familie ihrer jüngsten Tochter Leonor. Bis auf ihren Enkel Martí behandeln die Familienmitglieder die alte Frau jedoch wie ein Möbelstück, denn sie kann nicht mehr sprechen und sich nur noch durch Gesten verständigen. Aber Dolors ist weder blind noch taub geworden. Sie hat nach wie vor einen scharfen Verstand und es zudem faustdick hinter den Ohren. Während sie für ihre 16-jährige Enkelin einen wundervollen Pullover in leuchtenden Farben strickt, entgeht ihr nichts von dem, was in dieser scheinbar normalen Familie vor sich geht. Jeder hütet hier ein Geheimnis. Nicht zuletzt Dolors selbst …

Rezension:

Anfänglich hat der Roman eine große Begeisterung bei mir entfacht. Bianca Busquets schreibt eher schnörkellos, aber gerade diese Ehrlichkeit und der unverfrorene Blick auf Schwächen und Stärken der Figuren ist sehr erfrischend. Dolors ist alles andere als still, auch wenn sie nichts sagt. Sie macht sich eigentlich zu allem Gedanken und sie macht sich keinerlei Illusionen über ihre Kinder, Enkelkinder und auch nicht über sich selbst.

Auch stilistisch ist das Buch interessant, denn der Erzähler scheint in Dolors Kopf zu sitzen und alles zu beobachten. Dabei wird das Geschehen und die Beobachtungen immer wieder von Dolors Erinnerungen unterbrochen. Das Buch liest sich also wirklich so, wie die alte Frau ihr Dasein emfpinden muss. Ein Wust aus Träumereien, Hinschauen und genau Hinhören, sarkastischen Bemerkungen (die natürlich nur in ihrem Kopf stattfinden) und Vergangenem, die immer wieder ohne Vorwarnung ineinander überlappen. Trotzdem weiß der Leser immer wo er ist und auch ohne Vorwarnungen oder stilistische Mittel (Absätze, etc.) ist immer ersichtlich, was genau Dolors gerade meint.

Leider flacht der Roman im Laufe der Zeit immer mehr ab, denn auf 300 Seiten verwurstet Blanca Busqets sämtliche Klischees, die man sich nur denken kann. Magersucht, Homosexualität, sexuelle Nötigung, Affähren, Eitelkeit, etc. Und das alles in einer Familie! Die Lebensweisheiten der stummen Oma lockern das Ganze zwar immer wieder auf, aber im Vergleich zum naiven und teilweise sogar dummen Rest, sind ihre altklugen Gedanken manchmal schon fast zu viel. Trotz ihrer genauen Beobachtungsgabe bleiben einem ihre Kinder und auch Enkel seltsam fremd. Obwohl man so viel über sie weiß, leidet man nicht mit ihnen oder entwickelt Sympathien für sie. Auch das liegt wohl daran, dass sie letztlich Abziehbilder bleiben. Besonders Dolors eitler Schwiegersohn ist dermaßen übertrieben dargestellt, dass es irgendwann einfach nur noch ärgerlich ist.

Der Epilog, in dem die Ereignisse noch kurz aus der Sicht der anderen Personen geschildert wird, schließt zwar einige inhaltliche Lücken, ist aber letztlich ein Fremdkörper und wenig unterhaltsam.

Positiv erwähnen möchte ich das wirklich hinreißende Cover, das in natura wirklich genauso knallig und schwungvoll aussieht, wie auf dem kleinen Bildchen weiter oben.

Note: 3

Gier, Kerstin: Smaragdgrün

Band 3 Edelstein-Trilogie

Verlag:
Arena
erschienen:
2010
Seiten:
496
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3401063480

Klappentext:

Gwendolyn ist am Boden zerstört. War Gideons Liebesgeständnis nur eine Farce, um ihrem großen Gegenspieler, dem düsteren Graf von Saint Germain, in die Hände zu spielen? Fast sieht es für die junge Zeitreisende so aus. Doch dann geschieht etwas Unfassbares, das Gwennys Weltbild einmal mehr auf den Kopf stellt. Für sie und Gideon beginnt eine atemberaubende Flucht in die Vergangenheit. Rauschende Ballnächte und wilde Verfolgungsjagden erwarten die Heldin wider Willen und über allem steht die Frage, ob man ein gebrochenes Herz wirklich heilen kann …

Rezension:

Ein bisschen mussten die Fans auf den letzten Band der Edelstein Trilogie warten, denn das Veröffentlichungsdatum verzögerte sich um ein paar Monate. Als es dann endlich so weit war, freute ich mich persönlich schon sehr, denn „Saphirblau“ ließ den geneigten Leser doch ziemlich im Regen stehen, sprich mit einem riesigen Cliffhanger. Trotz der Vorfreude fiel es mir dann jedoch auf den ersten Seiten schwer in die Geschichte hineinzufinden. Es gibt keine Rückschau oder sonstige Erklärungen. „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ gehen sozusagen nahtlos ineinander über.

Nach einiger Zeit legte sich das glücklicherweise und das Buch vergeht wie im Flug. Die manchmal naive, aber immer bezaubernde Gwendolyn trägt das Buch wie schon die Vorgänger auf ihren Schulter, in dem sie alles und jeden auf ihre so eigene charmante Art kommentiert. Wie ein richtiger Teenager ist natürlich immer alles ganz schrecklich und Liebeskummer ist die Hölle, aber die Autorin verbindet das mit so viel entwaffnendem Humor, dass es sogar als Erwachsener schwer fällt, die Handlung nicht zu mögen.

