Geht nicht raus, aber kauft Bücher!

Gefühlt ist alles gerade in der Schwebe. Wir sitzen zu Hause, oft getrennt von Familien und Freunden und wenn wir in Quarantäne sind, können wir nicht mal für einen kurzen Spaziergang nach draußen um die Sonne der letzten Tage zu genießen. 

Ich bin ja von Haus aus eher so Marke Stubenhocker, aber auch der Stubenhocker merkt in diesen Tagen, dass er doch ganz schön viel außerhalb benötigt. Keine Besuche bei den Eltern, da meine Mutter zu den Risikopatienten zählt. Kein Treffen mit Freunden, um bei zu teurem Latte Macchiato über die Welt zu klönen und danach die Buchhandlungen zu überfallen (im übertragenen Sinn natürlich), kein Westfalenstadion (live oder im TV), kein Essen gehen, kein Kino.

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Walker, Noa C.: Du, ich und die Farben des Lebens

Verlag: Amazon Publishing
erschienen:
2015
Seiten:
406
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
1503933520

Klappentext:

Janica hat früh im Leben gelernt, jeden Tag als ein Geschenk anzusehen, ihn zu feiern und zu genießen. Mit ihrer besonderen und lebensbejahenden Art zieht sie Thomas in ihren Bann und eröffnet dem verschlossenen jungen Mann einen ganz neuen Blick auf die Schönheiten und die verschiedenen Farben des Lebens. Thomas verliebt sich bis über beide Ohren in die starke junge Frau, wird ein Teil ihres quirlig-verrückten Freundeskreises und ihrer liebevollen Familie. Doch schon bald trifft die beiden das Schicksal mit voller Wucht.

Eine bewegende, hoffnungsfrohe Geschichte über die Kraft der Liebe und ein vom Glück erfülltes Leben.

Rezension:

Janica ist erst Mitte 20 und steht mit beiden Beinen mitten im Leben. Ihre Welt ist kunterbunt, fröhlich und lebensbejahend. Dann trifft sie auf Thomas, er ist das ganze Gegenteil, verängstigt vom Leben, klammert er sich an seinen Bruder und vergisst dabei sein eigenes Glück. Sein Bruder Steffen arbeitet bei einem Sondereinsatzkommando der Polizei und hat schwere Probleme. Diese führen so weit, dass er kurz davor ist, sich das Leben zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt trifft er auf Janica, diese hilft ihm und lernt so seinen Bruder kennen.

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Anderson, Poppy J.: Nur ein Kuss

Band 1 Ashcroft Serie

Verlag:
selfpublished
erschienen:
2015
Seiten:
410
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
1511871873

Klappentext:

Amy und Patrick kommen aus zwei völlig verschiedenen Welten, doch das kann sie nicht davon abhalten, sich bis über beide Ohren ineinander zu verlieben. Anfangs erscheint alles perfekt, bis kurz nach ihrer übereilten Hochzeit das Liebesglück der beiden getrübt wird. Amy erkennt, dass sie in Patricks Welt einfach nicht hineinpasst, und sieht keinen anderen Ausweg, als ihn zu verlassen, auch wenn ihr die Trennung das Herz bricht. Jahre später kreuzen sich wieder ihre Wege. Während Amy noch immer Gefühle für Patrick hat, macht dieser den Anschein, sein Leben ohne sie fortgeführt zu haben und glücklich darüber zu sein. Außerdem gibt er ihr deutlich zu verstehen, dass er sie kaum in seiner Nähe ertragen kann. Doch kann hinter der wütenden Fassade eines verlassenen Mannes nicht doch mehr stecken?

Rezension:

Poppy J. Anderson hat sich zum Star der deutschen Selfpublisher-Szene entwickelt und ihre Serie um die New York Titans lese ich wirklich gerne (auch wenn mir noch ein paar Bände fehlen). Mit “Nur ein Kuss” dem Auftakt ihrer neuen Ashcroft Reihe konnte ich jedoch ehrlich gesagt nicht ganz so viel anfangen.

Der Roman besteht aus zwei Teilen. Dem Kennenlernen und Verlieben zwischen Amy und Patrick im ersten Teil, um dann einen zeitlichen Sprung zu machen. Seit einigen Jahren sind die beiden nun getrennt, müssen sich jedoch aus wichtigen Gründen zusammenraufen.

