Becker, Oliver: Die Schatten von New Orleans

Die Schatten von New Orleans CoverVerlag: Bookspot
erschienen:
2014
Seiten:
400
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3937357904

Klappentext:

New York um 1870. Cynthia Crane, das Hausmädchen der angesehenen Familie van Buren, hat ein großes Geheimnis: Sie und der Sohn des Hauses planen, miteinander durchzubrennen. Doch alles kommt anders. Statt in den Armen des Liebhabers findet sich Cynthia hinter den Mauern des berüchtigten New Yorker Gefängnisses „Rabennest“ wieder. Als unschuldig verurteilte Schmuckdiebin … Alle Verbindungen zu ihrem bisherigen Leben lösen sich auf rätselhafte Weise in Luft auf. Während sie allein und verlassen den erbarmungslosen Gefängnisalltag erduldet, erkennt Cynthia, dass viel mehr hinter ihrer fingierten Verurteilung steckt als eine verbotene Liebe. Unter spektakulären Umständen gelingt ihr die Flucht. Damit beginnt eine gefährliche Odyssee durch Opiumhöhlen, Gaunerspelunken und die Salons der ehrenwerten Gesellschaft. Von New York bis nach New Orleans und in die düsteren Sümpfe Louisianas. Cynthia trifft auf Wahrsager, Hafenpiraten und Betrüger. Wem kann sie trauen? Was will der alte Voodoo-Priester von ihr? Und was hat die Engelsfeder zu bedeuten?

Rezension:

Cynthia Crane wächst als Hausmädchen in dem Haushalt der reichen Familie van Buren in New York auf. Es ist die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihr Leben ist ihr klar vorherbestimmt, doch dann verliebt sie sich in David den Sohn und einzigen Erben des Hauses. Gemeinsam planen sie ihre Zukunft, aber dann kommt alles ganz anders und Cynthia findet sich im berüchtigten Gefängnis Rabennest wieder. Nun muss sie lernen damit zu leben als Verbrecherin zu gelten. Warum wurde ihr das angetan? Was ist geschehen und wo ist David? Fragen, die ihr einfach keiner beantworten kann oder will. Schnell merkt sie da muss noch mehr dahinter stecken, aber was ist nur plötzlich los.

In diesem historischen Roman nimmt der Autor Oliver Becker seine Leser mit nach New York, aber der Aufenthalt dort ist nicht von langer Dauer. Zunächst wird das beschauliche Leben im Hause der van Burens geschildert, dann wie Cynthia in das Gefängnis gebracht wurde und wie sie dort lernte, mit ihrem Schicksal zu Recht zu kommen. Sie findet Anschluss an eine Mitinsassin, diese hilft ihr später in den Straßen von New York denn aus dem Gefängnis können sie fliehen. Für Cynthia wird bald klar sie muss ihr Schicksal in einer anderen Stadt suchen. So geht es dann bald weiter in den Süden nach New Orleans.

Die Protagonisten dieser Handlung sind bunt gemischt, auf der einen Seite Cynthia, die zwar als Magd gearbeitet hat, aber trotzdem wohlbehütet aufgewachsen ist. Dann Danny, ein junger Mann, den sie in den Straßen von New York kennenlernt und der seinen Lebensunterhalt mit nicht so ganz legalen Mitteln finanziert. Danny wird ihr zum guten Freund und Retter. Dabei ist diese Freundschaft für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich, denn Danny ist ein Schwarzer, der auf den Straßen von New York lebt und einer Piratenbande angehört. Auf diesem Wege erhält der Leser Einblicke in das Leben dieser Stadt in der untersten Einwohnerschicht. Überhaupt hat der Autor immer wieder geschickt die Lebensumstände der Zeit mit eingeflochten.

