Miller, Jax: Freedom’s Child

Originaltitel: Freedom’s Child
Verlag:
Rowohlt Polaris
erschienen:
2015
Seiten:
363
Ausgabe:
Klappenbroschur
ISBN:
3499269759
Übersetzung:
Jan Schönherr

Klappentext:

Sie raucht, sie flucht, sie trinkt. Und lässt sich von niemandem was sagen. Jeder in der Stadt schätzt – oder fürchtet – Freedom Oliver. Keiner kennt ihren wahren Namen, ihr altes Leben: ausgelöscht. Das Leben, in dem sie ihren Mann erschoss, den Schwager ans Messer lieferte und ihre Kinder verlor. Das Leben, das sie für das Zeugenschutzprogramm hinter sich ließ. Nur spät in der Nacht verfolgt Freedom per Facebook, wie Mason und Rebekah erwachsen werden.

Und dann kommt der Tag. Der Tag, an dem ihre Feinde Rache schwören. An dem Rebekah verschwindet. Und Freedom weiß: Sie kann sich nicht länger verstecken, sie muss handeln …

Rezension:

Das Buch beginnt mit einem zweiseitigen Prolog, der zeitlich nach dem finalen Showdown angesiedelt ist. Er beginnt mit dem Satz „Mein Name ist Freedom Child, und ich habe meine Tochter getötet.“ Nach diesem Satz und den folgenden zwei Seiten war mir klar, dass dieser Thriller keine leichte Lektüre ist, aber ich war nicht im mindesten auf das gefasst, was da auf mich zukam.

Freedom ist wie ein Faustschlag ins Gesicht. Sie flucht, säuft und schlägt lieber gleich zu, ohne lange Vorrede. Doch hinter dieser harten Fassade verbirgt sich eine gequälte Seele. Sie ist so kaputt, dass ich mich beim Lesen immer wieder gefragt habe, ob sie jemals in ein „normales“ Leben mit Familie und Freunden zurückkehren kann.

Doch wie wurde sie zu diesem Menschen? Hat sie tatsächlich ihren Mann getötet, wie es die Cops vom Zeugenschutzprogramm behaupten. Und warum hat sie keinen Kontakt zu ihren Kindern, die getrennt von ihr aufgewachsen sind. Nach und nach erfährt man ihre Vorgeschichte, in der Matthew, wegen dem sie im Zeugenschutzprogramm ist, eine große Rolle spielt. Als dieser vorzeitig aus der Haft entlassen wird hat er nur ein Ziel: Freedom zu finden.

Ich hatte das Gefühl zu wissen, wie die Handlung verlaufen wird. Aber da habe ich mich geirrt, denn die Autorin hat jede Menge erschreckende und überraschende Wendungen auf Lager und vor dem Leser enthüllt sich nach und nach Freedoms traurige und ungeheuerliche Vergangenheit und es offenbart sich ein Geflecht von Verbindungen. Wie ein roter Faden zieht sich die Liebe zu ihren Kindern, die sie seit 20 Jahren nicht gesehen hat,  durch das Buch. Für deren Sicherheit würde sie alles tun, und von dieser Liebe wurde und wird ihr Handeln bestimmt.

Geschildert wird das Geschehen in verschiedenen Handlungssträngen, die sich auf einige Personen verteilen. Gekonnt wechselt die Autorin den Grundton, je nachdem wer gerade im Fokus steht. Besonders gut hat mir gefallen, dass sie die schlimmsten Grausamkeiten schildert, ohne sich in grausig detaillierten Schilderungen zu verlieren.

Hier geht es um Gewalt, Scheinheiligkeit und Begehren und Blut und Alkohol fließen in Strömen. Es wird deutlich, dass das Böse ganz unterschiedliche Gesichter haben kann. Zum Glück gibt es ab und zu zwischendurch Lichtblicke und gute Menschen, die für ein paar entspannte Lesemomente sorgen und genau wie Freedom kommt man als Leser etwas zur Ruhe, bevor es wieder voller Anspannung und Action weitergeht.

Ist das Geschehen immer glaubwürdig? =>Nein!
Wird hier spannungsgeladene Unterhaltung voller Action geboten? => Ja!

Fazit: Ein spannender Thriller mit einer ungewöhnlichen Heldin.