In vielen Rezensionen habe ich gelesen, dass Leser ein Problem mit dem zweiten Teil hatten. Bei mir war es genau andersrum. Ich fand den ersten Teil einfach zu kitschig. Bitte nicht falsch verstehen, wenn ich einen Liebesroman lese, möchte ich es natürlich romantisch haben, aber mir war das zu sehr Aschenputtel meets Millionär und für mich hatte dieser Teil der Story auch einfach nichts besonderes.

Mich haben zudem im ersten Teil auch einige Wortwiederholungen bzw. immer wiederkehrende Aussagen gestört. Da habe ich innerlich zwischendurch den Thesaurus angeschmissen und Ersatzwörter gesucht. Um zu verdeutlichen, dass der Protagonist sich eher für einen Pragmatiker hält, muss man z.B. nicht alle zwei Seiten ihm den Satz “ich bin kein Romantiker” in den Mund legen.

Die zweite Hälfte hat mir komischerweise dann wieder gut gefallen. Natürlich ist der Grund, wieso Amy Patrick verlässt und ihm ein großes Geheimnisv vorenthält (welches nach dem Prolog eigentlich aber keines mehr ist) ein bisschen over the top, aber unrealistisch fand ich es nicht. Menschen machen manchmal aberwitzige Dinge, wenn sie lieben und verunsichert sind.

Die Geschichte hat im zweiten Teil aber einfach mehr Zug, mehr Inhalt, mehr Fleisch, wie man so schön sagt. Auch wirkte die Beziehung zwischen Amy und Patrick für mich authentischer und realistischer und dadurch viel viel liebenswerter und romantischer, als das Süßholzgeraspel in Rom. Ohnehin sind Dialoge Poppys Stärke und die kann sie mit dem erweiterten Personal in der zweiten Hälfte des Romans viel gekonnter ausspielen.

Letztlich fehlte mir aber die typische Leichtigkeit der Autorin, die nur ab und zu mal aufblitzt, wenn sie sie ihre Geschichte vom Zuckerguss befreit. Richtig gelungen finde ich aber das wirklich zauberhafte Cover.

Note: 3-

Ausblick 2015

Liebe Leser!

Ich hoffe, Ihr seid alle gut ins neue Jahr gerutscht. Der schnöde Erdenbürger nimmt sich ja für das neue Jahr immer allerhand vor. Abnehmen, mehr Sport, mehr schlafen, nicht mehr rauchen, weniger trinken, etc. etc. Ich rauche nicht und ich trinke nicht. Das kann ich mir also praktischerweise sparen. Abnehmen und Sport steht bei mir dieses Jahr auch auf der Agenda, soll aber nicht Thema dieses Blogs sein! :mrgreen: Aber, wie so ziemlich jeder Bücherblogger, nehme ich mir – wie jedes Jahr – vor, deutlich mehr zu lesen und auch deutlich mehr darüber zu bloggen.

Das mit dem “mehr Lesen” hat 2014 eigentlich schon ganz gut geklappt, dies aber in das Blog zu integrieren irgendwie weniger. Also muss dafür 2015 herhalten. Also mehr Rezensionen, mehr Fotos, mehr Postings rund ums Buch. Aber auch mehr Meinung! Der absolut erfolgreichste Blogeintrag in 2014 war mein Beitrag zum Thema Buchhandel/amazon, der fleißig gelesen, kommentiert und über 200 Mal bei Facebook geteilt worden ist. Mir geht es dabei aber nicht um Klickzahlen und Reichweite, also darum das eigene Ego zu streicheln, sondern darum, dass es anscheinend doch ein bisschen was bringt, wenn man seine Stimme erhebt. Nicht alle waren meiner Meinung, aber die Diskussionen dazu waren doch meist fruchtbar und sehr interessant. Also, sich auch einfach mal mehr aufregen, was dagegen tun und nicht überall mit den Schultern zucken und doch einfach weitermachen.