Dann ist da ein seltsamer fast blinder Mann, der in einem zweiten Handlungsstrang von sich erzählt.  Dieser Teil setzt sich nicht nur durch eine andere Wortwahl von der Geschichte ab er ist auch optisch anders geschrieben. So weiß der Leser immer genau, bei wem er gerade ist. Dieser Mann tritt lange nicht richtig in Erscheinung und ist nicht greifbar, macht die Geschichte aber mysteriös und spannend.

Der Erzählstil von Becker lässt sich leicht und locker lesen und ist dabei bildhaft gestaltet. Er hat es vortrefflich verstanden das Leben dieser Zeit zu schildern und auch den Aberglauben hier leben einzuhauchen. Eine seltsame alte Frau sagt Cynthia die Zukunft voraus und gibt ihr einen noch merkwürdigeren Satz mit auf den Weg: „Er ist nicht der, den du liebst, und du bist nicht die, die du bist.“ Dieser Satz begleitet Cynthia weiter auf ihrer Suche und gibt mehr Rätsel auf als das er Klarheit bringt. Der Glauben dieser Zeit ist überhaupt schwer zu greifen, Becker hat es aber geschafft ein Gefühl dafür zu entwickeln und so fühlt man sich beim Lesen irgendwie direkt dabei.

Auf dem Cover ist eine Puppe zusehen, die scheinbar von einer Feder durchbohrt wird. Die Farben sind dunkel gehalten und so wirkt es etwas mysteriös. Hat der Leser aber erst mal das Buch gelesen, so wird auch schnell die Verbindung zu Puppe und Feder klar. In einem Nachwort klärt der Autor noch kurz Fiktion und Wahrheit.

„Die Schatten von New Orleans“ ist ein weiterer historischer Roman von Oliver Becker. Gekonnt entführt er seine Leser diesmal in den Süden Nordamerikas. Er erzählt von Freundschaft, Liebe und Aberglauben. Die Geschichte von Cynthia Crane ist fesselnd und ungewöhnliche Wendungen sorgen hier für Spannung. Die Liebesgeschichte ist gut mit der Geschichte verwoben und birgt so manche Überraschung.

Note: 2+

Dübell, Richard: Zorn des Himmels

Zorn des Himmels CoverVerlag: Lübbe
erschienen:
2014
Seiten:
400
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3785725140

Klappentext:

Frankfurt, im Jahre des Herrn 1342. In der Ferne ballen sich dunkle Wolkentürme zusammen, Wetterleuchten erhellt den Himmel und Gerüchte von Überflutungen im Südosten des Reiches kursieren in den Straßen und Gassen der Stadt. Die junge Fährmannstochter Philippa ahnt nicht, dass der heranziehende Sturm ihr Leben für immer verändern wird. Sie verliebt sich in einen Mann – einen Mann, der einen Mordanschlag auf den Kaiser planen soll. Und während sich der Zorn des Himmels über Frankfurt entlädt und eine Katastrophe ohne Gleichen einläutet, muss Philippa eine Entscheidung treffen, die über Leben oder Sterben des Kaisers bestimmt …

Rezension:

Frankfurt im Jahre 1342, die Fährmannstochter Philippa rudert täglich auf den Main hinaus dabei ahnt sie nicht, was da auf sie und die Stadt zu kommt. Alles steht im Zeichen des Kaisers, der ein Treffen mit seinen Adligen plant. So nimmt keiner die drohenden Vorzeichen wahr die auf eine bevorstehende Katastrophe aufmerksam machen. An einem schwülwarmen Tag lernt sie dann einen geheimnisvollen Fremden kennen er weiß selbst nicht, wer er ist, hat sein Gedächtnis verloren und doch verliebt sich Philippa in ihn. Bald geht das Gerücht in der Stadt um, ein Ritter mit einem Mordauftrag an den Kaiser sei in der Stadt. Ob der Fremde was damit zu tun hat?

