Gerritsen, Tess: Die Chirurgin

Band 1 Rizzoli & Isle Serie

Originaltitel: The Surgeon
Verlag:
Blanvalet
erschienen:
2002
Seiten:
416
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3789132187
Übersetzung:
Andreas Jäger

Klappentext:

In Boston dringt ein Unbekannter nachts in die Wohnungen von allein stehenden Frauen ein, unterzieht sie einem gynäkologischen Eingriff und tötet sie. Die einzige Spur führt Detective Thomas Moore und Inspector Jane Rizzoli zu der jungen Chirurgin Catherine Cordell, die drei Jahre zuvor nach ähnlichem Muster überfallen wurde, den Täter aber in Notwehr erschoss. Und bald wird klar, dass Catherine erneut zur Zielscheibe eines psychopathischen Mörders geworden ist …

Rezension:

Den zumeist sehr guten Rezensionen kann ich mich hier nicht ganz anschließen. Sicher war das Buch spannend und es ist sprachlich auch gut geschrieben. Auch die Brutalität in diesem Roman ist wirklich nicht von schlechten Eltern. Man merkt, das die Autorin Medizinerin ist und weiß wovon sie da schreibt.

Doch leider arbeitet sie auch mit einer Reihe von Klischees. Der gute Polizist, der noch immer um seine tote Frau trauert, das einzige überlebende Opfer, das sich nicht geschlagen gibt und die Polizistin, die sich in einem Männerberuf behaupten muss. Trotz dieser Klischees mochte ich zum Beispiel den Polizisten Thomas Moore und auch die Ärztin Catherine Cordell. Bei der Polizistin Jane Rizzoli hatte ich jedoch arge Probleme. Ich kann mir nicht helfen, aber die Frau ging mir den ganzen Roman über auf den Senkel. Sie tat sich so was von selbst leid. Alle Welt meint es nur schlecht mit ihr und natürlich ist das eine ausreichende Begründung für ihre ewige schlechte Laune. Die Autorin macht hier auch zu wenig klar, warum es Jane sich selbst so schwer macht. Die kurzen Szenen mit ihrer Familie, bei der klar wird, das man Jane und ihren Beruf nie ernst genommen hat, genügen einfach nicht. Zudem gefällt mir Rizzolis Menschenbild einfach nicht. Für sie sind Frauen grundsätzlich Opfer und die Männer im Prinzip alles nur Jäger.

Trotzdem ist der Roman wirklich gut zu lesen und spannend, auch wenn ich das Ende ein bißchen halbgar finde. Alles viel zu schnell und zufällig, zumal ich finde, das es einen kleinen Fehler im Buch gibt. Der Mörder bringt als Ablenkung im Krankenhaus einen Patienten um. Die Polizei ahnt das er dahinter steckt, geht dieser Spur seltsamerweise aber nicht nach. Ich bin trotz allem auf jeden Fall gespannt auf weitere Fälle!

Note: 2-

Andrews, V.C.: Die Orphan-Saga

Band 1-4 Orphan Saga

Verlag:
Goldmann
erschienen:
2000
Seiten:
604
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3442361729
Übersetzung:
Susanne Althoetmar-Smarczyk

Klappentext:

Dieser Band enthält: „Dunkler Schmetterling“, „Geliebte Crystal“, „Spiegel der Schatten“, „Haus der Tränen“. Die Originalausgaben „Butterfly“, „Crystal“, „Brooke“, „Raven“ erschienen 1998 bei Pocket Books.