Note: 2+

Cain, Chelsea: K – Kidnapped

Band 1 Kick Lannigan Serie

Originaltitel: One Kick
Verlag:
Blanvalet
erschienen:
2015
Seiten:
384
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3734100410
Übersetzung:
Lilith Winter

Klappentext:

Als sechsjähriges Mädchen gekidnapped, fünf Jahre später befreit – ganz Amerika verfolgte damals den Entführungsfall der Kick Lannigan. Jetzt ist Kick einundzwanzig. Geübt in Kampfsportarten und auf dem Schießplatz, hat sie sich ein Leben aufgebaut, in dem sie sich sicher fühlt. Bis ein Mann namens John Bishop ungebeten in ihrer Wohnung auftaucht. Bishop spürt vermisste Kinder auf. Er ist überzeugt, dass nur Kick ihm in seinem aktuellen Fall helfen kann, und er akzeptiert kein Nein als Antwort. Doch um die entführten Kinder zu retten, muss Kick eine Reise in ihre eigene dunkle Vergangenheit wagen – eine Reise, die tödliche Gefahren birgt …

Rezension:

Ich gehöre zu wenigen Lesern, die Chelsea Cain nicht aufgrund ihrer erfolgreichen Gretchen-Reihe kennen, weswegen ich den Beginn ihrer neuen Serie nicht mit dieser vergleichen kann. Ich hatte also keinerlei Erwartungen, bis auf den interessanten Klappentext, der mich in der Verlagsvorschau sofort angesprochen hat.

Der Prolog hat mich dann ziemlich umgehauen. Das kleine hilflose Mädchen, welches von ihrer Befreiung berichtet, als würde man sie von ihrer geliebten Familie wegzerren. Etwas Angst schimmert durch, aber auch jede Menge Mut. Besonders die Sprache hat mir hier gefallen. Irgendwie ein bisschen unterkühlt, so als würde sich Kick verschließen. Vielleicht, weil sie doch immer gespürt hat, dass etwas mit ihrem „Zuhause“ nicht stimmt.

Die Sprache ist etwas, was mir auch im weiteren Verlauf des Romans richtig gut gefallen hat. Cain schreibt irgendwie eckig, kantig, ohne Gefühlsduselei und gibt der Handlung damit eine rohe Umittelbarkeit. Das führt dazu, dass Kick sich unberechenbar verhält, weil sie den Leser oft außen vor lässt. Das ist aber nicht so, weil die Autorin keine Lust hat, die Gefühle der Protagonistin dem Leser eindrücklich genug wiederzugeben, sondern es ist ein Stilmittel, um ihren gebrochenen Charakter zu zeigen.

So weit, so eigentlich empfehlenswert. Leider hat mich der Fall um die enführten Kinder überhaupt nicht überzeugt. Tatsächlich passiert einfach auch viel zu wenig und zu viele Seiten werden für Kicks Vergangenheitsbewältigung gebraucht. Dagegen ist nichts zu sagen, hat aber dann nun mal wenig mit einem packenden Thriller zu tun.

Ich werde der Reihe jedoch definitiv eine zweite Chance geben, weil ich Kick irgendwie faszinierend finde und mir Cains Schreibe unglaublich gut gefällt. Für Leser, die Romanpersonal brauchen, mit denen sie sich identifzieren können oder die gar eine Sympathiefigur brauchen, dürfte „K – Kidnapped“ eine Enttäuschung sein, denn die Autorin gehört anscheinend nicht zu der Sorte, die ihren Lesern gern das Händchen hält.

Note: 3+

Benkau, Jennifer: Mit Rosen bedacht

Verlag: Lübbe
erschienen:
2015
Seiten:
320
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3431039154

Klappentext:

Ein Unfall zerstört Wandas heile Welt: Ihr Verlobter, den sie in wenigen Tagen heiraten wollte, wird schwer verletzt und fällt ins Koma. Niemand weiß, ob er je wieder aufwachen wird. Als Wanda versucht, Karims Angelegenheiten zu regeln, stößt sie auf immer mehr Ungereimtheiten in seinem Leben. Tiefer und tiefer dringt sie in ein Netz aus Lügen und Geheimnissen vor, bis sie sich fragen muss: Wer ist Karim wirklich? Hat sie ihren Geliebten je gekannt? Schließlich kommt Wanda einem entsetzlichen Verbrechen auf die Spur, und alles deutet darauf hin, dass Karim große Schuld auf sich geladen hat. Doch während seine Augen geschlossen bleiben, schwebt Wanda bald selbst in höchster Gefahr …

Rezension:

Jennifer Benkau ist bisher in phantastischen Gefilden unterwegs gewesen. Sei es als Jugendbuchautorin bei Script5 oder eher für erwachsene Leser im Sieben-Verlag. Ich habe die meisten ihrer Romane gelesen und finde ihre Art zu schreiben sehr ansprechend, so dass ich unbedingt wissen wollte, wie sie sich im Thriller-Genre schlägt.