Richard Dübell hat sich im vorliegenden Roman ein historisches Ereignis vorgenommen, welches irgendwie untergegangen zu sein scheint. Das Magdalenenhochwasser zu Frankfurt im Jahre 1342 war mir unbekannt. Mit seinem facettenreichen Erzählstil schafft es der Autor mühelos, Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen. Die Vorzeichen der Katastrophe und das Ereignis selbst hat er so bildlich beschrieben als wäre es erst gerade geschehen. Etwas Auflockerung zum dramatischen Hintergrund schafft Dübell immer wieder mit seinen leicht sarkastischen Dialogen und so gibt es eben auch immer mal wieder etwas zum Schmunzeln.

Die Charaktere sind vielschichtig gestaltet und werden hier gut gezeichnet. Wobei nicht auf den ersten Blick zu sehen ist wer gehört zu den Guten und wer eher nicht. Die einzelnen Protagonisten haben alle ihren Platz in und um Frankfurt. Der Autor schildert aber nicht nur von dieser Katastrophe, sondern auch von dem Leben dieser Zeit und vor allem davon, was es für die Stadtbevölkerung bedeutet einen Kaiser Obdach zu gewähren. So wird dieses Großereignis ähnlich geschildert, als wenn heute ein Staatsbesuch an stünde.

Das Cover ist eher dunkel gehalten und zeigt eine Brücke, die über einen reisenden Fluss führt. Ein Cover, welches sehr gut zu der Geschichte zwischen den Buchdeckeln passt. Eine kleine Karte ist im Buchdeckel vorhanden, zu Beginn gibt es eine Übersetzung der alten Namen und auch ein Personenregister erleichtert den Überblick über die Protagonisten. Es zeigt, welche Charaktere hier historisch belegt sind und wer fiktiv. Am Ende klärt noch ein Nachwort kurz Fiktion und Wahrheit.

„Zorn des Himmels“ ist ein toller historischer Roman über ein geschichtliches Ereignis, welche die Landschaft rund um Frankfurt nachhaltig verändert hat. Es wird glaubhaft geschildert, wie sich diese Flutkatastrophe ereignet haben könnte und wie es den Menschen dabei ergangen ist. Die Protagonisten haben dabei ihre Ecken und Kanten und ihre kleinen Macken. Rein gut oder böse gibt es nicht und gerade das macht sie sympathisch, (auch der Auftragskiller hat seine guten Seiten).

Für Fans historischer Romane eine klare Buchempfehlung aber auch für andere, die gern mal etwas aus diesem Genre lesen möchten.

Note: 1

Weberg, Liv Marit: Zum Glück bemerkt mich niemand … dachte ich

Liv Marit Weberg CoverOriginaltitel: Jeg blir heldigvis ikke lagt merke til
Verlag:
Sauerländer
erschienen:
2015
Seiten:
224
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3737351708
Übersetzung:
Hinrich Schmidt-Henkel

Klappentext:

Was macht man, wenn man zum ersten Mal alleine wohnt, aber viel zu schüchtern ist, um mit der neuen Freiheit etwas anzufangen? Anne Lise versteckt sich erfolgreich in ihrem Schneckenhaus und lässt nicht einmal ihren Freund Tore so richtig an sich heran. Bis Tore genug davon hat und sie völlig entnervt verlässt. Bis sie ihren Studienplatz verliert. Und bis ihre Eltern ihr den Unterhalt streichen. Aber so ohne weiteres gibt Anne Lise nicht auf! Kurzerhand nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand und sucht sich einen Job. Und dabei wird Anne Lise bemerkt und gegen ihren Willen kennengelernt. Zum Glück!

Rezension:

Ich bin mir nun nach einigen Stunden immer noch nicht darüber im Klaren, was ich von diesem Buch halten soll. Das kleine schmale Bändchen, das zudem noch aus vielen kurzen Kapiteln besteht, dessen Seiten auch nicht immer ganz beschrieben sind, liest sich flott in 1-2 Mittagspausen. Für mich hat es aber nicht viel mit dem Klappentext zu tun.

