Waiting on Wednesday – Mechthild Gläser: Die Buchspringer

Das habe ich schon auf einigen Blogs gesehen und möchte die Idee auch gerne auf meinem Blog fortführen. Ein noch nicht erschienendes Buch zu benennen, auf das man sehnsüchtig wartet, finde ich eigentlich ziemlich einfach. Die Schwierigkeit ist wohl eher, sich auf eins zu beschränken!

Ich habe mir für die Premiere „Die Buchspringer“ von Mechthild Gläser ausgesucht:

Klappentext: Während des Sommerurlaubs auf einer vergessenen Shetlandinsel erfährt Amy, dass sie als Mitglied der Familie Lennox of Stormsay über die Fähigkeit verfügt, in Bücher zu reisen und dort Einfluss auf die Geschichten zu nehmen. Schnell findet Amy Freunde in der Buchwelt: Schir Khan, der Tiger aus dem Dschungelbuch, hat stets wertvolle Ratschläge für sie, während Goethes Werther zwar seinen Liebeskummer in tintenhaltigen Cocktails ertränkt, Amy aber auch ein treuer Freund ist, seit sie ihn vor den Annäherungsversuchen der Hexen aus Macbeth gerettet hat. Lediglich die Idee, Oliver Twist Kaugummi zu schenken, war nicht die beste …

Doch bald merkt Amy, dass die Buchwelt nicht so friedlich ist, wie sie zunächst scheint. Erst verschwindet Geld aus den Schatzkammern von Ali Baba, dann verletzt sich Elizabeth Bennet auf dem Weg zum Ball mit Mr Darcy, sodass eine der bekanntesten Liebesgeschichten der Weltliteratur im Keim erstickt wird. Für Amy ist klar: Sie muss den Störenfried stellen! Doch erst, als sich die Zwischenfälle auch auf die Realität auswirken und schließlich sogar ein Todesopfer fordern, wird Amy klar, wie ernst die Bedrohung ist. Worauf hat es der geheimnisvolle Attentäter wirklich abgesehen?

Klingt das nicht einfach wunderbar? Bücher über Bücher, die zudem ein bisschen verrückt erscheinen, sind einfach genau mein Ding. Und , wenn ich dann noch Oliver Twist, Mr. Darcy und Konsorten lese, dann setzt bei mir alles aus. Sprich, ich laufe eigentlich direkt wie ein ferngesteuerter Zombie (stellt es Euch vor wie bei „The Walking Dead“… Arme nach vorne…komische Geräusche, striktes Geradeausgehen) in die nächste Buchhandlung. Blöderweise gibt’s das Buch ja noch nicht! GRMPF!

Horowitz, Anthony: Das Geheimnis des weißen Bandes

Band 1 Holmes & Watson Reihe

Originaltitel: House of Silk
Verlag:
Insel
erschienen:
2011
Seiten:
350
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3458175431
Übersetzung:
Lutz-W. Wolff

Klappentext:

Am Abend eines ungewöhnlich kalten Novembertages im Jahr 1890 betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Londoner Baker Street 221b. Er wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, in dem er den einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande erkennt, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist der Mann ihm über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen? Als Holmes und Watson den Spuren des Gangsters folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die sie in Konflikt mit hochstehenden Persönlichkeiten bringen wird ? und den berühmten Detektiv ins Gefängnis, verdächtigt des Mordes. Zunächst gibt es nur einen einzigen Hinweis: ein weißes Seidenband, befestigt am Handgelenk eines ermordeten Straßenjungen …

Rezension:

In den letzten Jahren an Sherlock Holmes vorbeizukommen, war wohl fast unmöglich. Sowohl die beiden neueren Hollywoodverfilmungen mit Robert Downey Jun., sowie Benedict Cumberbatch‘ moderne Interpretation von Sherlock in der gleichnamigen BBC Serie, haben Arthur Conan Doyles Detektiv wieder zum Thema gemacht. Ich gestehe, ich kenne die Originalromane (noch) nicht, bin aber seit „Basil, der Mäusedetektiv“ von Walt Disney von Holmes und Watson (aka Basil und Dr. Wasdenn) fasziniert. Mit gerade einmal neun Jahren hatte ich zwar eine Heidenangt vor Professor Rattenzahn und vor allen Dingen vor dem gruseligen Greifer, aber schon damals hat mich das Flair des alten Londons gefangen genommen.

