Schacht, Andrea: Rheines Gold

Verlag: Blanvalet
erschienen: 2005
Seiten: 448
Ausgabe: Taschenbuch
ISBN: 3442362628

Klappentext:

Köln, im Jahr 100 nach Christus. Die junge, rothaarige Witwe Rufina führt seit dem Tod ihres Mannes die Therme der Colonia. Doch die Geschäfte laufen schlecht. Als eines Morgens kein Wasser in die Becken läuft und weiterer Verdienstausfall droht, sucht Rufina wütend den Baumeister Silvian auf. Doch es gibt einen grausigen Grund, warum das Wasser nicht fließt: Ein menschlicher Leichnam verstopft die Rohrleitung. Und Rufina kennt den Mann – er steht in Zusammenhang mit dem Tod ihres Mannes … Als sie Fragen stellt, stößt sie auf Schweigen. Und als sie kurz darauf entführt wird und sich in letzter Sekunde befreien kann, befindet sie sich bereits mitten in einem Gewirr aus zwielichtigen Machenschaften, illegalem Goldhandel und düsteren Intrigen. Einzig Silvian, der Baumeister, steht ihr zur Seite …

Rezension:

Ich habe das Buch eben zugeklappt und gedacht: „Da musst du jetzt sofort etwas zu schreiben!“ Die Eindrücke die dieses Buch bei mir hinterlassen hat, sind so furchtbar vielfältig, dass ich sie lieber direkt niederschreibe!

Andrea Schacht hat sich mit diesem Roman wieder in das „Köln = Colonia“ der Römerzeit begeben und man merkt, dass ihr diese Zeit auch gut liegt beim Schreiben. Die Recherchen, die Frau Schacht zu diesem Buch durchgeführt hat, sind sicher sehr aufwendig gewesen, denn der Leser wird nicht nur mit einem Krimi á la Römerzeit unterhalten, sondern auch mit vielen kleinen Hintergrundinformationen aus dem großen römischen Reich und dem Reich der „Götter“!

Zugegeben, der Anfang des Buches ist sehr verwirrend, ohne das ausführliche Personenregister wäre ich verzweifelt. Diese römischen Namen sind furchtbar verwirrend und auch die Vorgeschichte von Rufina, der Heldin dieses Buches, ist nicht so einfach zu verstehen. Man muss sich an dieser Stelle erst einmal in die römischen und germanischen Sitten und Gebräuche einlesen.

Die vielen Erklärungen zu den damaligen Lebensumständen, die Andrea Schacht mit einflechten musste in diese Geschichte, machen es nicht gerade einfach in den Roman einzutauchen.  Hat man aber mit etwas Geduld erst mal den „Durchblick“ (so ab Seite 95), dann wird man gefesselt von der Geschichte die Andrea Schacht hier erzählt.

Ich habe mich gefragt, wie man den Einstieg in die Geschichte für den Leser eventuell einfacher hätte schreiben können. Mir ist keine Lösung eingefallen, denn alle diese, manches mal zäh wirkenden Hintergrundinformationen sind am Ende wichtig, um die komplexe Handlung richtig zu verstehen.

Faszinierend fand ich die vielen detaillierten Informationen zur Versorgung Colonias mit Frischwasser. Es ist schon erstaunlich wie hoch entwickelt das Wissen der Römer um den Leitungsbau war und wie ordentlich die Römer damals schon Straßen bauten. Auch finde ich es schon fast luxuriös wie damals in einer Therme die Menschen versorgt wurden. Ich würde jetzt einfach mal behaupten, die Römer haben das Wellness- und Spaßbad erfunden mit ihren Thermen.

Es stimmt schon, dass die Handlung manches mal etwas zäh erscheint am Anfang, aber sie gewinnt immer mehr an Fahrt je weiter man in die Geschichte eintaucht. Ich habe mich nur gefragt womit ich es bei diesem Roman zu tun habe.  Mit einem Krimi? Oder einem Polit-Thriller im Altertum? Oder doch eher einer großartigen Liebesgeschichte ? Es ist einfach alles dabei was das Leben in der damaligen Colonia so bunt und aufregend machte.