Anne Lise empfand ich ehrlich gesagt als überhaupt nicht schüchtern. Wenn sie denn redet und mit anderen Leuten kommuniziert, dann sagt sie eigentlich das, was ihr in den Sinn kommt und macht sich auch wenig daraus, dass sie die Leute mit ihrer Eigentümlichkeit verwirrt. Sie ist zwar nicht gern mit anderen Menschen zusammen, aber für mich stellt sich das nicht als Folge von Schüchternheit dar. Anne Lise mag einfach keine anderen Menschen. Sie ist gerne für sich und würde wahrscheinlich niemals aus ihrer Komfortzone heraus treten, wenn das Leben sie nicht dazu zwingen würde.

So wirklich sympathisch war die Protagonistin mir nicht. Sie ist mehr als nur ein bisschen seltsam und auch das Verhalten ihrer Eltern ist merkwürdig. Haben sie die ganzen Jahre über nicht bemerkt, dass ihr Kind eine schwere soziologische Störung hat? Ich meine, ich spreche hier nicht von ein bisschen erröten oder rumstottern, sondern von einer jungen Frau, die sich von Nudeln und Haferflocken ernährt, um tagelang ihre winzige Pappschachtelwohnung nicht verlassen zu müssen.

Natürlich sind Anne Lises Gedankengänge manchmal schon ziemlich witzig. Meistens sind sie allerdings nur schräg und seltsam und ich habe sie des öfteren schütteln wollen, um ihr zu sagen, sie soll diese abstrusen Gedanken abschütteln. Ich meine, sie muss ja nicht zum Partygirl mutieren. Sie kann ja durchaus der eigenbrödlerische Typ bleiben, der lieber mit sich alleine ist. Von dieser Sorte Mensch gibt es auch in der heutigen Zeit genügend. Aber Anne Lise ist so viel mehr. Sie ist gefangen in einer Welt voller abstruser Ideen und Einfälle und ich habe sie einfach nicht verstanden. Tatsächlich kann ich sogar nachvollziehen, dass die ein oder andere Nebenfigur sie für zurückgeblieben hält, denn nicht gerade selten, gibt sie ganz schön bescheuerte Antworten auf normale Fragen.

Es gibt Romane, in denen es die Autoren schaffen solche Außenseiter treffend darzustellen. Liv Marit Weberg treibt es mit ihrer Protagonistin jedoch auf die Spitze und tut sich damit keinen Gefallen. Die an sich nette kleine Geschichte über ein Mädchen, dass ihren Platz im Leben eigentlich gar nicht sucht, ihn dann am Ende aber doch ansatzweise findet, leidet an mangelhafter Glaubwürdigkeit. Ich befürchte mit so jemanden wie Anne Lise kann sich selbst der zurückgezogenste Leser kaum identifizieren.

Dennoch hat der Roman sprachlich etwas ganz Eigenes. Webergs spröde, manchmal abgehackte Sprache, passt perfekt zur Figur und zur Handlung und hat mich dann schon beeindruckt. Auch das Cover ist wunderschön und sehr auffallend, suggeriert jedoch eine Leichtigkeit, die sich zwischen den Seiten dann nicht finden lässt.

Note: 3

Cass, Kiera: Selection – Die Elite

Selection - Die Elite - CoverBand 2 Selection Serie

Originaltitel: Selection – The Elite
Verlag:
Sauerländer
erschienen:
2014
Seiten:
378
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
9783737362429
Übersetzung:
Susann Friedrich

Klappentext:

Von den 35 Mädchen, die um die Gunst von Prinz Maxon und die Krone von Illeá kämpfen, sind mittlerweile nur noch 6 übrig. America ist eine von ihnen, und sie ist hin- und hergerissen: Gehört ihr Herz nicht immer noch ihrer großen Liebe Aspen? Aber warum hat sich dann der charmante, gefühlvolle Prinz hineingeschlichen? America muss die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen. Doch dann kommt es zu einem schrecklichen Vorfall, der alles ändert.