So habe ich 2011 nicht lange gezögert, als bei Insel „Das Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz erschien. Zum ersten Mal überhaupt bekam ein Autor Unterstützung vom Arthur Conan Doyle Literary Trust. Tja und dann lag es über drei Jahre ungelesen auf meinem Bücherstapel, bis mich das kürzliche Erscheinen des zweiten Bandes wieder daran erinnerte und ich es endlich zur Hand nahm und sich dann zu einem meiner Jahreshighlights 2014 entpuppte.

An diesem Buch ist so ziemlich alles perfekt. Angefangen von der liebevollen äußeren Gestaltung des Hardcovers. Blütenweiße Seiten und ein schwarzer Leinenband mit geschwungener weißer eingeprägter Schrift, der sich allein schon beim Berühren nach der guten alten Zeit anfühlt. Tut Euch einen Gefallen und kauft Euch dieses Buch nicht als ebook und auch nicht als Taschenbuch!

Ich kann nicht abschließend beurteilen, in wie weit Horowitz den Ton der ursprünglichen Geschichten um Sherlock Holmes trifft. Da ich aber gerade den ersten Originalroman „Eine Studie in Scharlachrot“angefangen habe, würde ich nach den ersten Seiten sagen, er hat es wohl ziemlich gut hinbekommen. Sherlock ist ein merkwürdiger, wenngleich genialer kluger Kopf. Eigenbrötlerisch und geheimnisvoll sieht er Zusammenhänge, wo ein normaler Mensch vermutlich nie welche sehen würde. Faszinierend, wie sich dann am Ende alles zusammfügt.

Die Handlung besteht aus mehreren Strängen, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben und ehrlich gesagt, habe ich mich noch auf den letzten 50 Seiten gefragt, wie Horrowitz das Geflecht aus Verrat, Mord und Schuld zusammenfügen will. Aber er tat es und das auch noch überzeugend. Ich bin ehrlich gesagt nicht auf die Lösung des Falles gekommen, fand das Ende jedoch sehr schlüssig und vor allen Dingen nicht aus dem Hut gezaubert. Es ergibt einfach alles seinen Sinn.

Dabei gelingt es dem Autor die viktorianische Zeit farbenfroh oder sagen wir besser nebelverhangen zum Leben zu erwecken und diese in so manch packende Wendung zu integrieren. Soziale und gesellschaftliche Missstände werden aufgezeigt, die am Ende ihren fürchterlichen Höhepunkt finden.

Watson ist ein formidabler Chronist der Geschehnisse und ein guter Biograph, der Holmes Eigenarten bis ins kleinste Detail wiedergeben kann. Dabei wird auch die ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden fühlbar und bei Horrowitz hat sie durchaus innige Momente, wie sie bei Doyle höchstens angedeutet wurden. Auch Holmes selbst ist trotz aller Verschrobenheit ein fast liebenswerter Zeitgenosse, der sowohl Mitleid als auch freundschaftliche Zuneigung zeigt. Hier unterscheidet sich der Horrowitz-Holmes vielleicht vom Doyle-Holmes. Er wirkt in „Das Geheimnis des weißen Bandes“ einfach ein bisschen weniger unnahbar und soziopathisch, verliert dabei aber nicht seine Genialität und Außergewöhnlichkeit. Holmes-Puristen werden dies vielleicht nicht mögen. Auf der anderen Seite, wo bliebe die schriftstellerische Freiheit und vor allen Dingen Horriwitz‘ eigene Stimme, wenn er einfach nur ein Plagiat aufs Tapet gebracht hätte.

Stilistisch ist das Ganze so wunderbar verpackt, dass man nicht weiß worauf man sich mehr freuen soll. Auf Watsons ausufernde, aber niemals langweilige Beschreibungen von Geschehnissen und Personen oder auf so manchen skurrilen Dialog, der die Eigenarten jeder Figur aufs Herrlichste zu Tage bringt.

Für mich ist Anthony Horrowitz erster Ausflug in die Welt von Sherlock Holmes eine perfekte Hommage an den Klassiker, aber eben auch genug Eigenes, um es zu einem eigenständigen Werk zu machen und ich hoffe, es wird noch weitere Fälle geben. Ich ziehe jedenfalls vor Begeisterung meine Deerstalker-Mütze vor der Leistung des Autors.

Note: 1

Ausblick 2015

Liebe Leser!

Ich hoffe, Ihr seid alle gut ins neue Jahr gerutscht. Der schnöde Erdenbürger nimmt sich ja für das neue Jahr immer allerhand vor. Abnehmen, mehr Sport, mehr schlafen, nicht mehr rauchen, weniger trinken, etc. etc. Ich rauche nicht und ich trinke nicht. Das kann ich mir also praktischerweise sparen. Abnehmen und Sport steht bei mir dieses Jahr auch auf der Agenda, soll aber nicht Thema dieses Blogs sein! :mrgreen: Aber, wie so ziemlich jeder Bücherblogger, nehme ich mir – wie jedes Jahr – vor, deutlich mehr zu lesen und auch deutlich mehr darüber zu bloggen.