„Mit Rosen bedacht“ ist aber eigentlich kein reiner Thriller, sondern fast schon ein Schicksalsroman, denn es entblättert sich nicht nur nach und nach eine spannende Geschichte, sondern auch das ganze Drama eines Menschen. Auf der einen Seite Karims Vergangenheit, aber auch Wandas Leben wird so auf den Kopf gestellt, dass nichts mehr so sein wird, wie früher.

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Horowitz, Anthony: Das Geheimnis des weißen Bandes

Band 1 Holmes & Watson Reihe

Originaltitel: House of Silk
Verlag:
Insel
erschienen:
2011
Seiten:
350
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3458175431
Übersetzung:
Lutz-W. Wolff

Klappentext:

Am Abend eines ungewöhnlich kalten Novembertages im Jahr 1890 betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Londoner Baker Street 221b. Er wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, in dem er den einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande erkennt, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist der Mann ihm über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen? Als Holmes und Watson den Spuren des Gangsters folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die sie in Konflikt mit hochstehenden Persönlichkeiten bringen wird ? und den berühmten Detektiv ins Gefängnis, verdächtigt des Mordes. Zunächst gibt es nur einen einzigen Hinweis: ein weißes Seidenband, befestigt am Handgelenk eines ermordeten Straßenjungen …

Rezension:

In den letzten Jahren an Sherlock Holmes vorbeizukommen, war wohl fast unmöglich. Sowohl die beiden neueren Hollywoodverfilmungen mit Robert Downey Jun., sowie Benedict Cumberbatch‘ moderne Interpretation von Sherlock in der gleichnamigen BBC Serie, haben Arthur Conan Doyles Detektiv wieder zum Thema gemacht. Ich gestehe, ich kenne die Originalromane (noch) nicht, bin aber seit „Basil, der Mäusedetektiv“ von Walt Disney von Holmes und Watson (aka Basil und Dr. Wasdenn) fasziniert. Mit gerade einmal neun Jahren hatte ich zwar eine Heidenangt vor Professor Rattenzahn und vor allen Dingen vor dem gruseligen Greifer, aber schon damals hat mich das Flair des alten Londons gefangen genommen.

So habe ich 2011 nicht lange gezögert, als bei Insel „Das Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz erschien. Zum ersten Mal überhaupt bekam ein Autor Unterstützung vom Arthur Conan Doyle Literary Trust. Tja und dann lag es über drei Jahre ungelesen auf meinem Bücherstapel, bis mich das kürzliche Erscheinen des zweiten Bandes wieder daran erinnerte und ich es endlich zur Hand nahm und sich dann zu einem meiner Jahreshighlights 2014 entpuppte.

An diesem Buch ist so ziemlich alles perfekt. Angefangen von der liebevollen äußeren Gestaltung des Hardcovers. Blütenweiße Seiten und ein schwarzer Leinenband mit geschwungener weißer eingeprägter Schrift, der sich allein schon beim Berühren nach der guten alten Zeit anfühlt. Tut Euch einen Gefallen und kauft Euch dieses Buch nicht als ebook und auch nicht als Taschenbuch!

Ich kann nicht abschließend beurteilen, in wie weit Horowitz den Ton der ursprünglichen Geschichten um Sherlock Holmes trifft. Da ich aber gerade den ersten Originalroman „Eine Studie in Scharlachrot“angefangen habe, würde ich nach den ersten Seiten sagen, er hat es wohl ziemlich gut hinbekommen. Sherlock ist ein merkwürdiger, wenngleich genialer kluger Kopf. Eigenbrötlerisch und geheimnisvoll sieht er Zusammenhänge, wo ein normaler Mensch vermutlich nie welche sehen würde. Faszinierend, wie sich dann am Ende alles zusammfügt.

Die Handlung besteht aus mehreren Strängen, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben und ehrlich gesagt, habe ich mich noch auf den letzten 50 Seiten gefragt, wie Horrowitz das Geflecht aus Verrat, Mord und Schuld zusammenfügen will. Aber er tat es und das auch noch überzeugend. Ich bin ehrlich gesagt nicht auf die Lösung des Falles gekommen, fand das Ende jedoch sehr schlüssig und vor allen Dingen nicht aus dem Hut gezaubert. Es ergibt einfach alles seinen Sinn.