Die Charakter die die Autorin in diesem Buch wieder liebevoll und vielschichtig gestaltet hat, sind überzeugend. Ich habe mit den Protagonisten furchtbar mitgelitten, besonders mit dem Baumeister Silvian. Auch die Handlung ist durchaus spannend. Natürlich gibt Frau Schacht schon früh in dem Buch Hinweise auf den möglichen Ausgang der Geschichte und ich vermute mal, das hat sie auch absichtlich gemacht, um die Verwirrung für den Leser nicht ins Uferlose zu steigern.

Da ich ein großer Fan dieser Autorin bin, habe ich mich sehr gefreut auch in diesem Buch wieder „alte Bekannte“ aus der „Ringtriologie“ zu treffen. Genau dieses einflechten von Helden aus vorangegangenen Werken der Autorin, bereitet mir immer eine besondere Freude und macht mich fast schon süchtig nach den nächsten Büchern von Andrea Schacht.

Man kann als Leser Andrea Schacht keinen Vorwurf daraus machen, dass die Römer damals so komplizierte Namen hatten und auch einen Sprachgebrauch pflegten, dem wir heute nur noch mit fundierten Lateinkenntnissen folgen können. Die Autorin hat sich bemüht den Sprachgebrauch im Buch der damaligen Zeit anzupassen. Gott sei dank hat sie aber auch alle lateinischen Begriffe direkt übersetzt.

Dieses Buch hat mir gut gefallen, auch wenn ich den Anfang bis Seite 100, zwei mal lesen musste um in die Geschichte richtig eintauchen zu können. Der Aufwand hat sich für mich aber am Ende gelohnt.

Note: 2

Schützhofer, Kirsten: Die Konfektmacherin

Verlag: Diana
erschienen:
2010
Seiten:
608
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3453354400

Klappentext:

Frankreich 1685: Fast täglich besucht Cathérine den alten Nougatmacher Pierre, um ihrem Traum von einem eigenen Süßigkeitenstand auf dem Markt näher zu kommen. Als Cathérines Familie wegen ihres protestantischen Glaubens verhaftet wird, sie selbst aber fliehen kann, wird ihr Rezeptbuch ihr wertvollster Besitz. Als Konfektmacherin macht sie sich einen Namen. Doch der Ruhm ihres Nougats bringt auch die Verfolger ihrer Familie auf ihre Spur…

Rezension:

Endlich gibt es mit „Die Konfektmacherin“ einen neuen historischen Roman von Kirsten Schützhofer und leider muss ich jetzt auch wieder einige Zeit warten, bis ich Nachschub bekomme.

Die Autorin erzählt in ihrem Roman die Geschichte von Catherine, Adrien und Mathieu, drei jungen Erwachsenen aus dem kleinen französischen Örtchen Montélimar, das für sein weißes Nougat berühmt ist. Die Freundschaft aus Kinderzeiten bekommt Risse, als Catherines und Mathieus Familien auf Grund ihres protestantischen Glaubens verfolgt werden und fliehen müssen. Auf der Flucht verlieren sich die Verlobten Catherine und Mathieu aus den Augen. Mathieu gelingt die Flucht nach Deutschland, während Catherine und ihre Schwester Julie in Orléans mit Hilfe des charmanten aber auch etwas undurchsichtigen Fluchthelfers Luc ihr Glück versuchen.

Wer schon allein auf Grund des Titels bei „Die Konfektmacherin“ einen detailierten Roman über die Herstellung des berühmten Nougat oder andere Leckereien erwartet, wird hier ggf. enttäuscht sein. Die Herstellung des Nougat ist zwar im Roman enthalten, aber im Vordergrund stehen die Figuren vor dem historischen Hintergrund der Hugenottenverfolgung in Frankreich, die auch noch über 100 Jahre nach der schrecklichen Bartholomäusnacht das Leben in Frankreich dirigiert. Auch wenn ich weiß, dass Kirsten Schützhofer die Geschichte der Verfolgten erzählen will, fehlt mir dennoch manchmal das letzte wichtige Detail für Verständnis des komplexen geschichtlichen Hintergrunds. Dennoch liefert die Autorin wieder kleine erschreckende Details, die in die Zeit und zu dem Schrecken passen, die mich sehr mitgenommen haben.

