Carroll, Lee: Silberner Fluch

Band 1 Black Swan Serie

Originaltitel: Black Swan Rising
Verlag:
Heyne
erschienen:
2010
Seiten:
512
Ausgabe:
Klappenbroschur
ISBN:
345352697X
Übersetzung:
Kirsten Borchardt

Klappentext:

Als die junge Designerin Garet James in einem New Yorker Antiquariat auf eine Schatulle mit dem Symbol eines schwarzen Schwans stößt, ahnt sie noch nicht, dass darin ihr Schicksal verborgen ist. Denn der gleiche Schwan befindet sich auf dem Siegelring ihrer verstorbenen Mutter. Ein Zufall? Sie öffnet die Schatulle – und damit auch das Tor in eine magische Welt. Eine Welt der Feen, Vampire und Magier, voller Geheimnisse und Gefahren. Nur der zwielichtige Geschäftsmann Will Hughes scheint mehr darüber zu wissen. Mit seiner Hilfe erkennt Garet schließlich, dass das Siegel des Schwans sie zur letzten Hüterin des Tors zwischen den Welten macht …

Rezension:

“Black Swan – Silberner Fluch” ist die erste große Zusammenarbeit und zugleich die erste phantastische Geschichte des Autorenduos Carol Goodman und Lee Slonimsky. Die Autoren warten in ihrem Werk mit so ziemlich allem an Fantasy-Figuren und Phänomenen auf, die mich immer wieder zu diesem Genre hinziehen: Gnome, Drachen, magische Mächte und Kräfte, Unsterbliche, Mythen … aber wir treffen auch auf Vampire. Und hier muss ich zugeben hatte ich erstmal ein kleines Problem, habe ich mich doch bislang erfolgreich um den Vampirkult drücken können.

Auf den ersten 20 Seiten war ich noch ziemlich skeptisch, doch dann hat mich das Buch auf einmal gepackt und nicht mehr losgelassen. Auch wenn das Buch für mich die ein oder andere Schwäche hat, so gelingt es den Autoren doch oft genug, mich an das Buch zu fesseln und das Kopfkino dabei zu starten. Auch die ein oder andere Idee – wenn vielleicht auch nicht immer ganz neu – wie z.B. die farblichen Auren der Menschen oder der Drache Ddraik, war in ihren jeweiligen Szenen wunderbar umgesetzt und haben das Buch oft zu etwas ganz Besonderem für mich gemacht. Da haben sich die Seiten quasi von selbst umgeblättert. Allerdings gab es auch Szenen, die in meinen Augen zu lang, zu ausführlich und sogar zu übertrieben, teilweise zu unglaubwürdig geraten sind. An sich waren auch diese Szenen von der Grundidee schön, aber einfach irgendwann einschläfernd langweilig und in dieser Länge überflüssig. Andererseits gibt es auch vermeintliche Andeutungen, die ich gerne näher beleuchtet hätte, die aber letztlich total unwichtig waren. Ebenso gibt es Figuren die total unwichtig waren und deren Rolle für mich an den Haaren herbeigezogen war. Als Gegensatz dazu hätten in meinen Augen andere Figuren deutlich mehr Platz in dem Roman einnehmen können. Es ist also ein schöner Gemischtwarenladen an Gefühlen für mich bei diesem Buch.

Gut gefallen hat mir die – zugegebenermaßen nicht neue – Idee, dass neben den allseits beliebten Fantasy-Figuren wie Drachen, Vampire oder Gnome, auch auf  “bekannte” Figuren wie Oberon den Elfenkönig aus Shakespeares Hamlet oder Tinkerbell aus Peter Pan zurückgegriffen wird, auch wenn Tinkerbell hier Lol heißt und herzallerliebst und zu meiner persönlichen Lieblingsfigur geworden ist. Wundervoll die Vorstellung, dass Shakespeare Oberon gekannt hat und durch ihn erst zu seinem Werk inspiriert wurde. Ebenso treffen wir mit John Dee, den berühmten Alchemisten des 17. Jahrhunderts, auch auf historische Persönlichkeiten. Gerade John Dee gehört für mich zu den faszinierenden – wenn auch nicht sympathischen – Figuren, da er die Unsterblichkeit erlangt hat und zumindest erwähnt wird, wo er so überall seine Finger im Spiel hatte (das verschwundene Bernsteinzimmer, die Kartoffelseuche) oder wen er alles kannte (Hitler). Bei ihm fühlte ich mich desöfteren an den bösen Zauberer Rumburak aus der tchechischen Fantasy-Kinderserie „Die Märchenbraut“ erinnert, auch wenn die Autoren es darauf bestimmt nicht angelegt hatten.