Rezension:

Der zweite Band der Selection Serie ist definitiv um einiges spannender als sein Vorgänger. Besonders im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse und es gibt ein paar unvorhergesehene Wendungen. Allerdings tritt auch das ein, was ich nach dem Ende von Band 1 schon befürchtet hatte. Die Dreiecksgeschichte zwischen America, Maxon und Aspen wird zum Nervfaktor.

America kann sich nicht entscheiden und wird nicht müde, sich wie ein Fähnchen im Wind zu drehen. Mal ist Aspen ihr Anker in der intriganten Welt des Königshauses, mal bezaubert sie der feinfühlige Prinz, der allerdings auch andauernd kläglich mit dem Hintern das einreißt, was er sich vorne aufgebaut hat. Manchmal hätte ich ihn schütteln können. Einer gewissen Komik entbehrt es auch nicht, dass America sich Maxons Gefühle nicht sicher ist, weil er mit den verbliebenen Kandidatinnen ebenfalls flirtet, während er sich ihrer Gefühle nicht sicher ist, weil sie zögert und er deswegen schauen muss, ob eine andere Kandidatin nicht auch in Frage kommt. Und sie zögert, weil… ein Teufelskreis.

Dafür macht America eine wirklich erstaunliche Entwicklung durch. Sie steht für die Dinge ein, die ihr wichtig sind, ohne auf die Konsequenzen zu achten. Das bringt sie in „Die Elite“ zwar in große Schwierigkeiten und das Casting ist nicht mehr nur das hübsche Geplänkel wie zum Start der Reihe, aber es macht das Ganze auch realer und fassbarer. Einzelne Schicksale zeigen, wie hart die Welt in Illeá wirklich ist.

Es gibt auch deutlich mehr rätselhafte Angriffe der Rebellen. Es bleibt verborgen, was diese Menschen überhaupt wollen, auch wenn America vermutet, dass sie etwas im Palast suchen. Auch wenn die Angriffe heftiger werden, hätte ich mir hier allerdings ein bisschen mehr Eindrücklichkeit gewünscht. Zwar gibt es am Ende sogar mal ein paar tote Wachen oder Bedienstete, aber gefühlt, wird doch alles wieder in fünf Minuten aufgeräumt und schon geht es wieder ans Haare richten und Kleidchen anziehen. Obwohl alle bei Beginn der Überfälle immer panisch in irgendwelche Schutzkammern fliehen, nimmt die Autorin ihnen mit der lapidaren Art diese Geschehnisse danach wegzuwischen,  die Wucht. Sie verschenkt einfach unnötig dramatisches Potential. Dabei kann sie es, wie eine Schlüsselszene in der Mitte des Buches zeigt, als eine Kandidatin bestraft wird.

Am Ende gibt es dann eine Enthüllung in Bezug auf Prinz Maxon, die ich so nicht vermutet hätte, die ich leider aber auch etwas unverständlich finde. Allerdings bietet die Wendung jede Menge Zündstoff für den nächsten Band, in dem sich Americas Schicksal dann endlich entscheiden soll.

Note: 2-

Cass, Kiera: Selection

Kiera Cass Selection CoverBand 1 Selection Serie

Originaltitel: The Selection
Verlag:
Sauerländer
erschienen:
2013
Seiten:
368
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3737361886
Übersetzung:
Angela Stein

Klappentext:

35 perfekte Mädchen – und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe?

Rezension:

Der erste Band der Selection Reihe von Kiera Cass punktet erst einmal mit einem wirklich bezaubernden Cover. Definitiv ein Eyecatcher, der im Buchladen oder in der Verlagsvorschau auffällt. Der Klappentext hingegen lässt auf eine Mischung aus „The Bacchelor“ und Zickenkrieg á la „Germanys Next Topmodel“ vermuten, doch dann ist das Buch Gott sei Dank ganz anders.