Das mit dem „mehr Lesen“ hat 2014 eigentlich schon ganz gut geklappt, dies aber in das Blog zu integrieren irgendwie weniger. Also muss dafür 2015 herhalten. Also mehr Rezensionen, mehr Fotos, mehr Postings rund ums Buch. Aber auch mehr Meinung! Der absolut erfolgreichste Blogeintrag in 2014 war mein Beitrag zum Thema Buchhandel/amazon, der fleißig gelesen, kommentiert und über 200 Mal bei Facebook geteilt worden ist. Mir geht es dabei aber nicht um Klickzahlen und Reichweite, also darum das eigene Ego zu streicheln, sondern darum, dass es anscheinend doch ein bisschen was bringt, wenn man seine Stimme erhebt. Nicht alle waren meiner Meinung, aber die Diskussionen dazu waren doch meist fruchtbar und sehr interessant. Also, sich auch einfach mal mehr aufregen, was dagegen tun und nicht überall mit den Schultern zucken und doch einfach weitermachen.

Neben den Kolumnen und den Rezensionen, soll es ab sofort jedoch auch ein bisschen bunter auf der Bücherkiste werden. Mehr Texte über aktuellen Lesestoff, Fotos, Interviews, News und Anekdoten. Und weil ich ja eine erklärte Listenschreiberin bin, versuche ich es dieses Jahr auch mit ein paar Lese-Challenges, die Ihr links unter einem eigenen Menüpunkt findet und über die ich auch immer wieder berichten werde. Rechts findet Ihr auch den Goodreads Challenge Ticker und mit dem Lovelybooks-Widget immer meinen aktuellen Lesestoff. In den beiden Communities will ich mich dieses Jahr auch stärker einbringen. Der Tag hat ja 24 Stunden … :roll:

So – und da das Ganze ja keine Einbahnstraße ist, würde ich mir wünschen, dass sich der ein oder andere Leser ruhig mal traut hier auch zu kommentieren. Ich beiße normalerweise nicht! ;-)  Und ehrlich, jeder freut sich doch, wenn er ein bisschen Feedback bekommt. Also immer ran an die Tasten. Ob nun hier oder auf Facebook! Leider wird es mit Fanseiten auf Facebook ja immer schwieriger, weil sie trotz Like bei vielen gar nicht erst im Newsfeed auftauchen. Als kleiner Tipp, wenn Ihr Seiten auf Facebook liked, könnt Ihr mit dem selben Button den Punkt „Benachrichtigungen erhalten“ anklicken und schon bekommt Ihr eine kleine Info (oben rechts an der Weltkugel), wenn es auf der jeweiligen Seite etwas Neues gibt. Ansonsten entscheidet nämlich Facebook, was bei Euch im Newsfeed passiert. Versteh einer dieser Logik!

Und nun wünsche ich uns alles ein wunderbares Lesejahr 2015 mit zauberhaften Büchern, möglichst wenig Hiobsbotschaften aus dem Handel und auch ansonsten ein superkallifragilistischexpialigetisches neues Jahr!

Liebe Grüße,
Steffi

P.S. Das mit dem „mehr schlafen“ klappt schon wieder nicht…

Dunham, Lena: Not that kind of girl

Originaltitel: Not that kind of girl
Verlag:
S. Fischer
erschienen:
2014
Seiten:
304
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3100153561
Übersetzung:
Sophie Zeitz

Klappentext:

In ›Not That Kind of Girl‹ erzählt Lena Dunham, Erfinderin der TV-Serie ›GIRLS‹, hemmungslos persönlich, angstfrei und komisch aus ihrem Leben: von Kondomen in Zimmerpalmen, seltsamen Jungs und von ihrer Angst, keinen Platz in dieser Welt zu finden. Sie schreibt über die Taxifahrer in New York und vom plötzlichen Verliebtsein, über Frauen, die »wie diese Papierdinger behandelt werden, die in Hotelbadezimmern auf den Zahnputzbechern liegen – irgendwie notwendig, aber unendlich verfügbar« – und über Männer, die ungefragt von ihrem Sexleben berichten. Krisengeschüttelt, heiter, absolut im Jetzt: Lena Dunham bringt das Lebensgefühl einer neuen Generation Frauen auf den Punkt.