Neben den Kolumnen und den Rezensionen, soll es ab sofort jedoch auch ein bisschen bunter auf der Bücherkiste werden. Mehr Texte über aktuellen Lesestoff, Fotos, Interviews, News und Anekdoten. Und weil ich ja eine erklärte Listenschreiberin bin, versuche ich es dieses Jahr auch mit ein paar Lese-Challenges, die Ihr links unter einem eigenen Menüpunkt findet und über die ich auch immer wieder berichten werde. Rechts findet Ihr auch den Goodreads Challenge Ticker und mit dem Lovelybooks-Widget immer meinen aktuellen Lesestoff. In den beiden Communities will ich mich dieses Jahr auch stärker einbringen. Der Tag hat ja 24 Stunden … :roll:

So – und da das Ganze ja keine Einbahnstraße ist, würde ich mir wünschen, dass sich der ein oder andere Leser ruhig mal traut hier auch zu kommentieren. Ich beiße normalerweise nicht! ;-)  Und ehrlich, jeder freut sich doch, wenn er ein bisschen Feedback bekommt. Also immer ran an die Tasten. Ob nun hier oder auf Facebook! Leider wird es mit Fanseiten auf Facebook ja immer schwieriger, weil sie trotz Like bei vielen gar nicht erst im Newsfeed auftauchen. Als kleiner Tipp, wenn Ihr Seiten auf Facebook liked, könnt Ihr mit dem selben Button den Punkt “Benachrichtigungen erhalten” anklicken und schon bekommt Ihr eine kleine Info (oben rechts an der Weltkugel), wenn es auf der jeweiligen Seite etwas Neues gibt. Ansonsten entscheidet nämlich Facebook, was bei Euch im Newsfeed passiert. Versteh einer dieser Logik!

Und nun wünsche ich uns alles ein wunderbares Lesejahr 2015 mit zauberhaften Büchern, möglichst wenig Hiobsbotschaften aus dem Handel und auch ansonsten ein superkallifragilistischexpialigetisches neues Jahr!

Liebe Grüße,
Steffi

P.S. Das mit dem “mehr schlafen” klappt schon wieder nicht…

Zur Lage der (Buchhandels)Nation – ein Kommentar

Die Bücherkiste war von jeher mit dem Partnerprogramm von amazon verknüpft. Einfach, weil es lange, lange der einzig ernstzunehmene Internethändler war, den man ohne große Arbeit verlinken konnte. Dies ist allerdings schon lange nicht mehr so und so tat ich es eigentlich nur noch aus Gewohnheit. In den letzten Wochen und Monaten ist viel über amazon berichtet worden und so habe ich heute beschlossen auf der Bücherkiste nicht mehr zu amazon zu verlinken. Allerdings habe ich mich auch dazu entschieden, amazon nicht durch einen anderen Händler zu ersetzen, denn ich möchte, dass IHR selbst entscheidet, wo ihr Euer Buch kauft. Thalia, Amazon, Weltbild, Mayersche, kleine inhabergeführte Buchhandlung? Jeder so, wie er oder sie gerne möchte. Nur ich möchte mich einfach vor keinen Karren mehr spannen lassen, auch wenn mir dadurch vielleicht ein paar Euro Provision durch die Lappen gehen. Aber wer eine Literaturseite zum Geldverdienen betreibt, hat sowieso was falsch gemacht! ;-)

Ich möchte jedoch auch ein paar weitere Worte zum Thema verlieren. Ich habe in einer klitzekleinen inhabergeführten Buchhandlung meine Ausbildung gemacht. Leider existiert diese Buchhandlung schon lange nicht mehr, weil die Mayersche Buchhandelskette es vor knapp 10 Jahren für eine ganz tolle Idee gehalten hat, in den Dortmunder Vorort Hombruch zu gehen. Das war damals ein Novum, weil die Ketten eigentlich nur in die Innenstädte ziehen, aber die zwei kleinen Buchhandlungen in Hombruch waren der Mayerschen anscheinend ein Dorn im Auge, zumal der Dortmunder Süden der einkommensstärkste Bevölkerungsteil in Dortmund ist. Das war für uns damals ziemlich schlagartig das aus. Mittlerweile arbeite ich seit 8 Jahren bei Weltbild – also dem genauen Gegenteil, einer Kette.

Beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile. Ich habe die Zeit meiner Ausbildung geliebt, aber es ist auch ein hartes Brot, wenn man keinen Konzern hinter sich stehen hat. Die Freiheiten sind wunderbar. Man muss eben keinen halben Tisch voll mit Dieter Bohlen und Akif Pirinçci bestücken, sondern hat halt für den Kaufwilligen eins im Regal stehen, dafür aber Stapel von Büchern auf dem Tisch, hinter denen man steht und die man empfehlen kann und will. Es ist toll, wenn man einen Großteil seiner Kunden mit Namen kennt, ihre Familiengeschichte, ihre Vorlieben in Sachen Literatur. Ja, es war tatsächlich eiin bisschen so wie wie in “Email für dich”, auch wenn das bei dem ein oder anderen ein Augenrollen hervorruft. Ja, ich weiß, früher hatten wir auch nen Kaiser und sind in Kutschen gefahren. Trotzdem war es toll. Übrigens für die Stammkunden UND die Mitarbeiter.

