Rehn, Heidi: Die Wundärztin

Band 1 Wundärztin Trilogie

Verlag:
Knaur
erschienen:
2010
Seiten:
685
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN: 3426505371

Klappentext:

Deutschland im Dreißigjährigen Krieg: Die kluge Söldnertochter Magdalena arbeitet als Wundärztin im kaiserlichen Tross. Bald entbrennt sie in großer Liebe zu dem Kaufmannssohn Eric, der seit dem Tod seiner Eltern allein lebt. Doch es ist eine verbotene Liebe, denn die Väter der beiden standen sich einst in Feindschaft gegenüber. Nach einer Schlacht verschwindet Eric spurlos – und Magdalena muss eine folgenschwere Entscheidung treffen…

Rezension:

„Die Wundärztin“beginnt mit einem Prolog anno 1631. Es ist die Zeit der Zerstörung Magdeburgs. Hier lernen wir die Hauptprotagonisten kennen, Magdalena, Elsbeth  und Eric, zwar noch als Kinder aber man bekommt schon den ersten Eindruck was dieser Krieg bedeutet hat und wie er sich auf das Leben der Menschen ausgewirkt hat. Magdalena und Elsbeth streiten sich und dieser Streit zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Sie lernen Eric kennen und er rettet Magdalena aus dem Feuer, was der Beginn ihrer großen Liebe ist. Dieser Einstieg hat mir gut gefallen.

Weiter geht es dann 13 Jahre später. Magdalena und Eric hatten sich aus den Augen verloren und nun wieder gefunden. Nun müssen sie um ihre Liebe kämpfen, und zwar nicht nur gegen den Krieg sondern auch gegen ihre Familien die miteinander verfeindet sind. Mit eindruckvollen Worten schildert Heidi Rehn  das Grauen des 30 jährigen Krieges. Obwohl es sich hier um ein düsteres Kapitel der Geschichte handelt, hat die Autorin es geschafft das sich die Seiten quasi von allein umblättern. Ihr Schreibstil ist schön flüssig und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.

Die Charaktere, die ich in dieser Geschichte kennen lernen durfte sind alle wunderbar ausgearbeitet, so dass sie vor meinem geistigen Auge sichtbar wurden und ich ihre Handlungsweise und ihr Leben im Tross gut nachvollziehen konnte. Auch sind die einzelnen Personen nicht nur geradlinig, sondern haben ihre Ecken und Kanten, was sie sympathisch macht. Während die Hauptprotagonisten wie Magdalena und Eric, Rupprecht und Elsbeth im Vordergrund stehen und ich ihr auf und ab in diesem Krieg, der sozusagen ihr Zuhause war, begleiten durfte, wurden auch die Nebencharaktere, wie Johann und Roswitha um nur zwei zu nennen, schnell zu liebenswerten Personen, die diesem Buch erst ihren eigenen Charakter gaben.

Immer wieder geht die Autorin auch auf die Lebensumstände, die zu dieser Zeit herrschten, ein. Sie schildert ausführlich mit Hilfe der Wundärztin Magdalena, Operationspraktiken, Wundversorgung und auch Kriegsgeschehen. Diese Schilderungen sind nicht unbedingt etwas für schwache Nerven, sie machen den Roman dadurch aber sehr glaubwürdig. Ich lese gerade die einzelnen Lebensgeschichten der einfachen Menschen sehr gern und erfahre so etwas über die Lebensumstände der jeweiligen Epoche. Heidi Rehn ist es hier jedenfalls gut gelungen das Trossleben und die Zusammenhänge glaubwürdig wiederzugeben.

Das Ende „Der Wundärztin“ gestaltet sich etwas schwierig, da viele Fragen offen bleiben. Der Krieg ist vorbei und wie mag es mit dem Leben von Magdalena weitergehen. Es steht bereits fest, das die Geschichte um Magdalena und ihre Lieben eine Trilogie wird und ich freue mich schon auf den nächsten Band.