Überglücklich ist die 13-jährige Waise Janet, als sie von einem jungen Ehepaar adoptiert wird. Doch Celine Delorice hat Janet nur wegen ihres zierlichen Körperbaus ausgesucht. Sie möchte Janet zu einer berühmten Ballerina machen, ein Traum, den sie sich selbst nie erfüllen konnte. Ähnlich enttäuschende Erfahrungen müssen auch die beiden Waisen Crystal und Brooke machen: Schnell zerbrechen ihre Hoffnungen an der grausamen Wirklichkeit. Nur die 12-jährige Raven findet echte Geborgenheit bei ihrem Onkel – bis der sein wahres Gesicht zeigt …

Rezension:

Als erstes muss man sich klar darüber sein, dass dieses Buch eine Mogelpackung ist. V.C. Andrews ist schon seit einigen Jahren tot und kann höchstens ein paar Ideen, die noch in ihrer Schreibtischschublade gesteckt haben, zu diesem Buch beigetragen haben. Ich finde es auf jeden Fall etwas merkwürdig, dass man Mrs. Andrews so vermarktet, dass auf dem Cover hinter ihrem Namen schon ein kleines TM thront. Hinter diesem Buch steht also keine Autorin mehr, sondern nur noch eine Marke. Und so gibt es eigentlich auch in „ihrem“ neuen Roman nichts neues. Wie immer haben Andrews‘ Hauptfiguren schrecklich viel mitzumachen und natürlich ertragen alle ihr Schicksal märthyrerhaft. Das lässt sich zwar ganz nett lesen, kann aber nicht mehr besonders begeistern. Zumal einem diese abgedrehten Mütter irgendwann tierisch auf den Keks gehen.

Note: 3

Norman, Diana: Die Brautgabe

Originaltitel: The Morning Gift
Verlag:
dtv
erschienen:
1997
Seiten:
351
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3423201460
Übersetzung:
Hanna Neves/Barbara Ostrop

Klappentext:

Hat Matilda de Risle eine Wahl? Sie ist fünfzehn, besitzt nach dem Tod ihrer Brüder ausgedehnte Ländereien in der Normandie, ein Lehen von König Henry I. – also muß sie, den Regularien der Zeit entsprechend, verheiratet werden. Der fette Sigward, ein Freund des Regenten, ist der Auserwählte. Er schenkt ihr aus Freude über die gelungene Hochzeitsnacht die Insel Dungesey, eine fast unzugängliche Moorlandschaft an der englischen Ostküste. In diese uwirtliche Gegend zieht sich Matilda zurück. Von hier aus verfolgt sie die rücksichtslosen Kämpfe um den Thron von England nach dem Tod Henrys I. Ihre Trauer ist maßvoll, als Sigward von der Geburt ihres Sohnes erfährt und vor Aufregung stirbt. Matilda wird ernuet gegen ihren Willen verheiratet. Der neue Herrscher Stephen von Blois, der widerrechtlich den Thron erobert hat, verspricht sie dem kränklichen Vincent of Luards. Dieser kennt nur ein Ziel: Er muß mit ihr einen Sohn zeugen, um an Matildas Landbesitz zu gelangen. Matilda aber wird um das Erbe ihres einzigen Sohnes kämpfen… 

Rezension:

„Die Brautgabe“ ist endlich mal wieder ein historischer Roman mit historischen Fakten und Persönlichkeiten und auch Kriegen. Die Zeit fand ich sehr gelungen gewählt, behandelt sie einen Bürgerkrieg in England, der uns nicht so bekannt ist. Ich zumindest wusste nicht, wer nach Wilhelm dem Eroberer auf dem Thron saß bis Heinrich II., der erste Plantagenet, England regierte. Und woher stammt der Begriff „Plantagenet“ Auch das erfährt man in diesem Roman.

Sprachlich und stilistisch habe ich gar nichts zu bemängeln. Im Gegenteil, in so manchem Diana Norman Roman hatte ich einige Zeit benötigt, um mich einzulesen, hier war ich sofort im Geschehen und die Seiten flogen nur so dahin.Ein wenig blutig und stellenweise sehr grausam geht es zu und ist unter Umständen nichts für die sehr zart besaitete Seele, aber es gibt auch schöne Momente, gelungene Landschaftsbeschreibungen und die Geschichte um Matilda de Risle, die versucht in diesem Krieg nicht unterzugehen, hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist schonungslos und nicht durch eine rosarote Brille betrachtet, was Matildas Leben sehr glaubwürdig macht.