Denn auch letztere sind menschliche Wesen, die als solche wahrgenommen werden möchten. Und ja, es macht mehr Spaß, wenn einem ein Kunde ein Eis mitbringt, anstatt immer nur seinen Frust bei einem abzuladen, weil man für ihn das anonyme Wesen ist, das stellvertretend für alles Übel des jeweiligen Konzern steht. Aber es ist auch für den Kunden schön, wenn er seinen prall gefüllten Zettel voller Nackenbeißertitel abgeben kann und anstatt schräg angeguckt zu werden, sich mit der Buchhändlerin über die Vor- und Nachteile von Schotten in Kilts austauschen kann, während man der nächsten Kundin einen ungefragt zurückgelegten Thriller mit den Worten “ist richtig blutig, so wie sie es mögen” in die Hände drückt und sie sozusagen augenblicklich anfängt zu lesen.

Ich weiß, alles niedliche Geschichten, die man irgendwann mal seinen Enkeln erzählen kann, die einem aber nicht helfen, sich den Realitäten des heutigen Buchhandels zu stellen. Ich wollte es trotzdem mal gesagt haben. Und bevor wieder einer aufstöhnt, natürlich gibt es nette Kunden auch in großen Buchläden. Erst kürzlich hat mir eine Kundin eine Tüte gebrauchte Manesse Büchlein vorbeigebracht, weil wir uns mal bei einem Pläuschchen über diese Bücher unterhalten haben und sie nicht mehr weiß, wohin damit. Das passiert einem auch bei Weltbild. Ist aber leider seltener.

Aber zurück zum Thema. Amazon hatte in den letzten Jahren viele tolle Ideen. Sie sind innovativ und trauen sich in ihre Ideen Geld zu investieren. Ich denke, ohne amazon gebe es heute keinen nennenswerten ebook-Markt und ja, die deutsche Buchhandelsgemeinde hat diesen Trend kräftig verpennt. Sicher, die Tolinoallianz hat aufgeholt, aber im Prinzip existiert sie nur aus der Not heraus.

Der momentane Status Quo ist geteilt. Der deutsche Buchhandel plus Verlagswesen sieht den Riesen als fleischgewordenen Teufel, die lieben Selfpublisher stehen natürlich auf der anderen Seite, weil man beißt ja nicht die Hand, die einen füttert, denn seien wir mal ehrlich, ohne amazon gäbe es einen Großteil dieser Selfpublisher gar nicht. Deswegen sich hinzustellen und amazon für die tollste Erfindung seit der Waschmaschine zu halten, ist für meine Begriffe auch ziemlich kleinkariert. Ich glaube, die Wahrheit liegt dazwischen, denn amazon ist beides! Die buchhandelsfressende Ratte und die tolle Ideenschmiede.

Ich mag aber auch nicht mehr hören, dass der Buchhandel sich doch bitte mehr anstrengen soll, dann würden die Kunden auch nicht mehr bei amazon kaufen. Ja klar, und heute abend fallen dicke weiße Flocken vom Himmel und wir singen alle Hummtata. Man kann das Rad nicht neu erfinden. Wir bestellen Ware, wir dekorieren sie, wir geben Empfehlungen und wir verkaufen. Und wenn ein Kunde in meinen Laden kommt und ein bestimmtes Buch haben will, was ich nicht da habe, dann hat es nichts mit meiner Unfähigkeit zu tun, sondern vielleicht daran, dass ich nicht genug Platz für die Millionen Bücher habe, die es so gibt. Man kann schlicht vom stationären Buchhandel nicht verlangen, dass sie alles da haben. Trotzdem könnte man ja beim Onlineshop des betreffenden Buchladens das Buch bestellen. Sogar nach Hause. Zumindest die großen Ketten wie Weltbild, Hugendubel, Thalia haben so etwas und viele kleine Buchläden längst auch. Trotzdem werden diese Seiten weniger genutzt, als amazon. Und woran liegt das?