Die Sache mit den Zeitreisen und den Machenschaften des Grafen werden immer undurchsichtiger und ehrlich gesagt, bin ich mir nicht ganz sicher, ob selbst Kerstin Gier die ganzen Wendungen und Verstrickungen noch verstanden hat. Ob alle Verbindungen logisch sind habe ich irgendwann nicht mehr überprüft, sondern einfach nur noch die Dialoge und die Gedankengänge von Gwen genossen. Alles andere würde wahrscheinlich zu bösen akrobatischen Übungen meiner Gehirnwindungen (inklusive sich anschließendem Knoten) führen.

Nun könnte man den letzten Punkt als negativ anführen, denn ein Roman, egal ob Fantasy oder nicht, sollte immer logisch sein, aber bei „Smaragdgrün“ mindert es den Lesespaß einfach nicht. Die Auflösung am Ende mag zwar auch etwas einfach sein, aber eigentlich erfreut man sich ohnehin die ganze Zeit nur an Kerstin Giers wunderbar fluffigem Schreibstil und ihren wunderschönen Ideen. Tatsächlich bemitleiden sich Teenager wohl in jedem Jugendbuch selbst, aber niemand stellt sich eine wunderbare Sterbeszene á la Romeo und Julia vor, um diese dann mit „aber vorher muss ich noch dringend zur Toilette“ zu kommentieren.

Auf so etwas kommt nur Kerstin Gier und dies ist einer der Gründe, warum ich mich jetzt schon auf den nächsten Roman von ihr freue. Egal ob Jugendbuch, Frauenbuch, Fantasybuch oder Strickanleitung. Schreib einfach Mädel, schreib!

Note: 2

Bücherkisten News Februar 2011

Wir möchten Euch nun monatlich mit einem kleinen Rück- und Ausblick auf den aktuellen Monat einstimmen. Als erstes möchten wir Euch auf unsere Monatstipps „Für die Krone“ von Bernd Perplies und „So sollst du schweigen“ von Clara Salaman aufmerksam machen. Beides sind ganz wunderbar geschriebene Bücher, die aber inhatlich nicht unterschiedlicher sein könnten.

Auch technisch gibt es ab sofort eine Neuerung. Das Schöne an wordpress ist, dass man nie auslernt und es immer wieder Funktionen zu entdecken gibt, wenn man etwas tiefer in die Materie eindringt. So könnt Ihr nun unter Rezensionen und unter Buchvorstellungen in den Übersichten sofort sehen, ob ein Titel zu einer Serie gehört und wenn ja, welcher Teil.

In Sachen Leserunden sind wir auch wieder munter unterwegs. Momentan lesen wir „Der siebte Schwan“ von Lilach Mer und alle Teilnehmer sind hin und weg von dem Debütroman der Autorin. Zu unser aller Glück ist die Autorin noch überraschend zur Leserunde dazu gestoßen und beglückt uns mit tollen Einblicken. Gerade gestartet ist außerdem unser Leserundenprojekt für das Jahr 2011 , in dem wir die Eragon Serie von Christopher Paolini lesen.

Im Laufe des Monats werden noch ein paar andere Leserunden starten.  Besonders erwähnen möchten wir hier die Runde zu „Die Auswahl“ von Ally Condie, die am 12.2. beginnen wird. Wir sind alle sehr gespannt, ob die Autorin sich mit der Dystopie-Meisterin Suzanne Collins messen lassen kann, von der übrigens in diesem Monat auch der letzte Panem Band gelesen wird. Ansonsten sind wir mit Leserunden zu „Der Sünde Sold“ von Inge Löhnig, „Nebelsturm“ von Johann Theorin und einem weiteren Tante Dimity Band von Nancy Atherton eher krimilastig unterwegs. Wie immer freuen wir uns über neue Teilnehmer!

In Sachen Rezensionen steht diesen Monat vor allen Dingen jede Menge „Altlasten bereinigen“ an, denn noch immer warten hunderte von Rezensionen der alten Bücherkiste darauf übertragen zu werden. Trotzdem wird es natürlich auch eine Reihe von neuen Rezensionen geben. Als kleine Vorschau dürft Ihr Euch auf „Die Geliebte des Zeitreisenden“ von Susan Kearney, den letzten Band der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier, „Die Woll-Lust der Maria Dolors“ von Blanca Busquet und auf viele weitere Buch- und Hörbuchrezensionen freuen.

Bis dahin wünschen wir Euch viel Spaß beim Stöbern und natürlich immer guten Lesestoff.

Liebe Grüße,
das Bücherkisten-Team

Patterson, James: Sühnetag

Band 3 Detective Michael Bennett Serie

Originaltitel: Worst Case
Verlag:
Goldmann
erschienen:
2011
Seiten:
320
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3442473470
Übersetzung:
Helmut Splinter

Klappentext:

Jacob Dunnings, der 18-jährige Sprössling einer der reichsten Familien New Yorks, ist entführt worden. Detective Michael Bennett wird mit dem Fall betraut und rechnet mit einer hohen Lösegeldforderung. Doch der Geiselnehmer will kein Geld, er will Gerechtigkeit. Und so spielt er mit seinem Gefangenen ein makabres Ratespiel: Die Fragen drehen sich um den Luxus der Reichen und das Leiden der Armen – und eine falsche Antwort kostet das Leben …

Rezension:
folgt