[http://www.youtube.com/watch?v=YnaqypyJDHs]
Ich gestehe, ich habe schon ein bisschen Schnappatmung. Der Trailer sieht hinreißend aus!!
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Ich gestehe, ich habe schon ein bisschen Schnappatmung. Der Trailer sieht hinreißend aus!!
Band 1 Crossfire Serie
Originaltitel: Bared to you
Verlag: Heyne
erschienen: 2013
Seiten: 416
Ausgabe: Taschenbuch
ISBN: 3453545583
Übersetzung: Eva Malsch & Nicole Hölsken
Klappentext:
Die Uniabsolventin Eva Tramell tritt ihren ersten Job in einer New Yorker Werbeagentur an. An ihrem ersten Arbeitstag stößt sie in der Lobby des imposanten Crossfire-Buildings mit Gideon Cross zusammen – dem Inhaber. Er ist mächtig, attraktiv und sehr dominant. Eva fühlt sich wie magisch von ihm angezogen, spürt aber instinktiv, dass sie von Gideon besser die Finger lassen sollte. Aber er will sie – ganz und gar und zu seinen Bedingungen. Eva kann nicht anders, als ihrem Verlangen nachzugeben. Sie lässt sich auf ein Spiel ein, das immer ernster wird, und entdeckt ihre dunkelsten Sehnsüchte und geheimsten Fantasien.
Rezension:
Nach dem Klappentext möchte man aufschreien und rufen… nein… bitte.. nicht noch mal „Shades of Grey“ mit neuen Namen und noch blöderen Erotikszenen und lächerlichem Blabla drumrum. Aber ich wollte es dann doch mal probieren, weil einige Rezensionen so übel nicht klangen. Tatsächlich bin ich vom ersten Band der Serie (ehemals Trilogie, aber nun kommt wohl doch noch ein vierter Band) positiv überrascht. Frau Day hat nämlich einigen ihrer Kolleginen etwas vorraus. Sie kann schreiben!
Natürlich ist „Versuchung“ in erster Linie ein Erotikroman und Sex bekommt man auch zuhauf geboten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ich bekomme eben das, was drauf steht, aber die Autorin lässt sich immer etwas neues einfallen und so sind die Erotikszenen tatsächlich sehr abwechslungsreich und heiß. Natürlich gibt es auch hier die ein oder andere Szene, wo die normalsterbliche Frau sich fragt, wann Protagonist und Protagonistin denn mal ihrem Broterwerb nachgehen oder den Kühlschrank füllen. Eigentlich bleibt doch neben dem Klamotten vom Leib reißen (wenn darauf überhaupt gewartet wird), kaum noch Zeit für andere Dinge des Lebens.
Aber wie gesagt, wenn ich einen Thriller lese, darf ich mich auch nicht beschweren, dass einer umgebracht wird. Neben jeder Menge Fleischbeschau gibt es jedoch durchaus noch eine Handlung und vor allen Dingen zumindest im ersten Band meist glaubwürdige Figuren. Die Autorin verzichtet auch auf das momentan so übliche kleine graue Mäuschen, dem vom reichen potenten Typen erstmal gezeigt wird, wo der Hammer hängt. Stattdessen sind sich Eva und Gideon ebenbürtig. Sie ist weder naiv, noch arm, noch unerfahren. Natürlich überstrahlt Gideon Liebesroman-typisch alles in Bezug auf Reichtum und Charme. Aber es ist nicht so offensichtlich und übertrieben, wie in anderen Romanen dieses Genres.
Etwas mühsam ist auch in „Versuchung“ die Vergangenheit des Liebespaares. Bei Sylvia Day haben nämlich gleiche beide ihr ganz spezielles Päckchen zu tragen, wobei diese Probleme natürlich lange Zeit sehr schwammig bleiben. Die Aufarbeitung von Evas Schicksal ist dann für mich auch der größte Kritikpunkt. Ich möchte hier nicht vorweggreifen, aber als sie Gideon offenbart, was ihr passiert ist, fällt den beiden nichts anderes ein als… genau… übereinander herzufallen. Jede misshandelte Frau wird in diesem Moment wohl das Buch an die Wand schleudern wollen. Überhaupt ist es doch höchst zweifelhaft, wie die Autorin mit dem Thema Vergewaltigung und Misshandlung umgeht. Da werden Taten verschleiert und klein geredet, um den Anschein von Normalität zu wahren.