Nichtsdestotrotz hat mich das Buch von der ersten Seite an gefesselt, die Nähe zu den Figuren stellt sich schnell ein, vor allem zu Adrien, der mir von den Figuren her am besten gefällt, da er viele verschiedene Facetten hat und mitunter auch den „Bösewicht“ spielt. Er wirkt mit seiner Rolle als Sohn der Familie du Port nicht wirklich glücklich, so dass ich mir oft für ihn wünschte, dass er sich möglichst schnell aus den Fängen seines Vaters un der Familie befreien kann. Aber gerade das alte Familiengeheimnis, dass seine Familie mit der Familie Catherines verbindet und Adriens Loyalität zu seiner Familie, zwingt ihn mitunter zu seinem unsympathischen Handlungen. Dass uns die Autorin erst ganz zum Schluss bezüglich des Familiengeheimnisses aufklärt war abzusehen. Überrascht war ich dennoch über die Lösung dieses Rätsels, da hat mich Kirsten Schützhofer auf dem falschen Fuß erwischt, aber gerade diese Wendung hat mir sehr gut gefallen.

Generell gefallen mir die unterschiedlichen Charaktere des Buches sehr gut. Da haben wir zum einen den etwas undurchsichtigen Luc, der extrem sexy auf mich wirkt, auch ohne, dass er leibhaftig vor mir steht. Aber es gibt auch Gabrielle, eine in Frankfurt lebende Französin, die in ihrer so unaufdringlichen Art – im Gegensatz zu einem Luc beispielsweise – eher eine Figur der leisen Töne ist, mir aber ebenfalls sehr ans Herz gewachsen ist. Ihre Tochter Sophia bringt in ihren Kinderjahren einen fröhlichen, frischen Wind in eine eher bedrückende Zeit bringt. Alles in allem agieren die Figuren in ihrer jeweiligen Situation verständlich und nachvollziehbar. Sie erleben Eifersucht, Wut, Hass, Undankbarkeit ihr Handeln basiert mitunter auf einer emotionalen Kurzschlussreaktion. Teilweise scheinen sie noch in ihrer Vergangenheit festzuhängen und den Absprung in die Gegenwart und Zukunft nicht zu schaffen. Dennoch haben die Figuren genügend Platz um sich weiterzuentwickeln.

Mit der Hauptfigur – der Konfektmacherin Catherine – hatte ich jedoch leider ein paar kleinere Probleme. Ob es nur an ihrem Egoismus liegt, der sich negativ auf ihr Umfeld und nahestehende Personen auswirken kann, weiß ich nicht genau. Denn eigentlich bin ich der Meinung, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und da wohl eine gewisses Maß an Egoismus von Nöten ist. Mir gefällt gut, dass sie so tatkräftig ist und auch in schwierigen Situation meist einen kühlen Kopf behält und ich freue mich für sie, dass sie zumindest zeitweise mit ihrer Leidenschaft ihren Lebensunterhalt verdienen kann. Catherine ist eine Hauptfigur an der man sich als Leser reiben kann und die man nicht immer mag. Das ist etwas, was mir bei Romanen an und für sich gut gefällt, dennoch stellt sich einfach nicht die Nähe zu ihr ein wie beispielweise bei einer Habar (Die Kalligraphin).

Gut gefallen hat mir das teilweise offene Ende des Romans, auch wenn er in sich abgeschlossen ist. Dennoch ist die Zukunft ihrer Protagonisten von der Autorin nicht gefixt worden. Stattdessen hat der Leser die Möglichkeit, sich sein eigenes Ende vorzustellen, je nach Sympathie ist das Ende für die ein oder andere Figur dabei vielleicht zu rosarot und naiv, aber man hängt als Leser einfach an so manchen Figuren und wünscht ihnen einfach alles Glück dieser Welt.

Auch wenn „Die Konfektmacherin“ – zugegebenermaßen auf einem hohen Niveau – für mich das „schlechteste“ Buch der Autorin ist, so ist es Kirsten Schützhofer dennoch gelungen mich mit ihrem wunderbaren Sti und ihre bildhaften Sprache in ein Frankreich des 17. Jahrhunderts zu entführen. Das Land, die Leute werden für mich lebendig, selbst eine einfache Pastete meine ich riechen zu können. Ich habe bei diesem Buch zeitweise an die 50 Seiten in der Stunde lesen können bei einem sonstigen Stundendurchschnitt von ca.  25-30 Seiten. Dies zeugt davon, dass ich ihren Stil und ihre Geschichten sehr mag. Doof ist nur, dass ich schon alle Romane von ihr kenne und jetzt wieder auf Nachschub warten muss. In meinen Augen hätte die Autorin es wirklich verdient, dass ihre Bücher endlich auch als Hardcover erscheinen.