Auch bei den “realen” Figuren, wie Garet, ihr Vater und deren Freude und Bekannte gibt es Positiv- wie Negativbeispiele. Mit der Hauptfigur Garet – ich liebe ihren Namen Marguerite – selbst ist für mich noch die am schlechtesten gezeichnete Figur. Zunächst einmal war ich froh, dass ich auf eine erwachsene Fantasy-Protagonistin stoße und nicht wieder ein 16-jähriges Gör vor mir habe. Dennoch lernt mir auch Garet viel zu schnell mit ihren bislang versteckten Fähigkeiten umzugehen. Von der Geschichte her gesehen steht sie natürlich unter Zeitdruck um John Dee zumindest vorübergehend das Handwerk zu legen, aber diese Superwoman-Kräfte innerhalb von so kurzer Zeit sind schon ein wenig viel des Guten. Gut gefällt mir hingegen ihre Liebesgeschichte, die am Ende des Buches auch noch nicht final abgeschlossen ist. Außerdem sind Garets Freunde Jay und Becky unbezahlbar. Gerade Becky mit ihrer erfrischenden Art, die zudem kein Blatt vor den Mund nimmt hat mir großen Spaß gemacht. Ich hoffe sehr, dass sie und meine kleine Freundin Lol im nächsten Band weiterhin eine – gerne auch größere – Rolle spielen.

Das Buch endet mit einem bösen Cliffhanger, der mich in dem Moment, in dem ich die letzte Seite gelesen hatte, am liebsten zu Band 2 hätte greifen lassen. Allerdings geht aus der Geschichte doch ziemlich deutlich hervor, wie es in der Fortsetzung weitergehen wird. Alles in allem handelt es sich bei „Black Swan – Silberner Fluch“ um einen guten Fantasy-Roman, den ich auf Grund seiner Einfachheit und trotz der erwachsenen Protagonistin als Jugend-Fantasy klassifizieren würde.

Note: 2-

Schützhofer, Kirsten: Die Konfektmacherin

Verlag: Diana
erschienen:
2010
Seiten:
608
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3453354400

Klappentext:

Frankreich 1685: Fast täglich besucht Cathérine den alten Nougatmacher Pierre, um ihrem Traum von einem eigenen Süßigkeitenstand auf dem Markt näher zu kommen. Als Cathérines Familie wegen ihres protestantischen Glaubens verhaftet wird, sie selbst aber fliehen kann, wird ihr Rezeptbuch ihr wertvollster Besitz. Als Konfektmacherin macht sie sich einen Namen. Doch der Ruhm ihres Nougats bringt auch die Verfolger ihrer Familie auf ihre Spur…

Rezension:

Endlich gibt es mit “Die Konfektmacherin” einen neuen historischen Roman von Kirsten Schützhofer und leider muss ich jetzt auch wieder einige Zeit warten, bis ich Nachschub bekomme.

Die Autorin erzählt in ihrem Roman die Geschichte von Catherine, Adrien und Mathieu, drei jungen Erwachsenen aus dem kleinen französischen Örtchen Montélimar, das für sein weißes Nougat berühmt ist. Die Freundschaft aus Kinderzeiten bekommt Risse, als Catherines und Mathieus Familien auf Grund ihres protestantischen Glaubens verfolgt werden und fliehen müssen. Auf der Flucht verlieren sich die Verlobten Catherine und Mathieu aus den Augen. Mathieu gelingt die Flucht nach Deutschland, während Catherine und ihre Schwester Julie in Orléans mit Hilfe des charmanten aber auch etwas undurchsichtigen Fluchthelfers Luc ihr Glück versuchen.