Auch die überbordende Schönheit aller Beteiligten ist typisch und gerade deswegen leider langweilig. Sicher, in einem Erotikroman möchte man vielleicht nichts von Bierbäuchen und hängenden Brüsten lesen, aber muss es denn immer Mister Universe und das Playmate des Jahres sein? Wenn man sich zudem die Autorinnen hinter den momentanen Erotikbestsellern wie „Crossfire“ und „Shades of Grey“ mal anschaut, sind diese eher in Sachen Sahnetorte unterwegs und nicht wie Eva beim Kampfsport. Das soll natürlich nicht heißen, dass füllige Autorinnen nicht über schlanke Charaktere schreiben dürfen, aber bei der momentanen Erotikwelle würde ich doch erwarten, dass sich endlich einmal eine Autorin der Realität nähert. Von ach so gefährlichen bösen Buben und überirdisch schönen Damen haben wir doch eigentlich jetzt genug gelesen.
Die Nebenfiguren fallen im Vergleich zu Eva und Gideon doch ziemlich ab. Evas Kollegen sind warmherzige Quotenschwule, bei Gideon gibt es kaum Bezugspersonen, was aber wohl so auch beabsichtigt ist, um seine Persönlichkeit zu unterstreichen. Etwas mehr Mühe hat sich Sylvia Day hingegen bei Evas Mitbewohner und bestem Freund Cary gegeben. Er taugt zwar meiner Meinung nach nicht als Sympathiefigur, weil seine merkwürdige Persönlichkeit dazu führt, sich gegenüber jedem außer Eva wie ein Arschloch zu benehmen, aber seine komischen Macken und Allüren lassen ihn undurchschaubar wirken. Ich konnte ihn jedenfalls bis zum Schluss nicht wirklich einordnen.
Hier klingen nun einige Dinge sehr negativ und ich möchte diese Details auch nicht schönreden, aber irgendwas hatte der Roman trotzdem etwas, so dass ich ihn zügig und gerne gelesen habe. Sylvia Day pflegt einen schönen Schreibstil. Ihre Erotikszenen sind zwar teilweise sehr plastisch und durchaus auch in den Dialogen roh, aber das drumherum ist wirklich sehr schwungvoll und gut geschrieben. Der Roman wird aus der Perspektive von Eva geschildert, was ihn unmittelbarer erscheinen lässt. Allerdings will ich auch hier nicht verheimlichen, dass Evas Gedanken in Bezug auf Gideon manchmal auch ein wenig nervend und übertrieben sind. Insgesamt ist es jedoch mein deutlich nettester Ausflug in die momentane Erotikliteratur.
Mich würde abschließend übrigens mal interessieren, ob Evas Nachname Tramell eine Hommage an Sharon Stones Figur aus „Basic Instinct“ ist.
Note: 3+
Band 1 Rush of Love Trilogie
Originaltitel: The Hunger Games
Verlag: Piper
erschienen: 2013
Seiten: 240
Ausgabe: Taschenbuch
ISBN: 3492304389
Übersetzung: Heidi Lichtblau
Klappentext:
Sie ist seine Stiefschwester. Sie ist jung und unschuldig. Für Rush Finlay ist sie aber vor allem eines: verboten verführerisch. Nach dem Tod der Mutter verlässt Blaire ihr Zuhause, um bei ihrem Vater und dessen neuer Familie in einem luxuriösen Strandhaus zu leben. Vor allem ihr attraktiver Stiefbruder Rush lässt sie jedoch immer wieder spüren, dass sie nicht willkommen ist. Er ist so abweisend wie anziehend, so verletzend wie faszinierend, er ist verwirrend und unwiderstehlich – und er kennt ein Geheimnis, das Blaires Herz mit einem Schlag für immer brechen könnte.
