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Waiting on Wednesday – Susan Jane Gilman: Die Königin der Orchard Street

Vorschauen sind doch wirklich der Tod eines jeden Büchernarrs. Früher, als es noch kein Internet gab (also in der Steinzeit) , ist man einfach losgezogen und hat ein Buch gekauft oder höchstens mal in einem Katalog geblättert. Heute habe ich eine ellenlange Liste von Büchern, die in sechs Monaten erscheinen! :roll: Auf der anderen Seite ist es widerum egal, wann oder wie man ein vielversprechendes Buch entdeckt. Ob in der Vorschau, im Buchladen oder lange, bevor es erscheint. So ging es mir vorhin bei der neuen Suhrkamp und Insel Vorschau, wo es plötzlich beim Umblättern „Badda Boom“ gemacht hat und deswegen ist dieser Titel auch das heutige „Waiting on Wednesday“:

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Stephens, John: Das Buch Emerald

Von Anfang an hat mich das Buch gepackt. Die Kinder werden mitten in der Nacht von ihren Eltern getrennt und „in Sicherheit“ gebracht, um sie vor einem geheimnisvollen Bösewicht zu schützen. Doch wie sieht diese Sicherheit aus? Die drei Geschwister werden von einem Waisenhaus an das nächste weitergereicht. Nur der Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihren Eltern und ihrem starken Zusammenhalt untereinander ist es zu verdanken, dass sie das alles durchstehen. In diesem Erzählabschnitt lernt man die Drei und ihre unterschiedlichen Charaktere näher kennen, was dazu beiträgt, dass man ihre künftige Handlungsweise besser versteht.

Dann entdecken die Kinder die Welt der Magie und werden in einen Kampf um mächtige magische Bücher verstrickt. Es beginnt ein spannendes und wendungsreiches Abenteuer, in welchem jedes der Kinder seine eigene Rolle zugeteilt bekommt. Ab und zu kommt beim Lesen der Gedanke an Harry Potter, Narnia, oder auch Herr der Ringe auf, doch das sind nur kurze Momente, denn die Geschichte selbst ist etwas ganz Eigenständiges.

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Wolf, Daniel: Das Licht der Welt

„Das Licht der Welt“ ist die Fortsetzung zu „Das Salz der Erde“. Dieser zweite Band braucht sich aber nicht zu verstecken, denn er ist mindestens genauso spannend und interessant wie sein Vorgänger. Allerdings könnte man ihn auch für sich allein lesen, nur würde dem Leser dabei die schöne Vorgeschichte der Familie Fleury entgehen. Vor allem Michel Fleury ist ein Protagonist, der schnell ans Herz wächst. Ich habe beide Bände hintereinander weg gelesen und war regelrecht verliebt in Michel. Kleine Rückblenden sorgen aber schon dafür, dass man die Geschichte auch so versteht, aber die Gefühle der Protagonisten werden besser nachvollziehbar, wenn der Leser die Vorgeschichte kennt. Natürlich gibt es auch hier ein paar neue Charaktere beziehungsweise sie entwickeln sich weiter, wie zum Beispiel Rémy, er ist der Sohn von Michel und seiner Frau Isabelle, er steht Michel in nichts nach, auch wenn er so ganz anders ist. Aber diese Vielfalt der Protagonisten macht gerade den Lesespaß hier aus. Überhaupt ist der Erzählstil von Daniel Wolf facettenreich und dabei bildhaft. Er beschreibt die Stadt, den Markt und alles andere so lebhaft, dass schnell Kopfkino entsteht. Die Charaktere zeichnen sich dadurch aus, dass sie eben nicht nur in eine Richtung denken und handeln.

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Weiß, Sabine: Das Geheimnis von Stralsund

Zunächst scheint es so, als wäre alles nur heile Welt, bis eben der Krieg auf Mönchgut, einem kleinen Teil von Rügen, Einzug hält. Sina wird als junges Mädchen beschrieben, welches einige Freiheiten genießen kann. Gleichzeitig kümmert sie sich aber auch liebevoll um ihre jüngere Schwester. Vater und Mutter sind sich ebenfalls in Liebe zu getan und alles scheint gut zu sein, bis dann eben die Soldaten auf Rügen einquartiert werden und das Chaos beginnt. Von nun an muss Sina sich allein behaupten und sich und ihre Schwester in Sicherheit bringen. Ihre Flucht nach Stralsund wird dramatisch beschrieben. In der Stadt findet sie schnell Hilfe und mit dem Schiffer Leif steht ihr ein tüchtiger, junger Mann zur Seite. Die Protagonisten haben so einiges durchzustehen. Sie haben Ecken und Kanten und wachsen mit ihren Aufgaben. Aus dem jungen, unbedarften Mädchen Sina wird so eine Verantwortungsbewusste junge Frau. Und auch der Schiffer Leif reift zum Mann, der sich für die Stadt einsetzt und Mut beweist. Sowie Zahlreiche andere Charaktere die Sina durch ihr Leben begleiten und die Geschichte stimmig machen.

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Cuneo, Anne: Zaïda

Bereits nach wenigen Seiten hatte mich Cuneos wunderbarer Schreibstil gefangen genommen, obwohl ich eigentlich vom Prolog ein bisschen überfordert wurde. Namen über Namen und Verwandtschaftsverhältnisse bis zur gefühlten Steinzeit, machen den Einstieg nicht gerade leicht, aber ich beschloss einfach weiter zu lesen. Glücklicherweise entwirrt sich dann alles ganz schnell, denn der Roman macht einen Sprung in die Vergangenheit und beginnt mit Zaïdas behüteter Jugend.

Von der ersten Sekunde an, habe ich mich in die warmherzige und ungezwungene Protagonistin verliebt. Obwohl reich und adelig, ist sie frei von jeglicher Arroganz, dafür aber gesegnet mit einem ausgeprägten Willen nach Freiheit, Selbstbestimmung und Mitgefühl. Cuneo hält sich auch nicht lange mit Geplänkel auf, sondern lässt Zaïda höchst ungebührlich in eine heftige Verliebtheit stürzen, die nach wenigen Tagen in eine Ehe mündet. Tatsächlich lieben sich Zaïda und ihr Ehemann Basil auf so verzehrende Weise, dass ich bei jedem Liebesroman genervt aufgestöhnt hätte. Kitschig und unrealistisch würde ich es im Normalfall finden, aber hier zeigt sich wohl der Unterschied zwischen reiner Unterhaltung und anspruchsvoller Literatur.

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