Wer schon allein auf Grund des Titels bei “Die Konfektmacherin” einen detailierten Roman über die Herstellung des berühmten Nougat oder andere Leckereien erwartet, wird hier ggf. enttäuscht sein. Die Herstellung des Nougat ist zwar im Roman enthalten, aber im Vordergrund stehen die Figuren vor dem historischen Hintergrund der Hugenottenverfolgung in Frankreich, die auch noch über 100 Jahre nach der schrecklichen Bartholomäusnacht das Leben in Frankreich dirigiert. Auch wenn ich weiß, dass Kirsten Schützhofer die Geschichte der Verfolgten erzählen will, fehlt mir dennoch manchmal das letzte wichtige Detail für Verständnis des komplexen geschichtlichen Hintergrunds. Dennoch liefert die Autorin wieder kleine erschreckende Details, die in die Zeit und zu dem Schrecken passen, die mich sehr mitgenommen haben.

Nichtsdestotrotz hat mich das Buch von der ersten Seite an gefesselt, die Nähe zu den Figuren stellt sich schnell ein, vor allem zu Adrien, der mir von den Figuren her am besten gefällt, da er viele verschiedene Facetten hat und mitunter auch den „Bösewicht“ spielt. Er wirkt mit seiner Rolle als Sohn der Familie du Port nicht wirklich glücklich, so dass ich mir oft für ihn wünschte, dass er sich möglichst schnell aus den Fängen seines Vaters un der Familie befreien kann. Aber gerade das alte Familiengeheimnis, dass seine Familie mit der Familie Catherines verbindet und Adriens Loyalität zu seiner Familie, zwingt ihn mitunter zu seinem unsympathischen Handlungen. Dass uns die Autorin erst ganz zum Schluss bezüglich des Familiengeheimnisses aufklärt war abzusehen. Überrascht war ich dennoch über die Lösung dieses Rätsels, da hat mich Kirsten Schützhofer auf dem falschen Fuß erwischt, aber gerade diese Wendung hat mir sehr gut gefallen.

Generell gefallen mir die unterschiedlichen Charaktere des Buches sehr gut. Da haben wir zum einen den etwas undurchsichtigen Luc, der extrem sexy auf mich wirkt, auch ohne, dass er leibhaftig vor mir steht. Aber es gibt auch Gabrielle, eine in Frankfurt lebende Französin, die in ihrer so unaufdringlichen Art – im Gegensatz zu einem Luc beispielsweise – eher eine Figur der leisen Töne ist, mir aber ebenfalls sehr ans Herz gewachsen ist. Ihre Tochter Sophia bringt in ihren Kinderjahren einen fröhlichen, frischen Wind in eine eher bedrückende Zeit bringt. Alles in allem agieren die Figuren in ihrer jeweiligen Situation verständlich und nachvollziehbar. Sie erleben Eifersucht, Wut, Hass, Undankbarkeit ihr Handeln basiert mitunter auf einer emotionalen Kurzschlussreaktion. Teilweise scheinen sie noch in ihrer Vergangenheit festzuhängen und den Absprung in die Gegenwart und Zukunft nicht zu schaffen. Dennoch haben die Figuren genügend Platz um sich weiterzuentwickeln.

Mit der Hauptfigur – der Konfektmacherin Catherine – hatte ich jedoch leider ein paar kleinere Probleme. Ob es nur an ihrem Egoismus liegt, der sich negativ auf ihr Umfeld und nahestehende Personen auswirken kann, weiß ich nicht genau. Denn eigentlich bin ich der Meinung, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und da wohl eine gewisses Maß an Egoismus von Nöten ist. Mir gefällt gut, dass sie so tatkräftig ist und auch in schwierigen Situation meist einen kühlen Kopf behält und ich freue mich für sie, dass sie zumindest zeitweise mit ihrer Leidenschaft ihren Lebensunterhalt verdienen kann. Catherine ist eine Hauptfigur an der man sich als Leser reiben kann und die man nicht immer mag. Das ist etwas, was mir bei Romanen an und für sich gut gefällt, dennoch stellt sich einfach nicht die Nähe zu ihr ein wie beispielweise bei einer Habar (Die Kalligraphin).