Zickenkrieg gibt es bis auf ein paar böse Blicke und die obligatorische doofe Schreckschraube (Celeste), die jedoch kaum in Erscheinung tritt, glücklicherweise nicht, wobei ich auch schon Rezensionen gelesen habe, wo dies den Lesern gerade nicht geschmeckt hat. Zu brav war ihnen der Kampf um Prinz Maxon. Mich regt unnötiges „Augenauskratzen“, welches nur das Buch auffüllen soll, immer eher auf und so war ich froh, dass der Autorin andere Dinge wichtiger waren.

Gut, America Singer ist vielleicht ein bisschen zu perfekt. Sie ist hübsch, klug und ehrlich, was sie das ein oder andere Mal in Schwierigkeiten bringt, sie aber auch authentisch wirken lässt, was nicht nur dem Volk, sondern auch dem Prinzen gut gefällt. In der oberflächlichen katzbuckelnden Welt der Adeligen, kommt jemand, der einem ziemlich deutlich die Meinung sagt, schon mal erfrischend anders vor. Dennoch übertreibt es Cass mit ihrer Protagonistin nicht. Sie ist kein ungezogenes Gör und merkt auch, wenn sie schweigen muss, weil sie sonst jemanden verletzt. Auch ihre Beweggründe, warum sie überhaupt an dieser Farce teilnimmt, sind verständlich. Garantiert sie mit ihrer Teilnahme ihrer Familie, die einer niedrigen Kaste angehört, ein besseres Leben.

Das mit den Kasten klingt tatsächlich ein bisschen nach den Distrikten aus „Die Tribute von Panem“ und es gibt sogar ein Capitol, aber mich haben ein paar kleine Ähnlichkeiten nicht gestört. America ist nicht Katniss und Illeá ist nicht Panem. Zumindest im ersten Band wirkt auch alles recht fröhlich und obwohl ich vermute, dass in den nächsten Bänden noch der Kampf mit den Rebellen an Bedeutung gewinnt, ist die Stimmung einfach eine ganz andere.

Ein bisschen Magengrummeln bescherrt mir die Dreiecksgeschichte zwischen America, Maxon und Aspen und ich hoffe, dass Kiera Cass dieses Thema nicht über Gebühr in den nächsten Bänden ausschlachten wird. Auch wenn man versucht ist, dem ärmlichen Aspen seine Stimme zu geben, kann ich ehrlich gesagt nicht viel mit ihm anfangen und der Prinz erscheint mir der interessantere Charakter zu sein. Anfang ein bisschen nervig mit seinem gestelzten unverbindlichen Getue und dem wenig männlichen Gekichere (vielleicht liegt’s aber auch an der Übersetzung?), lässt die Handlung jedoch nach und nach durchblicken, dass sich hinter dem Aushängeschild des Königshauses ein Mensch aus Fleisch und Blut verbirgt. Maxon ist mitfühlend und freundlich und er scheint nicht sehr viel von den Menschen die vor den Toren des Palastes teilweise ein karges Leben führen muss, zu wissen. Erst America öffnet ihm die Augen und seine Reaktion zeigt sehr deutlich, dass er ein gutes Herz hat.

Ja, nachdem ich eigentlich anfangs gar keine Meinung zu dem glattgebügelten Kerl hatte, begann Maxon mir doch zugefallen und ich bin mir sicher, dass in seiner Figur noch jede Menge Potential steckt. Überhaupt gilt dies auch für die ganze Handlung. „Selection“ scheint fast so eine Art Einführung in die Trilogie zu sein, denn so richtig viel passiert eigentlich nicht. Dennoch lässt sich dieses Jugendbuch so locker flockig weglesen, dass ich froh, dass ich den zweiten Band schon im Bücherregal stehen hatte und direkt weiterlesen konnte.

Note: 2-