Rezension:
Auf mehreren Blogs habe ich von Abbi Glines gelesen und natürlich vom neuen Genre New-Adult, in dem es vorrangig darum geht, dass junge Erwachsene ihren Weg finden (Studium, Beruf, Beziehung, etc.). In „Verführt“ findet Rush allerdings nur eines und zwar den Weg in Blaires Höschen.
Ganz ehrlich Mädels, ich verstehe es nicht und mich lassen die vielen positiven Rezensionen auf anderen Blogs oder amazon wirklich sprachlos zurück. Der erste Band der „Rush of Love“ Trilogie hat eigentlich nichts. Keine nennenswerte Handlung, keine sympathischen oder interessanten Figuren. Dafür jede Menge billigen Sex, billige Figuren (Blaires Arbeitskollegin ein Flittchen zu nennen, ist noch freundlich), billige Effekthascherei (die Wendung am Ende) und vor allen Dingen Unmengen von Logikfehlern.
Fangen wir mit letzterem an. Blaire wohnt bei ihrem Stiefbruder in einem riesenhaften Haus. Ihr Vater ist aber gerade mit ihrer Stiefmutter in Paris und sie wird nur geduldet. Zu Essen bekommt sie keins, weswegen sie sich mit Erdnussbutter-Sandwiches in ihrem Zimmer behelfen muss. Das arme Aschenputtel … Als sie schließlich einen Job als Kellnerin auf einem Goldplatz ergattert, bekommt sie direkt mehrere hundert Dollar Trinkgeld an nur wenigen Tagen. Hat seltsamerweise aber kein Geld, um ihre Spritschulden zu bezahlen. Das alles geht im Laufe des Buches so weiter.
Blaire selbst hat zwar ein durchaus berührendes schweres Schicksal mit ihrer gerade an Krebs verstorbenen Mutter, die sie ganz alleine pflegen musste, aber ansonsten fragt man sich, wieso das Mädchen sich in kaum vorhandene Klamotten wirft, als Schönheit beschrieben und wie ein Sexobjekt behandelt wird, sich aber selbst unattraktiv und graumäusig findet.
Und dann natürlich Rush. Der sich die meiste Zeit wie ein Arschloch benimmt und sich mannhaft versucht gegen die Anziehung zu Blaire zu wehren, um dann nach der Hälfte des Buches natürlich doch mit ihr im Bett zu landen. Viel Handlung gibt es danach nicht mehr, weil natürlich lassen sich mit total lächerlichen und unrealistischen Sexszenen schneller Seiten füllen.
Womit wir direkt beim nächsten Kritikpunkt wehren. Erotik? Bitte, kein Problem, aber doch dann nicht so, dass man die ganze Zeit vor lauter Peinlichkeit lachen muss. Die natürlich jungfräuliche Heldin hat anscheinend schon ein paar Erotik-VHS Kurse belegt, denn ansonsten lässt sich ihr Verhalten nicht erklären. Da die meist guten Rezensionen eher von jüngeren Leserinnen stammen, muss hier die vorsichtige Frage erlaubt sein, ob da mangels eigener Erfahrung alles geglaubt wird. Eine Frage, die sich bei vielen der momentanen Erotikromane, die offensichtlich ein zu meist jüngeres Publium ansprechen, stellt. Die Enttäuschung dürfte jedenfalls im wahren Leben groß sein, wenn sich der Bad Boy, dann nicht als handzahmes Hündchen entpuppt, der sich nur hinter einer harten Fassade versteckt, sondern tatsächlich einfach nur ein Arsch ist.
Als absolute Frechheit empfinde ich den Schluss, wo schließlich Rushs und im Prinzip auch Blaires großes Geheimnis offenbart wird. Mein lieber Herr Gesangsverein! Mehr verwurschtelte Verwandtschaftsverhältnisse, Intrigen und an den Haaren herbeigezogende konstruierte Dinge sind Frau Glines nicht eingefallen?
Das einzige positive ist, dass sich „Verführt“ wegliest wie nix. Die 240 Seiten sind nett geschrieben und lesen sich ob der Inhaltlosigkeit innerhalb eines Nachmittags. Wie es mit Rush und Blaire weitergeht, erfahren die Leser in zwei weiteren Bänden. Leider wird mir da eine Bildungslücke entstehen.