Note: 2

Gregory, Philippa: Die ewige Prinzessin

Band 1 Tudors Serie

Originaltitel: The Constant Princess
Verlag:
Bastei Lübbe
erschienen:
2010
Seiten:
621
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3404164695
Übersetzung:
Barbara Först

Klappentext:

Katharina von Aragón ist erst 14 Jahre alt, als sie den Thronfolger Englands heiraten muss. Sie verlässt ihr Heimatland Spanien, und damit alles, was sie liebt. Am englischen Hof, wo spürbar schroffere Sitten herrschen, sehnt sie sich zurück nach Badekultur und exotischen Früchten, nach luftigen Gewändern und lauen Sommernächten. Katharina wird die erste Frau Heinrichs VIII. Als Erste lernt sie den tyrannischen Herrscher aus nächster Nähe kennen, als Erste leidet sie unter seinen unzähligen Liebschaften, und als Erste erfährt sie, was es bedeutet, ihm keinen Sohn schenken zu können ═ ein Schicksal, von dem nicht nur ihre Ehe, sondern die Zukunft eines ganzen Landes abhängt.

Rezension:

Philippa Gregorys Roman „Die ewige Prinzessin“ erzählt das Leben von Katharina von Aragon, der ersten Ehefrau des englischen Königs Henry VIII. Nachdem ich bereits einige Bücher über diese Zeit und speziell zu Henry VIII gelesen habe und auch die TV-Serie über die Tudors immer genieße, war ich wirklich sehr gespannt darauf, die ganze Geschichte, vor allem auch das Ende ihrer Ehe und die Auseinandersetzung mit Henry aus dem Blickwinkel Katharinas betrachten zu können.

Leider hat mich das Buch ziemlich enttäuscht, denn Philippa Gregory hat nicht die Geschichte erzählt, die ich gerne gelesen hätte. Auch wenn das Buch „Die ewige Prinzessin“ heißt und die Autorin diesen Schwerpunkt bewusst gesetzt hat, so hätte ich doch gerne mehr über die Zeit Katharinas als Königin gelesen. Dieser Teil wurde insgesamt sehr kurz gehalten. Es ging mir noch nicht einmal so sehr um die Anne-Boleyn-Geschichte, sondern generell um Katharinas Situation und ihre Gefühle und Empfindungen in der Ehe mit Henry VIII, seinen wechselnden Geliebten, die Tatsache, dass nur ein gemeinsames Kind – Mary – das Erwachsenenalter erleben durfte. Die Autorin bringt zwar immer wieder Passagen ein, die in der Ich-Form und im Präsens aus der Sicht Katharinas erzählt werden, so dass man ihre Gedanken kennenlernt, aber grundsätzlich war der Schwerpunkt auf ihr Prinzessin-von-Wales-Dasein einfach zu lang und für mich nicht interessant genug.

Ich muss der Autorin allerdings zu Gute halten, dass sie sich und der Geschichte, die sie erzählen will, treu geblieben ist. Katharina wird als Tochter Ferdinands II. von Aragón und Isabellaa I. von Kastilien geboren und bereits im Kindesalter mit dem englischen Thronfolger Arthur (Sohn Henry VII und somit älterer Bruder Henry VIII) verlobt und entsprechend als zukünftige Prinzessin von Wales erzogen. Auf Grund dieses privilegierten Auswachsens mit der rauschenden Zukunft vor Augen, wirkt sie schon als Kind sehr selbstbewusst und zielsicher, was jedoch im Erwachsenenalter jedoch in Arroganz, Selbstherrlichkeit, Hochmut und Machtbesessenheit umschlägt. Ihre Eltern erweisen sich für mich als interessante Figuren, obwohl – oder vermutlich gerade weil – ich wenig bis keine historischen Romanen gelesen habe, die die spanische Geschichte thematisieren. Gerade Isabella scheint eine beeindruckende Figur zu sein, über die ich gerne mehr erfahren würde – nur nicht so sehr in diesem Buch.