Gut gefallen hat mir das teilweise offene Ende des Romans, auch wenn er in sich abgeschlossen ist. Dennoch ist die Zukunft ihrer Protagonisten von der Autorin nicht gefixt worden. Stattdessen hat der Leser die Möglichkeit, sich sein eigenes Ende vorzustellen, je nach Sympathie ist das Ende für die ein oder andere Figur dabei vielleicht zu rosarot und naiv, aber man hängt als Leser einfach an so manchen Figuren und wünscht ihnen einfach alles Glück dieser Welt.

Auch wenn “Die Konfektmacherin” – zugegebenermaßen auf einem hohen Niveau – für mich das “schlechteste” Buch der Autorin ist, so ist es Kirsten Schützhofer dennoch gelungen mich mit ihrem wunderbaren Sti und ihre bildhaften Sprache in ein Frankreich des 17. Jahrhunderts zu entführen. Das Land, die Leute werden für mich lebendig, selbst eine einfache Pastete meine ich riechen zu können. Ich habe bei diesem Buch zeitweise an die 50 Seiten in der Stunde lesen können bei einem sonstigen Stundendurchschnitt von ca.  25-30 Seiten. Dies zeugt davon, dass ich ihren Stil und ihre Geschichten sehr mag. Doof ist nur, dass ich schon alle Romane von ihr kenne und jetzt wieder auf Nachschub warten muss. In meinen Augen hätte die Autorin es wirklich verdient, dass ihre Bücher endlich auch als Hardcover erscheinen.

Note: 2

Gregory, Philippa: Die ewige Prinzessin

Band 1 Tudors Serie

Originaltitel: The Constant Princess
Verlag:
Bastei Lübbe
erschienen:
2010
Seiten:
621
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3404164695
Übersetzung:
Barbara Först

Klappentext:

Katharina von Aragón ist erst 14 Jahre alt, als sie den Thronfolger Englands heiraten muss. Sie verlässt ihr Heimatland Spanien, und damit alles, was sie liebt. Am englischen Hof, wo spürbar schroffere Sitten herrschen, sehnt sie sich zurück nach Badekultur und exotischen Früchten, nach luftigen Gewändern und lauen Sommernächten. Katharina wird die erste Frau Heinrichs VIII. Als Erste lernt sie den tyrannischen Herrscher aus nächster Nähe kennen, als Erste leidet sie unter seinen unzähligen Liebschaften, und als Erste erfährt sie, was es bedeutet, ihm keinen Sohn schenken zu können ═ ein Schicksal, von dem nicht nur ihre Ehe, sondern die Zukunft eines ganzen Landes abhängt.

Rezension:

Philippa Gregorys Roman “Die ewige Prinzessin” erzählt das Leben von Katharina von Aragon, der ersten Ehefrau des englischen Königs Henry VIII. Nachdem ich bereits einige Bücher über diese Zeit und speziell zu Henry VIII gelesen habe und auch die TV-Serie über die Tudors immer genieße, war ich wirklich sehr gespannt darauf, die ganze Geschichte, vor allem auch das Ende ihrer Ehe und die Auseinandersetzung mit Henry aus dem Blickwinkel Katharinas betrachten zu können.

Leider hat mich das Buch ziemlich enttäuscht, denn Philippa Gregory hat nicht die Geschichte erzählt, die ich gerne gelesen hätte. Auch wenn das Buch „Die ewige Prinzessin“ heißt und die Autorin diesen Schwerpunkt bewusst gesetzt hat, so hätte ich doch gerne mehr über die Zeit Katharinas als Königin gelesen. Dieser Teil wurde insgesamt sehr kurz gehalten. Es ging mir noch nicht einmal so sehr um die Anne-Boleyn-Geschichte, sondern generell um Katharinas Situation und ihre Gefühle und Empfindungen in der Ehe mit Henry VIII, seinen wechselnden Geliebten, die Tatsache, dass nur ein gemeinsames Kind – Mary – das Erwachsenenalter erleben durfte. Die Autorin bringt zwar immer wieder Passagen ein, die in der Ich-Form und im Präsens aus der Sicht Katharinas erzählt werden, so dass man ihre Gedanken kennenlernt, aber grundsätzlich war der Schwerpunkt auf ihr Prinzessin-von-Wales-Dasein einfach zu lang und für mich nicht interessant genug.