Rezension:

Im Klappentext mokiert sich Miss Dunham über Männer, die ungefragt von ihrem Sexleben berichten. Wenn es danach geht, habe ich auch einiges zu mokieren. In Sachen Narzissmus könnte so mancher Mann (und auch manche Frau) etwas von der nicht mal 30jährigen lernen. Nein, die Welt kreist nicht um die Sonne, sondern um Lena Dunham. Ein weißes Mädchen aus einer intellektuellen Familie ohne Sorgen, ergießt sich in Selbstmitleid über körperliche Unzulänglichkeiten, was aber anscheinend alle Amerikanerinnen tun, die nicht wie Gisele Bündchen aussehen. Statt sich damit abzufinden, dass sie auch mit 10kg weniger Gewicht nicht wie Cinderella aussehen wird, dreht Lena Dunham den Spieß um und gefällt sich in ihrer Normalität. So weit, so tendenziell löblich. Blöd nur, wenn man sich dann auch noch absichtlich hässlich macht und sich dabei auch noch ganz hipstermäßig cool findet. Einfach mal z.B. „Lena Dunham Emmys 2014“ in der Google-Bildersuche eingeben und ihr wisst Bescheid.

Die junge Dame mag eine sehr gute Schauspielerin und brilliante Regisseurin sein. Darüber kann ich mir kein Urteil erlauben, weil ich ihre Serie „Girls“ nie gesehen habe, aber abseits des Bildschirmes ist sie keine gute Autorin. Ihr Buch ist voller seltsamer Anekdoten, bei denen ich mich frage, ob es irgendjemanden in ihrem Umfeld gibt (egal ob Familie, Freunde, Bekannte, etc.), der keinen Hau weg hat. Merkwürdige sexuelle Erfahrungen, Betrachtungen über Freunde und Geschwister und nach den ersten 40 Seiten blinken meterlang Fragezeichen vor meinem inneren Auge auf, denn ich weiß irgendwie überhaupt nicht, was die gute Frau mir mit all dem sagen will. Anscheinend sind amerikanische junge Frauen noch nicht so weit in Sachen Selbstbestimmung und Emanzipation, wie wir hier in Europa. Mir entlockt der ganze Schmu nur ein müdes Gähnen. Wäre ich ein Mann, würde ich bei einem Kaffee die kleine Amerikanerin mal fragen, ob sie an besonders heftigem PMS leidet.

Sprachlich auf dem Niveau eines Teenagers, tut sich Lena tränendrüsig langweilig die meiste Zeit selbst leid. Das Ganze ist dermaßen oberflächlich und belanglos, dass ich fassungslos bin. Die junge Frau hat eigentlich keine Probleme, inszeniert um sich herum aber tägliche Dramen, die keine sind. Schaut Dunham sich eigentlich mal um in der großen weiten Welt?

Nach ca. 100 Seiten habe ich es dann aufgegeben. Blöde Listen, wie viele Kalorien sie wann zu sich genommen hat, sind allenfalls bei Bridget Jones noch amüsant, aber die ist auch eine Romanfigur. Vielleicht ist das alles im heutigen Wahn von Selfies und krankhaftem Geltungsdrang normal und doch irgendwie ganz doll relevant. Ich schließe mich da jedoch einfach mal jemandem auf meiner privaten Facebook-Pinnwand an, der nach dem Lesen eines Vorabdrucks in der „Zeit“ schon knapp, aber treffend formulierte: „Irrelevanter Scheiß“.

Da ich das Buch abgebrochen habe, gibt es:

keine Note

Robathan, Magali: Die Frau von Shearwater Island

Originaltitel: The Reluctant Islander
Verlag:
List
erschienen:
2014
Seiten:
384
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3471350985
Übersetzung:
Maja Ueberle-Pfaff

Klappentext:

Alice lebt auf Shearwater Island, einer kleinen Insel vor der Küste Englands. Sie liebt die raue, wilde Schönheit der Landschaft, und sie schätzt die Abgeschiedenheit, in der sie sich in Sicherheit glaubt. Seit sie Zeugin eines brutalen Verbrechens war, vertraut sie niemandem mehr. Doch der Inselrat entscheidet, dass ein gefeierter Schriftsteller bei ihr einzieht: Patrick, der seinen nächsten Roman auf der Insel schreiben möchte. Der attraktive Londoner bringt Alice dazu, ihm die Geschichten der Insel zu erzählen. Von Rivalität und Neid, von Liebe und Eifersucht, von der Untreue ihrer Mutter – und von sich selbst. Alice verliebt sich rückhaltlos in ihn. Doch das enge Zusammensein auf kleinem Raum und Alices Unsicherheit ihren eigenen Gefühlen gegenüber bringen ihre Welt zum Einstürzen.