Dabei gelingt es dem Autor die viktorianische Zeit farbenfroh oder sagen wir besser nebelverhangen zum Leben zu erwecken und diese in so manch packende Wendung zu integrieren. Soziale und gesellschaftliche Missstände werden aufgezeigt, die am Ende ihren fürchterlichen Höhepunkt finden.

Watson ist ein formidabler Chronist der Geschehnisse und ein guter Biograph, der Holmes Eigenarten bis ins kleinste Detail wiedergeben kann. Dabei wird auch die ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden fühlbar und bei Horrowitz hat sie durchaus innige Momente, wie sie bei Doyle höchstens angedeutet wurden. Auch Holmes selbst ist trotz aller Verschrobenheit ein fast liebenswerter Zeitgenosse, der sowohl Mitleid als auch freundschaftliche Zuneigung zeigt. Hier unterscheidet sich der Horrowitz-Holmes vielleicht vom Doyle-Holmes. Er wirkt in „Das Geheimnis des weißen Bandes“ einfach ein bisschen weniger unnahbar und soziopathisch, verliert dabei aber nicht seine Genialität und Außergewöhnlichkeit. Holmes-Puristen werden dies vielleicht nicht mögen. Auf der anderen Seite, wo bliebe die schriftstellerische Freiheit und vor allen Dingen Horriwitz‘ eigene Stimme, wenn er einfach nur ein Plagiat aufs Tapet gebracht hätte.

Stilistisch ist das Ganze so wunderbar verpackt, dass man nicht weiß worauf man sich mehr freuen soll. Auf Watsons ausufernde, aber niemals langweilige Beschreibungen von Geschehnissen und Personen oder auf so manchen skurrilen Dialog, der die Eigenarten jeder Figur aufs Herrlichste zu Tage bringt.

Für mich ist Anthony Horrowitz erster Ausflug in die Welt von Sherlock Holmes eine perfekte Hommage an den Klassiker, aber eben auch genug Eigenes, um es zu einem eigenständigen Werk zu machen und ich hoffe, es wird noch weitere Fälle geben. Ich ziehe jedenfalls vor Begeisterung meine Deerstalker-Mütze vor der Leistung des Autors.

Note: 1

McKenzie, Sophie: Seit du tot bist

Originaltitel: Close my eyes
Verlag:
Heyne
erschienen:
2013
Seiten:
480
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3453410440
Übersetzung:
Ursula Pesch/Friedrich Pflüger

Klappentext:

Gens Tochter kam vor acht Jahren tot zur Welt. Nun steht eine fremde Frau vor ihrer Tür und behauptet, dass sie lebt. Dass alle bei der Geburt Anwesenden gekauft waren, damit jemand Gen ihr Baby wegnehmen konnte. Zunächst hält Gen das für einen geschmacklosen Scherz. Aber etwas in ihr sagt ihr, dass die Frau die Wahrheit sagt, und eine trügerische Hoffnung keimt in ihr auf. Aber wer sollte so etwas tun, falls es tatsächlich wahr ist? Es kann nur jemand aus ihrem engsten Umfeld gewesen sein …

Rezension:

Als ich die Inhaltsangabe dieses Buches gelesen habe, war mir klar, daß ich das Buch lesen würde, da es genau in mein Beuteschema passt. Und irgendwie habe ich genau das bekommen, was ich wollte … aber irgendwie auch nicht.

Die ersten Seiten sind beim Lesen nur so an mir vorbei geflogen. Wie unglaublich es sich für Gen anhört, daß vielleicht ihre Tochter die angeblich vor acht Jahren im Mutterleib verstorben ist, doch noch leben könnte. Eine gemeine Lüge einer Fremden oder doch Wirklichkeit. Der Schmerz um den Verlust ihres Kindes, ist immer wieder Thema in diesem Buch, aber leider konnte er mich nicht so wirklich berühren. Warum? Eine richtige Erklärung habe ich irgendwie nicht, vielleicht weil die Protagonisten mir doch nicht so wirklich nah gekommen sind beim Lesen. Die Suche nach dem eventuell noch lebenden Kind gestaltet sich aufregend, schwierig, gefährlich und leider auch langatmig und zum Ende sogar langweilig.

Der Schluß der Geschichte ist für mich unglaubwürdig und zwar in allen Punkten und da ich immer gerne ein rundes Ende habe, auch sehr unbefriedigend.

Note: 3+