Ich muss der Autorin allerdings zu Gute halten, dass sie sich und der Geschichte, die sie erzählen will, treu geblieben ist. Katharina wird als Tochter Ferdinands II. von Aragón und Isabellaa I. von Kastilien geboren und bereits im Kindesalter mit dem englischen Thronfolger Arthur (Sohn Henry VII und somit älterer Bruder Henry VIII) verlobt und entsprechend als zukünftige Prinzessin von Wales erzogen. Auf Grund dieses privilegierten Auswachsens mit der rauschenden Zukunft vor Augen, wirkt sie schon als Kind sehr selbstbewusst und zielsicher, was jedoch im Erwachsenenalter jedoch in Arroganz, Selbstherrlichkeit, Hochmut und Machtbesessenheit umschlägt. Ihre Eltern erweisen sich für mich als interessante Figuren, obwohl – oder vermutlich gerade weil – ich wenig bis keine historischen Romanen gelesen habe, die die spanische Geschichte thematisieren. Gerade Isabella scheint eine beeindruckende Figur zu sein, über die ich gerne mehr erfahren würde – nur nicht so sehr in diesem Buch.

Katharina wird in Philippa Gregorys Version der Geschichte in der kurzen Ehe mit Arthur glücklich – zu glücklich in meinen Augen, denn es artet für mich in Kitsch und unnötiges Gesäusel aus – und da ich bekanntlich nicht der größte Fan von Liebesromanen bin, hätte ich das nicht gebraucht. Dennoch bleibt sich die Autorin auch hier treu, denn der spätere Stein des Anstoßes in ihrem Kampf gegen Henry VIII – dass die Ehe mit Arthur angeblich nie vollzogen worden sei – ergibt sich lt. Gregory aus einem Versprechen, dass Katharina Arthur auf dem Sterbebett gegeben hat. Diesem Versprechen wird von der Autorin immer wieder thematisiert und macht die Geschichte auch rund, nur gefällt mir diese Version einfach nicht – wie realistisch oder unrealistisch sie auch immer sein mag. ihre Ehe mit Arthur, die nur wenige Monate dauerte, interessiert mich einfach nicht genug, als dass ich mit der großen Rolle, die sie hier für Katharina gespielt hat, einverstanden wäre. Katharina ist mir weitestgehend unsympathisch und Arthur zu blass, gemischt mit Kitsch, war diese Zeit für mich nahezu unerträglich.

Auch die Darstellung von Henry VII, dem Vater von Arthur und Henry, ist für mich ein Hauptkritikpunkt. Mag sein, dass ich diese Figur aus anderen Romanen heraus zu sehr durch die rosarote Brille sehe, aber muss Philippa Gregory ihn wirklich als lüsternen, alten, geilen Bock darstellen, der seine Schwiegertochter begehrt und dann am Ende sogar noch die  beleidigte Leberwurst spielt, weil sie ihm einen Korb gibt? Dass Katharinas Eltern die Mitgift zurückgehalten haben und auch dass Henry VII sie kurz gehalten hat und sie ihr Hab und Gut verkaufen musste, um ihren Unterhalt zahlen zu können mag zwar historisch richtig seom, aber hallo!, Henry VII hält sie doch nicht aus Rache, als verschmähter Liebhaber so kurz und knapp. Das ist so albern!

Das Buch bessert sich etwas mit der Hochzeit mit Henry VIII. Da fühle ich mich langsam wieder etwas wohler mit der Geschichte.  Zwischenzeitlich tut mir Katharina richtig leid in Ihrer ganzen Situation. Erst stirbt ihr geliebter Arthur, dann wird sie von ihrem Schwiegervater kurz gehalten und die Ehe mit Henry war wohl wirklich nicht der Zuckerschlecken, sowohl was die Sache der Nachkommen als auch die Nebenbuhlerinnen angeht. Die Szenen mit dem nubischen Arzt waren die Highlights des Buches. Was für ein Mann! Ich mag seine Weisheit und seine Wärme. Die Gespräche zwischen ihm und Catalina über den Glauben, den Krieg, die waren wunderbar. Er wertet das Buch für mich echt auf.