Katharina wird in Philippa Gregorys Version der Geschichte in der kurzen Ehe mit Arthur glücklich – zu glücklich in meinen Augen, denn es artet für mich in Kitsch und unnötiges Gesäusel aus – und da ich bekanntlich nicht der größte Fan von Liebesromanen bin, hätte ich das nicht gebraucht. Dennoch bleibt sich die Autorin auch hier treu, denn der spätere Stein des Anstoßes in ihrem Kampf gegen Henry VIII – dass die Ehe mit Arthur angeblich nie vollzogen worden sei – ergibt sich lt. Gregory aus einem Versprechen, dass Katharina Arthur auf dem Sterbebett gegeben hat. Diesem Versprechen wird von der Autorin immer wieder thematisiert und macht die Geschichte auch rund, nur gefällt mir diese Version einfach nicht – wie realistisch oder unrealistisch sie auch immer sein mag. ihre Ehe mit Arthur, die nur wenige Monate dauerte, interessiert mich einfach nicht genug, als dass ich mit der großen Rolle, die sie hier für Katharina gespielt hat, einverstanden wäre. Katharina ist mir weitestgehend unsympathisch und Arthur zu blass, gemischt mit Kitsch, war diese Zeit für mich nahezu unerträglich.

Auch die Darstellung von Henry VII, dem Vater von Arthur und Henry, ist für mich ein Hauptkritikpunkt. Mag sein, dass ich diese Figur aus anderen Romanen heraus zu sehr durch die rosarote Brille sehe, aber muss Philippa Gregory ihn wirklich als lüsternen, alten, geilen Bock darstellen, der seine Schwiegertochter begehrt und dann am Ende sogar noch die  beleidigte Leberwurst spielt, weil sie ihm einen Korb gibt? Dass Katharinas Eltern die Mitgift zurückgehalten haben und auch dass Henry VII sie kurz gehalten hat und sie ihr Hab und Gut verkaufen musste, um ihren Unterhalt zahlen zu können mag zwar historisch richtig seom, aber hallo!, Henry VII hält sie doch nicht aus Rache, als verschmähter Liebhaber so kurz und knapp. Das ist so albern!

Das Buch bessert sich etwas mit der Hochzeit mit Henry VIII. Da fühle ich mich langsam wieder etwas wohler mit der Geschichte.  Zwischenzeitlich tut mir Katharina richtig leid in Ihrer ganzen Situation. Erst stirbt ihr geliebter Arthur, dann wird sie von ihrem Schwiegervater kurz gehalten und die Ehe mit Henry war wohl wirklich nicht der Zuckerschlecken, sowohl was die Sache der Nachkommen als auch die Nebenbuhlerinnen angeht. Die Szenen mit dem nubischen Arzt waren die Highlights des Buches. Was für ein Mann! Ich mag seine Weisheit und seine Wärme. Die Gespräche zwischen ihm und Catalina über den Glauben, den Krieg, die waren wunderbar. Er wertet das Buch für mich echt auf.

Kleinigkeiten wie die Eindeutschung der Eigennamen (Heinrich anstatt Henry), ein ausführlicheres Nachwort oder ein fehlender Stammbaum, der es mir leichter gemacht hätte, mich im Geflecht der verwandtschaftlichen Verhältnisse besser zurecht zu finden wirken sich zudem negativ auf die Bewertung des Buches aus. Dass ich dieses Buch überhaupt beendet habe „verdanke“ ich nur einer Bücher-Challenge und meinen Ehrgeiz dieser Reihe von Philippa Gregory über die Frauen Heinrichs VIII eine Chance zu geben. Ich werde die Serie jedoch vermutlich nicht weiterlesen, da ich der Meinung bin, dass es hierzu besseres Material gibt. Ich habe richtig gehend Lust bekommen, „Heinrich VIII“ von Margaret George noch einmal zu lesen oder gerne auch wieder „Die zwölfte Nacht“ von Charlotte Lyne.