Die Figuren sind sehr vielfältig, entwickeln sich – je nach Charakter auch nicht – und sind zum Glück nicht schwarz-weiß gezeichnet. Matilda de Risle ist dafür das allerbeste Beispiel. Sie ist keine Figur, die man am Anfang mag, sie ist herrisch, machthungrig und gnadenlos, schlichtweg unsympathisch. Aber sie wächst an den schweren Zeiten, sieht das Wesentliche und die Welt und das Leben Stück für Stück mit anderen Augen. Matilda wird zu einer sehr beeindruckenden Frau, die ich am Ende des Romans ungern hab gehen lassen. Das Leben hat sie gezeichnet, sie verändert…

Allerdings ist der Roman zu kurz, das Ende (für mich persönlich) zu offen, zu unbefriedigend. Auf 350 Seiten beschreibt Diana Norman 20 Jahre aus Matildas Leben und des Krieges zwischen König Stephan und Kaiserin Matilda. Das war definitiv zu wenig und vieles bleibt ungesagt und damit auf der Strecke. Ich vermute, dass die Autorin an manchen Stellen gezwungen war zu kürzen, denn oftmals erschloss sich mir der Sinn des Gelesenen nicht auf Anhieb, es schien als würde etwas fehlen, eine Erklärung oder ähnliches.

Note:
2-

Marillier, Juliet: Die Priesterin der Insel

Band 1 „Die hellen Inseln“

Originaltitel: Wolfskin
Verlag:
Knaur
erschienen:
2003
Seiten:
720
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3426628147
Übersetzung:
Regina Winter

Klappentext:

Weit vor der Küste Schottlands liegen die Orkney-Inseln. Seit langer Zeit lebt dort ein friedliches Volk im Einklang mit der Natur – bis eines Tages Segel am Horizont auftauchen. Zu den Wikingern, die an der Küste landen, gehören auch der Krieger Eyvind und der machthungrige Somerled. Beide ahnen noch nicht, wie das Leben auf den Orkneys sie verändern wird – und welche Rolle dabei Nessa spielt, die Priesterin der Insel…

Rezension:

Nachdem ich begeistert ihre Trilogie um Sevenwaters gelesen hatte, wollte ich unbedingt das neue Buch von ihr haben. Nun bin ich ein wenig zwiespältig, was dieses Buch angeht.

Ich finde, es kommt keinesfalls an eines der drei anderen heran. Marillier gelingt es nicht, die gleiche faszinierende Atmosphäre zu schaffen. Ihre Charaktere bekommen keinen richtig nachvollziehbaren Stil. Schnell merkt man auf was es am Ende hinausläuft. Der Anfang und Stücke des Mittelteils ziehen sich unheimlich in die Länge, so dass ich versucht war, mächtig Seiten zu überspringen. Erst nachdem die Norweger auf den neuen Inseln gelandet sind, merkt man etwas von der Anziehungskraft der Trilogie, aber auch hier wird der Inhalt immer wieder in die Länge gezogen. Von den 650 Seiten hätte man meiner Meinung nach auf 250 verzichten können. Der einzige Charakter der mir ans Herz gewachsen war, ist Nessa. Sie ist menschlich, sie versucht das Beste aus ihrem Leben und ihren Möglichkeiten zu machen.

Somerled ist von Anfang an der Unsympath und Eyvind wird meiner Meinung nach zu trottelig und treudoof dargestellt. Er vollzieht am Ende des Mittelteils eine Wandlung – wegen mir hätte die schon auf den ersten 100 Seiten von statten gehen können. Ich fand es schwierig immer wieder zu lesen, wie er an Somerled glaubt und habe mich innerlich immer gefragt, was muss den noch passieren, damit er die Augen aufmacht.