Note: 2

Zinßmeister, Deana: Die Gabe der Jungfrau

Verlag: Goldmann
erschienen:
2010
Seiten:
511
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN: 3442470366

Klappentext:

Ein Dorf in der Kurpfalz um 1525. Anna Maria wächst mit vier Brüdern auf einem Hof auf, bis ihr Vater zwei seiner Söhne in den Krieg schickt, damit sie für die Sache der Bauern kämpfen. Anna Maria versucht den Vater umzustimmen, doch vergebens. Bevor die Brüder aufbrechen, geben sie ihrer Schwester das Versprechen, dass keiner ohne den anderen heimkehren wird. Doch dann sieht Anna Maria die beiden eines Nachts im Traum und weiß, dass die in Gefahr sind. Nun hält sie nichts mehr zu Hause, denn sie verfügt über die Gabe, in ihren Träumen den Tod vorherzusehen…

Rezension:

„Die Gabe der Jungfrau“ ist ein facettenreicher gut recherchierter historischer Roman. Der Schreibstil von Deana Zinßmeister ist sehr flüssig und lässt sich gut lesen. Auch wenn hier mehrere Handlungstränge und mehrere Zeitzonen nebeneinander hergehen, verliert man nicht den Überblick. Ich hatte keine Schwierigkeiten mich auf die Geschichte einzulassen. Ganz im Gegenteil, ich war die ganze Zeit mitten im Geschehen.

Immer wieder begegnen uns neben den Protagonisten auch zeitgenössische Personen und deren Geschichten. Wie z.B. Fritz Joß, Franz v. Sickingen und viele andere. Man spürt deutlich, dass die Autorin sehr viele Geschichtsbücher gelesen hat und diese kleinen Geschichten bindet sie hier so geschickt hinein, dass ein authentischer historisch korrekter Roman entstanden ist, der mich komplett gefangen genommen hat.

Erzählt wird die Geschichte von Anna Maria und ihrer Familie vor dem Hintergrund der Bauernaufstände um Martin Luther. Und zwar so glaubwürdig, dass ich das Gelesene gut nachvollziehen konnte und in die Geschichte hineintauchen konnte. Egal ob wir auf dem Bauernhof ihrer Kindheit waren oder auf der Suche nach ihren Brüdern, oder gar in Gefangenschaft, immer konnte ich die Gefühle der Protagonisten oder deren Handlungsweise gut nachvollziehen. Wenn z.B. von kalten Füßen die Rede war, musste ich mir regelrecht warme Socken anziehen, mir war zeitweise heiß und kalt zu gleich.Ich hatte einige wirklich unterhaltsame spannende Lesestunden und es hätten gerne noch mehr Seiten sein können. Ich mag einfach solche historisch spannenden Romane.

In einem relative ausführlichen Nachwort geht Deana Zinßmeister noch einmal auf die geschichtlichen Details ein. Was für mich immer sehr wichtig ist, da ich immer gerne weiß, was historisch korrekt ist und was nur Fiktion. Leider muss ich bemängeln, dass keine Karte uns den Weg zeigt, den die Protagonisten gegangen sind. Die wäre zur Orientierung nicht schlecht gewesen.

Note: 1

Becker, Oliver: Das Geheimnis der Krähentochter

Verlag: Gmeiner
erschienen:
2010
Seiten:
466
Ausgabe: Broschiert
ISBN: 3839210712

Klappentext:

Der Schwarzwald im Jahre 1636: Ein abgeschiedenes Tal wird von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erreicht. Eine Gruppe von Söldnern überfällt den Petersthal-Hof, mordet und verschwindet wieder im Dunkel der Wälder. Es gibt nur eine Überlebende: die Magd Bernina. Sie wird von einer Frau gerettet, die in der ganzen Gegend als Hexe verschrien ist und nur die „Krähenfrau“ genannt wird. Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Bild, das Bernina in den Trümmern des abgebrannten Hofes findet? Bald steht die junge Frau nicht nur vor dem Rätsel der Zeichnung, sondern auch vor der Entscheidung zwischen zwei Männern.

Rezension:

Oliver Becker schafft in seinem Roman eine spannende Atmosphäre.  Man erfährt die ganze Geschichte aus der Sicht der Magd Bernina. Anfangs dachte ich, dass es langweilig werden wird immer nur ihre Sicht zu sehen, aber da habe ich mich gründlich getäuscht. Vor allem wenn es um die beiden Männer geht, zwischen denen sie sich entscheiden muss. Einerseits haben wir einen lebenslustigen Gaukler und andererseits den verwegenen Offizier Jakob von Falkenberg. Beim Offizier weiß man das ganze Buch über nicht auf welcher Seite er nun definitv steht. Das macht die Sache aber noch mal so spanennd zu lesen.