Tja, weil man bei amazon so hübsch die nächste fällige Packung Pampers und den Lipgloss und die Kondome und diese Schokoriegel und ach, die Waschmaschine von weiter oben ist auch grad in die Binsen, bestellen kann. Und woran liegt das? Weil wir alle strunzenfaul geworden sind.

Und auch weil amazon als eine trendige Marke wahrgenommen wird. Ein bisschen so wie Apple und Starbucks. Die Leute haben das Gefühl, sie kaufen ein Premiumprodukt, dabei ist es auch nur Kaffee und nur ein Handy und nur ein Buch. Das liegt vielleicht daran, weil amazon der erste Buchhändler im Internet war. Ich erinnere mich an die späten 90er, wo 80% der Deutschen noch gar kein Internet hatten. Damals gab es kaum Internethändler, noch keine Blogs und eine handvoll Literaturseiten, die versuchten eine Community aufzubauen. Damals war amazon nur ein Buchhändler. Die Fernseher, das Klopapier und all das andere Zeugs kamen erst später.

Das Internet, nicht nur amazon haben den Einzelhandel verändert, aber die Bedeutung dieses Wandels muss viel mehr in den Fokus gerückt werden. Es geht nicht nur um den Buchhandel. Es geht um Spielzeugläden, um Boutiquen, um Plattenläden, etc. etc.

Vorgestern hörte ich im Radio einen Bericht, wo sich eine Mutter darüber beschwerte, dass sie in keinem Laden in der Stadt eine Schulgeldbörse (was das genau ist, weiß ich im Übrigen auch nicht) für ihren Sohn bekommen konnte, dabei wären ja nächste Woche die Ferien zu Ende. Das wäre vom Einzelhandel ja eine bodenlose Frechheit. Tja, wozu soll der liebe Einzelhandel denn bitte schön zwanzig verschiedene Geldbörsen bestellen und auf Lager haben, wenn kein Schwein mehr kommt und danach fragt. Solll ich auf die eine Kundin in 6 Wochen warten, die so was haben will? Es wird sich immer über den Einzelhandel aufgeregt, aber Leute, wenn ihr den Einzelhandel mal nutzen würdet, könnnte der auch besser planen, Dinge vorrätig haben, weil er auch weiß, dass danach gefragt wird und das er es auch verkauft.

Mir geht dieses “der Kunde ist König” total auf den Zeiger. Wenn der liebe König nur alle paar Jahre mal vorbeischaut, dann hilft das leider wenig. Auch die Kunden haben eine Verantwortung. Die Innenstädte sterben schon und irgendwann kann man nicht mehr am 24.12. noch das obligatorische Parfum für Omi und das Buch für Opa kaufen, weil dann gibt es die Geschäfte nicht mehr. Aber vielleicht schickt amazon dann ja einen mit’m Fahrrad oder ne Drohne.

Mich macht es wütend, dass alle immer nur an sich denken. Natürlich ist auch im deutschen Buchhandel nicht alles tutti. Bei den großen Buchhandelsketten sind die Arbeitsbedingungen auch nicht wunderschön, aber wenigstens zahlen die Unternehmen hier ihre Steuern. Aber wir verbrennen in den letzten Jahren Arbeitsplätze (überhaupt im Einzelhandel), dass ich mich frage, wer soll eigentlich irgendwann bei amazon noch kaufen, wenn alle arbeitslos sind, die Städte leer. Wir brauchen den Einzelhandel und damit meine ich nicht nur die Leute, die darin arbeiten. Wir hofieren Euch Kunden gerne als König, aber wir müssen auch die Möglichkeit dazu bekommen.

Leider befinden wir uns mittlerweile schon in einem Teufelskreis und man muss sogar Dinge bestellen, weil man sie schlichtweg stationär nicht mehr bekommt. Aber wie gesagt, kein Einzelhändler kann sich totes Kapital aufs Lager legen, nur weil er hofft, dass doch mal jemand fragt. Solange es kein grundsätzliches Umdenken gibt, wird die Spirale immer weiter nach unten zeigen. Das hat für mich nichts mit Schuldzuweisungen zu tun, aber jedem muss bewusst sein, dass sein Kaufverhalten direkte Auswirkungen hat.