Meine Empfehlung, wer das gleiche wie die Trilogie erwartet, wird enttäuscht, wer ihre anderen Bücher noch nicht kennt, wird wahrscheinlich nicht enttäuscht sein. Kann man lesen, aber man verpasst nichts, wenn man es sich nicht kauft. Juliet Marillier gelingt es nicht, die Faszination und die Spannung der Sevenwatersbücher aufzubauen. Sehr schade, denn man merkt ihr Talent immer wieder, zum Beispiel als die Inselwelt und deren alte Mysterien beschreibt.

Note: 3

Brown, Sandra: Rage – Zorn

Originaltitel: Hello, Darkness
Verlag:
Blanvalet
erschienen:
2006
Seiten:
480 Seiten
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3442368383
Übersetzung:
Christoph Göhler

Klappentext:

Paris Gibson ist ein Geschöpf der Nacht. Die Nacht ist ihre Zuflucht vor den schicksalhaften Ereignissen der Vergangenheit, ihre beliebte nächtliche Radiosendung ihr einziges Tor zur Außenwelt. Bis eines Abends ein treuer Hörer, der sich Valentino nennt, sie beschuldigt, mit ihren Ratschlägen seine Beziehung zerstört zu haben. Valentino schwört Rache an den beiden Frauen, die ihn verraten haben. Drei Tage lässt er ihnen, dann will er erst seine Ex-Freundin, und später Paris lustvoll töten. Nur 72 fieberhafte Stunden, die der Polizei bleiben, den vor Zorn und Vergeltung rasenden Hörer zu identifizieren und auszuschalten. Mit im Team der Ermittler ist der Mann, vor dem Paris in die Nacht geflohen ist, der Kriminalpsychologe Dean Malloy. Und wieder spürt sie diese Anziehungskraft, die schon einmal tödliche Folgen hatte.

Rezension:

Der neue Roman von Sandra Brown hat mir deutlich besser gefallen, als „Envy – Neid“ (der Roman, den ich als letztes von  ihr gelesen habe), allerdings muss ich sagen, dass ich trotzdem mittlerweile deutlich bessere Romantic Suspense Autorinnen kennelernen durfte (Karin Slaughter, J.D. Robb, etc.). Sandra Brown zeichnet sich zwar durch einen sehr flüssigen und angenehmen Sprachstil aus (deswegen liest man ihre Romane auch trotz kleinerer oder auch größerer Mängel weg wie nichts), aber leider ist auch „Rage – Zorn“ zu vorhersehbar. Zwar führt einen die Autorin ein wenig aufs Glateis, da sie im Laufe des Romans gleich mehrere Verdächtige ins Rennen schickt, aber es ist trotzdem nicht schwierig die Lösung zu erraten.

Gut gefallen hat mir noch die Vergangenheit von Paris und Dean. Die Rückblenden sind spannend und haben dem Roman Tiefe verliehen. Wiederum nicht jedermanns Sache dürfte der Fall an sich sein. Sexspiele, Jugendliche und Perversionen will nicht jeder lesen. Die Autorin übertreibt es hier zwar nicht mit Details, aber so manches Mal habe ich das Geschilderte doch als befremdlich empfunden. Vielleicht bin ich naiv, aber das Jugendliche sich in einem Sexclub treffen und dort eigentlich schon mal jeder mit jedem intim gewesen ist, finde ich schon etwas befremdlich. In diesem Zusammenhang habe ich auch Deans Reaktion nicht nachvollziehen können, als er erfährt, das sein Sohn ebenfalls in diesem Club aktiv ist. Ich denke, hier geht es nicht um „zu viel getrunken“ oder „mal eine Joint geraucht“, von daher fand ich Deans Reaktion ein wenig lapidar.

Nichts desto trotz bietet Sandra Brown mit ihrem neuen Romantic Suspense Thriller nette Unterhaltung, aber leider erneut keinen Volltreffer.

Note: 2-