Schacht, Andrea: Kreuzblume

Verlag: Blanvalet
erschienen:
2009
Seiten:
740
Ausgabe: Taschenbuch
ISBN: 3442371457

Klappentext:

Nach jahrhundertelanger Baupause soll nun, an der Schwelle des 19. Jahrhunderts, der Kölner Dom endlich vollendet werden. Antonia, die in den Wirren der napoleonischen Kriege aufgewachsen ist, erfährt, dass ihr Leben und das jener Menschen, die ihr nahe stehen, eng mit den mittelalterlichen Bauplänen des Doms verbunden ist. Doch die sind seit ihrer Geburt verschwunden … Unerschrocken und mutig wagt sich Antonia in einen Klüngel aus Intrigen und Gefahren, bis sie die Pläne wiederentdeckt – und die Liebe ihres Lebens findet.

Rezension:

Andrea Schacht hat sich bemüht den Zeitgeist und die Stimmungen der damaligen Zeit (zwischen 1770 und 1810) für den Leser zum Leben zu erwecken. Sie erzählt die Schicksale der unteren Bevölkerungsschichten mit all ihren Nöten und Scheußlichkeiten. Wobei sie nicht vergisst, die Arroganz und Unfähigkeit damaliger Könige, Kaiser und Staatsdiener konsequent anzuprangern. Korruption und Amtsmissbrauch wird von der Autorin genauso deutlich dargestellt, wie auch Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Das preußische Soldatenleben und Kampfgeschehen findet man ebenfalls mit sehr deutlichen und bildhaften Worten beschrieben. Der Leser erkennt leicht das Absurde und Sinnlose in der Kriegsführung der Preußen, aber auch das kluge und taktische Denken in der Kriegsführung der Franzosen. Die Autorin vermeidet eine schwarz-weiß Malerei in dieser Geschichte und daher findet man in diesem Buch keinen Heldentum oder Glanz, der das geschichtliche Geschehen im falschen Licht erscheinen lässt.

Frau Schacht erzählt viele verschiedene Einzelschicksale in diesem Buch, so das ich manches mal als Leser den Überblick verloren habe. Der eigentliche Kern dieser  Geschichte ist das Auffinden der verschollenen mittelalterlichen Dombaupläne.  Diesen Kern habe ich in vielen Kapiteln schmerzlich vermisst, da ich über viele andere Einzelschicksale informiert wurde.

Dieses Buch ist prall gefüllt mit Informationen zum mittelalterlichen Bauen, aber auch mit revolutionären Neuerungen im Denken der Menschen um 1800 herum. Mit all den Informationen und Einzelschicksalen hätte Frau Schacht locker zwei Bücher füllen können. Wahrscheinlich muss ich dieses Buch noch zwei mal lesen, um alle Schicksale im richtigen Zusammenhang zur Handlung zu verstehen. Ich sehe mit Bewunderung die sicher sehr mühevolle und akribische Recherchearbeit, die Frau Schacht hier geleistet hat. Ich hoffe nur, dass sie in ihrem nächsten Werk, die Geschichten und Einzelschicksale etwas differenzierter und wohl dosierter erzählt. In diesem Roman sind die politischen Hintergründe der damaligen Zeit  bei all den dramatischen Verwicklungen in den denen  Toni verstrickt ist, etwas untergegangen.

Trotz aller Kritik muss ich jedoch sagen, dass dieses Buch wirklich lesenswert, spannend und unterhaltsam ist.  Wer gerne Bücher liest, die in dieser Zeit spielen und über etwas Hintergrundwissen zur damaligen politische Lage in Deutschland verfügt, wird an diesem Buch seine helle Freude haben.

Note: 2

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