Note: 5
Ich hoffe, Ihr hattet alle schöne Weihnachten und habt vielleicht auch ein paar Bücher geschenkt bekommen. Meine Ausbeute ist (inklusive Geburtstag einen Tag nach Weihnachten) mit 9 Büchern gar nicht mal so übel. ;-)
Lasst Ihr Euch Bücher schenken und macht Ihr dann eine genaue Wunschliste oder lasst Ihr Euch überraschen?
Ich bin da ehrlich gesagt schon sehr präzise, weil bei mir erstens die Gefahr eines Doppelkaufs gegeben ist und ich auch niemand bin, der sich gerne die Bestsellerliste schenken lässt. Denn seien wir mal ganz ehrlich, diese Bücher werden an Weihnachten am meisten verschenkt. Aber ich brauche weder den neuen Dan Brown, noch die neuesten Bände von Jussi Adler Olsen oder Jo Nesbo, weil diese nicht so meine Baustelle sind.
Also schreibe ich jedes Jahr einen Wunschzettel für meine Familie. Der wird zwar natürlich nicht strikt befolgt und ich werde trotzdem mit Dingen überrascht, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte, aber in Sachen Bücher wird sich dann glücklicherweise doch dran gehalten.
Dieses Jahr war es eine Mischung aus Fantasy, Young Adult und historischen Romanen und einem Sachbuch über „Frauen und Bücher“ von Stefan Bomann. „Die Rebellin von Shanghai“ von Tereza Vanek ist die Fortsetzung zu ihrem Buch „Das Geheimnis der Jaderinge“, welches ich gerade lese und von dem ich sehr angetan bin. Die Romane sind wie das ebenfalls geschenkt bekommende „Die Wikingersklavin“ von Sabine Wassermann aus dem Bookspot Verlag, der sich langsam aber sicher zu einem meiner Lieblingsverlage in Bezug auf historische Romane mausert. Tolle Cover, außergewöhnliche Geschichten abseits von wandernden Huren und Hebammen und auch eine sehr gute haptische Qualität (Einband, Papier).
Mit „Sternenstaub“ habe ich außerdem den Abschlussband der Young-Adult Trilogie von Kim Winter bekommen und werde diese dann am Stück lesen (Band 1 wäre dann allerdings ein Re-Read). Auf Sandra Worth und Nancy Bilyeau bin ich bei meinen Recherchen zu Romanen über englische Geschichte gestoßen. Ich habe ja durchaus eine Schwäche für die Tudorzeit, aber auch für die Rosenkriege.
Und was lagen bei Euch für Bücher auf dem Gabentisch?
Verlag: Rowohlt
erschienen: 2013
Seiten: 272
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 3498064932
Klappentext:
Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverständnis erschüttert: Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film «Schindlers Liste» ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt. Seine Lebensgefährtin Ruth Irene, Jennifer Teeges geliebte Großmutter, begeht 1983 Selbstmord. Jennifer Teege ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Sie wurde bei Adoptiveltern groß und hat danach in Israel studiert.
Jetzt ist sie mit einem Familiengeheimnis konfrontiert, das sie nicht mehr ruhen lässt. Wie kann sie ihren jüdischen Freunden noch unter die Augen treten? Und was soll sie ihren eigenen Kindern erzählen? Jennifer Teege beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit. Sie trifft ihre Mutter wieder, die sie viele Jahre nicht gesehen hat. Gemeinsam mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert sie ihre Familiengeschichte, sucht die Orte der Vergangenheit noch einmal auf, reist nach Israel und nach Polen. Schritt für Schritt wird aus dem Schock über die Abgründe der eigenen Familie die Geschichte einer Befreiung.
Rezension:
Manchmal hat es große Vorteile in einem Buchladen zu arbeiten. Eines Abends kurz vor Ladenschluss (damals stand das Buch noch nicht auf der Bestsellerliste), zog es mich irgendwie hin und ich habe die ersten Seiten angelesen. . Ich bin keine große Fernsehschauerin und habe deswegen keine der Talkshow-Auftritte der Autorin mitbekommen. Von daher war sie mir als Person und auch ihre Geschichte vollkommen unbekannt. Am nächsten Tag habe ich das Buch dann gekauft und es nicht bereut.