Rezension:

Eigentlich war alles angerichtet für einen richtig schönen Schmöker. Eine einsame raue Insel, ein kleines Grüppchen Inselbewohner, alte Geheimnisse und Intrigen und ein Außenstehender, der in diese Welt hineinbricht und das Herz der Protagonistin stiehlt. Blöd nur, wenn das Ganz so vorhersehbar ist, wie der Schlaf nach einem Beruhigungstee.

Patrick war mir von der ersten Sekunde an unsympathisch und im Verlaufe des Buches ist er so offensichtlich eine falsche Schlange, das ich mich ernsthaft frage, wie Alice so doof sein kann und ihm immer wieder vertraut. Er ist absolut selbstgerecht. Immer dreht sich alles nur um seine Befindlichkeiten, um seine gescheiterte Ehe und um seine Verfehlungen. Dabei möchte er von Alice nur hören, wie toll er doch eigentlich ist und die, ganz die treudoofe kleine graue Maus, erfüllt ihm natürlich diesen Wunsch. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich  mich im letzten Drittel über diese Figurenkonstellation aufgeregt habe. Hätte Patricks fehlerhafter Charakter nicht etwas subtiler präsentiert werden können? In einem Krimi läuft der Mörder ja auch nicht rum und schüttelt einem mit einem fröhlichen  „Guten Tach, ich bin der Gärtner und habe ihre Großmutter gerade unter den Rosen beerdigt. Soll ich Scotland Yard anrufen oder machen sie das?“ die Hände.

Immer wenn die Autorin die Insel und das schwere Leben dort beschreibt, ist der Roman richtig gut und auch die Schreibe weiß dann zu überzeugen, aber was Figuren und ihr Miteinander angeht, so gerät Magali Robathan immer wieder ins Straucheln. Alice ist ihr dabei noch am Besten gelungen. Sie ist eine eher schüchterne Frau Mitte dreißig, die jedoch einiges an Mut und Tapferkeit in sich trägt und dies am Schluss auch auslebt, dennoch ist sie mir an vielen Stellen viel zu devot. Natürlich lässt sich das teilweise mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit erklären, die nach und nach entblättert werden. Aber im Laufe der Zeit erkennt Alice (ca. 200 Seiten später als der Leser, aber immerhin… ), welches Spiel Patrick mit ihr und allen anderen Bewohnern der Insel treibt und noch immer versucht sie ihn zu entschuldigen. Hier hat mir absout das Verständnis gefehlt.

Alle anderen Figuren sind leider seltsam blass, was vor allen Dingen daran liegt, dass Robathan sie nicht vernünftig beschreibt. Bis zur Offenbarung wer Quinn (Alice bester Freund) wirklich ist, war mir z.B. nicht klar, wie alt er überhaupt ist. Bis dahin hatte ich ihn sogar als potentiellen Partner für Alice angesehen. Auch viele anderen Bewohner bleiben für mich gesichtslos (Brigid, Barbara, etc.).

Probleme und Intrigen sind leider auch viel zu dick aufgetragen. Selbstmord, Vergewaltigung, Ehebruch, Familienstreiteren und das bei gefühlten 30 Leuten, die überhaupt noch auf Shearwater leben. Als Alice sich z.B. Patrick offenbart und von den wahren Gründen für den Tod ihrer Tante und ihres Onkels erzählt, so bleibt dem Leser nur ein Achszelzucken. In dem ganzen Wust von schrecklichen Dramen, fällt ein weiteres einfach nicht mehr ins Gewicht. Mir ist ehrlich gesagt nur noch noch ein „ach jetzt nicht auch noch Missbrauch“ durch den Kopf gegangen.

Ganz schlimm wird es dann jedoch am Ende. Schwuppdiwupp eine Figur aus der Vergangenheit hervorgezaubert, Alice ist glücklich und auch der Rest hat sich plötzlich ganz doll lieb. Ja, is denn heut schon Weihnachten? Was mit Patrick passiert und ob er sein vermaledeites Buch veröffentlicht, bleibt ein großes Geheimnis.

Mich hat das Cover in der Vorschau sofort angesprochen und wenn es um Autoren in Romanen geht, bin ich immer sehr empfänglich, aber das ganze hat leider nur Groschenromanniveau und dafür sind 18 Euro für ein Hardcover definitiv zu viel.

Note: 4