Und das Gejammer wird groß sein, auch bei den Selfpublishern, denen amazon jetzt die ganze Torte gibt und irgendwann wahrscheinlich auch nur noch ein paar Krümel. Ich weiß, es gibt keine wirkliche Alternative und würde ich jetzt veröffentlichen, würde ich es auch (wenn ohne Verlag) bei amazon tun. Ich boykottiere den Laden ja nicht. Auch ich bestelle da schon mal Sachen, die ich woanders nicht kriege. Ich würde mir nur wünschen, dass alle mal ein bisschen ehrlicher sind und sich den Gefahren bewusst werden, die so ein Monopol mit sich bringt. Denn ist es nicht gerade die Vielfalt, die unsere Literatur ausmacht? Was passiert, wenn doch irgendwann mal die Buchpreisbindung fällt? Wenn amazon – weil sie den langen Atem haben – in einer beispiellosen Rabattschlacht alle anderen Händler ausstechen wird, um dann hinterher die Preise diktieren zu können? Alles Schwarzmalerei? Dann schaut mal über den Atlantik!

Ja, der Einzelhandel muss sich anstrengen und den Einkauf zu einem Erlebnis machen. Aber wenn der Kunde möchte, dass man ihm alles nach Hause trägt, damit er sich nicht mehr vom Sofa bewegen muss, dann hat der Einzelhandel keine Chance und dann kann er sich auch noch so anstrengen und noch so tolle Ideen haben. Vielleicht schmiert Euch der Postbote ja auch demnächst das Bütterken? Und bitte kommt mir jetzt nicht wieder mit den vielbeschäftigten arbeitenden Menschen. Früher hatten die Geschäfte viel weniger Stunden am Tag geöffnet und trotzdem ist keiner verhungert oder lief ziellos nackig durch die Straßen.

Ich höre immer, dass der Kunde sich nicht gängeln lassen will, dass er selbst entscheiden darf, kann und muss. Gerne! Auch ich rufe keinesweg zum amazon-Boykott auf (wie ich schon sagte, auch ich bestelle hin und wieder dort), aber ich finde schon, dass man die Bevölkerung in die Pflicht nehmen darf, mal mehr nachzudenken. Es geht nicht um den Buchhandel, es geht um den Einzelhandel insgesamt. Es geht darum, dass wir alles am liebsten nur noch super günstig oder am besten umsonst haben wollen. Aber bitte Bio und mit fairen Arbeitsmethoden. Nur geht das alles auf einmal nicht. Wir können direkt durch unser Kaufverhalten Einfluss nehmen. Wollen wir amerikanische Verhältnisse?

Mir geht die Diskussion nicht weit genug. Es geht nicht nur um Bücher. Es geht um grundsätzliches Kaufverhalten, um Arbeitsplätze, um Familien. Und es täte niemandem weh, wenn er seine Käufe weiter streut. Die Diskussion um amazon ist nur ein Anfang. Letztlich ist es eine gesellschaftliche Diskussion. Es geht nicht darum Kunden zu bevormunden, aber es geht darum Kunden zu informieren. Was sie dann mit dieser Information anfangen, bleibt ihnen ja zu überlassen. Wer aufgeklärt ist und trotzdem bei amazon kaufen möchte, der soll dies tun. Immerhin leben wir ja in einer Demokratie. :-)  Allerdings sollte man sich eben über die Auswirkungen seines Tun bewusst sein.

Amazon geht es nicht um den Verkauf von Ware, sondern um Marktmacht. Auch Thalia, Mayersche und Weltbild sind große Ketten, die viele kleine Buchhandlungen kaputt gemacht haben, aber sie sind wenigstens noch im weitesten Sinne Buchhändler, denen am Kulturgut Buch etwas liegt. Ich würde mir allerdings wünschen, dass Letztere sich doch eines von amazon abgucken – den Mut, mal etwas für Ideen und Innovationen zu wagen. Vielleicht fragt man da auch glatt mal die Mitarbeiter, also die Leute an der “Front” und verlässt sich nicht immer nur auf die schicken in Auftrag gegebenen Studien und die super Ideen der Geschäftsführungen.

P.S. Ich weiß, der Text ist sehr lang und ich hoffe, Ihr seid nicht auf halbem Weg eingeschlafen. :mrgreen: Wer möchte, ist herzlich dazu eingeladen etwas zu diesem Kommentar zu schreiben. Egal ob hier oder auf Facebook oder wo auch immer. Dieser Text ist eine erweiterte Version eines Facebookbeitrages von mir auf meinem privaten Profil, der bereits einige Male geteilt und kommentiert worden ist.