Mit Autobiographien ist das ja oft so eine Sache. Oft sind sie inhaltlich interessant, weil sie Außergewöhnliches erzählen (sieht man mal von Autobiographien von Stars und Sternchen ab, die nur zur Selbstbeweihräucherungszwecken oder für Publicity veröffentlicht werden), aber leider stilitisch nicht besonders gehaltvoll. Denn nicht jeder, der etwas zu erzählen hat, ist ein guter Autor. Bei Jennifer Teege ist dies glücklicherweise der Fall.
Ihre Geschichte ist natürlich im ersten Augenblick schockierend. Der Gedanke durch Zufall zu erfahren, dass sein Großvater ein Sadist und Verbrecher gewesen ist, dürfte niemanden kalt lassen, aber es ist besonders Jennifers Eindringlichkeit und ihre Offenheit uns an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben zu lassen, die dieses Buch so außergewöhnlich macht.
Zwischendurch gibt es immer wieder Einschübe der Co-Autorin und Journalistin Nikola Sellmair, die dem Leser nötige Hintergrundinformationen zu den historischen Gegebenheiten und Persönlichkeiten liefert. Wer z.B. Amon Göth nur aus „Schindlers Liste“ kennt und sich nicht mit seiner Biographie auskennt, wird wichtige Details erfahren, die Jennifers Geschichte tiefer wirken lassen. Einige Leser werden diese Einschübe vielleicht als störend empfinden, weil sie den Lesefluss unterbrechen. Ich halte die Informationen aber als zu wichtig und habe es zudem als angenehm gefunden, zwischendurch mal etwas Luft holen zu können, denn es ist auf jeden Fall etwas anderes, ob man etwas nüchtern und sachlich vermittelt bekommt, oder dabei zusehen muss, wie jemand wirklich betroffen ist.
Der Holocaust ist und wird wohl immer in Deutschland ein großes Thema sein und immer wieder gibt es Diskussionen darüber, ob unsere Generation überhaupt noch etwas damit zu tun hat und sich verantwortlich fühlen sollte. Diese Frage ist jedoch unglaublich schwer zu beantworten, wenn man ein Nachkomme einer der Täter war. Jennifer Teege macht auf verschiedene Arten deutlich, wie in der Nachkriegsgeneration mit der Schuld umgegangen wurde. Gerade wie ihre Großmutter die Sache mehr oder weniger verdrängt oder gar verneint hat, ist erschreckend. Die Frage ist auch, in wie vielen Familien es Täter gegeben hat und dies totgewschwiegen wurde, so dass heute die Familien gar nicht genau wissen, welche Vergangenheit sie haben.
Jennifer selbst hatte ohnehin eine schwere Kindheit (Kinderheim, Adoption, etc.), aber auch immer das Gefühl, dass es da etwas gibt, was sie nicht fassen kann. Ob daher auch ihre Depressionen stammen, wird zwar nicht explizit gesagt, aber angedeutet. Wenn man berücksichtigt, welche Entwicklung Jennifer im Laufe des Buches durch macht und wie sie ihre Vergangenheit aufarbeitet, liegt jedoch der Gedanke nahe, dass daran etwas wahres dran ist. Es lässt sich immer leicht sagen, dass man mit den Geschehnissen von damals nichts zu tun hat, aber wenn man selbst betroffen ist, ist es wohl mit dem „das hat mit mir doch nichts mehr zu tun“ vorbei.
Für mich war es auch faszinierend, wie stark diese Dinge Jennifers Leben beeinflusst haben, bevor sie überhaupt etwas davon wusste. Das Schweigen und die Lügen um sie herum, haben sie nachhaltig geprägt und sie Selbstbewusstsein und Gesundheit gekostet. Letztlich enthält dieses Buch trotz allem auch sehr viel Mut und Hoffnung, denn wie Jennifer diese Dinge verarbeitet und gestärkt daraus hervor geht, ist aller Ehren wert.
Note: 1