Außerdem fragt man sich das ganze Buch über: Wer ist Bernina, woher kommt sie und wer sind ihre Eltern? Am Schluss wollte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen weil ich unbedingt wissen wollte wer der geheimnisvolle Reiter ist, der den Petersthal-Hof angegriffen hat und der ständig durchs Buch geistert.

Berninas Taten waren für mich aber nicht immer nachvollziehbar. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass sie viel zu leichtgläubig ist. Sehr gut beschrieben ist allerdings der Krieg, man sieht die Schrecken des Krieges förmlich vor sich, vor allem die Arbeit des Feldarztes ist sehr gut beschrieben, manchmal schon zu gut.

Die Figur Bernina  macht im Buch einige Wandlungen durch, die ich so nicht erwartet hätte und auch einige Wendungen im Buch haben mich sehr überrascht. Auf den letzten 30 Seiten ist dann aber alles sehr schnell klar und auch vorhersehbar wer mit wem zusammen gehört. Wer genau liest fndet im Buch immer wieder versteckte Hinweise auf den Schluss – das finde ich toll gemacht.

Alles in allem ein sehr spannender und lesenswerter historischer Roman.

Note: 2

Schacht, Andrea: Das Spiel des Sängers

Verlag: Blanvalet
erschienen:
06/2010
Seiten:
636
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3764503483

Klappentext:

Burg Langel im ausgehenden Mittelalter. Seit dem gewaltsamen Tod des Burgherren Eberhardt ist die Lehensnachfolge ungeklärt. Ritter Ulrich von der Arken soll die Burg im Auftrag seines Herzogs nun neu vergeben. Eine erlauchte Gesellschaft findet sich ein; nicht wenige, die Anspruch auf das Lehen erheben. Bis man sich einig wird, soll Minnesänger Hardo Lautenschläger des Abends mit seinen Künsten für Unterhaltung sorgen. Kaum jemand ahnt, welches Geheimnis Hardo mit Burg Langel verbindet – und mit der holden, aber spitzzüngigen Engelin van Dyke, die an Hardos abendlichen Gesängen so gar keinen Gefallen zu finden scheint.

Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu, als Burgverwalter Sigmund vom Söller in den Tod stürzt. Ritter Ulrich lässt die Zugbrücke schließen und befiehlt, dass niemand die Burg verlasse, bis der Mörder gefunden ist….

Rezension

Andrea Schacht gehört für mich zu den Autoren, an denen ich nicht vorbeigehen kann. Ihre historischen Romane sind immer in einem leicht zu lesenden Stil geschrieben, die zu aufregenden Lesestunden einladen. So auch „Das Spiel des Sängers“.

 

Die Autorin schickt uns auf eine Reise ins Mittelalter, das durch ihre Art der Darstellung zu einer bunten, farbenprächtigen und heiteren Zeit wird.  Zum einen schildert uns Hardo Lautenschläger selbst seine Eindrücke und Gefühle auf der Burg Langel. Er erzählt uns so ganz nebenbei, in kleinen Dosen verpackt Abend für Abend, seine Lebensgeschichte, die gleichzeitig auch die Geschichte der meisten anwesenden Personen auf der abgeriegelten Burg ist. So erschließt sich im Laufe der Geschichte, die Zusammenhänge und Verbindungen der einzelnen Lehnsanwärter, und man erfährt immer wieder überraschende Details. Er hat mich mit seiner Laute und seiner Geschichte mehrere Abende lang sehr gut unterhalten.

Die Autorin hat hier wunderbar Liedgut aus dem Mittelalter mit eingebaut,  so dass ich Hardo wirklich singen und spielen hören konnte. Glaubte ich mich jedoch zunächst in einem einfachen historischen Roman, stellte ich sehr schnell fest, dass es sich hier, so ganz nebenbei, um einen Krimi á la Agatha Christie handelte. Was mich sehr begeistert hat. So versuchen einige der Protagonisten gemeinsam den mysteriösen Tod des Burgvogts aufzuklären.