Note: 4

Korte, Lea: Die Maurin

Verlag: Knaur
erschienen:
2010
Seiten:
663
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3426502305

Klappentext:

Andalusien im 15.Jahrhundert: Zwischen Mauren und Christen toben erbitterte Kämpfe – Kämpfe, die auch das Leben der jungen Zahra nicht unberührt lassen. Als Hofdame und enge Vertraute Aischas, der Hauptfrau des Emirs, gerät sie in ein grausames Spiel aus Intrigen und rücksichtslosen Machtkämpfen. Dann verliebt sie sich ausgerechnet in den Kastilier Gonzalo – eine Liebe, die sie in tödliche Gefahr bringt…

Rezension

„Die Maurin“ ist mein erster Roman den ich von Lea Korte gelesen habe. Sie hat einen leicht zu lesenden, flüssigen Schreibstil. Die Seiten blättern sich quasi von allein um. „Die Maurin“ entführt den Leser in das 15 Jh. Mitten hinein in die Auseinandersetzungen der Christen gegen die Mauren. Bevor nun die eigentliche Handlung beginnt, gibt die Autorin erst noch einen kleinen Einblick in den geschichtlichen Hintergrund. Diese Einführung hat mir gut gefallen, so wusste ich gleich um was es sich hier handelt. Ich mag es sehr, wenn ein historischer Roman auf einer realen Begebenheit beruht und der oder die Autoren es auch belegen können. „Die Maurin“ ist ein sehr gut recherchierter historischer Roman und dies konnte ich beim lesen deutlich spüren.

Die fiktive Protagonisten Zahra habe ich gleich in mein Leseherz geschlossen. Mit Hilfe von Zahra und ihrer Familie bringt uns die Autorin die Lebensumstände Granadas näher. Zahra lebt im direkten Umfeld der Herrscherfamilie Andalusiens. Sie ist eine der Hofdamen der Sultanien Aischa. Sie kennt Zahra schon seit sie ein kleines Kind war und vertraut ihr, so das Zahra mit hineingezogen wird in die Auseinandersetzungen mit den Spaniern.

Immer wieder gerät Zahra in brenzlige Situationen, die nicht unbedingt etwas für Frauen der damaligen Zeit sind. Sie gerät zwischen die Fronten der Mauren und Christen. Die Autorin schildert lebhaft die Auseinadersetzungen der Mauren gegen die Christen. Ohne dabei jedoch Partei zu ergreifen; beide Seiten werden ausreichend beleuchtet. Ihre Darstellungen der Schlachten und des Lebens zu dieser Zeit sind so lebhaft, das ich zeitweise das Gefühl hatte mitten unter ihnen zu sein.

Ihr Weg führt sie unter anderem an den Hof der Königin Isabel I von Spanien. Lea Korte ist es gelungen, dass ich die Stationen im Lebens Zahras deutlich vor mir sehen konnte. Auch viele der anderen Charaktere sind der Autorin sehr gut gelungen, egal ob es sich um die Mauren oder Christen handelte. Ihre Darstellung der realen Personen wie den letzten Emir von Granada Boabdil oder seiner Mutter Aischa, um nur einige zu benennen, konnte ich deutlich vor mir sehen.

Die einzelnen Protagonisten sind sehr glaubwürdig dargestellt und haben mir alle gut gefallen. Jeder einzelne hat seinen eigenen Charakter, mit vielen Ecken und Kanten, die dem Buch seinen ganz eigenen Charme und Lebendigkeit verleihen und der gesamten Handlung dadurch seine Glaubwürdigkeit gibt. Außerdem ist „Die Maurin“ auch eine Liebesgeschichte, die sehr spannungsgeladen daherkommt und unvorhersehbar ist.  Ich habe die ganze Zeit mit Zahra und ihren Lieben gehofft und gebangt. Es viel mir sehr schwer das Buch überhaupt aus der Hand zu legen.

Lea Korte ist es gelungen ein lebhaftes Bild der Menschen Granadas zu zeichnen. Ich konnte voll in diese Geschichte eintauchen und es viel mehr schwer Zahra, ihre Geschwister und Freunde am Ende gehen zu lassen. Ich hatte gelungene, spannende Lesestunden und freue mich schon auf die Fortsetzung

Zum Schluss, möchte ich noch erwähnen, dass sich in dieser Taschenbuchausgabe einiges an Zusatzmaterial befindet. Es gibt ein Personenregister, eine Zeittafel, Stammbäume der Herrscherfamilien und ein Glossar der fremden Begriffe. Dadurch wird dieser Roman rundum zu einem gelungenen Werk.