Kleinigkeiten wie die Eindeutschung der Eigennamen (Heinrich anstatt Henry), ein ausführlicheres Nachwort oder ein fehlender Stammbaum, der es mir leichter gemacht hätte, mich im Geflecht der verwandtschaftlichen Verhältnisse besser zurecht zu finden wirken sich zudem negativ auf die Bewertung des Buches aus. Dass ich dieses Buch überhaupt beendet habe „verdanke“ ich nur einer Bücher-Challenge und meinen Ehrgeiz dieser Reihe von Philippa Gregory über die Frauen Heinrichs VIII eine Chance zu geben. Ich werde die Serie jedoch vermutlich nicht weiterlesen, da ich der Meinung bin, dass es hierzu besseres Material gibt. Ich habe richtig gehend Lust bekommen, “Heinrich VIII” von Margaret George noch einmal zu lesen oder gerne auch wieder “Die zwölfte Nacht” von Charlotte Lyne.

Note: 4

Thomas, Charlotte: Die Madonna von Murano

Verlag: Ehrenwirth
erschienen:
2007
Seiten:
414
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3431036996

Klappentext:

Venedig im Jahre 1475: Die Stadt feiert Karneval. In den verwinkelten Gassen der Serenissima versucht eine junge Frau verzweifelt ihren Verfolgern zu entkommen. Sie ist hochschwanger, und sie weiß, die drei maskierten Männer wollen ihren Tod. Die Häscher holen sie ein, doch bevor sie stirbt, bringt sie das Kind zur Welt … So beginnt das Leben von Sanchia, Ziehtochter des Glasmachers, die schon in ihrer frühen Jugend von der gefährlichen Vergangenheit ihrer Mutter eingeholt wird. Als sie Jahre später mit Lorenzo, dem wohlhabenden Spross eines Patriziers, eine verbotene Affäre beginnt, spitzen sich die Ereignisse auf dramatische Weise zu …

Rezension:

Wie immer bei den Ehrenwirth-Hardcovern bin ich begeistert von der Gestaltung des Buches, ein tolles Cover, Lesebändchen, feines, weiches Papier, Zeichnungen von Jan Balaz, Personenregister und ein Glossar und Nachwort der Autorin, da bin ich immer wieder mit zu begeistern. Da lohnt sich jeder Cent, den man für ein teures Hardcover ausgibt und ein Blick in mein Bücherregal dankt es mir!

Der Einstieg in das Buch fällt sehr leicht! Eine junge, hochschwangere Frau mit auffallend blonden Haaren wird auf den Straßen Venedigs verfolgt und tödlich verletzt. Ein Glasbläsermeister aus Murano und seine Gehilfen Vittorio und Pasquale versuchen der jungen Frau zu helfen, allerdings kann lediglich das Kind gerettet werden, die Mutter stirbt ihnen unter den Händen weg. Das kleine Mädchen wächst bei der Familie des Glasbläsers auf und findet dort ihre Heimat, der sie allerdings nach wenigen Jahren schon wieder durch den grausamen Mord an den Zieheltern entrissen wird.

Dieser Mord an den Zieheltern der kleinen Sanchia ist erst der Anfang vieler wüster Spekulationen meinerseits rund um Sanchias Vergangenheit bzw. ihrer Mutter und in alles scheint die Adelsfamilie Caloprini verstrickt zu sein. Nur wie, das erfährt der Leser erst auf den letzten Seiten ganz genau und hat mich vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. Ich hab wirklich mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Auflösung der Geschichte. Bis es soweit ist, stellt die Autorin einige Fallen und lockt den Leser auf die falschen Fährte, was die Geschichte zu einem wirklich sehr spannenden Roman werden lässt und mit dieser Art von Spannung hab ich weiß Gott nicht gerechnet. Ich hab gedacht, ich bekomme einen normalen historischen Roman, doch “Die Madonna von Murano”œ bietet wirklich viel mehr. Die Spannung des Buches ist gepaart mit zwei schönen Liebesgeschichten, tiefer Freundschaft und den Wirren in Italien gegen Ende des 15. Jahrhundert. Historische Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci oder auch Mitglieder der Familien Medici und Borgia sind geschickt in die Handlung eingewoben und der Leser erhält ein lebhaftes, farbenfrohes aber teilweise auch sehr düsteres Bild der damaligen Zeit.