Immer wieder wechselt  die Autorin zwischendurch zu den anderen Charakteren des Romans, und ich konnte wunderbar teilhaben an deren Sicht der Dinge und ihren Spekulationen was den Mord und die diversen Anschläge auf den Minnesänger betrifft. Was mir außerordentlich gut gefallen hat. Ich hatte von Anfang an eine Verbindung zu den Protagonisten und fühlte mich mitten unter ihnen. Natürlich durfte auch die Liebe nicht zu kurz kommen und so durften wir teilhaben an dem Werben und Necken Hardos zu seiner Liebsten und an so manch anderer Verbindung. Keine der aufgeführten Personen hätte ich missen mögen. Wobei Hardo Lautenschläger und seine Liebste sich in mein Leseherz gesungen hat.

Am Ende befindet sich ein umfangreiches Namensregister, welches hilft sich unter den Burgbewohnern zu recht zu finden. Sowie  ein kleines Nachwort, wo uns Andrea Schacht noch einmal wissen lässt was Wahrheit und was Fiktion ist. Ich mag es, am Ende auch zu erfahren, ob es gewisse Orte oder Personen tatsächlich gegeben hat.

„Das Spiel Des Sängers“ kann ich nur jedem empfehlen der spannende und heitere Lektüre mag.

Note: 1

Walz, Eric: Die Giftmeisterin

Verlag: Blanvalet
erschienen:
2010
Seiten:
416
Ausgabe:
Klappenbroschur
ISBN:
3442373182

Klappentext:

„Aachen, am Heiligen Abend im Jahr des Herrn siebenhundertneunzig und neun. Das Jahrhundert liegt in seinen letzten Zügen. Dies ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft: zwischen mir, der Gräfin Ermengard, und der fremden Fionee, die von allen gemieden wird, und von der ich mittlerweile weiß, das sie eine Giftmeisterin ist. Und es ist die Geschichte eines Verbrechens, ich sollte besser sagen zweier Verbrechen: des einen, das ich aufgeklärt habe, und des anderen, das ich beging…“

Rezension:

Die Giftmeisterin ist ein weiterer historischer Krimi aus der Feder von Eric Walz. Ich habe schon einige Bücher des Autors gelesen, und mich auf spannende Lesestunden gefreut, und  ich wurde nicht enttäuscht. Überraschend war lediglich, dass der Autor sich bei diesem Buch für die Ich-Form entschieden hat. Auch wenn ich am Anfang so meine Zweifel hatte, ob dieser Stil so glücklich gewählt war, stellte ich doch sehr schnell fest, dass man die Geschichte der Gräfin Ermengard einfach gar nicht anderes erzählen konnte. Ich habe sie sehr schnell in mein Herz geschlossen.

Auf diese Weise habe ich sehr intensiv an den Erinnerungen  Ermengards teilhaben können. Eindrucksvoll schildert sie uns ihr Leben am Hof Karl des Großen auf der Pfalz zu Aachen. Und lies mich auf diese Weise teilhaben an ihren Erinnerungen aus ihrem Leben an der Seite ihres Gatten Arnulf. Ich fühlte mich mittendrin in den Ermittlungen, die die Gräfin anstellte um den Mord am Hof in Aachen aufzuklären und konnte ihr Handeln gut nachvollziehen. Hat sie doch den Toten gefunden und war ihr Mann, vom König beauftragt, diesen Mord aufzuklären. Was Ermengard jedoch wesentlich geschickter anpackte, als ihr Gatte. Die Kriminalgeschichte ist hier so gut gemacht, dass ich nicht in der Lage war, vorherzusagen wer hier der Täter war, und am Ende war ich nochmals sehr überrascht.

Im Laufe der Geschichte ist sie mir eine Freundin geworden und es viel mir schwer sie  gehen zu lassen.Am Ende befindet sich noch ein Nachwort, wo der Autor noch einmal auf die geschichtlichen Details eingeht, und Wahrheit und Fiktion von einander trennt. Was für mich persönlich immer sehr interessant ist.

Die Giftmeisterin ist meiner Meinung nach ein sehr guter historischer Roman, der unbedingt lesenswert  ist

Note: 1