Note: 1

Schacht, Andrea: Nehmt Herrin diesen Kranz

Band 2 Alyss Serie

Verlag: Blanvalet
erschienen:
2010
Seiten:
413
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3442371244

Klappentext:

Köln 1402, Zeit der Weinlese, der Erntedankeiern und der aufkommenden Herbstwinde. Stürmisch geht es auch im Hause van Doorne zu. Alyss tobt, als sie erfährt, dass Gatte Arndt ihren geliebten Weingarten verscherbelt hat. Überdies entpuppt sich Jung-Kilian, dessen Alyss sich vorübergehend annimmt, als schier unbändiger Wirbelwind. Master John, ein Geschäftspartner des Hauses, kehrt von der Englandfahrt nach Köln zurück und sorgt für ungeahnte Turbulenzen.

Und dann wird Schützling Kilian entführt. Mit ihm zusammen verschwindet Alyss’ Brautkrone, der wertvollste Bestandteil ihrer Mitgift. Stehen die beiden Untaten miteinander in Verbindung? Alyss hat einen schlimmen Verdacht…

Rezension

„Nehmt Herrin diesen Kranz“ist der zweite Band der Buchreihe um Alyss van Doorne geb. vom Spiegel, und ihrem Hauswesen. Er schließt direkt an den ersten Band „Gebiete sanfte Herrin mir“ an. In ihrem leicht zu lesenden Stil entführt uns Andrea Schacht wieder in ihr farbenprächtiges Mittelalter Kölns, wo wir einmal mehr Zeuge sein dürfen wie Alyss versucht sich gegen ihren Gatten zu behaupten. Auch hier lehnt die Autorin sich wieder an die im Mittelalter gebräuchlichen Satzstellungen und Begriffe an. So sprechen sich die Geschwister Marian und Alyss wieder mit „Schwester mein“ und Bruderlieban, was ich sehr lustig zu lesen finde und auch gut die Zuneigung der Geschwister zu einander vermittelt. Diese Art der Darstellung verleiht den Geschichten ihre ganz eigene Atmosphäre, die mir sehr gut gefällt.

Überhaupt vermittelt Andrea Schacht in ihrer Art zu schreiben einen ganz anderen Eindruck, was das Leben im Mittelalter betrifft. Sie zeichnet ein Bild, das weder hässlich noch brutal ist, sondern zeigt uns, dass es auch damals Frauen gab die in der Lage waren sich selbst zu behaupten und auch ein Geschäft geführt haben und sich durchsetzten konnten.

Oft musste ich beim Lesen dieses Buches herzhaft lachen, wenn von „Käferwecken“ und „Tavernenschlägereien“ die Rede war oder wenn es heißt „Schnattertiere ins Fegefeuer zu bringen“. Auch der kleine Kilian, der zeitweise bei Alyss eingezogen ist, war ein kleiner Junge der es faustdick hinter den Ohren hatte und mir immer wieder Grund zum Lachen gab. So musste er z.B. lernen dass auch ein schwarzer Hahn mit Respekt zu behandeln ist.

Wieder ist dieser Band mit Krimieelemeten bestückt. So muss Alyss, gemeinsam mit ihren Freunden und John, diesmal die Entführer Kilians ausfindig machen und ihre gestohlene Brautkrone suchen. Diese Rätsel beginnen mit den ersten Seiten und laufen als roter Faden durch die ganze Geschichte. Teile der Rätsel lösen sich während der Suche von allein, aber auch neue Rätsel tun sich auf, die erst in den nachfolgenden Bänden geklärt werden. Was bei mir den Wunsch auslöste auch den nächsten Band, der leider erst im nächsten Jahr erscheinen wird, zu lesen. Für mich sind Alyss, Marian, John und ihr gesamtes Hauswesen zu guten Freunden geworden, die ich immer wieder sehr gern besuche.

Ich kann“Nehmt Herrin diesen Kranz“sowie die gesamte Reihe nur jedem empfehlen der gute, humorvolle historische Romane liebt.

Note: 1