Nicht nur die Geschichte selbst ist sehr abwechslungsreich, auch die Figuren gefallen mir äußerst gut. Wie heißt es so schön: “Der Herrgott hat einen großen Tiergarten” und das trifft auf dieses Buch auch zu. Es sind so viele liebenswerte Figuren in die Geschichte verwickelt, dass einem der Abschied nach 1000 Seiten doch sehr schwer fällt. Sanchia, die weibliche Hauptfigur mag ich sehr gern, vor allem als Kind ist sie sehr knuffig in ihrer Wissbegierigkeit und auch später geht sie mutig ihren Weg, wobei sie nicht zur Super-Woman mutiert, sondern durchaus auch ihre Probleme hat und lernen muss, wie sie damit umgehen soll. Aber auch bei den Nebenfiguren sind sehr viele Sympathieträger zu finden, allerdings auch solche, die zu Sanchias Gegenspielern gehören und die man als Leser wirklich verabscheuen und hassen kann, aber solche Charaktere dürfen ja auch nicht fehlen. In diesem Buch hat jeder Charakter sein Päckchen zu tragen und seine eigene Geschichte und eigentlich ist das Buch viel zu dünn, um allen Figuren gerecht zu werden. Ob ich Sanchias Auserwählten so toll finden soll, weiß ich allerdings nicht wirklich, ich bin da eher für Pasquale zu begeistern, der das gesamte Buch über mein Liebling war.

Charlotte Thomas erzählt uns Sanchias Geschichte in einem wirklich schönen Stil, die Seiten blättern sich nahezu von alleine um, einzig die vielen italienischen Begriffe haben mich anfangs etwas irritiert, aber für die nicht italienisch-sprechende Bevölkerung gibt es ja einen Glossar am Ende des Buches und außerdem reißt einen die Geschichte dermaßen schnell in ihren Bann, dass die italienischen Begriffe irgendwann gar nicht mehr auffallen.

“Die Madonna von Murano” ist ein wirklich wundervolles Buch und macht definitiv Lust auf mehr! Wie schön, dass das nächste Buch von Charlotte Thomas schon in Aussicht gestellt ist und wir bald wieder in Venedig “sein” dürfen.

Note: 1

Jaeckel, Birgit: Die Druidin

Band 1 Druiden Serie

Verlag:
Knaur
erschienen:
2008
Seiten:
414
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3426663171

Klappentext:

Süddeutschland, 120 v. Chr. Talia wächst als Ziehkind unter Druiden auf, wo sie die Heilkunst erlernt. Bald entdeckt sie, dass ihre Fähigkeiten viel weiter reichen: Sie kann die Seelen der Menschen sehen und sie vor Schrecklichem bewahren. Als der oberste Druide ihre Gabe entdeckt, gerät sie in höchste Gefahr. Rettung bietet ihr nur die Flucht in die Alte-Stadt. Dort regiert das Oberhaupt des vindelikischen Volks: der mächtige Caran, ihr leiblicher Vater. Doch wird er sie beschützen und sie in seine Sippe aufnehmen? Denn einst hatte er befohlen, sie nach ihrer Geburt töten zu lassen …

Rezension:

“Die Druidin” ist als erster Roman von Birgit Jaeckel als Clubpremiere erschienen und spielt 120 Jahre v. Chr. im Süden Deutschland. Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leicht gefallen, auch wenn die Namen der Figuren und Orte zunächst etwas seltsam anmuten. Da ich mir aber direkt vor Lesestart mit Hilfe des Personenregisters am Ende des Buches einen kleinen Stammbaum gemalt habe, der die verwandtschaftlichen Beziehungen aufzeigt, konnte ich die Figuren sehr schnell zuordnen und das Buch liest sich wirklich flüssig an und vor allem die Seiten des ersten Teils blättern sich wie von alleine um. Im Hinblick auf das gesamte Buch hätte mir eine Karte sehr geholfen, die die verschiedenen Gebiete, Völker, Stämme und ihre Standorte aufgezeigt hätte, da ich mich im Altertum nicht gut auskenne und eigentlich immer nachvollziehen will, wer sich wo befindet bzw. wo wer hingehört. Ich persönlich habe der Autorin irgendwann nicht mehr folgen können, welcher Stamm jetzt wohin zieht und wer gegen wen kämpft. Da mich das Geschichtliche sehr interessiert, hätte ich es gerne, neben der fehlenden Karte, einfach auch besser und ausführlich erklärt und beschrieben bekommen, was damals in Süddeutschland mit den ganzen Stämmen und Völker wirklich los war.

Der Schreibstil der Autorin ist unkompliziert und einfach gehalten, wodurch sich das Buch sehr gut weglesen lässt, allerdings war mir die Sprache (manche Ausdrücke) etwas zu modern. Ich habe z.B. nicht wirklich nachvollziehen können, warum Flüsse und Ortschaften mit den alten Namen der damaligen Zeit benannt wurden, gleichzeitig aber von Italien als ganzem, der Grippe oder einer Trompete die Rede war. Irgendwie haben diese Begriffe nicht zum “Danuius” oder “Altimoennis” gepasst. Vielleicht auch auf Grund der teilweise modernen Begriffe fühlte ich mich nicht immer ins Altertum und in die Zeit vor Christus versetzt. Wenn die Druiden nicht aufgetaucht wären, dann hätten wir uns irgendwie schon fast im Mittelalter befinden können, der Unterschied wird erst mit dem Glauben, der Religion der Druiden/ Kelten deutlicher.

Positiv ist mir Birgit Jaeckels Umgang mit der keltischen/ druidischen Kultur und Religion aufgefallen. Auch der kleine “übersinnliche” Touch mit Talias Gabe, Seelen sehen zu können, hat mich keineswegs gestört, zumal er auch wohl dosiert und nicht übertrieben dargestellt war. Grundsätzlich mag ich übersinnliche Aspekte in historischen Romanen nicht unbedingt, aber in einem Buch, das “Die Druidin” heißt, musste ich wohl eh damit rechnen und für mich hat die Autorin das genau richtig dosiert eingesetzt und mit schönen Ideen für den Glauben der Menschen der damaligen Zeit geschmückt. Dennoch gab es auch im Hinblick auf den Glauben eine Szene, die mir zu lang geraten ist. Wenn die Autorin da gekürzt hätte, dafür aber Talias Entwicklung, wie sie und später auch Sumelis lernen mit ihrer Gabe umzugehen, etwas ausführlicher beschrieben hätte, hätte mir das Buch deutlich besser gefallen. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass an den falschen Stellen gekürzt worden ist.

Die Figuren habe ich eigentlich gleich zu Beginn sehr lebendig empfunden, weil sie agieren, intrigieren und Pläne schmieden, auch wenn sie vielleicht teilweise ein wenig zu eindimensional sind. Sie sind entweder nur “böse” oder nur “gut”, wobei ich die bösen Charaktere erstmal faszinierender finde. Vor allem Atharic war mir oftmals viel zu viel der strahlende Held, der die weibliche Hauptfigur zu oft aus brenzligen Situationen rettet. Grundsätzlich war er mir zu glatt, zu perfekt, ohne Ecken und Kanten. Talia, die weibliche Hauptfigur, mochte ich eigentlich recht gerne, allerdings ist sie mir fast ein wenig zu blass geblieben, vielleicht auch dadurch bedingt, dass in meinen Augen wichtige Phasen ihres Lebens zu kurz oder gar nicht beschrieben wurden. Ihr Vater Caran ist eigentlich der einzige, der so richtig aus der Masse raussticht, er ist nicht nur sympathisch und gut, manchmal agiert er auch auf eine Art und Weise, die mich echt wütend auf ihn machen. Er ist eindeutig mein Held des Buches!

Note: 2-